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Im Mittelpunkt der neuen Serie steht Henry (Vincent Franklin).

Mit Cucumber & Co. wirft Russel T. Davies einen humorvollen Blick auf das aktuelle schwule Leben. Eine halbwegs Spoiler-freie Besprechung zum neuen TV-Highlight.

Von Norbert Blech

Mit Spannung war diese Premiere am Donnerstag im britischen Fernsehen erwartet worden: Russel T. Davies, einer der besten Autoren und Produzenten des Landes sowie Schöpfer des Meilensteins "Queer as Folk", würde mit "Cucumber" endlich wieder mit einer schwulen Serie aufwarten, zurück auf Channel 4, zurück in Manchester, wo alles begann.

Ohne Stuart, Vince und Nathan. Aber sicher mit dem gleichen Wortwitz, der gleichen Lust, Charaktere zu ergründen, mit dem gleichen Vergnügen, schwules Verlangen und schwulen Sex mit der Kamera einzufangen? Alle das bietet auch "Cucumber", doch vieles ist zu Recht anders.

Die Canal Street, Dreh- und Angelpunkt von "Queer as Folk", spielt etwa nur noch eine marginale Rolle. Man trifft sich nun mit Freunden im gemischten Northern Quarter Manchesters; für Kontakte reicht Grindr, das gibt es auch zu Bürozeiten. Soweit entspricht das der Realität vor Ort: Das Gay Village hat die besten Zeiten, auch den Hype durch die frühere Serie hinter sich, die Clubs und Kneipen leeren sich. Statt über Orgien empört sich die Lokalpresse derzeit trotz Dementi der Polizei über einen angeblichen Serienkiller, dabei sind in den Kanälen der Stadt schon immer Menschen verendet.

Ausbruch aus der Midlife Crisis


Nach "Doctor Who" und einer Auszeit widmet sich Russel T. Davies wieder dem schwulen Leben

"Queer as Folk" ist nun auch schon 16 Jahre alt, und man erwischt sich bei "Cucumber" mehrfach bei dem Gedanken, wie das schwule Leben sich tatsächlich weiterentwickelt hat. Wie plötzlich die Ehe offen steht und vielleicht den Partner auf unerwünschte Gedanken bringt. Wie man sich mit Freunden im Restaurant trifft statt in der Szene.

Und wie man selbst älter geworden ist: Standen in "Queer as Folk" noch Schwule Ende zwanzig, Anfang dreißig im Mittelpunkt, sind es nun Männer Mitte vierzig. Sie und speziell die Hauptrolle der neuen Serie können nun nicht mehr beinahe Jeden haben.

Jener Henry, gespielt von Vincent Franklin, ist weder Sympath noch Ekelpaket, weder Gewinner noch Loser, weder Stuart noch Vince, sondern ein komplizierter Charakter, der sich ein wenig verloren hat im Laufe der Jahre, im langweiligen Job und in der lustlosen Beziehung. Dem Sex und der Jugend hechelt und wichst er hinterher, ohne Einlösung. Dann macht der Partner einen Eheantrag.

Ein wenig chaotisch wirkt das noch: Nebencharaktere, denen Davies sonst mit wenigen Sätzen Leben und Tiefe einhauchen kann, bleiben zunächst oft einfache Nebencharaktere. Keiner weiß, wohin ein Subplot über Plagiarismus führen soll. Und wie am Ende alles zu einer Farce eskaliert, die Henry aus der gewohnten Tristesse ausbrechen lässt, wirkt nur halb glaubhaft.

Aber immerhin: Hier passiert etwas. Das kann man von der anderen aktuellen schwulen TV-Serie, "Looking", nur bedingt sagen. Wo die Amerikaner manchmal eine halbe Stunde brauchen (oder, in der schönsten Szene, einen Rückgriff auf die "Golden Girls"), um ein Gefühl des aktuellen schwulen Lebens zu vermitteln, ist "Cucumber" voll von kleinen Momenten, die dieses Leben nicht definieren wollen, aber authentisch darstellen. Und das auf sehr individuelle Art und Weise.

"Banana": Auch jung, auch lesbisch


Dean (Fisayo Akinade) in "Banana". Beide Serien werden in einem Kino-Widescreen ausgestahlt

Hier zahlt sich auch die Idee aus, Davies, dem großen Erzähler des Zwischenmenschlichen, mit "Banana" eine Nebenserie im Jugend-Digitalkanal E4 zu geben (zusätzlich zu "Tofu", einer Interview-Reihe im Streaming-Portal des staatlichen Senders), die mit 30 statt 60 Minuten direkt im Anschluss läuft. Die Handlungen überschneiden sich, erzählt werden jedoch andere Geschichten, pro Folge wird eine Person dargestellt.

