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  • 30.11.2014           8      Teilen:   |

Neue Praunheim-Doku

Die rote Diva: Laura Halding-Hoppenheit

Artikelbild
Dank ihrer knallroten Haare immer schon von weitem zu erkennen: Laura Halding-Hoppenheit beim CSD Stuttgart (Bild: Rosa von Praunheim Filmproduktion)

In seinem neuen Film "Laura, das Juwel von Stuttgart" setzt Rosa von Praunheim der Stuttgarter Szenewirtin, Aktivistin und linken Gemeinderätin ein Denkmal.

Von Robert Niedermeier

Bereits das erste Bild lässt die Kinoleinwand in einem wunderschönen schwulen Rosa strahlen. Doch die Königin, über die in der folgenden Einstiegsszene die Teilnehmer einer überwiegend weiblichen Dokumentarfilm-Seminargruppe verträumt fantasieren, ist keine lustige Drag-Queen, sondern eine biologische Frau mit Falten und Geschichte. Eine Immigrantin aus Rumänien schreitet sodann im Garten des Haues der Dokumentation die bemoosten Stein-Treppen herab. Jubel bricht aus. Eine bekennende Linke ist die Königin der lesbisch-schwulen Szene Stuttgarts.

Das ist kein skurriles Märchen, sondern echt, und Rosa von Praunheim empfiehlt sich mit seinem neuesten Dokumentations-Streich "Laura, das Juwel von Stuttgart" als einfühlsam distanzierter Chronist der real existierenden queeren Welt. Der renommierte, preisgekrönte und für die deutsche Emanzipationsbewegung ungemein wichtige Filmemacher nimmt uns mit in Lauras Welt. In ihrer Gay-Disco "Kings Club" tanzen junge Männer, schäkern und poussieren miteinander, haben Spaß und sind frivol. Rosa hält die Kamera drauf, aber drängt sich nicht auf, sondern durchstreift den schwulen Schutzraum, der die Jahrzehnte der gesellschaftlichen Ausgrenzung überdauerte.

Fortsetzung nach Anzeige


"Schwule Männer, das ist meine Welt"

Zwei verdiente Koryphäen der Community: Laura Halding-Hoppenheit mit Regisseur Rosa von Praunheim
Zwei verdiente Koryphäen der Community: Laura Halding-Hoppenheit mit Regisseur Rosa von Praunheim

Lauras erwachsene Tochter und ihr Sohn erzählen liebevoll und freimütig über ihre Mutter und glückliche Oma ihrer Kinder, die, nach der Scheidung von ihrem reichen Ehemann, nachts im Club ihres bisexuellen Lovers jobben musste. Laura hat es geliebt. Aufgewachsen als glühende Kommunistin in Rumänien, die bei der nächstbesten Gelegenheit in den Westen rüber machte, fand Rosa von Praunheims "Juwel von Stuttgart" ihre zweite Familie in der Stuttgarter Schwulenszene: "Plüsch, der Tuntenbarock, schwule Männer, das ist meine Welt", schwärmt Laura im Film.

Die warmherzige, Goldschmuck behangene, esoterisch angehauchte rothaarige Diva und Wirtin des "Kings Club" erzählt auch von der Aids-Tragödie in den Achtzigern. Vom Streit mit ihrem Liebhaber. Darüber, ob der "Kings Club" in den Zeiten der Not ein Hort der Hilfe sein soll oder nicht. Laura ließ sich nicht beirren, motivierte die Community und baute die Aidshilfe in Stuttgart mit auf.


Laura Halding-Hoppenheit erhielt im Januar 2014 das Bundesverdienstkreuz (Foto: Staatskanzlei Baden-Württemberg)


Seit Anfang des Jahres trägt Laura das Bundesverdienstkreuz. Lauras langjähriger Chef-Kellner, er nennt sich selbst die "Prinzessin", kommt im Film zu Wort, ebenso Politiker, Freundinnen aus gut betuchtem Hause, engagierte Kirchenvertreter und auch Lilo Wanders. Dass Praunheim selbst einer steinreichen Verleger-Gattin Intimes entlockt, liegt wohl an seinen empathischen Fähigkeiten. Das macht den Film wertvoll und zu einem Gesellschafts-Gemälde, welches manch Geheimnis offenlegt aber niemals bloßstellt.

