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  • 12.01.2015           1      Teilen:   |

Kinostart

"Xenia": Roadmovie mit Faschisten und Stoffhase

Artikelbild
Der schwule Dany (Kostas Nikouli, oben) und sein älterer Hetero-Bruder Ody (Nikos Gelia) folgen ihren Träumen: Sie wollen ihren Vater finden und in der Castingshow "Greek Superstar" antreten (Bild: Pro-Fun Media)

Eine märchenhafte Odyssee durch Griechenland: In der Dramödie "Xenia" suchen zwei Brüder – einer schwul, einer hetero – ihren Vater und wollen "Greek Superstar" werden.

Von Marie Lange

Xenophobie bezeichnet eine Feindlichkeit gegenüber allem, was fremd ist – und genau da setzt der griechische Regisseur Panos H. Koutras mit seinem über zwei Stunden langen Epos an. Sein malerisches Roadmovie "Xenia" ist überspitzt, roh und gewalttätig, aber vor allem schonungslos ehrlich und fesselnd.

Im Mai letzten Jahres feierte die Tragikomödie Premiere in Cannes und begeisterte die Zuschauer. Seitdem war Koutras Film nur auf diversen Filmfestivals zu sehen, doch am 15. Januar 2015 kommt im Verleih von Pro-Fun nun endlich eine Synchronfassung auf die deutschen Leinwände. Offizielle Kinopremiere mit Anwesenheit von Regisseur und Hauptdarsteller ist bereits am Montag bei "Mongay" in Berlin.

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Die Suche zweier Brüder, die nicht unterschiedlicher sein könnten

Plakat zum Film: Deutscher Kinostart von "Xenia" ist der 15. Januar 2015
Plakat zum Film: Deutscher Kinostart von "Xenia" ist der 15. Januar 2015

Der 15-jährige Dany steht vor dem Nichts. Seine albanische Mutter, mit der er allein in Kreta gelebt hat, ist verstorben. Die gescheiterte Chanteuse hat sich mit Alkohol, Tabletten und noch schädlicheren Männern zu Grunde gerichtet. Der schwule Teenager beschließt, zu seinem zwei Jahre älteren Bruder Ody nach Athen zu fahren.

Der jedoch ist von Danys Besuch alles andere als begeistert. Er steht kurz vor seiner Abschiebung und möchte kein Aufsehen erregen. Zwischen Faschismus und täglichem Überlebenskampf verlangt das dem ehrgeizigen Ody ohnehin einiges ab, doch das provokative Verhalten seines jüngeren Bruders lässt es gänzlich unmöglich werden. Immer wieder geraten die beiden unterschiedlichen jungen Männer auf Grund ihrer albanischen Herkunft und Dany Homosexualität in Schwierigkeiten, die sie aber auch enger zusammenrücken lassen.

Die Ereignisse überschlagen sich, als sie durch Danys ungezügelte Art gezwungen sind, vor der Polizei zu flüchten. Spontan stellen sich die jungen Männer ihren Träumen: Sie beschließen, wie ihre Mutter eine Gesangskarriere einzuschlagen und ihren wohlhabenden, griechisch-stämmigen Vater zu suchen.

Malerische Settings und märchenhafte Szenen

Nach seinem Trash-Streifen "Der Angriff der Riesenmoussaka" ist Regisseur Panos H. Koutras inzwischen im ernsthaften Film angekommen. Mit "Xenia" stellt sich der gebürtige Athener professionell den Problemen Griechenlands. Als Dany in den Straßen der Hauptstadt einer Gruppe Faschisten begegnet, strömt die Angst durch den Bildschirm etwa direkt in die Knochen der Zuschauer.

Trotz des erwachseneren Erzählstils und des Genrewechsels verzichtet Koutras nicht auf experimentelle Elemente. So wird der junge Dany beispielsweise von Anfang an von seinem weißen Hasen Dido begleitet, der sich später als Stofftier entpuppt und schließlich sogar in Donnie-Darko-Manier als menschengroße Hasenpuppe auftaucht und mit dem orientierungslosen Jungen spricht.

Malerische Settings und märchenhaft Szenen runden den Stil der modernen Odyssee ab. Gemeinsam mit einer genialen Kameraarbeit kauft man Koutras und seinem Team den Look ab. Teils experimentell, nie aufdringlich, nie störend, begeistert die Ästhetik von "Xenia" ab der ersten Minute.

