Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?22998

Islam und Homosexualität

Nachhilfe für homophobe Muslime


Viele Moscheen tun sich mit dem Regenbogen noch sehr schwer - Autor Amin K. Waltter möchte dies ändern

Amin K. Waltter widerlegt in seinem neuen Buch "Islam und Homosexualität im Qur'ân und der Hadît-Literatur" die gängige These, Homosexualität sei nicht mit dem Islam vereinbar.

Laut Amin K. Waltter ist eine überwältigende Mehrheit der Muslime überzeugt, dass eine homosexuelle Lebensweise nicht mit dem Islam vereinbar ist. Das neue dreiteilige Buch "Islam und Homosexualität im Qur'ân und der Hadît-Literatur" des Autors kommt jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis. Der bekennende Muslim hat die Quellen des Islams detailliert untersucht und eine umfangreiche Materialsammlung zum Thema vorgelegt.

Waltters Arbeit setzt sich aus drei Bänden zusammen. Teil 1, "Der Qur'ân", streift zunächst das muslimische Recht, das Menschenbild des Islams, Sexualität im Islam und sein Verhältnis zu den Naturwissenschaften. Es folgen Aussagen zu gegenwärtigen Ansichten über Homosexualität. Die Vorgeschichte der traditionellen Qur'ân-Interpretation wird im Zusammenhang mit der Bibel nachvollzogen. Nach der Wiedergabe von muslimischen Stimmen zur Homosexualität werden die relevanten Passagen des Qur'âns angeführt und der üblichen Auslegung gegenübergestellt.

Die islamischen Schriften billigen homosexuelle Partnerschaften

Teil 2, "Die Hadîth-Literatur", befasst sich mit den außer-qur'ânischen Überlieferungen (etwa 640) zu diesem Thema, mit ihren isnâden (Kette der Überlieferer-Namen) und der eigentlichen Mitteilung. Teil 3, "Hadîth-Wissenschaft, Überlieferer und Sammlungen", gibt Auskunft über diese Bereiche sowie über die Hadîth-Geschichte und liefert ausführliche Informationen über wichtige Gewährsleute der Überlieferungen aus Teil 2, ihre Einschätzung und Lebensdaten.

Es ist unbestreitbar: Viele gläubige Muslime vertreten eine homophobe Einstellung, doch Amin K. Waltters genaue Analyse der Quellen des Islams, des Qur'âns und der authentischen Haditen, zeigt, dass diese Meinung kein Fundament in den Schriften hat. Aus dem Qur'ân, dem offenbarten Wort Allahs und damit der eigentlichen Grundlage und Quelle des Islams, könne man eine Ablehnung gelebter Homosexualität nicht herleiten. Vielmehr lasse sich dem Qur'ân eher eine deutliche Billigung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unter bestimmten Voraussetzungen entnehmen, ja sogar eine Gleichsetzung von homosexuellen und heterosexuellen Beziehungen.

Der 1942 geborene Autor, der im Alter von 17 Jahren Muslim wurde, legt mit seinem Buch "Islam und Homosexualität im Qur'ân und der Hadît-Literatur" eine spannende Analyse islamischer Schriften vor, die sich vor allem an Muslime richtet. Die drei Bände von "Islam und Homosexualität im Qur'ân und der Hadît-Literatur" sind im tredition-Verlag erschienen. (cw/pm)

Infos zu den Büchern

Amin K. Waltter: Islam und Homosexualität im Qur'ân und der Hadît-Literatur. Teil 1: Der Qur'ân Taschenbuch. 240 Seiten. ISBN: 978-3-7323-0986-3. 15,99 €. Teil 2: Hadîth-Literatur. Die Überlieferungen. 240 Seiten. ISBN 978-3-7323-0987-0.17.80 €. Teil 3: Hadîth-Wissenschaft, Überlieferer und Sammlungen. 284 Seiten. ISBN 978-3-7323-1051-7. 15.49 €. Alle tredition-Verlag. Hamburg 2014/2015


#1 seb1983
  • 09.01.2015, 17:00h
  • Die Lobhudeleien einiger Kommentatoren hier über die Katholische Kirche und dass das ja so toll akzeptiert wird und vereinbar ist sind ja schon lächerlich.
    Orthodoxe sind da noch mal tja wohl einfach ehrlicher.
    Bei den Protestanten sind immer noch einige LKW Sand im Getriebe, bei den nordischen Staatskirchen mal weniger, bei anderen mehr.

