Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 06.12.2014           7      Teilen:   |

Mit Pfarrer, Friseur und Lügenbaron

Weihnachten unter Schrankschwestern

Artikelbild
Ausschnitt aus dem Cover: "Es riecht nach Ärger und weihnachtet sehr" ist die Fortsetzung von Andreas Bertrams Debütroman "Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick", der im Frühjahr 2012 erschien

In seinem neuen Roman "Es riecht nach Ärger und weihnachtet sehr" nimmt uns Andreas Bertram mit auf eine homophile Wallfahrt.

Von Angelo Algieri

Endlich die lang erwartete Fortsetzung! Nach seinem furiosen Erstlingswerk "Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick" (queer.de besprach), legt Autor Andreas Bertram nun den zweiten Band "Es riecht nach Ärger und weihnachtet sehr" nach. Dieser Roman ist wie sein Vorgänger im Berliner Querverlag erschienen.

München im Herbst 2009: Protagonist und Ich-Erzähler Andy hat nach der Katastrophe am Ende des ersten Bandes keine Bleibe mehr. Er zieht vorübergehend zu seinem besten Freund Nils und dessen langjährigen, reichen Partner. Doch bald ist Andy von ihren Streitereien genervt. Nils bekommt nicht nur regelmäßig Eifersuchtsanfälle, sondern ist von seiner angehenden Hochzeit heillos überfordert.

So zieht Andy nach ein paar Wochen wieder aus. Doch wohin? Nach ein paar Tagen bei einem befreundeten Heteropaar fährt er zu seiner Mutter in die bayrische Provinz. Sie ist Haushälterin für den Pfarrer Schorsch; und sie ist total im Umzugsstress. Deshalb kann sie nicht mit auf die Wallfahrtsreise nach Rom kommen. Stattdessen fährt Andy mit – inklusive rüstiger Rentner…

Fortsetzung nach Anzeige


Eine One-Night-Stand mit dem Herrn Pfarrer

Der Roman ist im Berliner Querverlag erschienen
Der Roman ist im Berliner Querverlag erschienen

In Rom landen Pfarrer Schorsch und Andy im Bett. Zum Bedauern von Schorsch gibt es mit Andy keine Affäre – er mag keine Versteckspiele. Doch schon bald lernt Andy den spitzbubigen Bisexuellen Felix kennen. Der Landsmann verführt Andy, und sie verbringen ein Wochenende in einem Luxus-Appartement inmitten der Ewigen Stadt. Ein Traum! Bleibt es beim Urlaubsflirt oder wird mehr daraus? Doch schon wird Andy in Felix' Schwierigkeiten eingesogen. Lügen, Flucht und Schläge sind einprogrammiert. Am Ende der Reise wird er noch maßlos von Felix enttäuscht und ist glücklich wieder im Rentner-Wallfahrtsbus nach Deutschtland zu sitzen.

Dort erwarten ihn die nächsten Schwierigkeiten. Nachdem Mutter und Schorsch nach Schöffarthshofen, dem fiktiven zweitwichtigsten Wallfahrtsort Oberbayerns, umgezogen sind, hilft Andy im Garten und im Haushalt – die Mutter scheint seine Hilfe zu genießen. Doch die Adventszeit hat es in sich: Zunächst bemerkt Schorsch, dass Gelder in der Gemeindekasse fehlen. Andy verdächtigt den Küster. Doch was ist sein Motiv? Zudem taucht unerwartet Nils auf – dessen Beziehung steht vor einem Scherbenhaufen. Er bringt jedoch in das Pfarrhaus frischen Wind… Dann glaubt eine Bekannte von Andy, dass sie seine Freundin sei. Und Friseur Nils bekommt zudem eine Chance als Regisseur. Wenn das nicht pikante Zutaten eines furiosen Weihnachtsfinales sind…

Ein Homo-Roman mit bodenständigen und religiösen Protagonisten

Andreas Bertram hat erneut einen flotten und spannenden Roman geschrieben. Nicht nur die Dramatik samt Binnenspannung überzeugt, sondern der Text zieht einen sofort in den Bann. Zusätzlich ist die Geschichte humorvoll und kurzweilig erzählt. Das liegt auch an der Beschreibung der Protagonisten und Nebencharaktere – äußerst gekonnt und präzise gezeichnet. Hervorzuheben ist zudem, dass Bertram mit Nils eine Figur erschaffen hat, die nicht aus dem akademischen Milieu stammt. Solche Figuren sind eher selten in der schwulen Gegenwartsliteratur zu finden, ohne dass sie lächerlich, herablassend dargestellt oder karikiert werden. Würdevoll ist hier das Stichwort.

