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Homo-Helpline bittet "nicht-deutsche" Geschäfte, homofreundliche Aufkleber anzubringen. whk: "instinktlos"

Von Norbert Blech

Das linksgerichtete wissenschaftlich-humanitäre Komitee (whk) hat dem Kölner schwulen Überfalltelefon Instinktlosigkeit und Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen. Hintergrund ist die Veröffentlichung des Anti-Gewalt-Berichts für das Jahr 2004 vor wenigen Tagen.

Unter dem Punkt "Perspektiven" heißt es da: "Da die Angst aber innerhalb der lesbisch-schwulen Community vor Migranten nach unserer subjektiven Wahrnehmung geblieben und durch Medienberichte gestiegen ist, sollten auch neue Wege der Prävention überlegt werden." Als eine Idee nennt der Report, dass "Kölner Geschäfte, die von Kölnern mit Migrationshintergrund betrieben werden, einen Aufkleber mit einem Zeichen oder Motto anbringen, der deutlich macht: 'Auch Homosexuelle sind hier willkommen.'"

Der im Vorfeld des 60. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus "mehr als instinktlose Vorschlag, 'nicht-deutsche' Geschäfte – womit auch immer – optisch zu kennzeichnen", sei ein weiterer Beleg, "mit welch fachlich schlichten und politisch bedenklichen Strategien die auch noch mit Landesmitteln geförderte schwule Anti-Gewalt-Arbeit in Nordrhein-Westfalen operiert", so whk-Sprecher Dirk Ruder. "Wie schon das seit Jahren umstrittene Berliner Überfalltelefon 'Maneo' geht das Schwule Überfalltelefon in Köln nunmehr offenbar ebenfalls von der absurden, ja gefährlichen Vorstellung aus, dass Menschen 'mit Migrationshintergrund' oder 'nicht-deutscher Herkunft' grundsätzlich als homophob und gewalttätig anzusehen seien und diese deshalb ihre 'Schwulenfreundlichkeit' explizit und permanent öffentlich zu erklären hätten." Laut whk gebe keinen dokumentierten Fall, dass Schwule und Lesben in einem solchen Geschäft "vom Inhaber bedroht, beschimpft oder gar geschlagen worden wären".

Zu ähnlichen Bemühungen in Berlin, speziell auf Migranten zuzugehen, schreibt das Kölner Überfalltelefon im Falle einer Plakatkampagne: "Dass diese Parole gegen Homosexuellenfeindlichkeit nicht nur an die Minderheiten (mit Migrationshintergrund) am Ort gerichtet ist, versteht sich für uns von selbst. Minderheitenfeindlichkeit, gepaart mit gestiegener Aggression, ist ein gesamt-gesellschaftliches Problem." An anderer Stelle im Report heißt es: "Dass andererseits Integration auch keine Einbahnstraße sein kann, ist für uns ebenso sicher. Integration muss auch für Schwule und Lesben gelten, mit dem gleichen Respekt vor anderen Kulturen und der Offenheit gegenüber anderen Traditionen."

18. Januar 2005

Redaktionskommentar

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21 Kommentare

#1 AnneAnonym
#2 goatyAnonym
  • 18.01.2005, 16:07h
  • na, die vom überfalltelefon werden wohl kaum geschäfte von engländern oder amerikanern meinen, oder?
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#3 GuidoAnonym
  • 18.01.2005, 16:55h
  • Es ist bedauerlich, dass immer der Vorwurf "Rassismus" im Raum steht.
    Auch mir als politisch denkender Mann macht es Schwierigkeiten, aber es ist auch in München Fakt, dass antschwule Gewalt mehrheitlich von ausländischen Mitbürgern ausgeht. Selbst´verständlich hat das auch mit den Zukunftsperspektiven, mit sozialem Status und Bildung zu tun und darauf muss auch hingewiesen werden. Aber an den Fakten ist nichts zu ändern, so unangenehm man sich dabei auch fühlt.
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#4 MichaelAnonym
  • 18.01.2005, 17:57h
  • Der Vorwurf der Naivität und Unprofessionalität ist wohl eher an Herrn Blech, das whk und andere linke Ideologen zu richten, die der Auffassung sind, dass unsere Gesellschaft alle durch kulturelle Unterschiede bedingte Handlungen zu tolerieren haben.

