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  • 08.01.2015           4      Teilen:   |

Aus Holger wird Rosa

Ein schwule Jugend in Praunheim

Artikelbild
Berühmt und Künstler werden wollte Rosa von Praunheim schon immer. In seiner Jugend hatte sich der Filmemacher noch der Malerei verschrieben (Bild: missingFILMs)

Mit seiner neuesten Dokumentation "Praunheim Memoires" setzt Regisseur Rosa von Praunheim seiner Herkunft ein filmisches Denkmal. Jetzt im Kino!

Wir kennen ihn als Rosa von Praunheim, doch geboren wurde der berühmte schwule Filmemacher 1942 als Holger Radtke in Riga. Er wurde von Gertrud Mischwitzky adoptiert, wuchs in der DDR auf, zog 1953 jedoch in den Westen, wo er über Umwege in Frankfurt am Main landete – im Stadtteil Praunheim.

Mitte der 1960er Jahre nahm Holger seinen Künstlernamen an. Er ist eine Reminiszenz an den Rosa Winkel, den homosexuelle Männer in der Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern tragen mussten, sowie an jenen Stadtteil im Nordwesten der Bankenmetropole mit nur knapp 16.000 Einwohnern, der ihn jedoch maßgeblich prägte.

Inwiefern, das erklärt Rosa von Praunheim in seinem neuesten Film: Die Dokumentation "Praunheim Memoires", die am 8. Januar in einigen deutschen Programmkinos anläuft, ist eine Reise in die eigene Vergangenheit des Regisseurs.

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Zu Besuch beim früheren Deutschlehrer

Plakat zum Film: Offizieller Kinostart ist der 8. Januar 2015
Plakat zum Film: Offizieller Kinostart ist der 8. Januar 2015

Holger kam mit seinen Eltern im Alter von zwölf Jahren nach Frankfurt-Praunheim. Er ging auf das Wöhler Gymnasium, wo er seine erste Regiearbeit, die Metamorphosen von Ovid "Phyrramus et Thisbe", inszenierte. Er war ein schlechter Schüler, nur sein Deutschlehrer Heinz Nickel mochte ihn. Im Film besucht Rosa den heute 86-jährigen Pädagogen und bedankt sich bei ihm.

Holger schrieb schon früh Gedichte und malte beeinflusst vom deutschen Expressionismus und den "absurden" französischen Schriftstellern. Rosa besucht die Witwe seines besten Malerfreundes Marek aus der Jugendzeit. Im Jahre 2013 wurde Rosa von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach eingeladen, um als ehemaliger Student einen Vortrag zu halten. Hier hatte Holger seinen ersten Sex mit einem Mann und hier lernte er fantasievolle Frauen kennen. Die Mitglieder der Offenbacher Kultband "Baby of Control" tauchen in Rosas Vergangenheit ein und stellen Szenen nach.

Der Höhepunkt von "Praunheim Memoires" ist die Liebesgeschichte von Holger zu Nora Gräfin Stolberg zu Stolberg, seiner mütterlichen Freundin, die er mit 17 Jahren in Praunheim kennenlernte und mit der er ein Leben lang verbunden blieb. Nora gab ihm den Mut, zu "Rosa" zu werden, zu dem zu stehen, was er ist und wen er liebt.

Der Hessische Rundfunk war es, der 1968 den ersten Kurzfilm "Von Rosa von Praunheim" kaufte und somit den Grundstein für seine Filmkarriere legte. Mitte der 1970er Jahre produzierte der hr einen dreistündigen Film von Rosa "Der 24. Stock" über das Leben in einer Frankfurter Stadtrandsiedlung. Rosa besucht die hr-Redakteurin Esther Schapira, die weitere Filme von Rosa mitproduziert hat und auch für "Praunheim Memoires" verantwortlich ist.

