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  • 25.12.2014           3      Teilen:   |

Florida

Schwules Partymekka Ybor City

Artikelbild
Direkt am Hafen von Tampa liegt das historische Ybor City, ein altes Zigarrenfabrikviertel, das zum Lap-Dance-Zentrum für Heteros verkam. Dann gingen die Geschäftsleute eine schwule Allianz ein und Ybor erlebte einen ungeheuren Aufschwung

Tampas historisches Stadtviertel ist bei Touristen aus Europa noch weitgehend unbekannt – zu Unrecht. Ein Gespräch mit den beiden Begründern des quirligen "GaYbor"-Kiezes.

Von Kevin Clarke

Wer regelmäßig LGBT-Reisereportagen liest, wird bemerkt haben, dass ausgerechnet im ultrakonservativen Nord-Florida immer wieder St. Petersburg und Clearwater als "gay friendly" Urlaubsziele angepriesen werden. Komischerweise erkunden die meisten Journalisten dabei kaum die Umgebung: Vielleicht aus Angst vor religiösen Vollidioten? Dabei liegt gleich auf der anderen Seite von Tampa Bay das historische Stadtviertel Ybor City – eines der großen Schwulenmekkas der USA, das zwar die meisten schwulen Amerikaner und Kanadier kennen, das aber bei den europäischen Besuchern nicht wirklich "angekommen" ist.

Während Tampa eine weitgehend moderne US-Metropole ist, erinnert Ybor City mit seinen alten, roten Backsteingebäuden und Stahlbalkonen an New Orleans. Gegründet von Vicente Martinez Ybor, der hier in den 1880er Jahren seine Zigarrenfabriken baute und Tausende von Arbeitern aus aller Welt holte, besonders aus Cuba, Spanien, Italien und Deutschland, entwickelte sich in dem Viertel ein reges soziales Leben.

Als die Fabriken und Clubhäuser der einzelnen nationalen Gesellschaften (Spanish Club, Italian Club etc.) nach dem Zweiten Weltkrieg verfielen und das Zigarrenbusiness an Bedeutung verlor, machten sich in Ybor Stripclubs für Heteroherren breit – Tampa wurde zu einem Zentrum für Lap Dancing. Irgendwann fingen auch Männer an, sich für Damen zu entblättern. Weswegen es kein Zufall ist, dass der Channing-Tatum-Film "Magic Mike" in Ybor spielt, wo die Außenaufnahmen auf der historischen 7th Avenue entstanden. Irgendwann zogen die Stripper und Lap Dancer jedoch weiter zu Clubs an der Interstate-4-Autobahn, während sich Ybor entvölkerte. Schwarze Gangs machten sich breit, es wurde gefährlich, die Gegend zu besuchen.

Bis vor sieben Jahren zwei schwule Geschäftsleute namens Mark Bias und Carrie West aus St. Petersburg eine bahnbrechende Idee hatten: Wieso nicht das verlassene Ybor in eine Schwulenoase verwandeln, der sie den Namen "GaYBOR" gaben? Wir trafen die beiden zum Interview.

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Die beiden Geschäftsleute Mark Bias und Carrie West verwandelten das heruntergekommene Ybor City in eine Schwulenoase
Die beiden Geschäftsleute Mark Bias und Carrie West verwandelten das heruntergekommene Ybor City in eine Schwulenoase

Gay Business hat Ybor wieder auf die Beine gestellt. Wer hatte die Idee dazu?

Carrie: Wir hatten in St. Petersburg einen Laden im Suncoast Resort, suchten aber eine neue Location in Tampa, wo wir wohnen. Hier gab's keine schwule Szene, man konnte nirgendwo ausgehen und musste immer über die Bucht nach St. Pete fahren. Als das Suncoast Resort 2007 verkauft wurde und man alle Schwulen rausschmiss, war auch das vorbei.

Mark: Als wir 2007 nach Ybor kamen, gab es 44 leere Geschäftsräume auf der 7th Avenue. Auch die Seitenstraßen waren fast entvölkert. Wir fanden, es war der ideale Moment um hierherzuziehen und etwas aufzubauen.

