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Jahresrückblick

Höhepunkte des Jahres 2014


Conchita Wurst sorgte 2014 für viele Emotionen (Bild: Wiki Commons / Ailura / CC-BY-SA-3.0-AT)

Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns – und nicht alles war schlecht! Hier sind die queer.de-Höhepunkte von 2014.

Von Dennis Klein

Star des Jahres: Conchita Wurst
Wer Conchita Wurst 2013 bei der schrecklichen RTL-Realityserie "Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika" gesehen hat, hätte nie für möglich gehalten, was knapp ein Jahr später passiert: Die Wurst wurde vom traurigen Castingshow-Bartmädel mit Hilfe des guten alten Eurovision Song Contest zu einem weltweit bekannten Gesicht. Als Siegerin reiste sie dabei nicht nur um den Globus, um für sich selbst zu werben, sondern auch für die Gleichbehandlung von LGBT. Dafür traf sie sogar den UN-Generalsekretär und wurde wegen ihres Engagements zum Hass-Objekt der AfD.

Wende des Jahres: Barilla
Wie war das noch im letzten Jahr, als Guido Barilla, der Chef der gleichnamigen italienischen Nudelgruppe, die "heilige Familie" beschwor und Homosexuellen riet, doch bitte andere Marken zu kaufen. So verschwanden die Knäckebrote von Wasa wie andere Produkte der Barilla-Gruppe aus vielen Küchenschränken. Doch Barilla hat erkannt, dass man mit Homophobie nicht weiterkommt: Der Konzern ging auf LGBT-Aktivisten zu und wurde binnen eines Jahres zu einem der tolerantesten Firmen der Welt. Und wir knabbern wieder an Wasa…


Hochzeit des Jahres: John Smid
In dieser Kategorie gab es nach der Welle der Ehe-Öffnungen in den USA mehrere Anwärter, etwa Elton John, Sean Hayes oder Neil Patrick Harris. Wir halten aber die Ehe von John Smid für die Wichtigste: Der Amerikaner war jahrelang Chef einer mächtigen Gruppe amerikanischer Homo-"Heiler" und betrieb unter anderem ein Umerziehungslager, in das Eltern ihre "perversen" Söhne und Töchter schicken konnten. Auch wenn er jahrelang für viel Leid verantwortlich war, ist es doch schön, wenn sich jemand vom Saulus zum Paulus wandelt. Das passiert ja nicht immer.


Das Coming-out des früheren Nationalspielers Thomas Hitzlsperger war Anfang des Jahres eine große Story

Coming-out des Jahres: Thomas Hitzlsperger
Zum Jahresbeginn sorgte Thomas Hitzlsperger mit seinem Coming-out für Furore. Als erster ehemaliger deutscher Nationalspieler outete sich der damals 31-Jährige – und sorgte dafür, dass sich die Presse wochenelang mit dem Thema beschäftigte. Jetzt müssen nur noch aktive Spieler anfangen, sich nicht hinter ihren "Freundinnen" zu verstecken.

Zweit-Coming-out des Jahres: Tom Daley
Bisexuelle nervt immer, dass sie für Schwule gehalten werden, die noch nicht bereit für ein "echtes" Coming-out sind. Manchmal ist es aber wirklich so: Im April outete sich Tom Daley als schwul, nachdem er vier Monate zuvor seine "Bisexualität" publik gemacht hatte.

Politisches Coming-out des Jahres: Edgars Rinkēvičs
"#Proudtobegay" ließ der lettische Außenminister via Twitter verkünden. Ein wichtiges Signal für Osteuropa.

Aufsteiger des Jahres (national): Bernd Fabritius und Jens Spahn
Auch in der Union lassen sich schwule Politiker nicht mehr von Damen zu repräsentativen Events begleiten oder befürchten bei jeder Journalisten-Frage das Outing: Mit Bernd Fabritius wird ein schwuler Christsozialer sogar Chef des konservativen Verbandes der Vertriebenen, der zuvor von einer Homo-Hasserin geführt worden war. Spahn wurde ins Führungsgremium der Partei gewählt, gibt aber zugleich teilweise den populistischen Hardliner, um als schwuler Politiker bloß nicht als zu weich zu gelten – und poltert mit albernen Scheinthemen wie dem Burka-Verbot, statt sich für eine Gleichbehandlung von Homosexuellen einzusetzen. Schlimmer noch: Er tut so, als ob es gar kein Problem bei der Frage von LGBT-Rechten gebe.

