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  • 28.11.2014           19      Teilen:   |

Aufklärung in eigener Sache

Fakten zur Antidiskriminierungs-Arbeit von SchLAu NRW

Artikelbild
SchLAu beim Kölner CSD 2014 (Bild: nb)

Die Jugendlichen, die in Schulklassen über sexuelle Vielfalt aufklären, wehren sich mit einem FAQ gegen falsche Behauptungen, wie sie etwa die FAZ aufstellte.

Auch weiterhin werden unzutreffende Vorwürfe und falsche Behauptungen über die Arbeit des queeren Schulaufklärungsprojekts SchLAu verbreitet. Zuletzt hatte die Bewegung gegen Bildungspläne wirre Behauptungen über die größtenteils ehrenamtliche Tätigkeit aufgestellt, nach verzerrenden Berichten unter anderem in der FAZ und "Jungen Freiheit". Der NRW-Landesverband NRW hat jetzt einen FAQ mit Fakten zu seiner Antidiskriminierungsarbeit erstellt, den die Redaktion von queer.de gerne dokumentiert. Alternativ gibt es die Antworten auch als PDF.


Werden die Jugendlichen in euren Workshops zu stark mit Sexualität konfrontiert?

Nein. SchLAu macht keine Sexualaufklärung, sondern Antidiskriminierungsarbeit. Das bedeutet, dass wir mit den Jugendlichen über Lebensentwürfe und Familienmodelle, über Coming-out und Diskriminierung sprechen. Wenn Sexualität zum Thema gemacht wird, dann durch die Jugendlichen selbst. Jede Methode wird an die Zusammensetzung der Klasse und an das Alter der Jugendlichen angepasst. Alle Teilnehmenden besuchen mindestens die 7. Klasse.

Drängt ihr den Jugendlichen bestimmte Themen auf?

Nein. Die Selbstbestimmung der Jugendlichen zu stärken, ist ein wichtiges Ziel unserer Workshops. Dazu gehört auch, dass die Jugendlichen ihre Themen selbst setzen. In offenen Gesprächsrunden diskutieren die Jugendlichen untereinander über gesellschaftliche Vielfalt und lernen unterschiedliche Standpunkte gegenseitig zu respektieren.

Wir haben von Methoden gehört, in denen Jugendliche einen Puff planen oder sich Lieblingsstellungen ausdenken sollen. Wendet ihr solche Methoden an?

Nein. In unseren Methoden geht es um Diskriminierung, Klischees, Regenbogenfamilien oder allgemein um gesellschaftliche Privilegien. Die Jugendlichen planen keinen Puff und denken sich keine Lieblingsstellungen aus. Alle von uns genutzten Methoden respektieren die Intimsphäre und die persönlichen Grenzen der Jugendlichen. Die speziell für unsere Bildungsarbeit entwickelte "SchLAue Kiste" enthält Methoden zur Antidiskriminierungsarbeit, nicht zur Sexualaufklärung. Als vom Land NRW gefördertes Projekt unterliegen wir zudem konkreten Förderbedingungen, deren Einhaltung regelmäßig geprüft wird.

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Unterrichtsmaterialien des Projekts - Quelle: SchLAu
Unterrichtsmaterialien des Projekts (Bild: SchLAu)

Finden die Jugendlichen SchLAu-Workshops überhaupt interessant?

Durch Fernsehen, Internet und Darstellungen in Zeitungen haben die meisten Jugendlichen bereits viele Bilder und Stereotype über Heterosexuelle, Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans* im Kopf – und viele Fragen. Eine zentrale Methode in unseren Workshops ist daher das biografische Erzählen. Die Jugendlichen haben dort die Möglichkeit unseren Teamer_innen ihre Fragen zu stellen. Die Teamer_innen geben dann Antworten aus ihrer persönlichen Biografie heraus. SchLAu-Workshops sind damit oft die erste Möglichkeit für Jugendliche sich angstfrei informieren zu können.

Welche Fragen stellen die Jugendlichen typischerweise an euch?

Typische Fragen sind "Wie war dein Coming-out?", "Wie haben deine Freunde reagiert?", "Wurdet ihr schon mal blöd angemacht?" oder "Geht ihr händchenhaltend durch die Fußgängerzone?" Manchmal stellen Jugendliche vor allem höherer Klassenstufen auch Fragen zu lesbischer und schwuler Sexualität, z.B. "Wie haben Lesben Sex?". Solche intimen Fragen werden von uns nicht biografisch beantwortet, sondern auf einer allgemeinen, sachlichen Ebene und in altersangemessener Sprache. Dabei geht es Fakten zur Antidiskriminierungsarbeit von SchLAu NRW vor allem um den Hinweis, dass Sexualität unabhängig von der Orientierung sehr unterschiedlich sein kann und selbstbestimmt entdeckt werden sollte. Wenn wir feststellen, dass in der Klasse Bedarf nach Sexualaufklärung besteht, melden wir dies der Lehrkraft zurück, damit sexualpädagogische Fachkräfte dies aufgreifen können.

