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  • 23.12.2014           31      Teilen:   |

Homophobes Motiv strafverschärfend gewertet

Belgien: Hohe Haftstrafen für Mord an Schwulen

Artikelbild
Die übel zugerichtete Leiche von Ihsane Jarfi war erst zehn Tage nach Verschwinden des Mannes aufgefunden worden

Vier Männer, die 2012 den 32-jährigen Ihsane Jarfi brutal ermordet hatten, erhielten für das Hassverbrechen zwischen 30 Jahre Haft und lebenslänglich.

Es war ein Fall, der Belgien vor zwei Jahren erschüttert hatte wie zuvor der Mord an Matthew Shepard die USA: Am 22. April 2012 war der 32-jährige Ihsane Jarfi nach dem Verlassen eines Clubs in Lüttich verschwunden. Nachdem eine Fahndung der Polizei und eine Vermisstensuche bei Facebook durch Freunde des Mannes kein Ergebnisse brachten, fanden zehn Tage später zwei Wanderer die mit Verletzungen übersäte nackte Leiche Jarfis auf einem Feld in Villers-le-Temple (queer.de berichtete).

Aufgrund von Handy-Vermittlungsdaten kam die Polizei den Tätern schnell auf die Schliche. Sie hatten angegeben, Jarfi auf eine Mitfahrt im Auto eingeladen zu haben. Nachdem dieser sexuelle Avancen gemacht habe, seien sie handgreiflich geworden.

Ein Gericht in Lüttich hat nun am Dienstag diese Männer verurteilt: Drei erhielten wegen Mordes lebenslänglich, ein vierter Tatbeteiligter muss wegen Totschlags für 40 Jahre ins Gefängnis. Der homophobe Hintergrund der Tat wurde strafverschärfend bewertet.

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Keine Milde

Der Mord war ein tagelanges Medienthema und hatte für eine große Anteilnahme gesorgt, in Lüttich wehten die Regenbogenflaggen tagelang auf Halbmast
Der Mord war ein tagelanges Medienthema und hatte für eine große Anteilnahme gesorgt, in Lüttich wehten die Regenbogenflaggen tagelang auf Halbmast

Am Montag hatte eine Geschworenen-Jury die Täter, die zwischen 36 und 25 Jahre alt sind, für schuldig befunden und auch die Strafverschärfung wegen eines homophoben Hintergrundes abgenickt. Sie zeigten auch keine Milde gegenüber einem der Männer, der lebenslänglich erhielt: Er hatte angegeben, maximal zwei Mal auf Jarfi eingeschlagen, sich ansonsten aber passiv verhalten zu haben.

Die Jury hatte nur fünf Stunden beraten; sie sprach die Männer auch in den Anklagepunkten unmenschliche Behandlung, Erniedrigung und Freiheitsberaubung schuldig. Die Angeklagten hatten die Tat gestanden. Sie hatten das Opfer so sehr geschlagen und getreten, dass der Brustkorb zerbrach und einige Organe beschädigt wurden, der Körper Jarfis wies zudem Verletzungen am Kopf auf. Auch war er stranguliert worden.

Die belgische Gleichstellungsbehörde, die die Familie des Opfers betreut und unterstützt hatte, begrüßte, dass der homophobe Hintergrund der Tat anerkannt wurde. "Ein Mord ist immer inakzeptabel. Aber wenn der Mord wegen der sexuellen Orientierung von jemandem geschieht, wird damit nicht nur diese Person getroffen, sondern die gesamte Gesellschaft", so der Direktor der Behörde, Joseph White. Er rüttele an der Verletzbarkeit aller homosexuellen Menschen und schädige "die Gesellschaft durch seinen stigmatisierenden Effekt."

Vom Vater zum Aktivisten

Die Eltern des Opfers vor Gericht
Die Eltern des Opfers vor Gericht

Auch die Eltern des Opferns hatten das Urteil begrüßt. Der Vater von Ihsane, Hassan Jarfi, hatte im letzten Jahr eine Stiftung zur Bekämpfung von Diskriminierung gegründet und auf mehreren LGBT-Demonstationen sowie in vielen Interviews von seinem Sohn gesprochen.

Homophobie ist eines der Merkmale eines Gesetzes gegen Hassverbrechen, das in Belgien 2003 eingeführt wurde und bislang zweimal bei Verurteilungen eine Rolle spielte. In Deutschland ist derzeit ein ähnliches Gesetz in Planung, das aber Homophobie nicht ausdrücklich als ein Merkmal benennt (queer.de berichtete). (nb)

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Tags: belgien, ihsane jarfi, mord, hassverbrechen
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Reaktionen zu "Belgien: Hohe Haftstrafen für Mord an Schwulen"


 31 User-Kommentare
« zurück  1234  vor »

Die ersten:   
#1
23.12.2014
23:00:35


(+12, 14 Votes)

Von Sebi


Ich kann mich noch gut an den Fall erinnern.

Sehr gut, dass die Täter gefunden und mit voller Härte bestraft wurden.

In Deutschland hätte es wohl wegen "schwerer Kindheit" der Täter wieder mal nur eine Mini-Strafe gegeben.


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#2
23.12.2014
23:01:25


(+7, 13 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die Strafe ist mehr als gerecht! Diese vier Typen sollen im Knast verschimmeln!