Aufsteiger des Jahres (international): Robert Biedron
Ein als unabhängiger Kandidat angetretener LGBT-Aktivist, der sich als Sejm-Abgeordneter einen guten Ruf erarbeitet hatte, wird zum Bürgermeister der nordpolnischen Slupsk gewählt. Harvey Milk lässt grüßen.


In großen Teilen der USA dürfen jetzt auch Lesben und Schwule genauso kitschig heiraten wie Heteros (Bild: 92282778@N06 / flickr / by-sa 2.0)

Land des Jahres: USA
In Amerika wird ein simpler Vorgang wie die Gleichstellung von diskriminierten Gruppen im Eherecht nicht einfach angeordnet, er wird zelebriert. Das war 1967 so, als der Supreme Court das Verbot der "gemischtrassigen" Ehe kassierte. Und das war 2014 so, als Dutzende US-Gerichte nach einer Supreme-Court-Entscheidung im Vorjahr Ehe-Verbote kippten: Binnen eines Jahres schnellte die Zahl der Staaten, die Schwule und Lesben im Ehe-Recht gleichgestellt haben, von 16 auf 35 hoch. Jetzt sind nur noch 15 Staaten übrig, die sich noch gegen die Gleichbehandlung wehren. Das wird sich nächstes Jahr ändern.

Außerhalb der USA gab es allerdings weniger zu feiern: Als einziger Staat öffnete 2014 das Vereinigte Königreich die Ehe, allerdings mit der Ausnahme des teilautonomen Nordirland. Am 1. Januar wird aber mit Luxemburg ein weiterer EU-Staat dazukommen. Dann grenzt Deutschland im Westen an kein einziges Land mehr, das Homosexuellen das Ehe-Recht verweigert. Und für die Einführung einer Lebenspartnerschaft hat 2014 selbst Estland gestimmt, ein tolles Zeichen.

Kultur-Highlight des Jahres: Pride
Der britische Feel-Good-Film zeigt uns, wie man Solidarität gewinnt: indem man selbst solidarisch ist. 2014 hat noch weitere angehende populäre Klassiker fürs heimische DVD-Regal produziert: den sensiblen Teddy-Gewinner The Way He Looks etwa und natürlich die US-TV-Serie Looking.

Protest des Jahres: "Vielfalt statt Einfalt" in Hannover
Das Jahr begann mit der Rainbow Flame am Potsdamer Platz, einem beindruckenden Dauerprotest der beindruckenden Gruppe "Enough is enough". Doch mit den Anti-Bildungsplan-Protesten schob sich im Jahresverlauf ein anderer Gegner als Putin in den Vordergrund. Als die "Demo für alle" erstmals nach Hannover kam, stellte sich die Szene dem beispielhaft entgegen.

Initiativen des Jahres: SchLAu & Co.
Die größtenteils ehrenamtlichen Schulaufklärungsprojekte wie SchLAu, die sich 2014 zum Bundesverband Queere Bildung zusammengeschlossen haben, leisten eine wichtige Überzeugungsarbeit – und standen 2014 plötzlich im Mittelpunkt einer Schmäkritik von fundamentalistischen Gruppierungen und einigen reaktionären Medien.

Erkenntnis des Jahres: Homo-Paare sind glücklicher als Heteros
Glaubt man rechten oder religiösen Dumpfbacken, kann der Homosexuelle an sich nie glücklich sein, weil er in Sünde lebt. Zum Glück zeigt die Wissenschaft, dass es nicht so ist: Laut einer britischen Studie sind Homo-Paare mit ihrer Beziehung sogar glücklicher als ihre Hetero-Pendants. Das größte Problem für Schwule und Lesben bleibt Diskriminierung, wie eine amerikanische Studie zeigte.

Briefmarke des Jahres: Tom of Finland
Die finnische Post ehrt mit drei homoerotischen Postwertzeichen den 1991 verstorbenen Künstler Touko Laaksonen (besser bekannt als Tom of Finland). Er prägte das Männerbild der schwulen Szene der Siebzigerjahre – und führte dazu, dass Schwule in aller Welt plötzlich zu Philatelisten wurden. Mehr Männer wollen wohl jetzt ihre Briefmarkensammlung zeigen.