Auffällig ist auch das musikalische Konzept des Regisseurs. Immer wieder taucht die italienische Pop-Diva Patty Bravo im Plot und in der musikalischen Hinterlegung auf. Als Idol der Mutter, als Wallpaper von Dany und als Interpretin des Songs, den Ody bei der Castingshow singt, zieht sie sich wie ein roter Faden durch den Film. Die Harmonie der Lieder ist stimmig, doch griechische oder albanische Musik wären vielleicht authentischer gewesen. Möglicherweise passt Patty Bravo trotzdem so gut zu "Xenia", weil sie – genau wie Dany – mit 15 ihr Elternhaus verließ und begann, die Realisierung ihrer Träume selbst in die Hand zu nehmen.

Ein unerfahrenes Ensemble kommt nicht ganz auf den Punkt

Regisseur Panos H. Koutras mit Stoffhase Dido, der im Film eine größere Rolle spielt
Regisseur Panos H. Koutras mit Stoffhase Dido, der im Film eine größere Rolle spielt (Bild: Takis Tsantilis/Pro-Fun Media)

Wie in seinen letzten Projekten hat Panos H. Koutras sein Ensemble aus bekannten Schauspielern und Anfängern zusammengewürfelt. Die beiden jungen Hauptdarsteller Kostas Nikouli (Dany) und Nikos Gelia (Ody) haben sich beide in einem zwölfmonatigen Casting beweisen können. Obwohl Dany in den ersten Minuten wahnsinnig nervig und immer wieder überspitzt wirkt, hat es Nikouli geschafft, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Mit emotionaler Integrität und einem wahnsinnigen Verständnis für seine Rolle schafft es letztlich doch zu begeistern. Mit Hilfe von Koutras hat Kostas Nikouli sein inneres Kind nach außen gekehrt.

Niko Gelia füllt den wenig gebliebenen Platz an der Seite seines Nebenspielers perfekt: entschlossen, ruhig und auf den Punkt. Das Kronjuwel des Films ist allerdings Aggelos Papadimitriou, der den schwulen Clubbesitzer Tassos auf eine unfassbar elegante und liebenswerte Weise verkörpert, dass es kaum zu glauben ist, dass die Dramödie auch sein schauspielerisches Debüt ist.

Im Großen und Ganzen ist "Xenia" keine explizit schwule Story, sondern vielmehr die Geschichte zweier Brüder. Es wirkt beinahe zwanghaft, als Dany in einer Gay-Bar und beim Casting zwei homosexuelle Bekanntschaften macht. Schade nur, dass diese beiden Männer nur brachial angerissen werden, so dass sie keinerlei Mehrwert für den Film geschweige denn den Zuschauer haben.

Überhaupt hätten ein entschiedenerer Schnitt und vielleicht dreißig Minuten weniger "Xenia" deutlich gut getan und nicht nur über die üblichen Schwächen der Nachwuchsschauspieler, sondern auch über das nicht ganz ausgereifte Storytelling im Drehbuch hinweg getröstet.

Dennoch: "Xenia" ist ein berührender, absolut sehenswerter Film, der mal bitterernst, mal leicht und komödiantisch daher kommt. Und er hält vor allem enige Überraschungen parat!

Youtube | Deutscher Trailer zum Film
  Infos zum Film
Xenia. Dramödie. Griechenland, Frankreich, Belgien 2014. Regie: Panos H. Koutras. Darsteller: Kostas Nikouli, Nikos Gelia, Yannis Stankoglou, Marissa Triandafyllidou, Aggelos Papadimitriou. Laufzeit: 124 Minuten. Deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Pro-Fun Media. Kinosstart: 15. Januar 2015. Premiere in Anwesenheit von Panos H. Koutras und Kostas Nikouli am 12. Januar um 22 Uhr im Berliner Kino International.
Links zum Thema:
» Alle Kino-Termine auf der Pro-Fun-Homepage
» Fanpage zum Film auf Facebook
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Xenia

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Service: | pdf | mailen
Tags: xenia, kostas nikouli, nikos gelia, mongay, athen, griechenland, panos h. koutras, roadmovie, pro fun
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Reaktionen zu ""Xenia": Roadmovie mit Faschisten und Stoffhase"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
12.01.2015
09:52:22


(-2, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Schade, daß es nicht umgekehrt ist: Blondie als Hete und sein Bruder als Schwuler. Hauptsache, guter Film!


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