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  • 02.01.2015           83      Teilen:   |

USA

Trauer und Wut nach Selbstmord von 17-jähriger Transsexueller

Artikelbild
Leelah Alcorns endete auf der Interstate 71, als sie sich aus Verzweiflung vor einen Laster warf (Bild: Tumblr)

Der Tod einer Teenagerin aus Ohio erschüttert die USA. Es werden auch Vorwürfe gegen die Eltern laut, weil sie die Transsexualität ihres Kindes aus religiösen Gründen nicht anerkennen wollten.

Im Alter von 17 Jahren hat sich am Sonntag die transsexuelle Leelah Alcorn das Leben genommen. Sie warf sich 30 Kilometer von Cincinnati entfernt auf einer Autobahn vor einen LKW und wurde sofort getötet. Ihr auf der Blogging-Plattform Tumblr veröffentlichter Abschiedsbrief hat in den darauf folgenden Tagen für große mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Darin warf sie ihren evangelikalen Eltern vor, sie nicht unterstützt zu haben, und erklärte, sie wolle erreichen, dass durch ihren Tod in der Gesellschaft über Transsexualität diskutiert wird.

"Wenn ihr das hier lest, bedeutet das, dass ich Selbstmord begangen habe und es nicht mehr geschafft habe, diesen Artikel zu löschen. Seid nicht traurig. Es ist besser so", erklärte Alcorn ihren langen Abschied. Sie erklärte, dass sie im Alter von 14 Jahren erfahren habe, was "transgender" bedeutet. "Nach 10 Jahren der Verwirrung verstand ich endlich, wer ich war". Allerdings habe sie später festgestellt, dass ihre Eltern sie niemals akzeptieren würden, so hätten sie eine Hormonbehandlung abgelehnt. Auch hätten sie sie zu christlichen Therapeuten geschickt.

"Ich habe darauf eine 'Fuck you'-Einstellung gegenüber meinen Eltern entwickelt und mich in der Schule als schwul geoutet. Ich dachte, so wird mein Coming-out als Trans kein so großer Schock mehr sein", so Leelah. Ihr Coming-out führte aber dazu, dass sie auf Anweisung der Eltern die Schule verlassen musste. Alcorn erklärte, sie sei daraufhin vereinsamt und ihre alten Freunde "haben sich einen Scheiß für mich interessiert". Der Brief endet mit den Worten: "Repariert die Gesellschaft. Bitte."

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Vorwürfe gegen Eltern

Leelah Alcorn veröffentlichte dieses Bild auf Tumblr
Leelah Alcorn veröffentlichte dieses Bild auf Tumblr

Die Eltern Carla und Joshua Alcorn weigern sich allerdings selbst nach dem Suizid, Leelah als ihre Tochter anzuerkennen. In Interviews bezeichnen die beiden überzeugten Christen die Verstorbene weiterhin als ihren Sohn: "Ich habe meinen Sohn lieb gehabt", sagte Carla Alcorn auf CNN. "Er war ein gutes Kind, ein guter Junge." In dem Abschiedsbrief habe sie erstmals den Namen Leelah gehört. Ihr Vater erklärte gegenüber dem Lokalsender WCPO: "Wir wollen nicht, dass der Tod politisiert wird von Leuten, die unseren Sohn nicht gekannt haben." Beide betonten, dass Leelah unter Depressionen gelitten habe.

Unter LGBT-Aktivisten gibt es heftige Kritik an den Eltern, aber auch Mitleid. So sagte Aidan Key von der Trans-Gruppe "Gender Diversity", er habe Mitgefühl für einen Vater und eine Mutter, die gerade ihr Kind verloren haben. "Transgender ist in unserer Gesellschaft etwas Neues und wir haben das Thema als Gesellschaft noch nicht debattiert". Er erklärte, wenn sich die Eltern besser informiert hätten, hätte das einen Unterschied für Leelah bedeuten können. Andere warnten davor, die Eltern vorschnell zu voruteilen, ein Selbstmord habe immer mehrere Gründe.

