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In dem Online-Projekt berichten LGBT-Jugendliche anonym von ihren Erfahrungen

Die russische Medienaufsicht sah in dem Online-Projekt Werbung für Homosexualität – ein Gericht gab ihr recht.

Ein russisches Gericht hat am Freitag die Journalistin Elena Klimowa zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Rubel (rund 695 Euro) verurteilt, weil das von ihr betriebene Projekt "Kinder 404" gegen das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" verstoße.

Das Gericht in Nischni Tagil folgte damit in erster Instanz der Staatsanwaltschaft, die auf Drängen der russischen Medienbehörde Roskomnadsor sowie der kremltreuen Jugendorganisation Junge Garde den Prozess angestrengt hatte. Eine mündliche Verhandlung Ende Dezember hatte für Gespött gesorgt, weil eine von der Medienaufsicht bestellte Expertin der Universität Moskau sich unter anderem auf die Bibel berief und mehrfach von der Sünde der Homosexualität sprach.

Roskomnadsor hatte im letzten November bekannt gegeben, dass es "Kinder 404" nach über 150 Beschwerden aus der Bevölkerung überprüft habe und zu dem Schluss gekommen sei, dass ein Verstoß gegen das Gesetz vorliegen könnte, das die "Bewerbung von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen unter Minderjährigen" unter Strafe stellt.

Stein des Anstoßes ist eine Gruppe in dem russischen sozialen Netzwerk VK (inzwischen gibt es auch eine Webseite und eine Facebookgruppe). Klimowa hatte sie im März 2013 gegründet, nachdem sie einen Artikel über die Situation von LGBT-Jugendlichen verfasst hatte und daraufhin viele Briefe von Jugendlichen erhielt, in denen sie Klimonwa um Hilfe baten.

In der Online-Gruppe schildern die Jugendlichen ihre positiven und negativen Erlebnisse. "Wenn diese Gruppe geschlossen wird, verlieren die Jugendlichen ihre einzige Möglichkeit, offen über sich zu sprechen und Ratschläge zu bekommen, die ihnen helfen. Das wäre eine Katastrophe!", erklärte Klimowa im letzten Jahr während eines früheren Prozesses gegen sie.

Klimowa kündigte Berufung an

Damals hatte dasselbe Gericht in Nischni Tagil noch geurteilt, dass "Kinder 404" keine Homo-"Propaganda" sei (in dem Fall war die Staatsanwaltschaft auf eine Anzeige des St. Petersburger Abgeordneten Witali Milonow hin tätig geworden).

Klimowa kündigte am Freitag an, gegen das neue Urteil in Berufung zu gehen – notfalls durch alle Instanzen bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Sie rügte auch, dass der Gerichtstermin stattgefunden habe, obwohl ihr Anwalt krankheitsbedingt fehlte.

Eine Doku über das Projekt "Kinder 404" war im Oktober beim Filmfest Hamburg als bester Film ausgezeichnet worden (queer.de berichtete). Zuvor war ein 17-Jähriger, der sich für "Kinder 404" einsetzte, für den Kinder-Friedenspreis nominiert worden (queer.de berichtete).

Der Name des Projekts ist eine Anspielung auf die Fehlermeldung von Webservern für nicht vorhandene Seiten und soll auf die Isolation der LGBT-Teenager hinweisen. (nb)



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 TimonAnonym
  • 24.01.2015, 13:05h
  • Bei Russland wundert mich gar nichts mehr.

    Da wird dann sogar ein Hilfsprojekt für schwul-lesbische Jugendliche zur verbotenen "Homo-Propaganda".
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#3 FinnAnonym
  • 24.01.2015, 13:40h
  • Russland driftet immer mehr in den Faschismus ab...

    Eine sehr bedenkliche Entwicklung...
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#4 daVinci6667
  • 24.01.2015, 15:01h
  • Antwort auf #2 von Timon

  • Ja, das ist reinster Faschismus!

    Damals durfte die "arische" Bevölkerung nicht mit "Judenpropaganda" "beschmutzt" werden, heute versucht Diktator Putin die Russen vor "Homopropaganda" zu schützen.

    Dabei sind die derart verblödet und merken nicht mal wie unendlich absurd das eigentlich ist!

    Man kann und braucht keine Gesellschaft vor Rothaarigen oder Linkshändern zu schützen. Dasselbe bei LGBTI. Die Natur (wer gläubig ist lese halt der liebe Gott) hat uns eben so gemacht. Da helfen auch keine "Gesetze" gegen uns, wir bleiben trotzdem da. Bringt man uns um, werden trotzdem immer neue von uns geboren. Täglich! Eben wie bei z.B Rothaarigen auch.

    Es ist entsetzlich das kaum jemand endlich die nötigen deutlichen Worte findet. Putinland ist heute faschistisch!
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#5 HugoAnonym
  • 24.01.2015, 15:53h
  • "Wenn diese Gruppe geschlossen wird, verlieren die Jugendlichen ihre einzige Möglichkeit, offen über sich zu sprechen und Ratschläge zu bekommen, die ihnen helfen.

    Das wollen ja die staatlichen und religiösen faschisten.
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#6 HugoAnonym
#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
#8 Homonklin44Profil
  • 25.01.2015, 04:45hTauroa Point
  • Unterzeichnung erledigt. Deutschland = ????????
    (beim Eintragen wichtig)

    Ja, dasist zum Heulen, wie dieses System unsere russischen MerkmalskollegInnen schon als Jugendlichen die Natur mundtot deklarieren will.

    Das Wort Faschismus ist bei denen längst zur Alltagstat geworden, so scheint es manchmal. Warum das von der Weltgemeinschaft als Lapalie abgetan wird, wo Putin sich noch damit brüstet, dass Schwule angeblich nicht verfolgt würden, versteh, wer will. Morgen sind es vielleicht ethnische Merkmale oder es wird die verkehrt bezeichnete Religion...

    Himmelschreiend ist auch immer die Beobachtung, wie viele russische junge Leute irgendwelchen Nazi-Idealen nachhängen. Haben die denn vom WK-II und ihrer Großväter Erzählungen so gar nix gelernt?

    Russland, steh auf gegen diese Art Machenschaften! Lass Dich nicht neu in ein Dominanzsystem werfen, unter dessen Hand Du brav leiden sollst...
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#9 BackyardAnonym