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Nach zwölf Jahren Lebenspartnerschaft stellt Finnland gleichgeschlechtliche Paare endlich gleich. (Bild: Iago Laz / flickr / by 2.0)

Als letztes nordisches Land stellt Finnland Schwule und Lesben im Eherecht gleich.

Das finnische Parlament hat am Freitagnachmittag mit knapper Mehrheit der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben zugestimmt. Für eine generelle Vorlage stimmten 105 Abgeordnete, dagegen waren 92. Im Vorfeld war ein noch knapperes Ergebnis erwartet worden. Finnland ist nach Schweden (2009), Norwegen (2009), Island (2010) und Dänemark (2012) das letzte der unabhängigen nordischen Länder, das Homosexuelle im Eherecht gleichstellt.

Bei der freien Abstimmung votierten Sozialdemokraten, Sozialisten, Grüne und die Partei der schwedischen Minderheit für die Ehe-Öffnung, dagegen waren die liberale Zentrumspartei, Christdemokraten und die rechtspopulistische Partei "Die Finnen". Die konservative Sammlungspartei von Ministerpräsident Alexander Stubb war gespalten bei dem Thema. Stubb selbst setzte sich aber im Vorfeld für die Öffnung der Ehe ein. "Das ist eine Frage der Menschenrechte, der Geschlechtergleichstellung und der Gleichbehandlung", so Stubb. Die Öffnung der Ehe war in den letzten Jahren mehrfach in Ausschüssen abgelehnt worden.

Insbesondere "Die Finnen" hatten sich in einer Kampagne gegen die Ehe-Öffnung ausgesprochen und warfen Homosexuellen vor, egoistisch zu sein und mit dem Gesetz die traditionelle Ehe entwerten zu wollen. Sie kritisierten auch die lutherische Volkskirche Finnlands, weil sie sich nicht gegen die Öffnung der Ehe gewehrt habe.

Das Oberhaupt der Volkskirche, Bischof Kari Mäkinen, erklärte wenige Minuten nach der Abstimmung via Facebook, dass er sich über die Ehe-Öffnung freue: "Ich weiß, wie viel dieser Tag der Regenbogengemeinschaft und vielen anderen bedeutet. Ich freue mich von ganzem Herzen mit ihnen", so Mäkinen. Erst im Juli hatte sich das Kirchenoberhaupt für Diskriminierung von Schwulen und Lesben entschuldigt (queer.de berichtete). Wegen der homofreundlichen Ansichten hat die russische-orthodoxe Kirche im September den Dialog mit der finnischen Kirche abgebrochen (queer.de berichtete).

Demonstrationen vor dem Parlament


Für die Beibehaltung des Eheverbots fanden sich im Parlament nicht genügend Stimmen

Vor dem Parlamentsgebäude versammelten sich tausende Befürworter der Gleichbehandlung, weit mehr als Gegner. Sie schwangen nach der Bekanntgabe des Ergebnisses Regenbogenfahnen und skandierten "Ich will".

Im Vorfeld der Abstimmung waren die Sicherheitsvorkehrungen um das Parlament verschärft worden. Allerdings gab es nach Angaben des Fernsehsenders YLE keinerlei Zwischenfälle. Eine Korrespondentin bezeichnete die Atmosphäre als "ähnlich wie im Karneval".

Seit 2002 gibt es in Finnland eingetragene Partnerschaften, die im Vergleich zur heterosexuellen Ehe eingeschränkte Rechte beinhalten. Mit dem neuen Gesetz erhalten Homo-Paare insbesondere das Adoptionsrecht. Gegner der Ehe-Öffnung äußerten die Befürchtung, dass Russland wegen dieses Gesetzes keine Adoptionen von russischen Kindern nach Finnland mehr zulassen würde. Bereits zuvor hatte Russland Adoptionen ins Nachbarland Schweden verboten, weil dort Homosexuelle im Eherecht gleichgestellt sind.

Nun muss das Parlament alle die Ehe betreffenden Gesetze ändern, so dass auch gleichgeschlechtliche Paare eingeschlossen sind. Hier wird zunächst in Ausschüssen verhandelt werden. Zwar könnte das Gesetz dort noch gestoppt werden, das gilt aber wegen der überwältigenden Zustimmung in der Bevölkerung als äußerst unwahrscheinlich. Wegen des verwaltungstechnischen Aufwands wird erwartet, dass das Gesetz erst im März 2017 in Kraft treten kann.