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#3
23.12.2014
23:50:16


(+16, 24 Votes)

Von Unrechtsstaat


Im Nachfolgestaat des deutschen Faschismus werden homophobe Hassverbrechen noch nicht einmal statistisch als solche erfasst, geschweige denn geahndet.

Kein Wunder, dass Heterosexismus und Homophobie im Alltag und im öffentlichen Raum, ganz besonders unter jungen Menschen, so aggressiv und permanent gegenwärtig sind wie nie zuvor.

Die bürgerlichen Arschkriecher und Karrieristen, die zufällig auch schwul sind, ihre "Gleichstellungs"-Aktivitäten simulieren und zugleich überall ihre gestörte Wahrnehmung der Realität zum Besten geben ("So frei wie nie zuvor", "Wir haben soviel erreicht" usw.), werden auch weiterhin kein Interesse daran haben, diese Verhältnisse tatsächlich zu ändern.


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#4
24.12.2014
07:16:50


(+17, 21 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012


Besonders bemerkenswert wie ich finde, ist die Reaktion des Vaters. So ganz anders, als vermutlich erwartet wurde, auch unter "uns"

Ich ziehe den Hut davor, nicht in Trauer oder gar Scham zu versinken, sondern sich zu solidarisieren und aktiv fuer Menschenrechte einzutreten!

Am kleinen Belgien koennte sich die BRD eine Scheibe abschneiden, was Gerechtigkeit angeht. Stattdessen ist man in Berlin weiter "selbstgerecht".


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#5
24.12.2014
08:14:39


(+8, 16 Votes)
 
#6
24.12.2014
08:34:14


(+3, 11 Votes)

Von sanscapote
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Dieser gerechte Lohn gehoert den Merkes und ihren Auftraggebern, sowie den ihr Gehorsam heischenden jeglicher Couleur!!


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#7
24.12.2014
08:49:35


(+19, 19 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008


Damit werden in Belgien die richtigen Zeichen gesetzt. Ich warte darauf, dass ähnliche Fälle in Deutschland genau so drakonisch bestraft werden können. Also, GroKo, macht Euch endlich mal an die Arbeit und schafft die Rechtsgrundlagen dazu!


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#8
24.12.2014
10:29:03


(+9, 15 Votes)

Von Yannick
Antwort zu Kommentar #7 von herve64


Ich stimme Dir zu, aber sowas ist der GroKo herzlich egal.

Wenn machtgeile Opportunisten miteinander regieren, haben die anderes im Kopf als die Bürger, demokratische Grundrechte oder Verbrechensopfer.

Von der Union und ihren Schoßhündchen von der SPD erwarte ich gar nichts mehr. Die verarschen uns nach Strich und Faden, lügen uns dann auch noch frech ins Gesicht und wollen uns für dumm verkaufen.


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#9
24.12.2014
10:45:01


(+16, 16 Votes)

Von Heiner


"Homophobie ist eines der Merkmale eines Gesetzes gegen Hassverbrechen, das in Belgien 2003 eingeführt wurde und bislang zweimal bei Verurteilungen eine Rolle spielte. In Deutschland ist derzeit ein ähnliches Gesetz in Planung, das aber Homophobie nicht explizit als ein Merkmal benennt"

Schön, dass Belgien auch Homophobie als Hassverbrechen einschließt. In Deutschland soll das ja explizit nicht genannt werden.

Und dann versucht die SPD wieder mal, uns weiszumachen, das wäre auch ohne explizite Nennung schon in der allgemeinen Formulierung drin. Aber dann habe ich zwei Fragen: 1. wieso nennt man andere Kriterien dann sehr wohl explizit, wenn explizite Nennung eigentlich nicht nötig wäre? 2. wenn Homophobie auch durch den allgemeinen Teil mitgemeint ist, wieso nennt man das dann nicht einfach auch?

Ist doch dasselbe mit Art. 3 GG, wo auch die sexuelle Identität und die sexuelle Orientierung nicht genannt werden. Angeblich sind wir durch den allgemeinen Teil mit gemeint. Aber wenn es dann darum geht, die Eheöffnung, etc. zu verhindern wird unser Fehlen bei den expliziten Nennungen immer als Argument genommen, dass es grundrechtskonform ist. Die legen es sich so aus, wie es ihnen gerade passt.

Solange gar nichts explizit genannt wird, finde ich das okay. Aber wenn schon explizite Kriterien genannt werden, gehören die sexuelle Identität und die sexuelle Orientierung (Art. 3 GG) bzw. Homophobie (Gesetz gegen Hassverbrechen) auch dazu. Andere Dinge zu nennen und das explizit nicht zu nennen, sagt viel aus.


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#10
24.12.2014
15:38:10


(-7, 17 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von herve64


Mord war in Belgien allerdings auch vorher schon strafbar.... Ein neues Zeichen sehe ich hier nicht.
Jetzt wandert die Truppe ein paar Jahre mehr in den Bau als sonst. Dem Gerechtigkeitsgefühl mag das genüge tun.

Allerdings sollte man sich nicht der in konservativen Kreisen gerne geäußerten These anschließen dass härtere Strafen allein Verbrechen verhindern.
Das tun sie leider erwiesenermaßen nicht.


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