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  • 29.12.2014           4      Teilen:   |

Großes Gefühlskino im 40-Minuten-Takt

Leise-revolutionär: "The Fosters"

Artikelbild
Die beiden Mütter der "normalsten" Regenbogefamilie der Welt: Polizistin Stef Foster (Teri Polo, li.) und die stellvertretende Schulleiterin Lena Foster (Serri Saum) (Bild: ABC Family)

In der TV-Serie "The Fosters" präsentiert Produzentin Jennifer Lopez ein lesbisches Elternpaar mit fünf Kindern und Problemen, die auch jeden schwulen Zuschauer berühren werden.

Von Kevin Clarke

Vielleicht erinnert sich hierzulande noch jemand an die TV-Serie "The Brady Bunch"? Sie definierte 1969 das Bild einer modernen Familie neu, indem sie nach Jahrzehnten von traditionellen Vater-Mutter-Kind-Programmen im amerikanischen Nachkriegsfernsehen erstmals eine Patchwork-Familie zeigte: eine Mutter mit drei Töchtern heiratet einen Mann mit drei Söhnen; zusammen mit Hund und Haushälterin Alice leben alle glücklich in einem Haus und wachsen nach und nach zu einer "richtigen" neuen Familie zusammen.

Das ZDF strahlte die Staffeln ab 1971 unter dem Titel "Drei Mädchen und drei Jungen" aus. Ein amüsanter Klassiker, der das überholte konservative Familienbild der 1950er und 1960er Jahre der Realität anpasste und zeigte, dass man mit "Wahlverwandten" genauso glücklich sein kann wie mit biologischen Familienangehörigen. Dass Mr. Brady in der Serie auch noch der ziemlich knackige schwule Schauspieler Robert Reed war, tat dem anhaltenden Ruhm der Serie bei LGBT-Zuschauern keinen Abbruch. Sie ist in den USA gerade neu auf DVD erschienen und immer noch sehr sehenswert.

Seit 1969 ist in puncto TV-Familien natürlich einiges passiert, besonders wenn's um die Repräsentation von neuen Familienmodellen geht. Die Amerikaner sind besonders clever darin, der Welt solche modernen Familienvariationen nahezubringen und zu zeigen, dass gleichgeschlechtliche Paare genauso gute Eltern sein können wie Mr. und Mrs. Brady – die für ihre Kinder ein ideales Zuhause schaffen, in dem der Nachwuchs glücklich aufwachsen kann. Zum Ärger aller christlichen Fundamentalisten, die das als liberale Propaganda verteufeln.

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The New Normal

Stef und Lena Foster leben mit Stefs biologischem Sohn Brandon sowie den Adoptivkindern Jesus und Mariana zusammen. In der Pilotfolge nehmen sie Callie auf, die bereits bei verschiedenen Pflegeeltern leben musste - Quelle: ABC Family
Stef und Lena Foster leben mit Stefs biologischem Sohn Brandon sowie den Adoptivkindern Jesus und Mariana zusammen. In der Pilotfolge nehmen sie Callie auf, die bereits bei verschiedenen Pflegeeltern leben musste (Bild: ABC Family)

Nach den teils heftigen Diskussionen, die Serien wie "Modern Family" und "The New Normal" zuletzt auslösten, ist es erstaunlich, dass "The Fosters" als neueste Familienserie mit homosexuellen Eltern plus Kindersegen so absolut selbstverständlich daherkommt, dass LGBT-Alltag darin nicht mehr als lustig-tuckige Nebenhandlung verarbeitet wird (wie bei "Modern Family") oder als schrille surrealistische Show (wie bei "The New Normal"), sondern als so "normal" wie möglich, mit Anspruch auf absolute Gleichberechtigung mit allen anderen Familiensituationen drum herum.

Vermutlich hilft es, dass das Elternpaar hier zwei Frauen statt zwei Männer sind, die Teri Polo als butche Polizistin "Stef" in San Diego und die dunkelhäutige Serri Saum als Highschool-Vizedirektorin Lena so liebenswert spielen, dass man sie einfach mögen muss. Ihre Beziehung wird von den Schöpfern der Serie – zwei schwulen Männern – nur am Rande "problematisiert", dann aber so, dass jeder LGBT-Zuschauer sich sofort identifizieren kann, etwa im teils schwierigen Verhältnis zu den Eltern, den Nachbarn, den Freunden der Kinder, den Kollegen, dem Ex usw. Aber diese "Homo-Probleme" überlagern nie die eigentliche Handlung, die vom pubertierenden Alltag der fünf Kinder handelt, für die ihre lesbischen Mütter eben kein Problem sind. Ganz im Gegenteil.

Ausgedacht haben sich die Serie Brad Bredeweg und Peter Paige, den viele aus der US-Version von "Queer As Folk" kennen werden. Die beiden versuchten jahrelang vergeblich, ihr Projekt in Hollywood unterzubringen. Bis sie eines Tages Jennifer Lopez trafen (ja, die Jennifer-Popstar-Lopez). Sie suchte für ihre Firma Nuyorican Productions ein Projekt.