Demgegenüber gibt es in sozialen Netzwerken eine große Empörung über die Eltern, mehrere Online-Petitionen und auch die Forderung nach juristischen Schritten gegen die Eltern. So erklärte der schwule Aktivist Dan Savage, der Gründer der "It Gets Better"-Kampagne, via Twitter: "Wenn Tyler Clementis Mitbewohner angeklagt werden kann, sollten auch die Eltern von Leelah Alcorn angeklagt werden." Savage berief sich dabei auf einen Studenten, der seinen schwulen Mitbewohner 2011 beim Sex gefilmt und daraufhin in den Selbstmord getrieben hatte. Er wurde zu 30 Tagen Haft verurteilt (queer.de berichtete). Laut Savage ist die Ablehnung eines "queeren Kindes" eine Misshandlung, die mit dem Strafrecht bekämpft werden sollte.

Für Jugendliche, die in Deutschland Unterstützung beim Umgang mit ihrer sexuellen Orientierung oder Identität oder einfach Freunde suchen, gibt es zahlreiche LGBT-Jugendgruppen und -zentren (eine nicht mehr ganz aktuelle Liste gibt es hier). Auch mehrere Webseiten, etwa dbna (Du bist nicht allein) oder die des bundesweiten Jugendnetzwerks Lambda, richten sich gezielt an junge Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender. Aufklärungsprojekte wie SchLAU gehen gezielt in Schulen und suchen immer wieder Mitstreiter. (dk)

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Tags: usa, transsexuelle
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Reaktionen zu "Trauer und Wut nach Selbstmord von 17-jähriger Transsexueller"


 83 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
02.01.2015
13:14:17


(+15, 19 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Wir brauchen endlich definierte Rechte für Kinder und Jugendliche damit solche Eltern ihre Kinder nicht mehr zu "christlichen Therapeuten" schleppen, oder aus ihren sozialen Familien herausreißen können, indem sie sie einfach aus der Schule abmelden..

Es muß spezielle Anlaufstellen bei den Jugendämtern geben, und vor allem Anwälte, die diesen Kindern und Jugendlichen kostenlos helfen, sich gegen ihre Eltern zu wehren..


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#2
02.01.2015
13:16:42


(+17, 17 Votes)

Von Baldwina


Toshio Meronek blickt auf dem US-Portal Truthout auf 2014 zurück und fasst die wichtigsten unterdrückten LGBT-Stories zusammen.

"The mainstream 'Homosexual Agenda' in 2014 revolved around conservative issues like gay marriage and transgender military inclusion. That meant lots of important queer and trans stories didn't get much of a voice. Buzz about the criminalization of trans sex workers and the horror stories of undocumented queer people in immigration detention centers may have been muted by the Big Media gatekeepers, but these issues deserve a wider audience",

Link zu www.truth-out.org

Während Medien wie das Time Magazine den Eindruck erwecken, Transgender Personen werden nicht mehr diskriminiert, leiden vor allem schwarze Transfrauen unter zunehmender Gewalt.

Laut "Transgender Violence Tracking Portal", das alle Fälle von Mord, Gewalt, vermißten Personen und Belästigung sammelt, wird alle 38 Stunden eine Transgender Person in den USA ermordet. Ganz selten gelangt dies in die Schlagzeilen, etwa als die Filipina Jennifer Laude vom Soldaten Private Joseph Pemberton in October getötet wurde oder als Deshawnda Sanchez erschossen wurde, als sie im Haus eines Fremden Hilfe suchte.

Link zu www.transviolencetracker.org


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#3
02.01.2015
13:17:07


(+15, 15 Votes)

Von Petrillo
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ich finde auch, dass die Eltern zu bestrafen sind, schließlich haben sie mit ihrer ideologisch verblendeten Weltsicht ihrem Kind das Leben unerträglich gemacht.

Hat man jetzt Mitleid flüchten solche Leute wieder in den Schoß von "Mutter Kirche" und lernen genau NICHTS dazu. Erst mit konsequenter Verfolgung solcher Kleinhirne kann auch ein Umdenken bei anderen "Christen" erfolgen bzw. das Thema vielleicht sogar die Kirchenoberen erreichen.