Müssen die Jugendlichen Lesben, Schwule, Bi und Trans* nach den Workshops gut finden?

Nein. Selbstverständlich haben alle Teilnehmenden das Recht auf ein eigenes Urteil. Wir sensibilisieren dafür, dass es in allen Gesellschaften und zu jeder Zeit lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Menschen gibt und gegeben hat. Wir berichten über Diskriminierungen und stellen klar, dass lesbischen, schwulen, bi und trans* Menschen die gleichen Menschenrechte zustehen, wie heterosexuellen Menschen auch. Die Teilnehmenden müssen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans* zwar nicht gut finden, wir machen aber schon deutlich, wie wichtig gegenseitige Akzeptanz für das Zusammenleben in einer Gesellschaft ist.

Sollen Jugendliche durch die Workshops "umerzogen" werden?

Nein. In unseren Workshops werden heterosexuelle, lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Identitäten vollkommen gleichwertig dargestellt. Im Übrigen ist es unmöglich, heterosexuelle Menschen lesbisch oder schwul zu machen, genauso wie es umgekehrt unmöglich ist, aus Lesben und Schwulen heterosexuelle Menschen zu machen.

Ein Motiv von SchLAu vom Kölner CSD
Ein Motiv von SchLAu vom Kölner CSD

Wird Heterosexualität in den Workshops als minderwertig dargestellt oder abgewertet?

Nein. Heterosexualität betrachten wir ebenso wie Homo- und Bisexualität als in der Realität existierende sexuelle Orientierungen von Menschen. Bewertungen wie besser oder schlechter nehmen wir zu keinem Zeitpunkt vor.

Sollen die Geschlechter Mann und Frau in den Workshops aufgelöst werden?

Nein. Wir sensibilisieren dafür, dass sich einige Menschen nicht in die Kategorien Frau und Mann einordnen können oder wollen. Außerdem zeigen wir auf, dass einige Menschen ihr äußeres Geschlecht dem empfundenen Geschlecht anpassen wollen. Und schließlich sensibilisieren wir auch für in der Gesellschaft verankerte Rollenbilder von Frau und Mann und den damit einhergehenden Diskriminierungen und Benachteiligen für Frauen. Für alle Themen gilt der Grundsatz, die Selbstbestimmung der Jugendlichen zu fördern. Für das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter könnte das heißen: Die freie Entscheidung einer Frau, sich auf die Karriere zu konzentrieren ist ebenso richtig und gut wie die freie Entscheidung, sich vor allem um Familie und Kinder zu kümmern.

Können die Jugendlichen eure Workshops verlassen?

Ja. Dies ist selbstverständlich zu jedem Zeitpunkt des Workshops möglich. Die Lehrkraft hat für diesen Fall alternative Aufgaben und Themen parat.

Wie sichert ihr die Qualität eurer Antidiskriminierungsarbeit?

Alle SchLAu-Projekte arbeiten deutschlandweit nach einheitlichen Qualitätsstandards. Dazu gehört auch, dass unsere Teamer_innen ein NRW-weites Qualifizierungsseminar besuchen müssen. Darüber hinaus können sie regelmäßig an Fachfortbildungen teilnehmen. Zu Beginn ihrer Tätigkeit wird ein Fakten zur Antidiskriminierungsarbeit von SchLAu NRW erweitertes polizeiliches Führungszeugnis verlangt, womit wir den Vorgaben des Bundesjustizministeriums zur Prävention von sexualisierter Gewalt in der Jugendarbeit nachkommen.

Die durch das Land NRW geförderte Landeskoordination von SchLAu NRW steht als Fach- und Beratungsstelle sowohl Eltern und Lehrkräften, als auch den SchLAu-Teamer_innen zur Verfügung. Für den Fall, dass sich Jugendliche nach dem Workshop an unsere Teamer_innen wenden und Beratung suchen, kooperieren wir mit lokalen Organisationen, die professionelle Beratungs- und Hilfsangebote für Jugendliche bereithalten.

Wird euer Angebot überhaupt von Schulen nachgefragt?

Ja. Lehrkräfte und pädagogisches Schulpersonal laden uns ein, damit wir die Unterrichtsinhalte zu lesbischen, schwulen, bi und trans*-Lebensweisen als außerschulische Expert_innen ergänzen. Schüler_innen oder Schülervertretungen kommen ebenfalls auf uns zu, weil sie selbst etwas gegen Homo- und Transphobie an ihrer Schule unternehmen wollen. In beiden Fällen wird der SchLAu-Workshop mit den Lehrkräften vor- und nachbereitet, damit die Einbettung in das jeweilige Unterrichtsfach gelingt. Übrigens haben die SchLAu-Gruppen insgesamt mehr Anfragen von Schulen, als sie bedienen können. Das zeigt, wie wichtig Lehrkräften und Schulen professionelle Antidiskriminierungsarbeit heute ist.

Mit welchem Selbstverständnis werden eure Workshops durchgeführt?

Wir setzen uns für eine aufgeklärte und offene Gesellschaft ein, in der heterosexuelle, lesbische, bisexuelle, schwule und trans* Lebensweisen gleichberechtigt gelebt werden können. Grundanliegen von SchLAu ist deshalb, die sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung zu fördern und Diskriminierung entgegenzuwirken. Wir stehen für ein respektvolles und gewaltfreies Miteinander, in dem unterschiedliche Meinungen gegenseitig akzeptiert werden können. Für uns kommen allen Menschen gleiche unteilbare Rechte zu. Wir gehen davon aus, dass Homo- und Transphobie mit rassistischen und anderen ausgrenzenden Vorurteilen zusammenhängen. Akzeptanzarbeit muss sich deshalb grundsätzlich mit Mechanismen von Ausgrenzung und Diskriminierung beschäftigen und diesen bewusst entgegentreten.

Links zum Thema:
» SchLAu NRW
» SchLAu Niedersachsen
Mehr zum Thema:
» Interview zur Bildung eines Bundesverbands der Schulaufklärungsprojekte: "Auch Lehrer und Eltern haben Vorurteile" (18.08.2014)
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Reaktionen zu "Fakten zur Antidiskriminierungs-Arbeit von SchLAu NRW"


 19 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
28.11.2014
18:43:47


(+7, 9 Votes)

Von goddamn liberal


Danke für die Klarstellung!

Unterricht der "Sodomiter [...], Selbstlecker, Amelotatisten (Amputiertenliebhaber), die Kopro-, Nekro-, Gerontophilen und gemäßigten Päderasten".

So Michael Klonovsky ('Focus') in einer Polemik gegen den BW-Bildungsplan, für ihn ein 'Bürgerkrieg gegen die Familien'.

Kuby meint wiederum, dass Homo-Paare Kinder im Klassenraum 'anturnen' sollen.

Die wilde Fantasie der homophoben Menschenfeinde verrät mehr über sie und ihre verdrängten Obsessionen als über die Objekte ihres Hasses.


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#2
28.11.2014
18:44:00


(+1, 5 Votes)

Von hugo


interessant, dass die häufigste Frage der Schüler ist "Wie haben Lesben Sex?" Das wüsste ich auch gerne mal.
Gibts Schlau auch für Erwachsene ?


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#3
28.11.2014
19:01:53


(+11, 11 Votes)

Von Rosa Soli


Liebe SchLAu-Leute,

meinen Respekt für Eure Arbeit und "Hut ab" für dieses FAQ, das Eure Arbeit sehr transparent darstellt.

In Anbetracht dieser Informationen fragt man sich unweigerlich, ob "Die besorgten Eltern", FAZ und Co. eigentlich noch alle Tassen im Schrank haben? Es ist doch entlarvend, was die aus Eurer Antidiskriminierungsarbeit machen. Ganz offensichtlich, dass es denen nicht um eine sachliche Auseinandersetzung geht!

Unweigerlich fragt man sich auch, was David Berger eigentlich meint, wenn er Eure Arbeit mit "wirren Queer/Gender-Theorien" vergleicht und mit dem Sprachgebrauch einer von Storch, Kelle und Kuby anklingen lässt, dass Ihr es mit dieser Antidiskriminierungsarbeit übertreibt.

Lasst Euch davon nicht einschüchtern! Ich finde, dass Ihr eine großartige Arbeit macht!

Für eine "schweigende Mehrheit" kann und will ich nicht sprechen, aber ich glaube, dass weite Teile unserer Community mit Euch solidarisch sind, anstatt Euch in den Rücken zu fallen.

Weiter so!


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#4
28.11.2014
19:45:45


(+1, 3 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Beeindruckendes Interview.


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#5
28.11.2014
19:47:10


(+8, 8 Votes)

Von Tobi Cologne


SchLAu leistes hervorragende Arbeit.

Wenn irgendwelche vom Hass zerfressenen Fanatiker Lügen verbreiten, muss man dem mit Fakten entgegentreten...


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#6
28.11.2014
20:05:36


(+2, 4 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von hugo


Ja sicher..

Sogar hier im Netz..

Dat nennt sich "porno"..

Kann man kucken näää...


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#7
28.11.2014
20:08:38


(+5, 5 Votes)

Von Loren
Aus Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern)
Mitglied seit 02.11.2013
Antwort zu Kommentar #3 von Rosa Soli


Ich will mich dem nur anschließen und zur "rosa Soli" aufrufen.


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#8
28.11.2014
20:45:56
Via Handy


(+3, 5 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #2 von hugo


Hmm vielleicht in so einer art scherenbewegung? Da gibt es eine south-park-folge, in welcher miss garrison er rausfindet. ;-)


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#9
28.11.2014
20:50:15
Via Handy


(+3, 5 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #8 von David77


Zu schnell und einmal zuwenig getippt... "ES rausfindet"...


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#10
29.11.2014
13:33:31


(+5, 5 Votes)

Von Marc


Die Leute, die gegen SchLau hetzen, sind der beste Beweis dafür, wie wichtig und überfällig die Arbeit von SchLau ist.


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