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Alan Turing wurde in den 1950er Jahren wegen der damaligen homophoben Gesetzgebung verhaftet, verurteilt und hatte die Wahl zwischen Gefängnis und chemischer Kastration (Bild: SquareOne Entertainment)

Im Drama "The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben" brilliert Benedict Cumberbatch als schwules Logik- und Mathematikgenie Alan Turing – er wurde zu Recht für einen Oscar nominiert.

Von Peter Fuchs

Wir sollen uns ja nicht Cumberbitches nennen. Das hört Benedict Cumberbatch nicht so gerne. Der britische Schauspieler hält diese Fanbezeichnung für unhöflich und erlaubt uns nicht, seine Bitches zu sein. Der Name sei dem Feminismus nicht zuträglich, weshalb der 38-Jährige den Begriff Cumberpeople bevorzuge. Wir sehen uns zwar auch als Feministen, aber mal ehrlich: Cumberpeople darf er behalten.

Unser Cumbercrush nährt sich ungemindert von Benedicts blau-grünen Augen, seinen sexy Wangenknochen, den verwuschelten Locken und dem tiefen Timbre seiner Stimme. Natürlich auch von seiner extravaganten Rollenwahl: Männer, die drüber und abseits stehen. Wie der manische Sherlock Holmes in der BBC-Serie, Julian Assange blondiert in "Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt" oder mit einschüchterndem Charisma der Bösewicht Kahn in "Star Trek Into Darkness". 2016 sehen wir ihn als Marvels bizarren Zauberer Doctor Strange. Passt.

Thriller mit tragischer Komponente und ohne Sex


Poster zum Film. Bundesweiter Kinostart von "The Imitation Game" ist am 22. Januar 2015

Seine aktuelle Rolle als britisches Logik- und Mathematikgenie Alan Turing ist da keine Ausnahme. Turing half den Alliierten maßgeblich, die Nazis im Zweiten Weltkrieg zu besiegen, in dem er eine Maschine entwickelte, die den deutschen Verschlüsselungscode Enigma knackte. Das ist die Thrillerkomponente des Films.

Nach dem Krieg feierte ihn aber niemand als Kriegsheld. Er wurde in den 1950er Jahren wegen homosexueller Handlungen verurteilt und hatte die Wahl zwischen Gefängnis und chemischer Kastration. Wie barbarisch! Turing entschied sich für die Kastration, fing sich dabei eine Depression ein und beging ein Jahr danach Selbstmord. Das ist die tragische Komponente des Biopics.

Der Film springt mit uns sauber zwischen drei Zeitabschnitten: die 1920er Jahre, die uns Turing als hochbegabten und gemobbten Schuljungen zeigen, der sich in einen Mitschüler verliebt; die Kriegsära im Sold des britischen Geheimdiensts; und der Winter 1952, als Turing wegen des Vorwurfs der "groben Unzucht" verhaftet wurde.

Cumberbatch genießt es, den Intelligentesten im Raum zu spielen

Als Turing ist Cumberbatch exzellent und zu Recht für einen Oscar nominiert (queer.de berichtete). Er gibt ihn eitel und unsicher, arrogant und mit der Fähigkeit, diese Arroganz im richtigen Moment zurückzunehmen. Cumberbatch genießt es, den intelligentesten Menschen im Raum zu spielen und lässt das Publikum an diesem Genuss teilhaben. Dennoch vermittelt er gleichzeitig Turings rüde Art, auf Konflikte seines Jobs zu reagieren. Das sind oft Herausforderungen, die sich Turing selbst in den Weg stellt.

Cumberbatch widersteht dabei der Versuchung, uns Turing sympathisch zu machen. Stattdessen schafft er einen komplizierten Helden, dessen Hirn rasend schnell wie ein Computer arbeitet, und zeigt uns herzerwärmend einen Menschen, dessen Antrieb sich letztlich nicht aus der rationalen Vernunft des Wissenschafters nährt, sondern von der Liebe. Seine Maschine, die den Code der Nazis knackte, benannte er nach Christopher, seiner großen Liebe aus den Schultagen.

Dem Film "The Imitation Game" wurde in den USA vorgeworfen, dass es keine expliziten Sexszenen mit Alan Turing zu sehen gibt und man verdruckst mit seiner Homosexualität im Drehbuch umgegangen sei. Dieser Eindruck lässt sich nicht bestätigen, weil Turing offen, arglos und ergreifend unschuldig von seiner Sexualität spricht. Also alles gut, auch wenn die schwule Cumberbitch in uns eine solche Szene natürlich mit Freude gesehen hätte.