    Nun aber so lange lange an Koran und Co. herumzudeuten bis es passt ist schon abenteuerlich, hat er das mit irgendwelchen Vertretern der großen sunnitischen oder noch besser schiitischen Gemeinschaft abgeklärt?

    Konvertiten waren mir schon immer suspekt, egal in welche Richtung.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PelayoProfil
  • 09.01.2015, 17:03hBerlin
  • Der Autor interpretiert den Koran und die Hadithen historisch-kritisch, so wie moderne christliche Theologen die Bibel erklären.
    Mit diesem Ansatz hat er schon verloren. Man wird in moslemischen Kreisen dieses Buch nicht lesen. Es wird nur die Funktion haben, dass gläubige Moslems, die bei sich ihre Homosexualtät entdeckt haben, darin lesen, um gegenüber sich selbst eine Argumentationshilfe zu haben, mit der sie ihre eigene Sexualtät und die moslemische Tradition/Theologie unter einen Hut bringen können. In dieser Hinsicht ist es ähnlich wie bei den christlichen Evangelikalen, unter denen es auch einzelne, meistens schwul oder lesbisch gibt, die ähnliche Bücher verschlingen.
    Es ist gut, dass ein solches Buch geschrieben wurde, aber verändert wird sich bei den gläubigen Moslems dadurch nichts.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 paren57Ehemaliges Profil
  • 09.01.2015, 17:50h
  • Das ist wie mit dem 3. Mose 20, 13. Die "offizielle" Theologie hat den Trick mit Christus am Kreuz gefunden, der für unsere Sünden sterben musste und uns deshalb von der Todesstrafe "erlöst" hat. Was aber heißt, dass die Todesstrafe an sich gerechtfertigt bleibt, nur eben nicht vollstreckt werden muss. Fundamentalisten sehen das dann aber gerne auch mal anders und berufen sich genau auf diese Textstellen, die ja nach wie vor als "heilig" gelten. Auch für die offizielle Kirche, evangelisch wie katholisch. Denen, die umgebracht werden, wie etwa in Uganda auch im christlichen Namen, nützt die moderne Auslegung herzlich wenig.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 goddamn liberalAnonym
  • 09.01.2015, 18:00h
  • Antwort auf #2 von Pelayo
  • Historisch-kritische Koranexegese hat in der Türkei Tradition. Siehe Ankaraer Schule.

    Als Konvertit in zweierlei Hinsicht selbst betroffen, sucht der Autor natürlich nach Rechtfertigung (für seine Konversion und für sein Schwulsein).

    Unter den Hadithen gibt es ein paar, die gegenüber der gleichgeschlechtlichen Liebe sehr offen sind, was angesichts eines orientalischen Umfelds mit starker Geschlechtertrennung (auch in vorislamischer Zeit) nicht verwundern kann.

    Gerade für moderne Muslime, die sich u. a. auch ander protestant. Theologie orientieren, haben die Hadithen aber wenig wert.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 PelayoProfil
  • 09.01.2015, 18:38hBerlin
  • "Unter den Hadithen gibt es ein paar, die gegenüber der gleichgeschlechtlichen Liebe sehr offen sind, was angesichts eines orientalischen Umfelds mit starker Geschlechtertrennung (auch in vorislamischer Zeit) nicht verwundern kann."

    Das ist richtig. Bis in die 1970er Jahre hinein war die Praxis(!) der Homosexualität in fast allem moslemischen Ländern eher unproblematisch. Das hatte eine sehr lange Tradition und hatte wirklich etwas mit der Geschlechtertrennung zu tun. Es gab auch eine Reihe schwuler deutscher/europäischer Männer, die deshalb nach Marokko, Tunesien, Jordanien oder in den Irak auswanderten. Erst als europäische Schwule anfingen, es den Moslems in diesen Ländern "einmal zeigen zu wollen, was westliche Freiheit bedeutet", kippte die Situation und es gab Verhaftungen.
    Es gibt also tatsächlich positiven Aussagen des Korans bzw der Hadithen, da hat der Autor Recht, aber diese gelten eben nur, wenn die traditionellen Werte nicht in Frage gestellt werden. Wenn zwei erwachsene moslemische Männer Sex miteinander haben, wird das von den Gesellschaften totgeschwiegen, aber nur solange, wie sie Frau und Kinder haben.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 ursusAnonym
  • 09.01.2015, 18:54h
  • Antwort auf #5 von Pelayo
  • >"Erst als europäische Schwule anfingen, es den Moslems in diesen Ländern "einmal zeigen zu wollen, was westliche Freiheit bedeutet", kippte die Situation und es gab Verhaftungen."