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#4
02.01.2015
13:33:59


(+12, 12 Votes)

Von Reto77
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Leelah Alcorn wurde offenbar das Opfer bigotter Eltern, die im Netz des sektiererischen Homohasses gefangen waren. Wenn wir LSBTTIQ über die Gleichstellung im Adoptionsrecht reden, wird uns von den Gegnern immer vorgehalten, das Kindeswohl müsse vor den persönlichen Wünschen und Weltanschauung der Erwachsenen den Vorrang haben. Vielleicht sollten Leute wie Wolfgang Thierse (und viele andere), die für die bedingungslose Religionsfreiheit eintreten, endlich über das Wohl von Kindern (insbesondere LSBTTIQ) in bigotten Familien nachdenken.


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#5
02.01.2015
13:55:29


(+9, 11 Votes)

Von SofiaBerlin
Aus Berlin
Mitglied seit 01.01.2013


Was sind das gestörte und ignorante Eltern?
Selbst NACH DEM SELBSTMORD ihrer TOCHTER begreifen Sie immer noch nicht was los ist und wollen es nicht begreifen!
Und besitzen immer noch die Frechheit ihre Transsexualität zu ignorieren.
Was sind das nur für schreckliche Menschen.
Ich wünsche mir wie Dan Savage eine Anklage gegen die Eltern, für mich ist das Totschlag wenn nicht sogar Mord. Und ich wünsche mir endlich Reformen und eine Stärkung der Rechte von Transsexuellen egal ob in Deutschland oder USA.


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#6
02.01.2015
14:39:59


(-6, 12 Votes)

Von gerri4sebs


Nach Gesetz ist es nicht strafbar was die Eltern gemacht haben. Das wäre es auch nach deutschem Gesetz nicht.
Wenn Eltern einer Hormonbehandlung ihres Kindes nicht zustimmen, haben diese als Erziehungsberechtigte das Sagen.
Ob gerecht oder nicht ist eine andere Frage.
Aber die Eltern wegen Totschlag oder gar Mord anzuklagen hat keinerlei Bestand.


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#7
02.01.2015
15:00:20
Via Handy


(+6, 10 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #6 von gerri4sebs


Also sollen weiterhin solche dubiosen angebote erlaubt werden, auch wenn bekannt ist, wozu das führt? Und minderjährige sollen in der hinsicht sich weiter den eltern fügen, weil es das gesetz so vorsieht und gesetze gefälligst zu befolgen sind?


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#8
02.01.2015
15:27:45
Via Handy


(+9, 13 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"My mom started taking me to a therapist, but would only take me to christian therapists, (who were all very biased) so I never actually got the therapy I needed to cure me of my depression. I only got more christians telling me that I was selfish and wrong and that I should look to God for help."

Das sagt doch alles! Solche angeblich "christliche" Therapeuten gehört die Approbation sofort entzogen. Sie und die Eltern sind für mich klar die Schuldigen. Sie haben Blut an ihren Händen!

Wer sein Kind liebt, kann nur akzeptieren wie es IST. Egal ob schwul, bi, hetero, transsexuell oder wie auch immer es sich selbst erkennt. Es braucht Unterstützung in dem was es ist. Alles andere ist keine Liebe sondern Verrat.

"As for my will, I want 100% of the things that I legally own to be sold and the money (plus my money in the bank) to be given to trans civil rights movements and support groups"

Gerechtigkeit gibt es hier keine mehr. Trotzdem sollte man ihre Eltern und Therapeuten Zeit ihres Lebens aufs Existenzminimum setzen und all ihr übriges Einkommen sollte gemäß Leelahs Wunsch entsprechend monatlich an Transgender-Organisationen überwiesen werden müssen.

Sowas im Jahre 2015 zu lesen macht unheimlich wütend und traurig.


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#9
02.01.2015
15:33:27


(+7, 11 Votes)

Von Robin


Was tun solche religiösen Fanatiker nur ihren Kindern an...

Für solche Verbrechen müssten solche Fundamentalisten eigentlich lebenslänglich in den Knast.


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#10
02.01.2015
15:37:20


(+7, 11 Votes)

Von Peer


Nicht Schwule und Lesben sind ungeeignet, Kinder großzuziehen, sondern solche Religions-Idioten, die in ihrem Wahn sogar ihre eigenen Kinder in den Tod treiben.


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