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Spielfilmdebüt von Sistas Inspiration

"Happy End" für den deutschen Lesbenfilm

  • 25. Januar 2015, noch kein Kommentar

Zwei komplett unterschiedliche Frauen finden zueinander: Lucca ist beeindruckt von Vals Temperament und ihrer bedingungslosen Hingabe zum Leben (Bild: Sistas Inspiration)

Jetzt in der L-Filmnacht: "Happy End" ist trotz einiger Schwächen der bis dato gekonnteste deutsche Film über eine Frauenliebe.

Von Marie Lange

Die hübsche, blonde Lucca ist auf dem besten Weg. Sie hat ihren Abschluss in der Tasche und ein klares Ziel vor Augen: Juristin werden und in Papis Kanzlei einsteigen. Doch trotz dieses perfekten Zukunftspanoramas – oder gerade deshalb – fehlt Lucca etwas in ihrem Leben. Aus dem Off beschallt sie den Zuschauer immer wieder mit verzweifelter Poesie.

Als die junge Kölnerin durch die Nacht spaziert, um ihren Kopf frei zu bekommen, gerät sie durch ein Missverständnis in rechtliche Schwierigkeiten und wird zu Sozialstunden verdonnert. Von dem Moment an, an dem Lucca ihren Arbeitsplatz, ein Sterbehospiz, betritt und dort ihre Kollegin Val kennenlernt, soll sich ihr Leben und ihre Ansicht dazu drastisch verändern.

Ohne viel voneinander zu wissen, begeben sich die beiden Frauen auf einen Roadtrip nach Holland, bei dem sie nicht nur zu sich selbst, sondern auch zueinander finden.

Der erste Spielfilm von Sistas Inspiration


Plakat zum Film: Ende Januar tourt "Happy End" mit der L-Filmnacht durch die deutschen Kinos

"Happy End" ist die brilliant umgesetzte Geschichte über die Liebe zum Leben und die aufblühende Liebe zwischen zwei ganz unterschiedlichen Frauen. Dahinter steckt die Produktionsfirma Sistas Inspiration, die für ihre LGBT-orientierten Projekte bekannt ist und für ihren ersten Spielfilm ein deutliches Chapeau verdient hat.

Doch leider wirkt die Entwicklung zwischen den Frauen unwirklich. Die erste Begegnung von Lucca und Val kommt für die beiden Frauen genau so aus dem Nichts wie die spätere Liebesbeziehung für den Zuschauer. "Happy End" lässt seinen Protagonistinnen keine Zeit, sich kennenzulernen. Vals charmante Art und spannender Charakter hätte mehr Raum gebraucht, um zu wirken. Es ist fast unmöglich den beiden in den 86 Minuten nah zu kommen und das romantisches Knistern mitzufühlen. Viele Szenen hätten etwas mehr Geduld vertragen können und hielten weit aus mehr Potential bereit, als tatsächlich genutzt wurde.

Das Sterbehospiz, in dem sich Val und Lucca kennenlernen, bildet im Film eine gelungene Metaebene. Regisseurin Petra Clever geht mit der sensiblen Thematik feinfühlig um, ohne dabei an Witz zu verlieren.

Auffällig sind die lyrischen Einschübe aus dem Off. Über das Stilmittel an sich lässt sich streiten, klar ist: Die, von Sinha Melina Gierke (Lucca) gesprochenen Texte sind berührend und geradezu eine Offenbarung. Auch die Dialoge sind mit viel Liebe fürs Detail beinahe philosophisch ausgebaut und hinterlassen tiefen Eindruck.

Verena Westkamp brilliert als undurchsichtige Val

Das Ensemble ist insgesamt stimmig. Besonders Verena Westkamp brilliert in ihrer Darstellung der so undurchsichtigen Val. Einige Gesichter sind bereits aus dem deutschen Swap-Alltag bekannt, haben sich in "Happy End" aber neu entdeckt und sich vom Mainstream verabschiedet. Allein die Besetzung für Luccas Vater scheint etwas unglücklich. Leider ist der optische Altersunterschied zwischen Sascha Tschorn und Sina Melina Gierke zu gering, so dass die beiden eher wie ein Hetero-Paar und nicht wie Vater und Tochter wirken. Seine übertheatralische Darbietung raubt seiner Rolle zudem die letzte Authentizität.

Dennoch: Man merkt den Filmemacherinnen von Sistas Inspiration ihre 15-jährige Erfahrung an. "Happy End" ist überraschend hochwertig produziert und erinnert eher an amerikanisches Kino als an deutschen Dramen. Kamera und Regie ist es gelungen, eine untypische Ästhetik zu erzeugen und jedes Bild zu einem besonderen Kunstwerk zu machen. Eher störend ist in diesem Zusammenhang nur die grafische Blende, die zwar durchaus interessant ist, aber zu krass gliedert und den Fluss behindert.

Alles in allem ist "Happy End" trotz einiger Schwächen der bis dato gekonnteste deutsche Film über eine Frauenliebe. Sistas Inspirations' Spielfilm-Debüt überzeugt größtenteils inhaltlich, begeistert optisch und rührt am Ende sogar zu Tränen.

Youtube | Offizieller Trailer zum Film
Infos zum Film

Happy End. Drama. Deutschland/Niederlande 2014. Regie: Petra Clever. Darsteller: Sinha Melina Gierke, Verena Wüstkamp, Madlen Kaniuth, Sascha Tschorn, Zenzi Faust. Laufzeit: 86 Minuten. Deutsche Originalfassung. FSK 16. Vertrieb: Edition Salzgeber
Galerie:
Happy End
8 Bilder