    dass schwule muslime auch selber auf die idee gekommen sein könnten, frei leben zu wollen, scheint Ihnen offenbar unvorstellbar.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 GulioAnonym
  • 09.01.2015, 19:11h
  • Antwort auf #5 von Pelayo

  • Frau und Kinder als Garant dafür das jemand heterosexuell ist, ist auch so eine Sache.
    Gibt wohl auch Schwule, die aus gesellschaftlichem, religiösem Druck ein Heteroleben nach außen führen.

    Genauso wie es die Heterosexuellen gibt, die sich wegen der Geschlechtertrennung homosexuell betätigen, gibt es eben auch den umgekehrten Fall, den Druck der heimlich Schwulen zu Heteronormativität.

    Die Frage ist dann, hat der jetzt heimlich Sex mit Männern mangels Frauen und heiratet später weil er hetero ist eine Frau oder hat er heimlich Sex mit Männern weil er schwul ist und heiratet später eine Frau weil es von ihm erwartet wird.

    Es gibt mehr Hetetos, daher wird es in den Ländern wohl wirklich einige Heteros ( oder eher Bisexuelle?) gegeben haben die mangels Frauen Sex mit Männern hatten, aber man sollte auch nicht vergessen das unter diesen, von denen man dachte sie wären hetero, mindestens der ein oder andere Schwule sicher dabei war!
  • Antworten » | Direktlink »
#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
#9 paren57Ehemaliges Profil
#10 Michael43Anonym
  • 09.01.2015, 22:38h
  • Antwort auf #1 von seb1983
  • @seb1983
    "Die Lobhudeleien einiger Kommentatoren hier über die Katholische Kirche und dass das ja so toll akzeptiert wird und vereinbar ist sind ja schon lächerlich.
    Orthodoxe sind da noch mal tja wohl einfach ehrlicher.
    Bei den Protestanten sind immer noch einige LKW Sand im Getriebe, bei den nordischen Staatskirchen mal weniger, bei anderen mehr."

    -_> Da muss ich Dir nur den Link zur HUK und der dortigen Tabelle zur Möglichkeit von Segnungsgottesdiensten geben, was EKD und altkatholische Kirche angeht, und deinen Halbwarheiten und Verfälschungen kann schnell "der Zahn gezogen" werden:

    *
    www.huk.org/cms/front_content.php?idart=352

    (Homosexuelle und Kirche:Möglichkeiten der kirchlichen Segnung gleichgeschlechtlicher Paare)

    Auch empfehlenswert die Wikipediaseite zu kirchlichen Trauungen und Segnungsgottesdiensten weltweit:

    *
    de.wikipedia.org/wiki/Segnung_gleichgeschlechtlicher_Paare

    Die Liste der christlichen Kirchen, aber auch jüdischer Organisationen/Strömungen (Reformjudentum und Konservatives Judentum), die Segnungsgottesdienste bzw. sogar kirchliche Trauungen ermöglicht haben, ist sehr lang mittlerweile im Jahre 2015.

    Kannst Du mir eine gleiche Liste zum Islam nennen ???

    NEIN das kannst Du nicht !!!

    Das Buch des Autors ist lobenswert: nur er ist ein einsamer Rufer in der islamischen "Wüste", denn welweit und in allen islamischen Rechtsschulen werden homosexuelle Paare theologisch und ethisch im Islam verurteilt.

    Was der Autor hier in seiner liberalen Ansicht beschreibt, ist wie ein Wassertropfen in der Wüste des Islams.

    Gleichwohl wünsche ich dem Autor viel Glück bei seinem Bestreben, den Islam zu liberalisieren, auch wenn dies ein Kampf gegen Windmühlen ist. Der Islam ist bisher bis in die Gegenwart eine zutiefst homophobe Religion.

    Aber wie lautete der schöne Satz aus dem Film "Cloud Atlas":
    Was ist der Ozean anderes als die Summer einzelner Wassertropfen".
  • Antworten » | Direktlink »