Lopez hatte selbst eine lesbische Tante, die in der Latino-Familie der Diva immer Außenseiterin war. Sie wollte zeigen, dass das heute nicht mehr so sein muss. Als Lopez ihren Namen mit "The Fosters" verband, ging der Rest quasi von selbst. Und sehr schnell. Der US-Sender ABC (auf dem auch "Modern Family" läuft) bestellte eine Staffel, und die Produzenten konnten ein absolutes Traumteam für alle Rollen engagieren. Nicht nur die diversen Kinderdarsteller stehlen mit ihren emotional oft ergreifenden Geschichten regelmäßig die Show, sondern auch in den Nebenrollen sieht man Stars wie Rosie O'Donnell, die hier eine resolute Heimwärterin spielt, die sich um Mädchen (und einen Transsexuellen) kümmert, die kein Zuhause haben.

Youtube | "The Fosters"-Szene "What If I Was Gay"

Diversity bei Disney

Sorgt für manche Probleme bei den Fosters: Adoptivsohn Jesus (Jake T. Austin)
Sorgt für manche Probleme bei den Fosters: Adoptivsohn Jesus (Jake T. Austin) (Bild: ABC Family)

Auch bei den Kindern wird anhand vom Beispiel des Adoptivsohns Jude (Hayden Byerly) gezeigt, wie man damit umgehen kann, wenn zu vermuten ist, dass er schwul werden könnte – und wenn er deswegen von den Schulkameraden gemobbt wird, als er mit blauem Nagellack in der Klasse auftaucht. Die Szene zwischen Jude und Mutter Lena ist ergreifend, als sie ihm erklärt, dass man auch als Out-and-Proud-Person daran denken muss, dass nicht alle anderen Menschen Verständnis für andere Lebensweisen haben und es deshalb manchmal besser ist, sich anzupassen. Oder: Zu lernen, wie man sich anpasst, ohne sich selbst zu verraten!

Das Erstaunliche an der Serie ist, wie die Autoren im Alltag der Familie Foster immer wieder Wege finden, die Geschichte überraschend und glaubhaft und faszinierend weiterzuspinnen. In der ersten Staffel sind es 21 glorreiche Folgen, die zweite Staffel ist inzwischen bei einem Dutzend angekommen und wird im Januar weitergeführt. Ich muss gestehen, dass ich gleich nach der allerersten Folge nicht aufhören konnte zu gucken und selten so viel Freude mit einer Serie hatte wie mit dieser – und das, obwohl ich gemeinhin nicht so der Lesbenserien-Fan bin. (Nach "Orange Is The New Black" ist das bereits die zweite L-Serie, die mich als schwuler Zuschauer restlos begeistert hat.)

Die Pointe ist, dass "The Fosters" in Deutschland seit November ausgerechnet vom Disney Channel ausgestrahlt wird. Natürlich ist sie auch auf allen anderen Online-Kanälen verfügbar und bei Amazon in Einzelablieferungen erhältlich, die amerikanischen Stimmen sind dabei eher zu empfehlen, weil da mehr mit den Dialekten gespielt wird, u.a. bei den beiden Latino-Adoptivkindern. Falls die eine Idee von Miss Lopez waren, dann war sie absolut gelungen. Und Jesus Foster alias Jake T. Austin ist ein Hingucker, der auch bei "Teen Wolf" & Co. mitmachen könnte…

Besonders hübsch ist übrigens der Vorspann zu jeder Folge, "Where You Belong" von Kari Kimmel: Da sieht man ein in Goldtöne getauchtes Ambiente, mit Pancakes, Kaffee, Kinderspielzeug und Holztischen, das so einladend wirkt wie es nur irgend geht. So "normal" wie nur denkbar. Und damit gleichzeitig so leise-revolutionär wie man sich das nur wünschen kann.

Youtube | Titelsong von "The Fosters"
Links zum Thema:
» "The Fosters" im Disney Channel
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Tags: the fosters, tv-serie, fernsehen, regenbogenfamilie, adoption, jennifer lopez
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Reaktionen zu "Leise-revolutionär: "The Fosters""


 4 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
29.12.2014
10:22:30


(-1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Das Fernsehen wird homonormativer und auch in Deutschland sollte dafür mehr getan werden!


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#2
29.12.2014
18:34:17


(0, 2 Votes)

Von Andy


Ich weiß nicht, wie man auch nur irgendetwas, das von Jennifer Lopez kommt, unterstützen kann. Abgesehen davon, dass die Frau wirklich kein Talent als Sängerin hat, tritt sie seit Jahrzehnten Tierrechte, indem sie Pelz trägt und für ihre eigene Modelinie herstellt. Heutzutage sollte wirklich jeder aufgeklärt sein, unter welchen grausamen Bedingungen Pelz hergestellt wird. Insofern werde ich mir diese Serie niemals ansehen, denn ich finde, jeder Mensch sollte gewisse Prinzipien haben.


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#3
30.12.2014
15:07:35


(+2, 2 Votes)

Von Andreas A


Also, wenn du sonst keine Probleme hast..... Sorry, aber deswegen die ganze Serie abzutun, scheint mir doch ein bisschen weithergeholt.


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#4
12.01.2016
01:01:12


(0, 0 Vote)

Von MOCHSI
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


nur weil du Jennifer lopez nicht magst heißt das nicht das die Serie gleich schlecht ist.
Denn die Idee hinter der Serie kommt ja nicht von Jennifer Lopez sondern von Peter Paige und Brad Bredeweg


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