Youtube | Deutscher Trailer zum Film
Infos zum Film

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben. Drama. Großbritannien 2014. Regie: Morten Tyldum. Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Rory Kinnear, Allen Leech, Matthew Beard, Charles Dance, Mark Strong, James Northcote. Laufzeit: 114 Minuten. FSK 12. Verleih: Squareone (DCM). Kinostart: 22. Januar 2015
Galerie:
"The Imitation Game"
20 Bilder


#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 21.01.2015, 10:19h
  • Ich drücke ihm die Daumen, daß er eine Trophäe holt. Er ist ein exzellenter Schauspieler, den wir mit Sicherheit noch in einigen anderen Rollen zu sehen bekommen.
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#2 David77Anonym
  • 21.01.2015, 10:51h
  • Ich konnte den Film bereits im Original sehen und kann ihn nur weiterempfehlen. Das Fehlen von schwulen Sexszenen empfand ich nicht als Manko, denn seine Homosexualität wird ja dennoch thematisiert und der Film hinterlässt beim Zuschauer mit einem vernünftigen Gerechtigkeitssinn einen bleibenden Eindruck, wie homophob und wie ungerecht man damals damit - nicht nur mit ihm - umgegangen ist und dass die Gesellschaft versuchen muss dieses Unrecht wiedergutzumachen. Eine Mahnung an die, die meinen, dies sei ja nicht so schlimm gewesen.
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#3 ijh4323Anonym
  • 22.01.2015, 01:35h
  • Hab den Film auch schon gesehen.

    Meine hohen Erwartungen hat der Film leider nicht erfüllt. Es ist mit Sicherheit ein guter Film, aber vom Hocker gerissen hat er mich jetzt überhaupt nicht. Wer die Geschicht von Alan Turing bereits grob kennt, der wird keine Überraschungen erleben. Alles passiert irgendwie erwartbar und der Trailer gibt im Wesentlichen die Story schon wieder.

    Gewünscht hätte ich mir vielleicht mehr Szenen zur Turings Kindheit. Man hätte mit Sicherheit auch eine Szene einbauen können, in der Turing seinem Freund Christopher seine Liebe tatsächlich mitteilen konnte und vielleicht auch eine Szene wo sie sich küssen, auch wenn es vielleicht nicht exakt der Biographie von Turing entsprechen sollte.

    Der Film ist nämlich sowieso keine exakte Biographie von Turing, sondern enthält auch ein paar erfundene Details. Zumindest die Darstellung von Turing im Erwachsenenalter hätte daher eine schwule Liebesszene enthalten sollen.

    Dem Film mangelt es an Sichtbarkeit von schwuler Liebe.

    Schade.

    Interstellar war um Welten besser. Warum Interstellar noch nichtmals für den Oscar für den besten Film nominiert wurde kann ich nicht nachvollziehen. Interstellar war in meinen Augen und in den Augen von vielen Millionen Kinobesuchern DER Film des letzten Jahres und zählt laut imdb zu den 20 besten Filmen aller Zeiten:

    www.imdb.com/title/tt0816692/

    Allein schon das wäre ein Grund für die Nominierung für den Oscar für den besten Film gewesen.
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#4 starAnonym
#5 ursusAnonym
  • 22.01.2015, 11:40h
  • Antwort auf #4 von star
  • ich lese immer wieder widersprüchliches. ist der jetzt begnadigt oder rehablitiert? nach einer begnadigung wäre er nämlich immer noch ein krimineller, lediglich die bestrafung wäre posthum symbolisch "aufgehoben" worden.

    ganz davon abgesehen, dass der britische staat weiterhin nicht anerkannt hat, dass die vielen anderen verurteilungen unrecht und die "chemischen kastrationen" schwere körperverletzungen waren.
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#6 momoAnonym
  • 22.01.2015, 12:14h
  • Antwort auf #5 von ursus
  • (wer in der lebenspartnerschaft die homo-ehe sieht, sieht in der begnadigung eine rehabilitierung.)

    "Im Jahr 2009 sprach der damalige britische Premierminister Gordon Brown eine offizielle Entschuldigung im Namen der Regierung für die entsetzliche Behandlung Turings aus und würdigte dessen außerordentliche Verdienste während des Krieges; eine Begnadigung wurde aber auch 2011 noch nach einer Petition abgelehnt. Zum 24. Dezember 2013 sprach Königin Elisabeth II. posthum ein Royal Pardon (Königliche Begnadigung) aus."

    "Am 24. Dezember 2013 wurde Turing dann durch ein allein dem Monarchen zustehendes besonderes Gnadenrecht durch ein sogenanntes Royal Pardon begnadigt. Justizminister Chris Grayling hatte diese Begnadigung bei Elisabeth II. beantragt. Alan Turing gilt damit auch als offiziell rehabilitiert."

    (wiki)
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#7 ursusAnonym
#8 FoXXXynessEhemaliges Profil