Auch die anderen Figuren entsprechen nicht dem gängigen Schwulentypus von Unterhaltungsromanen. Ähnlich wie bei Florian Naujoks (siehe Besprechung des Debüts "Rossbreiten") wird nicht die endlos-fickende, drogenabhängige Großstadtschwuppe aufgezeigt, sondern mitunter Figuren, die bodenständig oder gar religiös sind. Damit meine ich nicht nur Pfarrer Schorsch, sondern auch Protagonist Andy. Er glaubt an einen Gott, aber er ist kein praktizierender Katholik. Der ein oder andere schwule Leser wird sich in diesen Figuren wiederfinden.

Natürlich gibt das Salz in der Suppe der Ergänzungsspieler Felix. Der abenteuerlustige, charmante Everybody's Darling. Der durchtriebene Lügenbaron. Schillernd, spielerisch und kaum greifbar. Kreativ und freiheitsliebend. Der Gegenentwurf zu Andy. Doch auch hier gibt Autor Bertram klug nicht dem einen oder anderen Lebensentwurf den moralischen Vorzug.

Mit über 30 noch einen "Sozialfick" abbekommen

Neben ungeouteten Schwule und deren kapriziösen Versteckspielen thematisiert Andreas Bertram das schwule Älterwerden – jenseits der 30 Jahre, wie Andy und Nils es sind. Nils erfährt bei einem 17-Jährigen, dass er für ihn sein "Sozialfick für dieses Jahr" gewesen sei. Krude, unfaire Schwuppenwelt, wie sie Brühwarm vor knapp 40 Jahren in einer Liedzeile bereits auf den Punkt brachte: "Mit 30 biste draußen". Wenn Nils seinen reichen Freund nicht hätte, fragt er sich weiter, was hat er noch? Außer seiner Jugendlichkeit, die nicht ewig halten wird. Soll er sich Botox spritzen? Um auf dem "Partnermarkt" wahrgenommen zu werden? Eine nachdenkliche und berechtigte Szenekritik.

Kleiner Wermutstropfen: Einige Rom-Kapitel kommen einen so vor, als ob sie vom Reiseführer Baedeker stammen würden. Eine aufeinanderfolgende Abhandlung von Sehenswürdigkeiten, wie sie sich das Tourismusbüro in Rom nur wünscht. Es fehlen lebhafte Statisten, italienische Sprachfetzen, Beschreibung etwa von Römern. So wirkt das Setting arg museal. Schade!

Dennoch: Andreas Bertram ist mit seinem Zweitling eine großartige Fortsetzung gelungen. Er versteht es meisterlich, unterschiedliche Genre und Stile miteinander zu verknüpfen und mit ihnen zu spielen. Zudem verwebt er geschickt schwule Gegenwartsprobleme in die Story ein. Ein rasanter, aufregender und reflexiver Roman, der Spaß macht! Ich garantiere: Ihr schließt die Protagonisten in eure Herzen ein!

Und ja: "Es riecht nach Ärger und weihnachtet sehr" schreit förmlich nach einer weiteren Fortsetzung und einer Film- oder Serienadaption!

  Infos zum Buch
Andreas Bertram: Es riecht nach Ärger und weihnachtet sehr. Roman. 344 Seiten. Querverlag, Berlin 2014. 16,90 €. ISBN: 978-3-89656-225-8.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Leseprobe als PDF
Mehr zum Thema:
» Andy sucht den Mann fürs Leben (03.05.2012)
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 7 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 23             4     
Service: | pdf | mailen
Tags: andreas bertram, querverlag, wallfahrt, älterwerden, schrankschwester, sozialfick
Schwerpunkt:
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Weihnachten unter Schrankschwestern"


 7 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
06.12.2014
11:16:29


(-3, 11 Votes)

Von Oliver43


Das Buch scheint lesenswert zu sein, insbesondere weil es in der Gegenwart der 2000er spielt und dementsprechend aktuelle Themen aufgreift, die für schwule Männer in unserem Lande relevant sind.

Ob Standesamt und Organisation der Feier mit allen damit verbundenen Aufgaben oder die berechtigte Kritik an der Szene mit ihrer körperlichen Oberflächlichkeit ("Sozialfick") oder auch die versteckten homosexuellen Priester/Kirchenangestellten in der katholischen Kirchenwelt, die halt im Unterschied zu den homosexuellen evangelischen Pfarrern/Kirchenangestellten ein "Versteckspiel" weiter auch in den 2000er/2010er betreiben.

Mir gefallen solche Bücher, die in den 2000er/2010er in Deutschland spielen und sowohl Singleleben als auch Partnerleben schwuler Männer thematisieren.

Leider gab es bisher meistens nur Bücher, die immer die AIDS-Krise der 1980er/1990er thematisieren und in denen Themen wie Standesamt mit Einladung von Verwandten/Freunden oder gemeinsame Steuererklärung mit Ehegattensplitting und Steuerklassenwahlrecht fehlten.