Gab es Berührungsängste bei den Heteros?

Carrie: Die Hetero-Läden in Ybor verloren damals viel Geld, weil immer weniger Menschen kamen. Viele, die hier Immobilien besaßen, hatten auch Immobilien in der neu entwickelten Gegend Channel Side erworben. Sie gaben nach und nach Ybor als Entertainment-Bezirk auf und zogen weg. Dadurch wurde Anfang der 2000er Jahre Ybor zunehmend gefährlich, es zogen Gangs um die Häuser. Die verbleibenden Besitzer von Bars wussten nicht, wie sie damit umgehen und diesen Trend umkehren sollten.

Mark: Komischerweise haben Schwule einen Ruf, furchtlos in gefährliche Nachbarschaften zu gehen. Denk nur an New York und den Meat Packing District, den sie in eine der hippsten Nachbarschaften der Stadt verwandelt haben. So ungefähr ist das hier in Ybor auch gegangen.

Carrie: Wir als Vereinigung GaYBOR trafen uns regelmäßig mit dem Police Department. Die Chefin für Tampa ist eine Lesbe. Wir trafen den Bürgermeister und das City Council. Sie alle hatten großes Interesse daran, die Gegend aufzuwerten. Wir fingen an, die wunderbaren Gebäude aus dem 19. Jahrhundert zu restaurieren, wir installierten überall Straßenbeleuchtung, wir setzten durch, dass die Seitenstraßen von der Polizei patroulliert werden und niemand fürchten muss, zusammengeschlagen zu werden. Das erregte sofort positive Aufmerksamkeit.

Irgendwann wurde sogar die historische Straßenbahn wieder in Betrieb genommen – mit ihr kann man in wenigen Minuten direkt zum Schiffsanlegeplatz am Hafen fahren, was für Besucher, die während einer Cruise in Tampa anlegen, praktisch ist. Nach und nach eröffneten immer mehr Kunstgalerien, Souvenirgeschäfte, Restaurants.



Viele Bars machen weltweit dicht, weil junge Schwule wegen Grindr & Co. nicht mehr ausgehen. Wie wirkt sich dieser Trend hier aus?

Mark: Als Vorteil. Da wir neun schwule Bars und eine Sauna direkt nebeneinander auf zwei Blocks haben, kann man hier via Grindr schnell jemanden finden und sich verabreden. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der andere in einer der neun Bars oder der Sauna ist. Viele Kids kommen her und veranstalten Grindr-Partys, wo sie sich kreuz und quer in Ybor verabreden. Wenn man an einem normalen Wochenende in ein Café geht, hat mindestens einer von zehn Gästen sein iPhone draußen und checkt, wer auf Grindr unterwegs ist. Wir haben hier ja zwei große Universitäten mit 40.000 Studenten. Die sind nicht alle schwul, aber viele von ihnen sind bei uns unterwegs. Und offen für Abenteuer.

Carrie: Das Besondere an Ybor ist, dass man mit dem Auto herkommen, parken und dann alles Weitere zu Fuß erledigen kann. Männer, die in voller Ledermontur oder in Drag unterwegs sind, müssen beim Abklappern der Bars nicht jedes Mal durch die ganze Stadt in diesen Outfits, sie laufen einfach von einer Ecke zur nächsten, vorbei an Clubs, wo andere Schwule sind, die sich an solchen Outfits nichts stören. Wo gibt's das sonst auf der Welt?

Mark: Deswegen kommen auch viele Männer von Außerhalb her, um ein Wochenende Party zu machen. Mit dem Amtrak ist man schnell von Miami hier, das kostet 30 Euro und dauert viereinhalb Stunden. Der Zug hat Wifi, eine Bar, und man kommt zwei Blocks von hier entfernt an.

