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  • 24.12.2014           5      Teilen:   |

Kinostart "Patong Girl"

Liebe ist wie Dengue-Fieber

Artikelbild
Der Deutsche Felix und die Thailänderin Fai lernen sich im Urlaub auf Phuket kennen. Erst spät outet sie sich als transsexuell (Bild: barnsteiner-film)

Jetzt im Kino: "Patong Girl" ist nicht nur ein gelungener Film für alle Thailand-Fans, sondern auch ein queeres Lehrstück über die Liebe.

Von Micha Schulze

Meine Lieblingsfigur in diesem Film ist die thailändische Großmutter Nit (Panida Nark-orn), eine toughe und doch warmherzige Frau mit schlohweißen Haaren, die mir sehr vertraut vorkommt. "Ich spreche fünf Sprachen. Hokkien, Kantonesisch, Laotisch, Thailändisch und Isaan. Muss ich mit 70 noch eine lernen?", schimpft sie auf Thai, als sie von der deutschen Touristin Annegret Schröder auf Englisch angesprochen wird.

Oma ist unglaublich tolerant und hat doch Vorurteile: Sie steht vollkommen hinter ihrem erst schwulen Enkelsohn Fai, der mit Hilfe der Familie zur transexuellen Enkeltochter wird, auch gegen Ausländer hat Oma nichts: "Farangs sind auch Menschen", zischt sie ihre glotzende Küchenhilfe an, als sie Annegret auf ihre Toilette lässt. Doch einen Weißen als Boyfriend für Fai, das geht Großmutter dann doch zu weit. Denn Nit hat schlechte Erfahungen mit amerikanischen Soldaten während des Vietnam-Kriegs gemacht: "Die denken, die können jede Frau kaufen."

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Coming-out im Bus von Phuket nach Nong Khai

Oma Nit und ihre transsexuelle Enkeltochter Fai - Quelle: barnsteiner-film
Oma Nit und ihre transsexuelle Enkeltochter Fai (Bild: barnsteiner-film)

Quasi das deutsche Gegenstück zu Nit ist jene Annegret Schröder, die zusammen mit ihrem Mann Ulrich (Uwe Preuß) und ihren beiden Söhnen Felix (Max Mauff) und Tommy (Marcel Glauche) zum ersten Mal Urlaub in Thailand macht, spontan zu Weihnachten im Amüsierstädtchen Patong auf der Insel Phuket. Mutti engagiert sich daheim in Lüneburg gegen Rassismus, studiert in Reiseführern artig die thailändische Kultur und kann sich doch von deutschen Vorurteilen nicht lösen. So ist Annegret fest davon überzeugt, dass alle Thailänderinnen nur hinter dem Geld der Farangs, der weißen Ausländer, her sind.

Und hier beginnt das eigentliche Drama: Denn Sohn Felix verliebt sich in jene Fai (Aisawanya Areyawattana), die ebenfalls in Patong Urlaub macht. Der 18-Jährige will deshalb nicht mehr nach Deutschland zurück und folgt spontan seiner neuen Freundin in ihr Heimatstädtchen Nong Khai im Norden Thailands. Doch im rumpeligen Bus durch die Provinz outet sich Fai als "Ladyboy", Felix reagiert entsetzt und rastet aus (Schöner Dialog: "Ich bin nicht schwul" – "Ich auch nicht"), doch irgendwie vertragen sich die beiden wieder. Denn Liebe, so formuliert es Fai ganz wunderbar im Bus, ist wie Dengue-Fieber. Ansteckend, hoch intensiv, manchmal gefährlich und vor allem schmerzhaft.

Jetzt habe ich das "wirkliche Geheimnis" der "schönen und rätselhaften Fai" (O-Ton Presseheft) schon zweimal ausgeplaudert – vermutlich sehr zum Ärger des Filmverleihs. Der hatte mich nämlich extra darum gebeten, Fais Transsexualität in der Kritik nicht zu verraten, aber dieser Wunsch macht wirklich keinen Sinn. Denn nicht nur der queere Zuschauer weiß spätestens nach zehn Minuten, was Sache ist. Annegret liest gleich zu Beginn des Films ganz zufällig aus dem Reiseführer über Thailands "drei Geschlechter" vor, dann staunt die Lüneburger Familie gemeinsam in einem Ladyboy-Cabaret, schließlich kommt heraus, dass Fai keine Kinder bekommen kann…

Eine große Liebeserklärung an Thailand

Poster zum Film: "Patong Girl" startet am 25. Dezember im Kino
Poster zum Film: "Patong Girl" startet am 25. Dezember im Kino

Das Trans-Thema ist gut umgesetzt und wichtig, aber nicht die eigentliche Stärke des Films. "Patong Girl" ist vor allem eine große Liebeserklärung an Thailand. Regisseurin Susanna Salonen, die mehrere Jahre in Phuket gelebt und gearbeitet hat, zeigt das südostasiatische Land aus einer fein beobachteten Insider-Perspektive und doch mit wunderbar ironischem Abstand. Sie hat die Absurditäten des Ferienbetriebs in Phuket eingefangen, der mit dem eigentlichen Leben der Thais wenig zu tun hat, und stellt ihm den Alltag in Nong Khai gegenüber. Normal wirken in "Patong Girl" fast auschließlich die Einheimischen, die darüber hinweg lächeln, dass sich diese merkwürdigen Langnasen immer wieder daneben benehmen, einfach nichts verstehen wollen und dauernd ihr Gesicht verlieren.

