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  • 17. Januar 2005, noch kein Kommentar

Informativ und hilfreich: Der neue "Spartacus International Sauna Guide" listet Hunderte einschlägiger Schwitzbäder in aller Welt

Von Micha Schulze

Es ist kein Zufall, dass ich den neuen Spartacus-Sauna-Guide heute auf queer.de vorstelle. Am letzten Wochenende habe ich es nämlich bitter bereut, das Buch in der Redaktion liegen gelassen zu haben. Ein 19-Euro-Ticket hatte mich nach Nizza geführt, und weil es an der Cote d’Àzur auch nur zehn Grad hatte, beschloss ich, eine der drei schwulen Saunen der Stadt aufzusuchen. Die "Le 7" in der Rue Foncet lag am nächsten. Ein Besuch, den ich nie vergessen werde: Dass ich mit meinen 37 Jahren mit Abstand der jüngste Gast war, machte mir nichts aus. Die etwa 40 Grad "heiße" Trockensauna, die nach Pisse roch, dagegen schon. Die Dampfsauna verströmte den Geruch von Harzer Käse, Kabinen und Teppich schimmelten vor sich hin. Zehn Euro Eintritt kostete der etwa zwanzigminütige Gruselausflug.

Ein Blick in den "Spartacus International Sauna Guide" kann solche unangenehmen Überraschungen vermeiden helfen. Schwule Sauna-Fans finden in der jüngst erschienenen fünften Auflage des Gmünder-Führers die wichtigsten Infos über einschlägige Schwitzbäder in aller Welt. Mehrere Hundert Saunen in 35 Ländern werden mit Eintrittspreisen, Öffnungszeiten, Websites und (englischsprachigen) Angaben zu Publikum und Besonderheiten gelistet.

Eigene Piktogramme informieren über Details zu Einrichtung und Ausstattung. Darunter auch: Wo gibt es kostenlose Kondome? Und welche Sauna knausert nicht beim zweiten Handtuch? Einziges großes Manko: Auf Fotos der vorgestellten Saunen wurde leider komplett verzichtet.

Recht informativ und teilweise skurril sind die übergeordneten Einleitungstexte, die über kulturelle Besonderheiten und Umgangsformen des jeweiligen Landes aufklären. "Die Saunakultur in Brasilien ist bis auf Ausnahmen immer mit Prostitution verbunden", erfährt man da etwa: "Damit es zu keinen Verwechslungen kommt, haben Kunden und Jungs zumeist Handtücher in unterschiedlichen Farben." Für Tokios Saunen gibt es den folgenden Tipp: "Ferner raten wir, eigene Kondome mitzubringen, da die japanischen kleiner sind als die europäischen."

Und in Nizza? Hätte ich vorher einen Blick in den Sauna-Guide werfen können, wäre ich wohl in den "Bains Douches" in der Rue Gubernatis gelandet: "a classy sauna with beautiful decor, mainly frequented by youngsters". Die stinkende Schwitzstube "Le 7" kommt dagegen für meinen Geschmack viel zu gut weg: "May seem a little run down", heißt es dort – bei einem Führer, der gleichzeitig Anzeigen akquiriert, muss man offensichtlich zwischen den Zeilen lesen können…

Wer komplett auf Nummer sicher gehen will, schaut vor dem Saunabesuch in einer fremden Stadt am besten nicht nur in den Guide, sondern fragt zusätzlich einen Einheimischen.

Spartacus International Sauna Guide, 320 Seiten, Bruno Gmünder Verlag, Berlin 2004, 13,95 €

17. Januar 2005