In der Premiere geht es um den 19-jährigen Dean, der das Leben und die Männer nimmt, wie sie kommen, Probleme mit zu früher Ejakulation und dem lieben Geld inklusive. Sein in "Cucumber" gegenüber Henry angedeuteter Konflikt mit den Eltern stellt sich ganz anders dar als in der eigenen Erzählung.

Nebenbei erfährt man viel über das Grindr-Dating: Wie man den richtigen Zeitpunkt abwartet und trotzdem einiges über den zukünftigen Sex-Partner erfährt. Und dass das englische Grindr-Schlüsselwort nicht "Sex?" oder "Lust?" ist, sondern "NSA" – "No strings attached".

Sexszenen gibt es, so viel sei verraten, natürlich in beiden Serien wieder eine Menge (in "Banana" scheinen auch Liebe und Sex zwischen Frauen zu folgen). Nicht, um zu schockieren oder um Einschaltquoten zu erhöhen. Sondern einfach, weil sie zu dem abgebildeten Leben, zu den Personen dazugehören.

Der Blick nach Innen


Channel 4 bewarb "Cucumber" gestern mit einem Regenbogen über dem Trafalgar Square in London

Der Reiz von "Queer as Folk", von "Looking" oder "Cucumber" liegt ja darin, dass es um mehr als um Sichtbarkeit nach außen geht, um mehr als um Inklusion im Hauptprogramm mit mehr oder weniger authentischen Rollen aus dem LGBT-Spektrum.

Das wäre in Deutschland immer noch ein nicht erreichtes Zwischenziel, aber wir sind in Großbritannien, wo die BBC in Erfolgsserien wie "Last Tango in Halifax" natürlich auch einen lesbischen Plot hat, wo Charaktere in "Skins" oder "Bad Ecucation" schon seit Jahren Grindr nutzen.

Russel T. Davis war hier Wegbereiter, weniger mit "Queer as Folk", mehr mit LGBT-Rollen in "Torchwood" und speziell "Doctor Who", dem Familienprogramm schlechthin. Inzwischen sendet die BBC am zweiten Weihnachtsfeiertag, im ersten Kanal zur besten Sendezeit eine Eigenproduktion über einen 12-jährigen im Kleidchen. Im – leider nach dem Spardiktat der konservativen Regierung bald zur Online-Klitsche reduzierten – Jugendkanal BBC Three git es mit "In the Flesh" eine Zombie-Serie, die voll ist mit queeren Subtexten, im Vordergrund Homosexualität zugleich völlig unaufgeregt bis understatet abhandelt. Dort lief auch die lesbische Serie "Lip Service", auf ITV die – hölzern geratene – schwule Senioren-Comedy "Vicious" oder auf Sky viel zu unbemerkt "Hit and Miss", eine Serie über eine transsexuelle Auftragskillerin. Die Charaktere sind mehr als Pflichtfiguren, Klischeebilder oder Hetero-Rollen in schwuler Ausprägung, sie werden eigener und tiefer, mit ihrer Homo- und Transsexualität nur als einen Teil der Persönlichkeit. Und sie werden zugleich losgelöster vom Szeneleben.

"Cucumber" geht wie "Looking" einen anderen Weg, versucht mit sehr individuellen Charakteren und Lebensepisoden eine Annäherung an die Community als ganzes, bildet ab, wie wir miteinander kommunizieren, mit uns umgehen. Auch für das heterosexuelle Publikum, und dennoch mit einem schonungslosen Blick nach Innen: auf zutreffende Klischees wird ebenso verwiesen wie auf verborgenere Schätze und Wirrungen.

Als nächstes Projekt will Russel T. Davies eine Serie über schwule Männer in der Aids-Krise schreiben. Es könnte sein Meisterwerk werden.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 EnyyoAnonym
  • 23.01.2015, 16:14h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • @Foxxy: wer hat eigentlich bei Dir zuhause jede noch so kleine Kleinigkeit mit einem mehr oder wenigen dümmlichen Kommentar versehen?

    Mutti oder Omi? Dass Du hier wirklich zu jedem Ereignis meinst, etwas von Dir geben zu müssen, ist schon pathologisch! Wie ein Einsamer, der ständig vor sich hin brabbelt...