Es ist gut, wenn es nunmehr Autoren wie Andreas Bertram gibt, die nicht ständig die AIDS-Krise mit ihren Todesfällen der 1980er/frühen 1990er aufwärmen, denn davon habe ich echt genug gelesen und an Filmen gesehen. Dazu werde ich mir keine Bücher mehr kaufen oder Filme anschauen, weil das Thema ist für mich "übersättigt". Solche Bücher/Filme sind eher mittlerweile Geschichtsbücher für mich und darin finde ich mich in meiner Lebenswirklichkeit der 2000er/2010er nicht wieder.

Ich denke, das Buch werde ich mir kaufen, denn es klingt vielversprechend.

Es wäre schön, wenn mehr deutsche Autoren einfach die Lebenswirklichkeit der 2000er/2010er aufgreifen, und die ist für homosexuelle Menschen sehr sehr anders als in den 1980er/frühen 1990er.

Themen wie Standesamtöffnung ("gab es damals nicht"), Internet und Handy ("gab es damals nicht"), wirksame AIDS-Medikamente mit gleicher Lebenserwartung ("gab es damals nicht"), Änderungen bei den evangelischen Kirchen und weitere Moralverurteilung bei der katholischen Kirche ("damals waren mit Ausnahme der neu gegründeten Metropolitan Community Church, alle Kirchen gegen homosexuelle Paare, heute gibt es da einen Riss zwischen den KIrchen und sehr unterschiedliche Haltungen"), individuelle Fernreisen ("es wird nicht mehr nur nach Gran Canaria/Ibizza geflogen"; Fernreisen sind billiger als früher"), Musikveränderungen ("es sind halt heute andere Musiker/Musikgruppen erfolgreich und Klischees, das der schwule Mann ABBA hört, haben einen ganz, ganz langen Geschichtsbart"), Entpolitisierung der jungen Generation, die auch die LGBT-Bewegung trifft ("früher waren die jungen Menschen politisch viel aktivier"), usw.

Es gibt viele Themen, die in den 2000er/2010er anders gelagert sind, als in den 1980er/frühen 1990er und gute schwule Autoren sollten dies echt beachten, wenn sie keine "Klischee"-Bücher schreiben wollen, die mit der aktuellen Lebenswirklichkeit nichts zu schaffen haben.

Anscheinend weiß dies der Autor Andreas Betram.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
06.12.2014
14:07:01


(+5, 11 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #1 von Oliver43


Beim erstem Satz konnte man noch denken, Oha, ein Kommentar der mal eine eigene Meinung offeriert..

Doch dann entpuppt sich das Elaborat als korrigiertes Copy&Paste eines Kommentares, der GENAU SO auch schon zu den Film-Kritiken gepostet wurde..

Schwache Leistung..
Und so durchschaubar wie Fensterglas..


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
06.12.2014
15:43:51


(-8, 10 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #2 von TheDad


Da spricht mal wieder der pure Neid!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
06.12.2014
16:20:53


(-4, 10 Votes)

Von ehemaligem User Adrien
Antwort zu Kommentar #3 von FoXXXyness


Das wohl weniger, aber diese Gelegenheit kann er sich, falls ein entsprechender Kommentar tatsächlich schon bestanden haben sollte, gerade bei Oliver43 doch nicht entgehen lassen.
Jeder andere würde vermutlich darüber hinwegsehen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
06.12.2014
16:21:29


(+4, 10 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013
Antwort zu Kommentar #3 von FoXXXyness


Ja genau. So, wie hier auch alle ganz doll neidisch auf Deine intelligenten Einzeiler sind, die Du so wohlfeil formuliert unter fast jeden Artikel setzt.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
07.12.2014
14:37:34


(+4, 10 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #1 von Oliver43


Oliver43 schreibt am 06.12.2014, 11:16:29 Uhr:"Es ist gut, wenn es nunmehr Autoren wie Andreas Bertram gibt, die nicht ständig die AIDS-Krise mit ihren Todesfällen der 1980er/frühen 1990er aufwärmen, denn davon habe ich echt genug gelesen und an Filmen gesehen. Dazu werde ich mir keine Bücher mehr kaufen oder Filme anschauen, weil das Thema ist für mich "übersättigt".

Oliver43 schreibt am 07.12.2014, 11:31:31 Uhr:
"...Alles (!) muss berichtet werden..."

Gehört das "übersättigte Thema" etwa nicht zu "Alles, was berichtet werden muss"? Wenn schon alles, dann auch ALLES!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
07.12.2014
18:57:42


(+4, 4 Votes)

Von Diversity


Schon sein erstes Buch "Schmeckt wie Urlaub..." fand ich klasse und habe es bereits zweimal gelesen. Auf dieses freue ich mich schon sehr : )


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 


 BUCH - UNTERHALTUNG

Top-Links (Werbung)

 BUCH



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Bayern: Nur "Toleranz", aber keine "Akzeptanz" von LGBTI Clubkid verliebt sich in russischen Stricher Tom Ford: Jeder Mann sollte mal passiven Analverkehr haben Malta verbietet Homo-"Heilung"
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt