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  • 08.12.2014           20      Teilen:   |

Anonynme Hetze

Hannover: Strafanzeige nach "Demo für alle"

Artikelbild
Ausschnitt aus dem Flugblatt (großes jpg)

Der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Hans Höntsch fordert eine Entschuldigung der Veranstalter für ein homophobes Flugblatt.

Von Norbert Blech

Der letzte große Protest gegen Schulaufklärung über sexuelle Viefalt, die "Demo für alle" am 22. November in Hannover, wird ein juristisches Nachspiel haben. Der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Hans Höntsch, der für entsprechende Pläne der rot-grünen Landesregierung mitverantwortlich ist, hat in der letzten Woche Strafanzeige gegen Unbekannt wegen eines Flugblatts verteilt, das während des Protests verteilt wurde.

In dem Flugblatt (jpg) warnt der anonyme Autor vor einer "sexuellen Verführung der Kinder in der Schule" und behauptet, Kinder würden "schon ab der Grundschule von Lehrern angeleitet", unter anderem "homosexuelle Beziehungen einzugehen", "Analverkehr und Oralverkehr (…) zu lernen" und "die Ideologie des Genderismus zu akzeptieren". SPD und Grüne wollten mit dem Bildungsplan "genau diese Bildungsziele verwirklichen".

Weiter heißt es in dem Flugblatt: "Mit dieser Indoktrinierungspolitik wird das Heer der Aids-Kranken, Depressiven und Eheunfähigen vervielfacht werden, wie Erfahrungen in anderen Ländern belegen." Die "Indoktrination" solle quasi nach Geburt beginnen, mit "Kuschelecken, Sexspielen und Sexmassagen", um die Kinder "früh umpolen" zu können.

Fortsetzung nach Anzeige


Entschuldigung gefordert

Höntsch (r.) bei einem spontanten letzten Gegenprotest gegen die "Demo für alle", mit Regenbogenflagge vor dem homophobem Protest auf dem Weg zum Landtag - Quelle: nb
Höntsch (r.) bei einem spontanten letzten Gegenprotest gegen die "Demo für alle", mit Regenbogenflagge vor dem homophobem Protest auf dem Weg zum Landtag (Bild: nb)

"Die Organisatoren der Demo haben zugelassen, dass dort solches Material verteilt wurde", sagt Höntsch. Eine Demo durchzuführen sei ihr gutes Recht. Dieses Recht höre aber dort auf, wo Gesetze es begrenzten. In einer Pressemitteilung, in der er das Flugblatt auch einem Fakten-Check unterzog, forderte Höntsch eine Entschuldigung der Organisatoren der Demo: "Der Inhalt der Blättchens ist niveaulos und diskreditierend. Wenn sich die Organisatoren der Demo nicht auf dieses Niveau herablassen wollen, ist jetzt höchste Zeit klarzustellen, dass es so nicht geht."

Zudem hatte Höntsch einen Strafantrag wegen übler Nachrede gestellt. Der Abgeordnete für Hannover-Mitte hatte zu der "Demo für alle" übrigens am Tag danach auf Facebook eine lesenswerte Reflektion verfasst.

Das Aktionsbündnis "Vielfalt statt Einfalt", das den Gegenprotest zur "Demo für alle" organisierte, hatte bereits vor zwei Wochen berichtet, zwei Männer hätten das Flugblatt am Rande der Demo verteilt. Es enthält kein Impressum, gibt aber neben der Webseite der "Demo für alle" und einigen Youtube-Links eine E-Mail-Adresse zum Kontakt an.

Spur ins christlich-fundamentalistische Lager

Der Flugblatt-Autor könnte auch auf der Webseite "Charismatismus" veröffentlicht haben. Dort wurde auch zur "Demo für alle" aufgerufen
Der Flugblatt-Autor könnte auch auf der Webseite "Charismatismus" veröffentlicht haben. Dort wurde auch zur "Demo für alle" aufgerufen

Zu dieser E-Mail-Adresse wird man allerdings nicht bei der "Demo für alle" fündig, sondern auf erzkatholischen und evangelikalen Webseiten, wo sie einem Autor namens Helmut Fürst zugeordnet werden. Von ihm gibt es etwa einen Brief an den FDP-Politiker Hermann Otto Solms aus dem Jahr 2012, in dem sich der Autor gegen die steuerliche Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften wendet.