    "Weniger ist mehr" bzw. "willst Du was gelten, mach' Dich selten", sagt schon der Volksmund!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 arömtömtömAnonym
#4 SebiAnonym
  • 23.01.2015, 19:57h
  • "auf ITV die hölzern geratene schwule Senioren-Comedy "Vicious" "

    Finde ich gar nicht hölzern.

    Es ist halt von der Dramaturgie, der Inszenierung und der Ausstattung eine sehr klassische Britcom, wie es sie auch in den 80ern hätte geben können. Nur halt mit schwulen Figuren (was in den 80ern zur Ära Thatcher nicht möglich gewesen wäre).

    Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber auch Vicious erzielt sein Publikum - und das nicht zu knapp. Es wird immerhin eine zweite Staffel geben, weil die erste so erfolgreich war.

    Man erreicht mit Vicious auch wieder einige Zuschauer, die man mit Queer as folk, Looking, Cucumber, etc. nicht erreichen würde.

    Ich liebe Vicious - alleine schon wegen Ian McKellen, Derek Jacobi und Frances de la Tour.
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#5 MarekAnonym
  • 23.01.2015, 20:02h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • Da muss ich mich Enyyo anschließen.

    Es ist ja schön, dass Du so viele Artikel liest. Aber oft genug habe ich das Gefühl, dass Dir eigentlich nichts zum schreiben einfällt, Du aber dennoch meinst, was sagen zu müssen. Und dann schreibst Du irgendwelche sinnfreien Ein-Zeilen-Kommentare ohne echten Inhalt oder sonstiges.

    Das nervt. Wenn Du ernstgenommen werden willst und möchtest, dass man sachlich auf Dich reagiert, dann schreibe lieber nur dann was, wenn Du auch wirklich was ernstes zu sagen hast.

    Denn oft genug haben Deine Beiträge die Qualität von. "Interessanter Artikel. Bei mir regnet es übrigens gerade und mir ist langweilig."
  • Antworten » | Direktlink »
#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 23.01.2015, 21:06h
  • Antwort auf #5 von Marek
  • Der Beitrag ist ein Test gewesen, denn in manchen Threads sind mir schon zahlreiche Gagapostings ins Auge gefallen, die mit dem eigentlichen Thema gar nichts zu tun haben. Reagiert hat niemand darauf.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 lucdfProfil
  • 23.01.2015, 22:13hköln
  • Queer as Folk habe ich früher gern gesehen, obwohl mir manchmal einige Klischees über die Homos gestört haben.
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#8 daVinci6667
  • 24.01.2015, 11:30h

  • Wie hab ich doch Queer as Folk geliebt! Ich mochte alle Figuren selbst dann, wenn sie überdreht lustig und klischeehaft dargestellt wurden. Wo sah man das den sonst! Selbst konnte ich mich sofort mit dem süßen Michael identifizieren. Der kam mir irgendwie schon ziemlich nahe.

    Und nun Cucumber? Ganz anders und doch ist vieles wieder ähnlich. Ich bin viel älter geworden genau wie die Hauptdarsteller. Aber ich bin genauso schwul geblieben wie sie. Einer zwischen 40 und 50 sieht Cucumber halt mit ganz anderen Augen als ein 25 jähriger.

    Etwas gewohnungsbedürftig ist die Serie sicher, doch die nächste Folge wird am kommenden Donnerstag garantiert wieder aufgezeichnet. Ich muss schließlich wissen ob es mit Schlabberkäse, Banane oder Cucumber weitergeht und ob ein gealterter Schwuler das ficken und schwimmen neu lernen kann.

    Der Einstieg in die Serie ist jedenfalls voll gelungen.
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#9 TimonAnonym
  • 24.01.2015, 13:02h
  • Antwort auf #4 von Sebi
  • Ich finde Vicious auch klasse und kein bisschen "hölzern".

    Vicious ist von der Mehrzahl der Kritiker hochgelobt und kommt auch beim Publikum sehr gut an - und zwar bei Homos wie Heteros, was nicht jede Serie von sich behaupten kann. So wurde z.B. QaF zur Mehrzahl nur von GLBTI angeschaut und war bei Heteros nicht so beliebt.

    Vicious ist halt im Gegensatz zu Queer as folk, Cucumber, Looking, etc. eine Sitcom und deshalb gar nicht vergleichbar. Alleine schon durch die Studio-Atmosphäre hat eine Sitcom natürlich auch eine ganz andere Atmosphäre und auch ein anderes Ziel.

    Ich finde die Aussage eines Kritikers sehr passend: "nostalgic fun". Es ist so eine Art bissigere Version der Golden Girls.
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