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  • 21.01.2015           69      Teilen:   |

Stimmungsmache mit geleaktem Entwurf

Schleswig-Holstein: Künstliche Empörung über Aufklärungspläne

Artikelbild
Ausschnitt aus dem Deckblatt des vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangten Unterrichtmaterials

In Grundschulen sollen u.a. Regenbogenfamilien zum Thema werden. Jetzt regt sich Empörung über die Materialien – die "Kieler Nachrichten" warnen gar vor "Werbung" für Homosexualität.

Von Norbert Blech

Auch in Schleswig-Holstein gibt es nun Aufregung über Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität. Nachdem ihnen offenbar von interessierter Seite unfertige Unterrichtsmaterialien zugespielt wurden, thematisierten "Schleswig-Holsteinische Zeitung" und "Kieler Nachrichten" am Dienstag die Pläne für den Grundschulunterricht mit kritischen Untertönen.

Das ganze erinnert an den Streit um den Bildungsplan in Baden-Württemberg, der sich ebenfalls an internen wie unfertigen Arbeitspapieren entwickelt hatte. Im Kieler Fall konzentriert sich die Aufregung auf einen Vorabentwurf von Unterrichtsmaterialien, der in Auszügen bei einer Pressekonferenz im November letzten Jahres auslag.

Während sich die regionalen Medien dafür zunächst nicht interessierten, wurden diese Auszüge von der "Initiative Familienschutz", Betreiberin der "Demos für Alle", bereits damals im Internet veröffentlicht. Die üblichen reaktionären Portale kritisierten daraufhin die Materialien. Doch nun scheint die Debatte plötzlich in den Mainstream zu wandern.

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"Traditionelle" Familie als "Randerscheinung"?

Unter anderem ein Diktat zu Patchwork- und Regenbogenfamilien geht nach Ansicht der Kritiker zu wenig auf die Ehe zwischen Mann und Frau ein
Unter anderem ein Diktat zu Patchwork- und Regenbogenfamilien geht nach Ansicht der Kritiker zu wenig auf die Ehe zwischen Mann und Frau ein

Der "Methodenschatz" mit dem Titel "Echte Vielfalt unter dem Regenbogen" wird derzeit vom Petze-Institut für Gewaltprävention in Zusammenarbeit mit dem LSVD Schleswig-Holstein entwickelt, als Teil des "Aktionsplans für Akzeptanz vielfältiger sexueller Identitäten", der im letzten Jahr vom Kieler Landtag beschlossen worden war.

Die Materialien sind für dritte und vierte Klassen gedacht; geboten werden u.a. ein Kreuzworträtsel ("Eine Frau, die in eine Frau verliebt ist, ist …"), Aufgaben, in der Personen zu verschiedenen Formen einer Regenbogenfamilie zugeordet werden sollen, und sogar ein Lied, "Du bist ein Regenbogenkind", samt Noten.

Dass es in einem Diktattext, "Familien sind verschieden", an einer Stelle über Familienkonstellationen heißt: "Hin und wieder gibt es einen Papa und eine Mama" und ansonsten alle möglichen Konstellationen vorgestellt werden, löste nun den Zorn der Zeitungen aus.

Die "Kieler Nachrichten" betitelte ihren (online nur gegen Bezahlung verfügbaren) Artikel mit "Regenbogenfamilie als Standard". Die "Schleswig-Holsteinische Zeitung" kritisierte in ihrem Artikel, "Familien aus Vater und Mutter und Kind" würden als "Randerscheinung" dargestellt, auch gehe es in den Materialien unter anderem um Polygamie (was wohl eine bewertende Fehldeutung einer Patchworkfamilie ist).

Beim LSVD wundert man sich über die plötzliche Empörung. "Der Entwurf ist zwei Monate alt und rudimentär", sagte Vorständin Agnes Witte gegenüber queer.de. "Wir arbeiten an Materialien, mit denen alle Akteure einverstanden sind. Der Sache tut man keinen Gefallen damit, Zwischenergebnisse zu veröffentlichen." Die mit dem Schulministerium abgestimmten Pläne sollen im Frühjahr vorgestellt werden, es habe bereits etliche Änderungen gegeben.

