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  • 10.12.2014           13      Teilen:   |

Seit fünf Tagen

Seoul: LGBT-Aktivisten halten Rathaus besetzt

Artikelbild
Im Rathaus kämpfen Aktivisten seit einer knappen Woche für die Menschenrechtscharta (Bild: lgbtact)

In der südkoreanischen Hauptstadt wehren sich die Aktivisten dagegen, dass der Bürgermeister ein Diskriminierungsverbot gestoppt hat.

Seit Samstag protestieren Aktivisten von 20 LGBT-Organisationen mit einem Sit-in im Rathaus von Seoul gegen Bürgermeister Park Won-soon, weil der 58-Jährige sich weigert, die Menschenrechtscharta mit seiner Unterschrift in Kraft zu setzen.

Die von einem Ausschuss Ende November verabschiedete Richtlinie hatte unter anderem vorgesehen, Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität in der südkoreanischen Hauptstadt zu verbieten. Die Aktivisten halten das Rathaus zur Stunde noch immer besetzt.

Bürgermeister Park hatte die Charta ursprünglich unterstützt, allerdings hat er nach mehreren Treffen mit christlich-protestantischen Gruppen seine Meinung geändert. Er argumentierte nun, dass der Diskriminierungsschutz "gesellschaftliche Konflikte" fördere und daher der Stadt mehr schade als nütze.

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Aktivisten: Bürgermeister kuscht vor Fundamentalisten

Park Won-soon ist seit 2011 Bürgermeister der zehn Millionen Einwohner zählenden Stadt Seoul
Park Won-soon ist seit 2011 Bürgermeister der zehn Millionen Einwohner zählenden Stadt Seoul

In einem offenen Brief forderten die LGBT-Aktivisten am Dienstag, dass der Bürgermeister die Charta binnen 24 Stunden in Kraft setzen solle. Sie verlangten außerdem ein persönliches Treffen und eine Entschuldigung des Politikers. "Er hat seit seiner Wahl im Jahr 2011 keine LGBT-Aktivisten mehr getroffen, aber war fleißig dabei, sich mit homo- und transphoben rechten Fundamentalisten an einen Tisch zu setzen", erklärten die Autoren.

Es sei erschreckend, dass Park glaube, er könne Schwulen, Lesben und Transsexuellen nur Menschenrechte gewähren, wenn alle gesellschaftlichen Gruppen diesen Schritt einstimmig unterstützten. Die Haltung des Politikers sei insbesondere unverständlich, da er sich jahrzehntelang als Menschenrechtsanwalt engagiert hatte.

Vor dem Rathaus hat auch mehrfach eine handvoll christliche Aktivisten gegen LGBT-Rechte und die Charta protestiert. Dabei zeigten sie Transparente mit Aufschriften wie "Homosexualität und Homo-Ehe raus".

Der Einfluss von homofeindlichen christlichen Kirchen ist in Südkorea in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gestiegen. Im traditionell buddhistischen Land bekennen sich nach groß angelegten Missionierungsaktionen protestantischer Kirchen inzwischen rund 30 Prozent der Bevölkerung zum Christentum – und damit mehr als zum Buddhismus. Rund die Hälfte der Bevölkerung ist allerdings konfessionslos.

In Südkorea ist Homosexualität zwar legal, es gibt aber keinerlei Diskriminierungsschutz und keine Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren. Bereits 2007 hatte die südkoreanische Regierung die Merkmale "sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsidentität" aus einem Antidiskriminierungsgesetz nach Kritik der Kirchen entfernt (queer.de berichtete). Meinungsumfragen zufolge lehnt zwei Drittel der Bevölkerung die Öffnung der Ehe ab, allerdings ist die Akzeptanz unter jungen Südkoreanern zuletzt sprunghaft angestiegen. (dk)

Youtube | Ein Video von dem Protest
Links zum Thema:
» Offener Brief der Aktivisten (auf Englisch)
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Tags: südkorea, seoul, antidiskriminierung
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Reaktionen zu "Seoul: LGBT-Aktivisten halten Rathaus besetzt"


 13 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
10.12.2014
16:22:39


(+3, 11 Votes)

Von gefunden


Texte zu Asien zwischen Anfang 2001 und Ende 2014. Zwischen der Sorge um Rente und der Sorge um Rendite.

Link zu www.der-ueberblick.de

Link zu www.german-foreign-policy.com


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#2
10.12.2014
16:40:56
Via Handy


(+5, 9 Votes)

Von Alex


Richtig so!

Es kann doch nicht sein, dass die Politik sich ihre Linie von irgendwelchen Fanatikern diktieren lässt.