    Wer den außergewöhnlich hohen Anteil moslemischer Männer, insb. Jugendlicher, an homophober Gewalt negiert oder auch nur Verständnis dafür aufbringt, dem sei empfohlen, den rosaroten Elfenbeinturm zu verlassen und sich in den entsprechenden Statistiken zu informieren. Auch ein Besuch gewisser, nicht szeneüblicher Stadteile in Berlin, Köln oder München kann einen Erkenntnisgewinn bringen, stellt sich aber oftmals für offen schwul lebende Menschen als nicht ungefährlich heraus.

    Warum sollten wir jenen, die Akzeptanz von uns fordern, nicht Gleiches abverlangen.

    Dies auch nur in den Zusammenhang zur abscheulichen faschistischen Brandmarkung jüdischer Geschäfte zu stellen, verkennt nicht nur das berechtigte Anliegen des Überfalltelefons, sondern stellt eine Beleidigung für die Opfer des Holocaust dar!
    Diesen zu instrumentalisieren, um missliebige Auffassungen jedwede Legitimität abzusprechen, ist nicht nur unfair, sondern eine unvergleichliche Geschmacklosigkeit!

    Auch durch einen solch dummen Vergleich können sich Menschen disqualifizieren.

    Dies haben sowohl der Autor als auch das WHK getan.
    Mag der Hinweis auf die Ursachen auch berechtigt sein, entbindet dies nicht von der Pflicht, bedenkliche Entwicklungen aufzuzeigen und Lösungen zu suchen.

    Boshafte Unterstellungen und Diffamierungen aus ideologischen Gründen sind dabei ebensowenig hilfreich, wie das Schüren von Panik.
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#5 KurtAnonym
  • 18.01.2005, 21:07h
  • @Michael: Herr Blech hat wohl kaum gefordert, dass man antischwule Gewalt tolerieren soll.

    Es geht doch dabei darum, Methoden zu hinterfragen, die Arbeit kritisch zu begleiten. Nur weil etwas gut gemeint ist, ist es noch lange nicht gut.

    Wenn das Telefon meint, durch Aufkleber in Läden Toleranz gegenüber Schwulen verbessern zu können, dann doch in allen Läden - und nicht nur den 'nicht-deutschen'.

    Wenn man meint, es gebe vor allem antischwule Gewalt unter Ausländern, die Zahlen aber dürr sind, dann sollte man sich mit dramatischen, lauten Aussagen zurückhalten und vor allem nicht durch andauerndes Tönen Angst schüren und Ausländer unter Generalverdacht stellen. Leise Arbeit hinter den Kulissen, beispielsweise Treffen mit Vertretern der Ausländerverbände, dürften da mehr bewirken.

    Viel Gewalt passiert zwischen Strichern und Freiern. Übermässig viele Stricher dürften ärmere Ausländer oder nicht arbeiten dürfende Asylberwerber sein, was beispielsweise einen höheren Anteil in der Gesamtstatistik erklären kann. Ob man von anti-schwuler Gewalt im Sinne von homophober Gewalt sprechen kann, steht dabei auf einem anderen Blatt. In Berlin zählt das Überfalltelefon auch Übergriffe auf Berliner im Ausland hinzu, was die Täterschaft ebenfalls Richtung Ausländerschaft rückt. Das alles belegt in meinen Augen die hier unterstellte Unproffessionalität.

    Auch ich kenne die unschönen Ecken unserer Großstädte und gebe zu, manchmal Angst gerade vor Gruppen junger "Ausländer"-Kids zu haben. Angepöbelt wurde ich indess nur zweimal: von deutschen.
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#6 Schwules Überfalltelefon KoelnAnonym
  • 18.01.2005, 21:51h
  • Schluss mit der Unprofessionalität – das kann man in der Tat fordern!
    Bei Norbert Blech wird aus unserem Vorschlag zur öffentlichen Solidarisierung von Geschäftsbetreibern mit Schwulen und Lesben durch Aufkleber, um so präventiv homophober Gewalt eventueller Kunden entgegenzutreten, eine „Idee zur Kennzeichnung muslimischer Geschäfte“ -„Stille Post“ lässt grüßen. Wenn Norbert Blech darüber hinaus behauptet der Anti-Gewalt-Bericht basiere auf einem Eindruck, liegt der Verdacht nahe, dass er den Bericht nicht gelesen hat (mit 29 Seiten ist der Bericht auch harte Kost). Wie sonst ist es auch zu erklären, dass sein Artikel nicht den Anti-Gewalt-Bericht des Schwulen Überalltelefons selbst zum Inhalt hat, sondern anstelle dessen die ca. einseitige Pressemitteilung des WHK zum Anti-Gewalt-Bericht. Wie sonst ist zu erklären, dass er kein einziges Wort über die Opfer Antischwuler Gewalt verliert (über die sich auch der WHK in seiner Presseerklärung ausschweigt)?