Auch der Männerchor Praunheim ist dabei

Bei einem Besuch im Stadtmuseum erfährt Rosa durch Zufall, dass das Adelsgeschlecht von Praunheim gar keine Erfindung von Rosa ist, sondern aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die Ritter von Praunheim besaßen in Praunheim eine Burg. Wolfram I. von Praunheim wurde später der erste Reichsschultheiss von Frankfurt am Main. Besonders dankbar ist Rosa, dass der Männerchor Praunheim eine von ihm geschriebene Hymne für den Film eingesungen hat

Mit den "Praunheim Memoires" hat der schwule Regisseur seiner Herkunft ein unterhaltsames filmisches Denkmal gesetzt. Die Doku ist zugleich Einführung in die Lebensgeschichte und das künstlerische Universum des Filmemachers, ein Stück Gesellschaftsgeschichte der Stadt und ein spannender Blick auf ihre Gegenwart. Der 72-jährige Rosa hat dafür gesorgt, dass nicht nur er selbst, sondern auch sein Praunheim niemals vergessen wird. (cw)

Youtube | Offizieller Trailer zum Film
  Infos zum Film
Praunheim Memoires. Dokumentation. Deutschland 2014. Regie: Rosa von Praunheim. Laufzeit: 82 Minuten. FSK 0. Verleih: missingFILMs. Kinostart: 8. Januar 2015. Spielorte: Berlin (Babylon Mitte, Bundesplatzkino, Ladenkino), Frankfurt am Main (Mal Seh'n Kino), Hannover (Kino im Künstlerhaus), Köln (Filmhaus), Leizpig (Kinobar Prager Frühling), Magdeburg (ARTist! Moritzhof)
Galerie
Praunheim Memoires

7 Bilder
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Tags: rosa von praunheim, dokumentation, missingfilms, praunheim
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Reaktionen zu "Ein schwule Jugend in Praunheim"


 4 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
08.01.2015
14:18:05


(+3, 5 Votes)

Von ehemaligem User Tonner66


Toll , Rosa ist einfach immer noch cool und Kult!


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#2
08.01.2015
15:51:39


(-3, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Der Mann hat für die LGBTI-Rechte gekämpft und polarisiert als so mancher Politiker (eingeschlossen auch der innenpolitische Sprecher der Grünen)!


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#3
08.01.2015
17:17:45


(+6, 6 Votes)

Von niccinicci


ich find den typen klasse, für mich eine gallionsfigur mit ecken und kanten, eine echte marke, mit dem ich mich sofort gerne die ganze nacht fetzen könnte. er war einer der ersten schwulen im tv, als ich ein kleiner junge war. unvergessen sein klasse film (über)leben in new york.
sein zwangsouting von harpe und biolek, unvergessen und politisch herrlich unkorrekt.
seine jugend in praunheim interessiert mich weniger, habe ich so selber in der provinz erlebt, aber auf alle fälle gebührt ihm eine menge respekt.


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#4
09.01.2015
01:19:43


(+5, 5 Votes)

Von Homonklin44
Aus Tauroa Point (Schleswig-Holstein)
Mitglied seit 08.07.2014


Wäre schon gewesen, wenn der Film auch nach Kiel gekommen wäre. Über die 'perverse Situation' in der wir in dieser Zeit und Gesellschaft leben, musste ich seit seinem Film darüber lange Abende nachdenken, und die Erkenntnisbildung um das Anderssein, die Naturvarianz und deren Vermaledeiung durch die einen, ihre Feierlichkeit durch die anderen, begleitet meine Nachdenklichkeit bis heute.
Es wäre interessant, die Gesamtheit des Schaffens und die Persönlichkeit dieses luciden Charakters so näher kennen zu lernen.
Wo ich immerhin nach einem seiner Filme erst den Mut fand, aus der jugendlichen Isolation unter den strikten Katholiken die Suizidgedanken zu überwinden, und ein kleines Licht am Ende eines drohenden, peinigenden Tunnels zu sehen.

Dafür Danke!


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