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#3
10.12.2014
17:59:38


(+6, 6 Votes)

Von ehemaligem User joshylein


Es ist immer noch erschreckend zu sehen das Manche Hass Menschen einfach nicht verstehen das Menschenrechte nicht verhandelbar sind sie sind universell für jeden Menschen...

Und noch lächerlicher das eine Menschenrechtsanwalt auf Menschenrechte spuckt ...


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#4
10.12.2014
18:48:38


(+4, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Das nenne ich vollen Einsatz!


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#5
10.12.2014
19:45:42
Via Handy


(+5, 9 Votes)

Von David77


Weiter so! Das nenne ich einsatz, von dem sich manche feigen kameradenschweine eine scheibe abschneiden können. Aber Wahrscheinlich sind das muslimische fundamentalisten, vor denen der politiker kuscht, denn christliche fundamentalisten - gibt es ja eh nicht - machen sowas ja auch nicht, sondern unterstützen das mit sämtlichen splitterkirchen voll und ganz. Die trauen sich nur nicht da mitzuprotestieren, da das ja linksradikal ist und ärger gibt.


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#6
10.12.2014
21:10:26


(+6, 8 Votes)

Von Finn


Vielleicht sollten wir ja auch mal zu solchen Maßnahmen greifen.


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#7
10.12.2014
22:34:31


(+6, 8 Votes)

Von Katrin
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Südkorea wurde innerhalb von zwei Generationen vom Agrarland zur Industrienation transformiert. Millionen Menschen haben bei dem Prozess ihre religiöse Orientierung verloren und es war für die Anglikalen Kirchen einfach Millionen Menschen zu übernehmen. Jetzt kontrollieren die Kirchen 30% der Bevölkerung von 45 Millionen und sind innerhalb der letzten drei Jahrzehnte unglaublich reich geworden und kontrollieren einen großen Teil der Politik. Wenn der Bürgermeister von Seoul nicht nach deren Pfeife tanzt, dann ist er bald nicht mehr der Bürgermeister.

Die Kirchen waren wieder einmal schneller als die Politik!!


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#8
10.12.2014
23:09:59


(+5, 5 Votes)

Von Jadughar
Aus Hamburg
Mitglied seit 19.04.2011
Antwort zu Kommentar #7 von Katrin


Als Menschenrechtler hätte er sofort erkennen müssen, daß die nichttradionellen Christen den Leuten die Menschenrechte wegnehmen. Er hätte die Kirchen ohne weiteres in ihre Schranken verweisen können, so wie sie das selber ständig tun. Die Kirche hätte keinen Schaden bekommen, wenn sie sich nur um Glaubensangelegenheiten für ihre Schäfchen kümmern. Die restliche Bevölkerung, die atheistisch oder buddhistisch ist, wurde einfach überfahren und nicht gefragt.


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#9
11.12.2014
21:00:33


(+6, 8 Votes)

Von nalhae
Aus Berlin
Mitglied seit 11.12.2014


Vielen Dank für diesen Artikel, und die ganze Unterstützung! Heute, 11. 12. 2014, haben wir gewonnen. Der Bürgermeister hat sich bei uns entschuldigt, und versprochen uns zukünftig beizustehen. Seine Aussage war nicht so zufriedenstellend, aber ist doch ein großer Fortschritt. Hier könnt ihr unser Statement auf Englisch lesen. Vielen Dank.
Link:
lgbtact.org/?p=737&ckattempt=1


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#10
12.12.2014
09:47:13


(+5, 7 Votes)

Von Joonas
Antwort zu Kommentar #6 von Finn


Ja, aber in Deutschland sehen wir ja schon seit einigen Jahren einen dramatischen Verfall der Protestkultur.

Während anderswo Sitzblockaden, etc. ein übliches Mittel des zivilen Ungehorsams sind, wird das in Deutschland immer mehr zur kriminellen Aktion gemacht.

Ich habe mich als Student in den 1990ern noch regelmäßig an Demos, Sitzblockaden und Hörsaalbesetzungen beteiligt, wenn Dinge schief liefen. Und wir haben damals auch einiges verhindenr können. Aber wenn ich mir ansehe, wie passiv die Studenten heute sind. Das ist natürlich alles kein Zufall, sondern von langer Hand geplant.

Denn Widerstand passt gewissen politischen und wirtschaftlichen Kräften gar nicht ins Konzept.

Und Frau Merkel hat in den letzten 3 Legislaturperioden ganz massiv dazu beigetragen und wird dafür auch noch immer wiedergewählt. Wie so oft, werden viele Leute erst merken, wohin die Reise geht, wenn es längst zu spät ist.


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