Bei manchen Szenen weiß man nicht, ob sie von Salonen inszeniert wurden oder ob die erfahrene Dokumentarfilmerin die Kamera einfach nur draufgehalten hat – so echt wirken sie. Nicht nur bei den älteren Herren mit schütterem Haar, Bäuchlein und "Beer Chang"-Tanktop, die sich in einer Girlbar von Patong volllaufen lassen. Salonen hat auch ein wunderbares Auge für die skurrile Thai-Ästhetik: die Rezeptionistin mit Weihnachtsmütze bei 30 Grad im Schatten, das Hotelzimmer am Strand mit winterlicher Fototapete oder das von oben bis unten vollgestopfte Mini-Reisebüro mit überforderter Mitarbeiterin.

Mit subtilem Humor und viel Situationskomik erzählt Salonen dieses Aufeinanderprallen zweier Kulturen. Göttlich die Szene, als sich Felix nach seiner lautstarken Empörung über Fais Geschlechtsanpassung beim Busfahrer mit einem "Kob khun ka" bedankt – der weiblichen Dankesformel. Auch seine Mutter Annegret, die ebenfalls länger in Thailand bleibt, um ihren Sohn zu suchen und nach Hause zu holen, tritt in manches Fettnäppchen. Während sie ihrem Mann mehrfach eine Szene machte, weil er Bargirls zu lange anguckte, landet sie selbst mit dem französischen Tauchlehrer im Bett.


Queere Nebenhandlung: In Nong Khai trifft Fai auf ihren schwulen Ex, der sie wegen der Geschlechtsanpassung verlassen hat


Doch vor allem zeigt "Patong Girl": Liebe ist universal und unberechenbar. Sie funktioniert trotz aller Missverständnisse, Unzulänglichkeiten und über alle Kulturen und Geschlechtergrenzen hinweg. Manchmal muss man eben einfach nur seinem Herzen folgen, so hatte es Annegret ihrem Sohn schon immer gepredigt – auch wenn sie dabei eine deutsche Freundin im Kopf hatte.

Felix und Fai reden oft aneinander vorbei – so wie viele Farang-Thai-Paare, die sich neu kennenlernen. Sie kommen nicht aus ihrer kulturellen Haut, verstehen sich nicht immer wirklich. "Ich kenne Hitler, Oktoberfest, Sauerkraut und Heidi Klum", verriet Fai etwa ihre Deutschland-Kenntnisse. Aber das wird sich schon entwickeln, und – das zeigt "Patong Girl" – man muss dabei nicht immer nach Erklärungen suchen: "Warum ist der Himmel blau? Warum ist deine Haut weiß? Warum bin ich wie ich bin?", fragt Fai am Ende des Films, während bei Vollmond kleine Naga-Feuerbälle aus dem Mekong-Fluss aufsteigen.

Das ist ein noch schöneres Bild für die Liebe als Dengue-Fieber!

Youtube | Offizieller Trailer zum Film
  Infos zum Film
Patong Girl. Spielfilm. Deutschland/Thailand 2014. Regie: Susanna Salonen. Darsteller: Max Mauff, Aisawanya Areyawattana, Victoria Trauttmansdorff, Uwe Preuss, Marcel Glauche. Laufzeit: 93 Minuten. Originalfassung: Deutsch, Englisch, Thailändisch mit deutschen Untertiteln. Verleih: barnsteiner-film. Bundesweiter Kinostart: 25. Dezember 2014
Links zum Thema:
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Tags: patong girl, thailand, susanna salonen, barnsteiner-film, ladyboy, transsexuell, phuket, nong khai
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Reaktionen zu "Liebe ist wie Dengue-Fieber"


 5 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
24.12.2014
09:20:37


(+6, 8 Votes)

Von usererer


Toller Text. Vielleicht kann der Dauer-Farang (Micha Schulze) seine Hemmungen überwinden und bei Themen in und zu asiatischen Gesellschaften öfters mal subjektiv was drauflos meinen. Häufiger dachte ich schon: Warum sagt der nix?


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#2
24.12.2014
13:36:29
Via Handy


(-1, 3 Votes)

Von ongtaybalo


Da hat der Autor aber ein paar Begriffe durcheinandergeworfen. Sie ist kein Ladyboy, sondern eine Transsexuelle, an der eine Geschlechtsanpassung vorgenommen wurde. Ladyboys haben weiterhin männliche primäre Geschlechtsorgane.


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Anm. d. Red.: Im thailändischen Sprachgebrauch werden transsexuelle Frauen auch nach geschlechtsanpassenden OPs "Ladyboys" genannt

 
#3
24.12.2014
14:56:14
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von Usiri


Also allerspätestens nach einer Geschlechtsanpassung sollte man den Transsexuellen ihre Geschlechtszugehörigkeit vollkommen anerkennen und nicht mehr von "Boy" bei Mädchen/ Frauen oder Girl" bei Jungen/ Männern sprechen.

Mir ist aufgefallen dass nicht nur Heteros, sondern auch viele Schwule und Lesben Probleme damit haben Transfrauen als vollwertige Frauen und Transmänner als vollwertige Männer anzuerkennen.


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#4
24.12.2014
22:30:29


(-2, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Mit Denguefieber ist nicht zu spaßen:

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Denguefieber


So far - so good!


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#5
25.12.2014
01:10:27


(+2, 4 Votes)

Von Fred i BKK


...Lady-Boy beschreibt im sprachlichen Umgang,einen stark femmininen Jungen aber auch faelschlicherweise einen Transgender ,
aber nicht alle hier benuetzen die Bezeichnung so.

Lady-Boy ist ja im zweiten Falle unkorrekt ,es ist ja auch kein "Thaiwort" .

Viele Thais sagen zutreffender "Kathoy"
was dem Begriff Transgender naeher kommt.

Guten Rutsch fuer alle ins 2015 ...hier 2558


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