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Kalugin (l.) bei seiner Festnahme zum Internationalen Coming-out-Tag 2013

Kirill Kalugin machte sich mit mutigen Aktionen in St. Petersburg einen Namen. Zuletzt wurde er vom Inlandsgeheimdienst verhört und von seiner Uni exmatrikuliert.

Von Norbert Blech

Der russische LGBT-Aktivist Kirill Kalugin hat am Dienstag in Dortmund einen Antrag auf Asyl gestellt. Der 22-Jährige war mehrfach bei Aktionen in seiner Heimatstadt St. Petersburg festgenommen worden; er gilt als einer der bekanntesten Aktivisten Russlands sowohl im In- als auch im Ausland.

Es war zunächst ein mutiger Einzelprotest, der ihm in August 2013 in die Öffentlichkeit brachte: Am Tag der Luftlandetruppen protestierte er mit einer Regenbogenflagge an einem zentralen Platz, wo sich die Soldaten trafen. Sie umzingelten und demütigten ihn, bis die Polizei eingriff (queer.de berichtete).

Das hielt Kalugin nicht davon ab, den Protest in diesem Jahr zu wiederholen (queer.de berichtete). Er wurde festegnommen, wie bei vielen andern Aktionen: Im letzten Herbst ging auch ein Bild um die Welt, wie er sich während der Verhaftung bei einer Aktion zum Internationalen Coming-out-Tag mit einem Freund küsst (queer.de berichtete). Auch beim Hochhalten einer Regenbogenflagge beim Vorbeizug des Olympischen Fackellaufes in St. Petersburg war er festgenommen worden.

Youtube | Kalugin bei seinem Protest vor der Eremitage in St. Petersburg 2013

Vom Geheimdienst verhört


Protest gegen die Annexion der Krim

Kalugin war nicht nur für LGBT-Rechte aktiv, im Frühjahr nahm er etwa an einem Protest gegen die Annexion der Krim teil. Das hatte wohl auch die Behörden aufhorchen lassen: Im August wurde er von der politischen Polizei Russlands in ein Auto gezerrt und zu einem Verhör gebracht. Eine Mitaktivistin sprach später von einer "Entführung" (queer.de berichtete).

"Der Grund für meine Flucht ist ein viel zu reges Interesse seitens des Innenministeriums für meine Person", sagte Kalugin am Dienstag gegenüber queer.de. "Der Entführungsversuch von Männern in Zivil aus diesem Ministerium war einfach zuviel. Einzelheiten habe ich noch niemanden mitgeteilt."

Kalugin sagt, er habe die Flucht schon länger geplant. Ein weiterer Grund: "Nach einer Demo wurde ich zu den Prüfungen an der Staatlichen Polytechnischen Universität Sankt Petersburg, wo ich Biophysik studierte, nicht zugelassen und schließlich exmatrikuliert."

Der Aktivist erfährt am Nachmittag, in welches Flüchtlingslager er zunächst kommt. "Auf Wiedersehen, Russland. Willkommen in Deutschland", schrieb er am Dienstag in seinem Profil auf Facebook.

Exodus aus Russland

Erst gestern hatten ein TV-Journalist aus St. Petersburg, der wohlwollend über die LGBT-Bewegung des Landes berichtet hatte, und sein Lebensgefährte einen Asylantrag in Deutschland gestellt (queer.de berichtete), bereis zuvor waren einige LGBT-Aktivisten aus Russland nach Deutschland geflohen, darunter Pawel Lebedew, Dimitri Tschunosow und Iwan Jarzjew. Andere hatten unter anderem in Spanien, Finnland und den USA Asylanträge eingereicht.

Ein Asylverfahren dauert in Deutschland mehrere Monate, die Behörden treffen letztlich Einzelfallentscheidungen. Mehr zu LGBT-Flüchtlingen in Deutschland, ihren Beweggründen und den Problemen, die auf sie warten, findet sich in diesem Bericht über eine Tagung in Düsseldorf. Regina Elsner berichtete damals von rund 20 Flüchtlingen seit 2013, um die sich ihr Verein Quarteera kümmere. Drei sind inzwischen anerkannt, bei zweien gilt ein Abschiebeverbot.



#1 goddamn liberalAnonym
  • 25.11.2014, 11:40h
  • Wenn er da nicht mal vom Regen in die Traufe kommt.

    Deutschland ist ja doch schlechter als sein Ruf.

    Ich wünsch ihm von Herzen alles Gute!
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#2 RobinAnonym
  • 25.11.2014, 11:46h
  • "von seiner Uni exmatrikuliert."