Privates und Politisches wechselt sich ab

Plakat zur Filmpremiere am 1. Dezember, die bereits ausverkauft ist. Rosa von Praunheim stellt seine Doku Aidshilfen und anderen HIV-Projekten kostenfrei für Vorführungen zur Verfügung. Interessierte wenden sich bitte an Markus Tiarks, Email mtiarks@me.com
Plakat zur Filmpremiere am 1. Dezember, die bereits ausverkauft ist. Rosa von Praunheim stellt seine Doku Aidshilfen und anderen HIV-Projekten kostenfrei für Vorführungen zur Verfügung. Interessierte wenden sich bitte an Markus Tiarks, Email mtiarks@me.com

Vor allem aber steht Laura selbst im Fokus. Ohne Scheu erzählt sie die Wahrheit über ihre erste Zweckehe, über den stets betrunkenen Schauspieler Helmut Berger, über wechselnde Liebhaber, Lust, Sehnsüchte, Liebesschmerz und Eifersucht. Dass der mit knapp 55 Minuten recht kurze Film dennoch nicht überfrachtet wirkt, stringent Lauras und die Geschichte der Stuttgarter LGBT-Community erzählt und wie nebenbei die Historie Europas im Kalten Krieg seziert, ist ein Verdienst Praunheims.

Es ist seiner Routine als Dokumentarfilmer zu verdanken, dass das Porträt nicht in blanke Lobhudelei entgleist. Trotzdem geht er nah ran ans Objekt: "Wann hattest du deinen ersten Sex?", fragt er wie ein neugieriger Teenager und schafft es mühelos über ungewollte Schwangerschaften und Abtreibung zu reden. Privates und Politisches, die Vergangenheit und Gegenwart, das alles bringt "Laura, das Juwel von Stuttgart" zusammen.

Zum Ende des Films begleitet Rosa seine Laura nach Berlin. Sie ist Gast des großen Charity-Dinners, organisiert von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, plaudert mit Ministern und Smoking-Trägern. Laura gehört nun zum Establishment, sie bleibt dennoch Aktivistin für die vom Bürgertum gescholtene Linkspartei, glaubt an Zauberei, sieht der Realität ins Auge, ist exzentrisch, handelt pragmatisch und ist schlicht liebevoll und bezaubernd. Widersprüche, die auch die Vielfalt der queeren Welt ausmachen, beleuchtet Praunheim in einem nüchternen und zugleich herzerwärmendem Zeitzeugnis.


Keine Berührungsängste: Im Bundestagswahlkampf 2013 unterstützte Laura den schwulen CDU-Kandidaten Stefan Kaufmann


Laura, die alles, außer ihr wahres Alter preisgibt, ruht sich übrigens nicht auf ihren Lorbeeren aus. Rosa von Praunheims Film, der zum Welt-Aids-Tag in Stuttgart Premiere feiert, zeigt, dass sie weiterhin für ihre Schwulen da sein wird. Ihre alte Heimat Rumänien braucht sie im Kampf gegen Homophobie und Intoleranz. Laura tut das gerne, wünscht sich auch dort einen CSD, so wie er bunt und ohne Gewalt in ihrer Wahlheimat Stuttgart möglich ist. Im Ländle indes kümmert sie sich um Armutsprostituierte aus Ost-Europa.

Fortschritt ist möglich, Gutes zu tun zahlt sich aus. Das und nicht weniger dokumentiert der Rosa-Film.

Youtube | Laura Halding-Hoppenheit im Gespräch mit SWR1
  Infos zum Film
Laura – Das Juwel von Stuttgart. Dokumentation. Deutschland 2014. Regie Rosa von Praunheim. Mitwirkende: Laura Halding-Hoppenheit, Lilo Wanders, Gabriele Müller-Trimbusch, Sabine Constabel. Laufzeit: 57 Minuten. Uraufführung am 1. Dezember im CinemaxX Stuttgart an der Liederhalle. Ab 19:30 Uhr Sektempfang, um 20 Uhr Diskussion mit Laura, Rosa von Praunheim und Vertretern der Gay-Community. 20:30 Uhr Beginn der Filmvorführung, zusammen mit Praunheims 15-minütigem Porträt des Dichters Mario Wirz, das wenige Wochen vor dessen Tod entstand.
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Tags: laura halding-hoppenheit, rosa von praunheim, diokumentarfilm, king club, stuttgart
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Reaktionen zu "Die rote Diva: Laura Halding-Hoppenheit"


 8 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
30.11.2014
09:35:09


(+12, 12 Votes)

Von GeorgG


Auf diesen Film freue ich mich!


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#2
30.11.2014
14:03:33


(+3, 13 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Rosa von Praunheim for Bundespräsident. Der kann gut mit Menschen umgehen.


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#3
30.11.2014
16:14:01


(+9, 9 Votes)

Von Finn


Eine starke, bewundernswerte Frau und eine echte Lady.