    Die Aufgaben des Schwulen Überfalltelefons liegen in Beratung und Hilfe von Opfern vor allem antischwuler Gewalt und der Dokumentation dieser. Wird uns in Beratungsgesprächen mitgeteilt, dass es sich um Täter mit Migrationshintergrund handelt, wird dies notiert. Der jährliche Anti-Gewalt-Bericht dokumentiert die Fälle antischwuler Gewalt und weist auf besondere Auffälligkeiten hin. Die Tatsache dass 64% der dokumentierten Fälle von Tätern mit Migrationshintergrund verübt wurden, ist eine Auffälligkeit. Will man die Ursache Antischwuler Gewalt bekämpfen, muss man wissen wo Antischwule Gewalt zu finden ist. Dies wird mit unserem Bericht ermöglicht. Eine Analyse der Bildungs- und Armutshintergründe der Täter kann der Bericht nicht leisten, wie auch? würde dies versucht wäre er in der Tat unprofessionell.
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#7 StefanAnonym
  • 18.01.2005, 22:14h
  • Schade, dass das Überfalltelefon beleidigte Leberwurst spielt anstatt auf die Kritik einzugehen.
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#8 Thommen, PeterAnonym
  • 18.01.2005, 22:39h
  • Die Tatsache, dass es antisemitische Einstellungen unter Schwulen gibt, ist ebensowenig tabu, wie die Tatsache, dass es auch antischwule Menschen jüdischen Glaubens gibt. Und beide wurden vom Faschismus verfolgt!
    Mir passt das Tabu aus dem "Zentralkomitee von gigi" überhaupt nicht!
    Oder ist der Hinweis, dass es wohl weniger protestantische homophobe Pfarrer gibt, als katholische ebenso tabu?
    Mich würde mal interessieren, wieso Migranten so tabuisiert werden? Ich bin ebenfalls der Überzeugung, dass Migranten an den eigenen Minderheiten und an den anderen Minderheiten genauso lernen können, Verständnis für Schwule und Lesben aufzubringen, wie wir als Minderheit lernen können, Verständnis für diese aufzubringen.
    Wieso soll das alles immer eine Einbahnstrasse sein?
    Wohin unsere "bürgerliche" Ignoranz führt, das sehen wir bei allen Minderheiten, kommen sie nun aus Anatolien, oder mitten aus unseren bürgerlichen Familien!
    Habt Ihr eigentlich die Theaterstücke von jüdischen schwulen Autoren zum Thema AIDS nie gelesen? Oder zum Thema Abtreibung und Homosexualität: "Der letzte der Golds"...
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#9 blech-whkAnonym
  • 18.01.2005, 22:47h
  • da soll wieder mal dem LSVD und seinen Überfalltelefonen eine reingewürgt werden
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#10 Verunsicherter LeserAnonym
  • 18.01.2005, 22:54h
  • Haben die Homo-Helpline "nicht-deutsche" Geschäfte aufgefordert ihre Geschäfte zu kennzeichnen, wie queer schreibt, oder vorgeschlagen "Kölner Geschäfte mit Migrationshintergrund" an Präventionskampagnen zu beteiligen.
    Beides mal wird mit Zitaten gearbeitet, so dass mit zwischen übler Nachrede und Zitaten nicht unterscheiden kann.
    Man darf nicht tabuisieren,dass es Homophobie bei Unterschichtsmigranten gibt und dies bei der Aufklärungsarbeit der Homobewegung keine Rolle gespielt hat. Der hat der LSVD doch recht!
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