    Wenn sogar schon die Unis vom Faschismus erfasst sind, ist es dort schon weitgekommen.
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#3 Sabelmann
  • 25.11.2014, 12:21h
  • Na dann liebe Deutsche...behandelt sie besser als ihre Heimat.
    Es kann für die "Flüchtlinge" nur besser werden oder? Auch wenn ich hier schon Haarsträubendes gelesen habe.
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#4 6gggkAnonym
  • 25.11.2014, 13:05h
  • "Auf Verstöße stehen Strafen von 100.000 bis 200.000 Rubel (ca. 1800 bis 3600 Euro). Geldstrafen für Wählerbestechung werden auf 20.000 bis 25.000 Rubel (360 bis 450 Euro) verzehnfacht. Illegale Finanzierung des Wahlkampfes ahndet das neue Gesetz mit Geldstrafen von bis zu 30.000 Rubel (540 Euro) für Privatpersonen und von maximal 300.000 Rubel (5400 Euro) für juristische Personen. "

    de.ria.ru/politics/20141125/270075764.html

    "Die Löhne der Russen ab 27 000 Rubel (umgerechnet etwa 615 Euro) wachsen schneller als die der ärmeren Bürger zwischen 5000 und 14 000 Rubel (etwa 115 bzw. 320 Euro), schreibt die Zeitung Kommersant unter Berufung auf einen Bericht der Statistikbehörde Rosstat."

    de.ria.ru/zeitungen/20131031/267190293.html

    "Für den Kreml sei es wichtig, für die russische Gesellschaft einen äußeren Feind zu kreieren. Falls es notwendig sein werde, die Aufmerksamkeit der Bürger von Wirtschaftsproblemen abzulenken, können alle Probleme auf die Sanktionen und die Russland-Politik der USA geschoben werden, so der Experte."

    de.ria.ru/zeitungen/20141124/270066624.html
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#5 GeorgGAnonym
  • 25.11.2014, 14:21h
  • Und wer macht die Emanzipationsarbeit in Russland, wenn so viele russische Aktivisten nach Deutschland kommen?
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#6 Simon HAnonym
  • 25.11.2014, 14:34h

  • Es ist eine Schande, dass die sexuelle Identität und die sexuelle Orientierung immer noch viel zu oft nicht als Asylgrund anerkannt werden.
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#7 diamatAnonym
#8 timpa354Ehemaliges Profil
#9 TheDad
#10 stromboliProfil
  • 25.11.2014, 17:10hberlin
  • Antwort auf #5 von GeorgG
  • georg georg, du sitzt hier in der warmen stube, deine emanzipationsarbeit wurde zuvor von anderen hier für dich erledigt.
    Wenn erst mal auch hier der gegenwind dir ins feixende gesicht weht, hört man dann ganz andere töne. Z.b. nur nicht auffallen wollen...

    Bisher siehst du dich ja nur von missliebigen moslems und sonstig südländischen umstellt. Wobei, an der art deiner tiraden erkenntlich, bist du wohl nie selbst in eine situation des sich wehren müssens geraten...
    Oder hast du jemals mit muslimen über deine homosexualität gesprochen?

    Na ja, hast ja an andere stelle schon uns 68zigern deinen dank ausgesprochen, für diese geschenkte zeit des sich entspannen können

    Ja, nach den erschöpfenden kämpfen an forderster front um steuererleichterung und gleichstellungsquoten, der kampfeslust nun keine grenzen mehr gesetzt sind.
    Soviel eifer bei unerfahrenheit könnte abgeholfen werden: geh rüber nach russland, und tu was für deren emanzipation!
    Nicht immer drauf warten das andere dir die kohlen aus dem feuer holen.
    Bedenke; jede generation hat ihre feinde!

    Das schärft letztendlich auch deinen blick auf das dich umgebende!

    Ach und weil wir soeben noch über aufkommendes sprachen..

    jeder schwule ostblockemigrant ist deshalb ein willkommenr emigrant, gerade weil auch aus diesen ländern andere wirtschaftsflüchtlinge zu uns kommen, die nicht dem ideal unserer vorstellungen vom aufgeklärten humanisten entsprechen..
    siehe die sogenannten russlanddeutschen...
    homophob- klerikal- reaktionär -nationalistisch bis ins mark hinein.
    Wobei ausnahmen die regel durchbrechen... so ein bekannter, den ich als einen wohlfühlmenschen betrachte, ein offenherziger weltbürger, mann und hetero (leider!) .
    Und bei all den bewundernswerten anteilen, der mann gleichzeitig die sezzion/besetzung der ukraine gut heißt...

    So besehen sammelt sich vor unserer eigenen tür - in berlin ein potential mit reraktionärer grundhaltung..; unbemerkt wohl, weil die nicht moscheen bauen, sondern vormals christlich genutzte, nun lehrstehende bauten umwidmen für ihre orthodoxen sekten.
    Da kommt der nächste schub an "besorgten bürgern" und kirchlich sich organisierenden ...

    Wer die radikalisierung der israelischen bevölkerung seit dem zustrom ex-sowietischer juden nach israel analysiert und ihre bedeutung für die "infidata" erkennt, weiß, was an störpotential auch hier in den kerngemeinden orthodoxer sekten sich ansammelt und vor sich hin gärt.
    Da fehlt nur noch die offene aufforderung zur teilhabe.. und die maschieren mit afd und v.storch's "familienwerte"

    Die russlandaktivisten kennen wenigstens noch den begriff der radikalen gegenwehr. Was sie so grundsätzlich von unseren lsu-lisl-schwusos-grün-afd-hirschfeld/lsvdlern unterscheidet...;
    die haben nicht nur eine idee von freiheit im kopf, sie halten dafür auch noch ihren kopf hin!
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