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#4
30.11.2014
22:10:36


(+2, 6 Votes)

Von resi von der alm


Auch liebevoll und bezaubernd:

Link zu www.siegessaeule.de


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#5
01.12.2014
04:02:41


(+7, 7 Votes)

Von MarleneBerlin
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2011


Laura iat einfach wunderbar. In der ältesten Schwulenbar von Köln, als Homos noch verboten waren, gab es eine Frau die ihr sehr ähnlich sah hinter der Theke. Sie ist leider schon tod und der Wirt hat sich erhangen. Da freut man sich gleich wieder dass wir Fosilien in dieser eingschlafenen Zeit noch was bewegen können. Und danke auch Rose für seine Fime. Rosa währe ein guter Kandidat als berliner Bürgermeister. Was wir erlebten kann uns keiner mehr nehmen. Ich würde mich freuen wenn ihr am 6.1.2015 zu Nina Hagen ins Berliner Ensemble kommen würdet. Es geht um die Verschleppung von Andersdenkenden in die Psychiatrie und Ilona Haslbauer ist auch anwesend, welche nach 7 jährigem Kampf durch Veröffentlichung ihrer Qualen jetzt frei kam auch durch unermüdlichen Einsatz von Nina welche Schirmfrau von www.patverfue.de ist. Viele Schwule und Transen landen in der Psychiatrie nur weil sie anders sind. Dagegen kämpfen wir. ich selbst wurde in den Massregevollzug verschleppt nur auf Anraten von Nachbarn, welche scharf auf meine Wohnung waren. Getürkte Gutachten von Gutachtern die ich nie sah, Pflichtverteitigern denen ich den Betrug und die Lügen nachweisen konnte und veröffentlichte. Selbst Norbert Blühm schrieb ein Buch (Einspruch) und liefert den Beweis, dass der Rechtsstaat am verrotten ist. Alle Libe und Danke dass es euch giebt. Eure Marlene mit dem rotem Kater


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#6
01.12.2014
08:06:46


(+1, 5 Votes)

Von GeorgG


Nicht vergessen: Gusti's Ochsengarten in München!!!


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#7
01.12.2014
10:10:44


(-2, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Erinnert mich an Jeanne-Claude, die verstorbene Frau von Christo!


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#8
01.12.2014
11:02:10


(+5, 5 Votes)

Von stromboli
Aus berlin (Berlin)
Mitglied seit 01.05.2008
Antwort zu Kommentar #5 von MarleneBerlin


viel erfolg und zuspruch für euere tätigkeit in der psychiatrie-problematik...
habt ihr kontakt zur irren offensive, die mit René Talbot eine schwulen aktivisten an ihrer spitze hat..

Zu den Frauen die sich ähnlich sind..
In den 50-60 ziger wurden schwule lokale oft von frauen geführt, um so die gesetzeslage zu umgehen die eine rein gleichgeschlechtliche geschäftsidee (versammlungsgebot unter sittlichen gesichtspunkten) verbot.
Lokale für gleichgeschlechtliche waren grundsätzlich verboten ( unterschiedlich je nach ländern ausgelegt , aber immer mit den sittlichkeitsparagraphen begründet..) Nur männer anzutreffen, lies für die ordnungsbewahrer den rückschluss auf homosexuelle orgien zu ..
Unsittlich galt, wer nichttrunken den arm um einen gleichgeschlechtlichen hielt, ohne dessen stütze zu benötigen.. so ein urteil wegen unzüchtigen verhalten in der öffentlichkeit.

So beschaffte man sich frauen ( oft aus der "rotlicht"-szene kommend, die als schwulenmutti an der kasse saßen, sich von den jungs ihre futschis ausgeben ließen und so auf ihre älteren tage hin ein ergiebiges auskommen hatten.
"barbarina-bar; "rote katze" ; "mylord" , alle von frauen geführte etablissements, die offensichtlich nicht nur nach geschäftsschluss nachts um 3:00 im kaiserstrassen-eck die tageskasse zählten und sich einen stecher mieteten, sondern wohl auch alle den selben friseur aufsuchten..so glichen sich ihre betonfrisuren.
Im nachhinein betrachtet waren es meistens zarah leander typen... inclusive der großen brille die die krähenwinkel der augen abdeckten...
Die anni, conni, alice... und wie sie alle hießen;
anlaufstellen unglücklicher liebschaften, als trösterin und kupplerinnen zugleich geübt.

Berühmt auch elli's bierbar , skalitzerstr., die selbst im faschismus so sich durchschlängelte..
Hier das besondere , dass Elli lesbe war, die bevorzugt auf bordschwalben der wiener str. stand, die wiederum als camouflage gegen die stichkontrollen von gestapo und polzei der nachkriegszeit fungierten.


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