"Kieler Nachrichten": Heteros werden diskriminiert

Einem besorgten Redakteur der "Kieler Nachrichten" gehen die Pläne "weit über das Ziel hinaus"
Einem besorgten Redakteur der "Kieler Nachrichten" gehen die Pläne "weit über das Ziel hinaus"

Ob das den aufkeimenden Streit noch beruhigen kann, scheint fraglich. Die "Schleswig-Holsteinische Zeitung" feierte sich in ihrem Artikel geradezu als Anwalt der kleinen Leute bzw. von besorgten Eltern, als sie den Sprecher des zuständigen Solziaministeriums kritisch befragte.

Den Vogel schoss aber ein Kommentar der "Kieler Nachrichten" ab: "In dem Lehrmaterial wird der Eindruck erweckt, als sei eine wie auch immer geartete Regenbogenfamilie die Regel. Das ist sie nicht", kritisierte Ulf B. Christen unter Verweis auf einen "Blick in die Grundschulen".

Der Kommentar trägt den Titel "Weit über das Ziel hinaus" und betont, die Themen könnten "im Extremfall" durchaus im Unterricht aufgegriffen werden. "Etwa bei Hetzparolen gegen Homosexuelle oder Konflikten im Klassenzimmer um Kinder, die zwei Mütter oder zwei Väter haben." An den Materialien hatte Christen allerdings noch mehr zu bemängeln: "Noch schlimmer als die Umkehr von Mehr- und Minderheit ist die unverhohlene Werbung für eine Regenbogenlösung", so Christen. "Dieser Ansatz dürfte viele Grundschüler nachhaltig verunsichern, und er diskriminiert heterosexuelle Beziehungen."

Offen bleibt die Frage, wer die Zeitungen gezielt mit Halbwissen gegen die Pläne in Stellung gebracht hat. Die "Initiative Familienschutz" berichtet heute auf ihrer Internetseite gleich mit mehreren Artikeln über den neuen Streit.

Zugleich kommt in beiden Zeitungen Kritik auch von der Union. "Für mich gehören die Themen Inter- und Transsexualität noch nicht in die Grundschule", sagte die Bildungspolitikerin Heike Franzen, man dürfe Kinder nicht "überfordern". Schulministerin Britta Ernst (SPD) solle sich in die Debatte einschalten, forderte Franzen in den "Kieler Nachrichten": "Immerhin werden von diesem Thema Zehntausende Familien betroffen sein." Das könne man nicht im Schnellverfahren als "geheime Kommandosache" abhandeln.

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Tags: schleswig-holstein, grundschule, schule, aufklärung, lsvd, initiative familienschutz, akzeptanzkampagne
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Reaktionen zu "Schleswig-Holstein: Künstliche Empörung über Aufklärungspläne"


 69 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
21.01.2015
20:08:57


(-15, 19 Votes)

Von GeorgG


"als sei eine wie auch immer geartete Regenbogenfamilie die Regel."

Zur Erinnerung: Nur 0,1 % aller Schwulen leben in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft.
Der Anteil der Regenbogenfamilien lässt sich kaum in Prozentsätzen ausdrück.
Wir Schwule und Lesben sollten mit den Füßen auf dem Boden bleiben, sonst schlägt die Mehrheitsgesellschaft irgendwann zurück.


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#2
21.01.2015
20:12:55


(+11, 11 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Das ist wieder typisch: hier verschließen viele der Homophoben mal wieder die Augen vor der neuen Realität! Zum KOTZEN!


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#3
21.01.2015
20:19:11
Via Handy


(+9, 17 Votes)

Von Mamoruu


Manchmal wünschte ich mir, ich wäre genauso dämlich wie diese Christen. Dann würde ich dumm und glücklich durch die Welt gehen und müsste mich nicht über sowas aufregen. -_-


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#4
21.01.2015
20:36:27


(-14, 18 Votes)

Von ehemaligem User Adrien


Den Aussagen im letzten Absatz des Berichts ist zuzustimmen. Solche Themen gehören nicht in die Grundschule.


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#5
21.01.2015
21:31:58
Via Handy


(+8, 12 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #1 von GeorgG


Und warum stecken die gegner soviel energie rein um einen so kleinen teil AKTIV zu benachteiligen, nicht anerkennen wollen und zu schikanieren? Anstatt sie einfach zu inkludieren? Familie ist da wo kinder ist. Punkt! Wozu die aufregung, wenn sie mal anerkannt werden wollen oder sollen, georgfriedrich? Was soll das?


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#6
21.01.2015
21:37:57


(+15, 17 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #1 von GeorgG


"Wir Schwule und Lesben sollten mit den Füßen auf dem Boden bleiben, sonst schlägt die Mehrheitsgesellschaft irgendwann zurück."