"Homosexuelle Praktiken sind die gefährlichsten", heißt es darin, das belegten Statistiken über Aids und andere Krankheiten. "Homosexualität ist außerdem kein unabänderliches Schicksal, wie ehemalige Homosexuelle belegen." In einem anderen Text von ihm wird Homosexualität mit Drogensucht verglichen; man sei nicht diskriminierend, wenn man solchen Leuten helfen wolle.

"Es ist nicht gesellschaftlicher Druck oder Diskriminierung, der den Homosexuellen in Aids, Drogen oder Selbstmord treibt, sondern (…) das Bewusstsein des eigenen Versagens und der eigenen Verantwortungslosigkeit im Umgang mit der Sexualität, der den Homosexuellen belastet und ihn für Drogen, Partnerwechsel, Aids und Selbstmord empfänglich macht", so der Autor. "Es fällt ihm leichter, sich weiter treiben zu lassen, statt seine Triebe zu kontrollieren und liebevolle Hilfsprogramme anzunehmen." Im Zuge verteidigt der Autor die "Homo-Heiler" der evangelikalen Offensive Junger Christen.

Diese Texte wurden von Felizitas Küble auf mehreren Webseiten eingestellt. Sie ist Leiterin des KOMM-MiT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster. Letzteres betreibt die fundamentalistische Webseite "Charismatismus", das sogenannte "Christliche Forum" veröffentlicht regelmäßig homophobe Texte, darunter auch die beiden zitierten.

Die Webseite wird nicht als Bündnispartner der "Demo für alle" angegeben. Auf ihr finden sich allerdings Berichte zu den Protesten, darunter ein von Hedwig von Beverfoerde von der "Demo für alle" und der "Initiative Familienschutz" verfasster Aufruf zur Teilnahme an dem Protest in Hannover.

Mehr zum Thema:
» Hannover: "Demo der Dumpfbacken" in Schranken verwiesen (22.11.2014)
» "Demo für Alle" in Hannover: Ein Auflauf der Erz-Homophoben (19.11.2014)
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Tags: demo für alle, initiative familienschutz, hannover, niedersachsen, michael hans höntsch
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Reaktionen zu "Hannover: Strafanzeige nach "Demo für alle""


 20 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
08.12.2014
18:21:58


(+6, 8 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Mal gespannt, was dabei herauskommt!


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#2
08.12.2014
18:33:09


(+7, 9 Votes)

Von XYZ1


Gespannt kann man sein, aber es wird nicht wirklich was bringen. Glaube nicht das die Veranstalter gegen sowas sind.


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#3
08.12.2014
18:38:09


(+12, 12 Votes)

Von SofiaBerlin
Aus Berlin
Mitglied seit 01.01.2013


Warum wurde nicht in Baden-Württemberg gegen diese homophoben Vollpfosten Anzeige erstattet?


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#4
08.12.2014
18:57:10


(+13, 13 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008
Antwort zu Kommentar #2 von XYZ1


Na ja, zumindest wirft das ein bezeichnendes Licht auf die mehr oder minder beabsichtigte Unfähigkeit, ihre "Demo" vor derartigen Subjekten abzuschirmen. Mich wundert es ohnehin schon lange, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, die Veranstalter dieser Demo wegen gezielter Volksverhetzung und Beleidigung anzuzeigen bei dieser mannigfaltigen Diffamierungskampagne gegen sexuelle Minderheiten. Schließlich haften die ja für ihre Teilnehmer. Es wird höchste Zeit, dass sich das ändert.


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#5
08.12.2014
19:05:06


(+10, 12 Votes)

Von Marek


Was diese homophoben Faschisten auf ihren Demos behaupten, ist nicht nur sachlich falsch und beleidigend, sondern das ist Verleumdung und teilweise Volksverhetzung.

Wieso wird die Staatsanwaltschaft da nicht aktiv?