Der Tampa Pride, der 2015 am 28. März stattfindet, ist eine gute Gelegenheit, Ybor City zu besuchen
Der Tampa Pride, der 2015 am 28. März stattfindet, ist eine gute Gelegenheit, Ybor City zu besuchen

Nord-Florida ist berüchtigt für seine christlich-konservative Bevölkerung…

Mark: Die Mehrheit der Konservativen lebt gleich außerhalb der Stadtgrenze in Hillsborough County. Während Tampa selbst sehr liberal ist, weht ein paar Kilometer weiter ein anderer Wind.

Wie passt das zusammen?

Mark: Die Christen sind Christen. Sie verdammen alles, bis es Geld bringt. Dann schauen sie in die andere Richtung. (lacht) Ybor bringt viel Geld in die Region, also sind die Ultrarechten weitgehend ruhig.

Carrie: Es gibt aber immer ein paar Verrückte, die sich am Wochenende vor den Bars aufstellen, mit Schildern, auf denen Bibelsprüche stehen, und die im Chor fordern, das sündige Treiben zu beenden. Das ist Teil des Charmes von Ybor. (lacht) Sie stehen übrigens auch vor den Hetero-Bars. Vor ein paar Jahren stellten sie sich vor die Stripclubs in Channel Side und wurden von den Heteros zusammengeschlagen. Hier bei uns im Homoparadies nimmt man sie stattdessen belustigt zur Kenntnis und lässt sie in Ruhe.

Mark: Ybor lebt von Diversität. Deshalb finden wir es gut, dass es hier all diese Gruppen weitgehend friedlich nebeneinander gibt. Wir wollen das so! Wir lieben unsere Studenten gleich um die Ecke, wir lieben unsere Tattoo-Leute, unsere Motorrad-Horden, wir lieben die Zigarrenraucher, unsere verrückten Skinheads, die Punks, die Rentner, egal ob schwul oder hetero … Es ist eine gemischte Gesellschaft, eine "true diversity", und das findet man in dieser Form wirklich nur in Ybor.



Wann ist eine gute Zeit zu kommen?

Mark: Im August und September ist es sehr heiß und nass. Es ist die Regensaison, die man vermeiden sollte. Das restliche Jahr ist toll, besonders von November bis März. Es gibt rundum Strände, es gibt Bush Gardens mit seinen "Gay Days", die übrigens auch "Mouse Town" [= Disney World] hat, beide eine Stunde mit dem Auto entfernt. Ebenfalls gleich um die Ecke ist Sarasota mit seinem weltberühten Ringling-Kunstmuseum.

Besonders interessant sind bei uns die Zeiten, wo Cruise Ships anlegen; es kommen neun verschiedene Kreuzfahrtlinien durch Tampa. Viele der Besatzungsmitglieder sind schwul. Die gehen von Bord, springen in den Trolley und lassen es in Ybor krachen. Die neun Paraden im Jahr sind ebenfalls toll, inklusive die schwule St. Patrick's Day Parade im März. Aber auch die entspannten Wochenenden zwischendurch lohnen, wenn man nicht unbedingt eine Überdosis will.

Links zum Thema:
» GaYbor-Homepage mit weiteren Tipps
» Allgemeine Reiseinfos zu Ybor City
» Homepage des Ybor Resort & Spa
Mehr zum Thema:
» Gay and gayfriendly Hotels buchen
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Tags: ybor city, gaybor, tampa, florida
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Reaktionen zu "Schwules Partymekka Ybor City"


 3 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
25.12.2014
08:32:11


(0, 4 Votes)

Von ALIfarmer


Etwas näher: Gran Canaria, man könnte es damit vergleichen...


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#2
25.12.2014
10:25:06


(-2, 4 Votes)

Von Geerd Berlin
Antwort zu Kommentar #1 von ALIfarmer


Da braucht man aber sehr viel Fantasie, um das Jumbo Center mit Ybor gleichzusetzen.


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#3
25.12.2014
11:09:25


(+1, 3 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Schön, daß dieses Stadtviertel vorgestellt wird und für die LGBTI-Community (vor allem die Europas) als attraktives Reiseziel gilt.


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