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  • 29.11.2014               Teilen:   |

Interview

Holly Johnson: "Meine Konzerttour wird wie eine Retrospektive"

Artikelbild
Schwule Ikone der Achtziger und Neunziger: Holly Johnson, der als Sänger der Popgruppe Frankie Goes to Hollywood bekannt wurde, gibt im Dezember im Rahmen seiner "The Dancing with no Fear Tour" auch vier Konzerte in Deutschland

Im Interview spricht der britische Sänger über sein neues Album "Europa", seine HIV-Infektion, Penisse und seine Faszination für Matrosen.

Von Dietrich Dettmann

Ihr neues Album klingt frisch und modern. Wie sind die Lieder entstanden?

Ich habe die Songs auf dem "Europa"-Album in den letzten paar Jahren geschrieben. Alle enthalten ein Fünkchen Wahrheit aus meinem Leben. Wenn ich Musik mache, ist mein Ziel Authentizität. Die Musik muss beseelt sein von Gefühl und Leidenschaft. Ich schreibe sehr selten mit anderen zusammen und mache fast immer Musik und Text selber. Auf diesem Album gibt es aber zwei Co-Autoren – zum einem der legendäre Komponist Vangelis, zum anderen der Gitarrist Vini Reilly von The Durrutti Column.

In den neuen Liedern geht es um Liebe, Verlust und Einsamkeit sowie um die Suche nach ein wenig Hoffnung. Fasst das Album musikalisch Ihr Leben zusammen?

Ja, ich denke schon. Aber es geht schon etwas tiefer, beginnend mit dem Titelsong "Europa". Das hat einen weitreichenderen menschlichen und politischen Aspekt. Wir leben ja 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg – und wir sollten diese Vergangenheit kennen, aber sie darf nicht unsere Zukunft verdunkeln.

Ich denke, mein Hauptthema ist das menschliche Dasein. Viele von uns wollen zu etwas gehören, sie wollen eine Verbindung außerhalb ihrer eigenen Person. Wir denken oft, wir finden das – und dann klappt es doch nicht. Ich sage, die wichtigste Beziehung ist die mit einem selbst. Alle anderen Beziehungen müssen sich ihr unterordnen.

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Jüngste CD "Europa": Der britische Sänger wählte für sein fünftes Album einen deutschen Titel
Jüngste CD "Europa": Der britische Sänger wählte für sein fünftes Album einen deutschen Titel

Wenn jemand noch nicht gehört hat, dass sich Frankie Goes To Hollywood aufgelöst hat, könnte er meinen, Ihr Werk wäre ein Album dieser Band. Stört Sie das?

Ich kann dem nicht ganz zustimmen. Natürlich, was alle FGTH-Alben und meine Soloalben von "Blast" über "Dreams That Money Can't Buy" zu "Soulstream" und jetzt "Europa" verbindet, ist meine Stimme. Die Hörer erkennen sie natürlich wieder. Sie zieht sich durch alle Alben. Aber heute singe ich weniger wild als am Anfang und bin erwachsener geworden – als Mann und Künstler, das hoffe ich zumindest.

Ihre Stimme klingt so frisch wie in Ihren Anfangstagen. Wie bleiben Sie fit? Haben Sie eine Lebensphilosophie?

Ich versuche, mich gesund zu ernähren und trinke nur selten Alkohol. Manchmal gehe ich ins Fitnessstudio, aber ich bevorzuge Spaziergänge. Meine Philosophie ändert sich ständig. Ich kann nur sagen, dass ich immer versuche, im Jetzt zu leben und das zu genießen. Wir leben nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft, also sollten wir uns nicht allzu große Sorgen darum machen. Ich weiß, das ist einfacher gesagt als getan.

Im Song "Europa" geht es um die Idee einer internationalen Gemeinschaft. Wie wichtig ist Ihnen als Engländer diese Idee?

Die Idee wird nicht so wichtig genommen wie sie sollte. Wir müssen miteinander interagieren, wenn die Welt in Frieden leben will. Dieses ganze Hickhack zwischen Ländern und Religionen ist nicht hilfreich. Die Welt kann nur zusammenkommen, wenn alle Kriege gestoppt werden. Die Angst, dass uns das Gas oder Öl ausgeht, entfacht so viele Probleme, dabei müssten wir eigentlich mehr in alternative Energiequellen investieren. Diejenigen, denen es nur ums Geld geht, sind immer noch am Hebel. Vielleicht bin ich ja zu idealistisch. Irgendjemand muss eben träumen können.

HIV ist noch immer ein wichtiges Thema. Wie beschäftigen Sie sich heute damit?

Nun ja, ich habe auf dieser Erde 20 oder vielleicht sogar 30 Jahre als HIV-Positiver überlebt und nehme meine Medizin täglich ein. Ich würde niemandem empfehlen, sich mit HIV anzustecken. Ich würde auch niemandem empfehlen, HIV-Positive zu diskriminieren, wie es leider sowohl in der schwulen Community als auch in der Gesamtgesellschaft vorkommt. Das Stigma breitet sich genauso aus wie eine Krankheit. Wir können einander nur helfen, wenn wir offen über das Thema sprechen. Ich bin froh, dass ich lange genug überlebt habe, um von der Kombinationstherapie zu profitieren. Viele meine Freunde haben das nicht geschafft. Irgendwie lebe ich jetzt für diese Freunde.



Sie sind ja auch ein erfolgreicher Maler. Manchmal malen sie Penisse. Ist das heutzutage immer noch eine Provokation?

Nun ja, es gibt nicht allzu viele Penisse in meiner Kollektion. Matrosen – die wandern mir immer wieder über die Leinwand. Die finde ich romantisch, weil wir ja alle auf einer Reise sind, um diese Welt zu entdecken. Von einem Hafen zum nächsten zu fahren, das ist eine interessante Idee. Mein Vater war in der Handelsmarine genauso wie mein Partner Wolfgang. Das ist einfach ein Teil meines Lebens. Ich komme ja auch aus Liverpool, einer berühmten Hafenstadt.

Sie kommen für ein paar Konzerte nach Deutschland. Was können Sie uns über die neue Vorführung verraten? Werden Sie nur "Europa"-Lieder spielen oder auch die Klassiker?

Alle Lieder, die die Leute mit mir in Verbindung bringen, finden bei den vier Konzerten in Deutschland ihren Platz. Es wird am 8. Dezember in Stuttgart losgehen, am 9. bin ich in München, am 11. in Berlin und am 13. in Köln. Ich bin immer gerne in Deutschland, weil man mich hier immer warmherzig begrüßt.

Also, ich werde FGTH-Songs von "Relax" bis "Watching The Wildlife Singles" aufführen sowie Hits von meinem Soloalben "Blast Love Train" und "Americanos". Auch Lieder aus anderen Alben werde ich spielen. Das wird wie eine Retrospektive über mich als Songwriter. Natürlich werden auch fünf oder sechs Lieder aus "Europa" dabei sein.

Youtube | Kostprobe aus dem Album "Europa": Video zur Single-Auskopplung "Heaven's Eyes"
  Konzertermine
08.12.2014 Stuttgart, LKA Longhorn
09.12.2014 München, Tonhalle
11.12.2014 Berlin, Astra
13.12.2014 Köln, Live Music Hall
Links zum Thema:
» Homepage von Holly Johnson
» Fanpage auf Facebook
» In das Album "Europa" bei Amazon reinhören
Mehr zum Thema:
» CD-Kritik: Frankie Goes To Europa (23.10.2014)
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Tags: holly johnson, europa, frankie goes to hollywood, europop
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