Wir müssen in einer Demokratie auch andere Meinungen ertragen. Aber wir müssen keine Verleumdungen, Lügen und Hetze ertragen.


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#6
08.12.2014
21:43:29


(+6, 8 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #5 von Marek


Man muss versuchen, sich zu wehren.

Leicht ist das aber mit dem alten Volksverhetzungsparagrafen nicht.

Selbst Antisemiten müssen hierzulande schwerste Geschütze auffahren, um verurteilt zu werden.

Meist erfolgen erst Verurteilungen, wenn man einer Minderheit Gewalt und Tod an den Hals wünscht.

In Frankreich ist das z. B. anders.

Da wird man schon wg. Rassismus verurteilt, wenn man z. B. Verständnis für Arbeitgeber zeigt, die keine 'Schwarzen' oder Araber einstellen.

Das Problem ist in Frankreich aber ein gesellschaftliches:

Die verurteilten Zemmours, Vannestes oder le Pens drücken ein paar tausend Euro ab und machen munter weiter.

Woanders würden sie vielleicht nicht verurteilt, wären aber gesellschaftlich völlig erledigt.

In Frankreich sind sie Volkshelden.

Hier ist z. B. der verurteilte Rassist Zemmour als Ehrengast mit Bildungsauftrag an einer kirchlichen Schule zu sehen, wo er anscheinend den lieben Kleinen die Saat der 'gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit' einpflanzen soll:

Youtube-Video:


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#7
09.12.2014
02:27:38


(+8, 8 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Die Charismatiker sind eine ganz besonders verbiesterte Sorte von dieser Religioten-Sippe. Einen Trans-Bekannten hatten die jahrelang in ihren Fängen, ihn gedemütigt, dazu gebracht, seine Kunst zu zerstören, und eine psychisch fast zerstörte Person hinterlassen.

Was religiöser Wahn an seelischem Schaden anrichten kann, wenn man diese Leute wirken und walten lässt, weil es unter Religions- oder Meinungsfreiheit so akzeptiert wird, geht auf keine Kuhaut.

Mich wundert auch, warum da kaum mal eingegriffen wird. Religion sollte ein Aspekt des Privatlebens sein, und kein Instrument zur Förderung/ Erzeugung von Leid!


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#8
09.12.2014
08:55:25


(+3, 7 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008
Antwort zu Kommentar #5 von Marek


Warum die Staatsanwaltschaft nicht eingreift? Sehr einfach: wo kein Kläger, da kein Richter. Und DAS ist der springende Punkt, der von vielen, die sich immer gegen diese "Demos" beklagen, sträflichst vernachlässigt haben. Jammern und sich darüber beklagen nützt da nämlich gar nichts. ANZEIGEN und JURISTISCH RELEVANT KLAGEN wären mal angesagt. Und da sind m. E. in erster Linie mal unsere VertreterInnen vom LSVD gefragt. Aber die sind zu sehr damit beschäftigt, das Ehe- und Familienglück für LGBTIs voranzutreiben, womit sie wieder mal den x-ten Schritt vor dem ersten ausführen.


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#9
09.12.2014
09:34:19


(+3, 7 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #8 von herve64


Beim LSVD gibt es sehr gute Juristen, mit denen ich mich auch schon mal über den mangelnden rechtlichen Schutz gegen Verunglimpfung hierzulande auseinandergesetzt habe.

Ich erwarte aber, dass die Demos sich so radikalisieren wie in Frankreich, weil es nun mal einen gemäßigten Menschenhass nicht gibt. Spätestens dann wird es auch juristisch relevant.

Nebenbei: Wichtig ist auch sachlich formulierter Einspruch bei den Rundfunkräten öffentlich rechtlicher Sender. Der kann nicht nur Entschuldigungen, sondern in schweren Fällen auch personelle Konsequenzen zur Folge haben.


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#10
09.12.2014
09:41:45


(+10, 10 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008
Antwort zu Kommentar #9 von goddamn liberal


Juristisch relevant sind die Demos bereits JETZT, allein schon wegen der ständigen Difamierung Homosexualität=Pädophilie. Das ist übelste und infamste Ehrabschneidung, die unterbunden gehört.


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