Wer im Jahre 2015 solche Ansichten vertritt, ist nicht nur feige, er verkörpert leider eine beschämende Sklavenmentalität im Land des rosa Winkels.

Die Verfassungswirklichkeit muss in den Unterricht eingehen.

Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 19.2.2013:

"Leben eingetragene Lebenspartner mit dem leiblichen oder angenommenen Kind
eines Lebenspartners in sozial-familiärer Gemeinschaft, bilden sie mit diesem eine durch Art. 6 Abs. 1 GG geschützte Familie im Sinne des
Grundgesetzes."


Damit ist alles gesagt, oder?


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#7
21.01.2015
21:41:26
Via Handy


(+14, 18 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #4 von Adrien


Was erzählst du eigentlich deinen kleinen neffen und nichten - sofern vorhanden - wann du endlich heiratest oder warum du keine frau hast? Müssen die auf eine antwort warten bis sie 18 sind?


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#8
21.01.2015
21:49:04


(+15, 19 Votes)

Von Wolfgang
Aus Bielefeld (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 13.01.2011
Antwort zu Kommentar #1 von GeorgG


@GeorgG

Da haben wir sie die hosenschlotternde Feigheit der Neurechten, der Pegidanazis, die Schleimscheisserei (pardon) der Wüstenrothäuschenbewohner...

Herr G. - wenn Sie so weiter herumkriechen vor dem "Mainstream", damit er Ihnen mild gesonnen ist, dann werden Sie auch erleben, was passiert, wenn er sie weiter und weiter zurückdrängt und Sie immer weiter auf dem Bauch zurückkriechen - sie werden in Löcher kriechen und nicht mehr herauskommen. Und das gilt nicht nur für Sie, sondern für viele andere Menschen und Minderheiten.
Merken Sie denn überhaupt, welch gewaltiger zivilisatorischer Rollback im Gange ist, während Sie an Ihre sauBere Unterhose, Ihr Sparkonto und Ihr Sofadeckchen denken?!
Es geht ja nicht bloß um Rechte für Homosexuelle; das Angstgeschrei der Pegida ist antimenschlicher Hass, die Überwachungshystrie nach den Attentaten in Paris zielt auf eine "robuste Demokratie" á la Putin ab, den Sie wahrscheinlich auch bewundern wie ja Feiglinge wie Sie immer starke Männer anbeten!
Befinden wir uns in diesem Lande in einem Zustand wie gegenJahre? Ganz im Gegenteil dieses Land hat die letzte Wirtschaftskrise blendend überstanden - aber natürlich auf Kosten großer Teile der Gesellschaft, die an den Rand gedrängt werden - Stichwort "alternativlose Wirtschaftspolitik!".
aber Ducken, Kriechen und Schleimen hilft nicht - der Entwurf einer inhumanen Gesellschaft hat schon einmal dieses Land in den Abgrund gestürzt.
Gesicht zeigen, Herr, ist dieAlternative - aber dazu sind Sie zu kleinmütig, bräsig, dickgesäßig und unintelligent!
Leute wie Sie sind es, die totalitäre Systeme in den Sattel heben und bewundernd ihre mörderischen Parforceritte dulden!
Schäbig, sag ich da nur, schäbig!


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#9
21.01.2015
21:56:03


(+16, 16 Votes)

Von Nico


Wenn man die Realität abbildet, ist das keinerlei "Werbung" für irgendwas.

Die Realität ist nun mal vielfältig und es wäre schädlich, wenn in der Schule ein Zerrbild der Realität vermittelt würde.


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#10
21.01.2015
22:07:53


(+16, 18 Votes)

Von Heiner


"Kieler Nachrichten: Heteros werden diskriminiert"

Mag ja sein, dass solche Provinzblättchen nicht gerade die hellsten Leuchten des Journalismus beschäftigen. Aber es sollte doch langsam jedem einleuchten, dass Heteros nicht diskriminiert werden, weil man auch andere Lebensformen darstellt.

Es ist nur diskriminierend, wenn Lebensformen kategorisch ausglendet werden - so wie es im Moment zugungsten von Heterosexualität geschieht.

Das schafft Vorurteile, sorgt für Mobbing und psychische Probleme. Deswegen muss Aufklärung früh ansetzen. Genauso wie Kinder auch schon im Kindergarten lernen, dass auch andere Hautfarben normal sind.

Das ganze muss immer altersgerecht geschehen, aber das ist ja auch der Fall.


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