Teil 2 des Jahresrückblicks, die Tiefpunkte des Jahres, folgen am Montag



#1 RobinAnonym
  • 28.12.2014, 10:32h
  • Um das mal zusammen zu fassen:
    die Höhepunkte des Jahres kommen aus den Bereichen Kultur, ausgewählten Sportlern und finnischen Briefmarken.

    Und die Politik und Politiker in anderen Staaten. Aber die deutsche Politik versagt komplett. Das einzig positive in Deutschland sind Initiativen wie SchLau und Gegenproteste gegen die Bildungsplan-Gegner.

    Das ist ein verlorenes Jahr für Deutschland gewesen. Statt wirklich wichtige Probleme und Menschenrechtsfragen anzugehen, palavert die Regierung über Maut und ähnlichen Schwachsinn.

    Mal gespannt, ob das nächste Jahr auch wieder ein verlorenes Jahr wird.
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#2 Michael43Anonym
  • 28.12.2014, 11:47h
  • Ein guter Jahresrückblick von Dennis Klein, dem ich inhaltlich diesmal zustimmen kann.

    Mir fehlte nur im Jahresrückblick die Erwähnung des guten Grundsatzurteiles des BGH zur rechtlichen Anerkennung von Leihmutterschafen durch die "Hintertür".
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#3 stromboliProfil
  • 28.12.2014, 12:23hberlin
  • Antwort auf #2 von Michael43
  • " Mir fehlte nur im Jahresrückblick die Erwähnung", eine hervorhebung deiner mehrfachpersonalie als beispiel einer multiplen persönlichkeitsdeformation...
    weiter so tinnitus -tjolmi43/88
    wir lechzen nach mehr.&
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#4 janxAnonym
#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
#6 PeerAnonym
  • 28.12.2014, 14:47h
  • Antwort auf #1 von Robin
  • Natürlich wird auch das nächste Jahr wieder ein verlorenes Jahr für Deutschland.

    Das ist das System Merkel:
    das Volk in Trance regieren, damit niemand mitbekommt, was so alles passiert. Und dann einfach gar nichts tun.

    Denn vor Veränderung hatten wir Deutschen immer schon Angst. Selbst wenn es einem nicht so gut geht, ist der deutsche Biedermann gegen Veränderung. Lieber alles immer schön beim alten belassen und im eigenen Saft schmoren. Bloß kein Wandel.
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#7 Julian SAnonym
#8 janxAnonym
  • 28.12.2014, 17:53h
  • Antwort auf #7 von Julian S
  • Also eins vorweg: Die SPD hat für diese Gleichstellungs-"Nullnummer" wirklich auch 0% Sympathie bei mir, allerdings ist diese Rechnung: "SPD hat Mehrheit mit Grüne und Linkspartei", die immer wieder zu hören ist, natürlich schon eine politisch recht naive Behauptung. Soviel Ehrlichkeit muss schon sein.

    Denn damit sowas stabil klappt, ist es ja erforderlich, dass die SPD das vor der Wahl auch klar so äußert. Nach dem Ypsilanti-Desaster wissen wir, dass das einfach essentiell ist. Nachher irgendwas herumbasteln ist gerade bei knappen Mehrheiten eine Kamikaze-Mission.

    Und würde die SPD es vorher ankündigen, dann gibt es sicherlich neben Stimmgewinnen auch Stimmverluste von Leuten, die eine Koalition mit der Linken kaum akzeptabel finden - ob man das jetzt persönlich nachvollziehen kann oder nicht. Kann man dann in die Glaskugel schauen, was überwiegt und ob es in Summe reicht.

    Absolut nichts dagegen, wenn man fordert dass die SPD das bei der nächsten Wahl ankündigen und versuchen sollte - aber ein Selbstläufer wird das bei weitem nicht. Auch das gemeinsame Programm will ja zumindest grob abgestimmt sein. Warten wir's ab wie es klappt. Es gibt da auch ganz schön anstrengende Themen (Auslandseinsätze, Rüstungsexporte, NATO, EU) die "bearbeitet" werden müssten.

    Ich glaube im übrigen ja - unabhängig vom Thema Koalition mit den Linken oder nicht - dass die SPD bereits jetzt in dieser großen Koalition ganz glasklar zumindest etwas mehr hätte durchsetzen können als .... nun ja ... nix. Nur als die tollen Ministerposten winkten, ist sie einfach eingeknickt.
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#9 täuferreichAnonym
#10 2008Anonym