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  • 18. Januar 2005, noch kein Kommentar

Nicht nur weiße Musiker haben Country-Musik aufgenommen, sondern auch viele schwarze. "Dirty Laundry" huldigt diesen.

Von Jan Gebauer

Country-Musik wurde in der Regel von weißen Musikern geprägt: Ob in den "good old days" vor dem Rock'n'roll durch Legenden wie Jimmie Roders, der Carter Family und Roy Acuff oder in der Zeit nach 1955 (Geburtsjahr der Rock-Musik) als Superstars wie Johnny Cash, Dolly Parton oder George Jones groß rauskamen. Aber da gab es ja noch Charley Pride ("Kiss An Angle Good Mornin'", "Please Help Me I'm Falling", "Is Anybody Going To San Antone?"), der ab 1966 als erster schwarzer Country-Musiker zum Superstar aufstieg und insgesamt über 30 Nummer-Eins-Hits in den Country-Charts landen konnte - wahrscheinlich auch, weil seine Stimme so "weiß klang". Echte Konkurrenz hatte er nicht – zu konservativ war das Publikum, wenn es um die Hautfarbe ihrer Lieblinge ging. Auch heute hat sich daran nichts geändert und ein neuer Charley Pride gilt als ziemlich unwahrscheinlich. Auf der Compilation "Dirty Laundry" huldigt das Label Trikont allen mutigen Musikern, außerhalb des Country-Genres, die sich trotzdem dieser Musik in den 60er und 70er Jahren annahmen und teilweise sogar ganze LPs damit füllten.

Das ergibt eine spannende Mischung aus Blues, erdigem R&B und eben der traditionellen Musik der weißen Amerikaner. Die Anthologie birgt dabei nicht nur musikhistorisch Verschüttetes, sondern legt die oft übersehenen Country-Wurzeln von Soulstars offen und stellt afroamerikanische Musiker in einen Genre-übergreifenden Kontext. Dabei besticht die Musik auf "Dirty Laundry" durch exzellente Instrumentalisten, beseelte Sänger und Sängerinnen sowie prägnanten Melodien. Als herausragendes Beispiel sei Candi Staton genannt (Autsch, auf der CD und im Booklet falsch geschrieben: Candy), die mit ihrer Version des Tammy-Wynette-Klassikers "Stand By Your Man" einen großartigen Beitrag leistet. Anfang der 70er Jahre war das für Candi auch einer ihrer ersten Hits, sogar in den R&B-Charts. Später wandte sie sich dem Disco- und Gospel-Genre zu und trat 2001 beim CSD im Kölner Lulu auf. Ob Bobby Womack ("Bouquet Of Roses"), James Brown ("Your Cheating Heart"), Curtis Mayfield ("Dirty Laundry") oder Etta James ("Almost Persuaded"), die Star-Riege liest sich nicht nur beachtlich, sondern hört sich auch großartig an. Und wer die Pointer Sisters schon immer auf High-Energy-Funk-Perlen wie "I'm So Excited" und "Jump" reduzierte, erlebt mit dem wunderschönen "Fairytale" (1974 Grammy-veredelt) sein ganz persönliches Country-Wunder.

22. Januar 2005