Neun EU-Länder haben gleichgestellt

Innerhalb der Europäischen Union ist Finnland nach den Niederlanden, Belgien, Spanien, Schweden, Portugal, Dänemark, Frankreich und Luxemburg das neunte Land, das die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet hat. Weitere zehn Länder bieten eingetragene Partnerschaften mit teilweise begrenzten Rechten, während acht Staaten Homo-Paare noch überhaupt nicht anerkennen. Ein Sonderfall ist Großbritannien: Hier wurde die Ehe in den Landesteilen England, Wales und Schottland geöffnet, in Nordirland gibt es aber nach wie vor nur Lebenspartnerschaften für Schwule und Lesben.

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) beglückwünschte die Finnen zu ihrem Schritt, bedauerte aber gleichzeitig, dass die Bundesrepublik bei Homo-Rechten hinterherhinkt: "Deutschland fällt derzeit bei der Gleichberechtigung gegenüber anderen westlichen Ländern noch weiter zurück. Gerade angesichts der neuen homophoben Mobilisierung ist es bestürzend, dass in der Bundespolitik Stagnation bei der Gleichstellung stattfindet", erklärte LSVD-Sprecher Axel Hochrein am Nachmittag.

Die Lebenspartnerschaft habe laut Hochrein zwar die Lage verbessert, sei aber nur ein Übergangskonstrukt: "Die Zeit ist längst reif für die Öffnung der Ehe. Denn nur so wird zum Ausdruck gebracht: Für lesbische Bürgerinnen und schwule Bürger darf real wie symbolisch kein minderes Recht gelten", sagte Hochrein. Der Deutsche Bundestag hatte zuletzt im Mai dieses Jahres mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD die Gleichbehandlung von Homosexuellen im Ehe-Recht abgelehnt (queer.de berichtete). (dk)



#1 goddamn liberalAnonym
  • 28.11.2014, 13:30h
  • Und das Land des rosa Winkels, der Kelles, Kubys und der FAZ hinkt mal wieder dem Zivilisationsprozess hinterher.

    Wie fast immer in seiner Geschichte.
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#2 Oliver43Anonym
  • 28.11.2014, 13:33h
  • Herzlichen Glückwunsch nach Finnland !

    Als 12. Staat in Europa hat nunmehr Finnland die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare umgesetzt; weltweit ist Finnland der 18. Staat, in dem die Eheöffnung erfolgt ist.
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#3 David77Anonym
  • 28.11.2014, 13:46h
  • 10 von den 15 Ländern der alten EU vor der Osterweiterung, also 2/3 der alten EU haben die Ehe geöffnet... wird langsam peinlich für Deutschland...
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#4 GlücksfallAnonym
  • 28.11.2014, 13:53h
  • "die Atmosphäre als "ähnlich wie im Karneval".
    Wäre Finnland 1940 zur kommunistischen Republik geworden, dann hätte heute das finnische Parlament eher das Homopropagandagesetz als Öffnung der Ehe debattieren. Oder im besten Fall nach einem heftigen Streit nur sehr moderate Partnerschaften abwinken, wie zuletzt in Estland der Fall war.
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#5 froher DeutscherAnonym
  • 28.11.2014, 13:55h
  • Ich kann schon wieder die Nörgler hier im Forum hören, die jetzt über das "rückständige" Deutschland herziehen. In wie vielen Ländern auf der Welt werden wir Schwulen verfolgt? In wie vielen gibt es keine rechtliche Anerkennung, keine steuerlichen Vergünstigungen und keine Möglichkeit eine Familie zu gründen? Ich bin froh, hier zu leben und freue mich für die finnischen Homos!
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#6 thorium222Profil
  • 28.11.2014, 13:59hMr
  • In Spanen dürfen homosexuelle Ehepaare nicht adoptieren und in Frankreich haben lesbische Ehepaare keinen Zugang zur künstlichen Befruchtung.

    Welche Länder, die die Ehe geöffnet haben, diskriminieren denn nun wirklich nicht mehr und wie sieht es in Finnland aus?

    Eheöffnung hört sich toll an, muss aber nicht unbedingt gleiche Rechte bedeuten.
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#7 Simon HAnonym
  • 28.11.2014, 14:01h

  • Das sind tolle Nachrichten! Herzlichen Glückwunsch Finnland!

    Das zeigt aber auch wieder mal, wie rückständig Deutschland ist und wie hierzulande der Hass regiert.
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#8 KlagsfüllAnonym
#9 kuesschen11Profil
  • 28.11.2014, 14:03hDarmstadt
  • Glückwünsche nach Finnland

    Ob Mutti Merkel auch gratulieren wird?

    Bestimmt wird sie erst mal Rücksprache mit der Evangelischen Allianz halten müssen
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#10 KnisfoAnonym