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  • 01.02.2015           1      Teilen:   |

"Reggae Against The Machine"

Directors Cut: HipHop unter der Regenbogenflagge

Artikelbild
Directors Cut wurden 2004 in Braunschweig gegründet - erst zehn Jahre später nahm die Band ihr erstes Album auf (Bild: Promo)

Die Braunschweiger Band Directors Cut und ihr schwuler MC Tobbe Müller setzen mit dem Debütalbum "Reggae Against The Machine" ein queeres Signal in der Reggae-Dancehall-Szene.

Von Michael Thiele

Ein Modewort der letzten Jahre ist ja DIY, kurz für Do It Yourself. Auf Deutsch könnte man auch einfach sagen, etwas sei selbstgemacht. Aber das würde den Menschen, die das Label DIY für sich beanspruchen, nicht reichen. Denn hinter DIY steckt auch Attitüde.

Wer etwas nach hipper DIY-Manier produziert, der will sich abgrenzen – einerseits von unter professionellen, womöglich globalisierten, entfremdeten Bedingungen hergestellten Dingen, andererseits vom herkömmlich Selbstgemachten. DIY-Sachen wollen also so was wie der Mercedes unter dem Selbstgemachten sein.

Ganz anders verfahren Directors Cut. Die sechsköpfige HipHop-Crew aus Braunschweig macht zutiefst ehrliche Musik, die kein prätentiöses DIY-Label braucht. Im Jahr 2004 gegründet, hat sich die Band viel Zeit genommen, um ihren Stil zu entwickeln. Man tourte ausgiebig in wechselnder Besetzung, teils sogar zu zehnt, und nahm zwei EPs auf.

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Das Debütalbum wurde teils durch Crowdfunding finanziert

Das Debütalbum "Reggae Against The Machine" wurde am 31. Januar über recordJet veröffentlicht
Das Debütalbum "Reggae Against The Machine" wurde am 31. Januar über recordJet veröffentlicht

2006 erschien die selbstbetitelte "Directors Cut", 2009 "Off Beat Jomble". Erst 2012, also im achten Bandjahr, zog man sich mit ernsthaften Albumplänen zurück, 2014 wurde "Reggae Against The Machine" in Hamburg aufgenommen. Nun erscheint das teils durch Crowdfunding finanzierte Debüt.

Directors Cut sind trotz dieser bodenständigen, buchstäblich natürlich wirkenden Entwicklung etwas Besonderes, denn ihr MC und Gründer Tobbe Müller ist offen schwul, was im männlich dominierten, nicht selten aggressiven HipHop nach wie vor keine Selbstverständlichkeit ist. Dementsprechend versteht Tobbe das Debüt laut Pressemitteilung als "eine persönliche, direkte Ansage, mit der man sich deutlich vom Rest der deutschsprachigen Reggae-Dancehall-Szene absetzt". Unterstützt wird er dabei von drei Musikern und zwei Sängerinnen.

Was aber bietet "Reggae Against The Machine", die HipHop-Platte mit den Regenbogenfarben auf dem Cover, nun wirklich? Zunächst mal einen Mix aus Dancehall, Big Band und natürlich HipHop, der oft an jene Art von Musik erinnert, die Coverbands bei Firmenfeiern oder Silberhochzeiten zum Besten geben. Eher simple Melodien zeigen, dass musikalisch noch Luft nach oben ist. Dazu gibt es Texte, die zwischen politisch und peinlich, zwischen lustig und lahm pendeln, die frech und provokant sein wollen, stattdessen aber meist etwas bieder und provinziell rüberkommen. Ach ja, und es wird viel gereimt. Sehr, sehr viel gereimt.



"Der hipste Boy im Abendkleid"

Zum Beispiel in "Gut", in dem ein Langzeitstudent erklärt, dass er kein Problem damit hat, länger als andere zu studieren. Oder im manifestartigen Opener "Startbereit", in welchem sich Directors Cut vorstellen als "der dickste Koi im Karpfenteich/der hipste Boy im Abendkleid/der ganze Stolz im Schambereich/die Sau, die dir an den Karren scheißt". Aha. Munter weitergereimt wird im elektronischen "Dahinter", das sich unverkennbar bei Deichkinds "Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)" bedient, oder in "Liquid Sunshine". Darin heißt es übrigens, dass Liebe zwischen Menschen stattfinde und nicht zwischen Geschlechtsteilen.

Derartige queere Seitenhiebe durchziehen übrigens die gesamte Platte, am stärksten in der ganz cleveren, süßen Single "Kontaktanzeige", in der im Refrain "Er sucht … ihn" gesummt wird. Und in "Was Sonderbares", in dem Tobbe über sein Schwulsein rappt. "Ich bin ein Homo/Väter, sperrt eure Söhne ein", ruft er zwischen zu entlarvendem Klischee und stolzer Selbstbehauptung zu einfachen Beats. Das ist textlich erfrischend, das authentische Bandselbstverständnis – wie bereits gesagt – sympathisch. Ansonsten darf Album Nr. 2 gerne mehr bieten.

Youtube | "Er sucht .... ihn": Ofizielles Video zur Single "Kontaktanzeige"
Links zum Thema:
» In das Album bei Amazon reinhören
» Homepage von Directors Cut
» Fanpage auf Facebook
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Tags: directors cut, tobbe müller, hiphop, reggae, dancehall, rap
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Reaktionen zu "Directors Cut: HipHop unter der Regenbogenflagge"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
03.02.2015
05:38:59


(+2, 2 Votes)

Von HBausB
Aus Berlin
Mitglied seit 03.02.2015


Ich freue mich, dass aus meiner alten Heimatstadt, die sonst mit einer ziemlich dürftigen LGBT- Szene, einem immergleichen eher biederen CSD (VWler versuchen Party zu machen) und kuriosen Gestalten wie dem homophoben "Prediger von Braunschweig" Klaas Hoffmeister auffällt, endlich mal deutliche Töne aus der Reggae-Dancehall-Szene gesendet werden! Noch dazu clever und kreativ wie es sogar die Hauptstadt vermissen lässt! Alles Gute der aufstrebenden Band!


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