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Ungarns Hauptstadt ist für Schwule ein Paradies: Wir zeigen, was man unbedingt sehen sollte und wo man am leichtesten auf Gleichgesinnte trifft.

Von Roberto La Pietra

Die Donaumetropole, die aus den ursprünglich eigenständigen Städtchen Buda und Pest besteht, ist weit über seine Grenzen berühmt für seine alten Gemäuer. Am besten beginnt man die Besichtigung auf der hügeligen Budaer Seite. Hier muss man sich zunächst auf die Burg begeben, denn von hier aus kann man den Blick über die ganze Zwei-Millionen-Stadt schweifen lassen. Wem der Aussichtspunkt nicht hoch genug ist, der kann per Bus oder zu Fuß noch höher hinauf auf den Gellért-Hügel, um nicht nur einen Überblick über die gegenüberliegende Pester Seite zu haben, sondern auch über das volle Ausmaß der hügeligen Seite mit Burg, Matthiaskirche und Fischerbastei. Am Fuße des Gellért-Hügels liegt übrigens das bekannteste Thermalbad der Stadt, das den gleichen Namen trägt. Allerdings ist es "nur" gemischt – wer lieber unter Männern sein möchte, dem sei das Király-Bad im zweiten Bezirk empfohlen.

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Wieder unten am Donauufer sollte man unbedingt über Budapests älteste Brücke schlendern – die Kettenbrücke. Wer den Blick nach links wendet, vor dem erhebt sich Europas größtes Parlamentsgebäude, das besonders bei Nacht atemberaubend ist. Am Pester Donauufer befinden sich zahlreiche Restaurants auf Booten. Hier sollte man sich unbedingt ein edles Abendessen gönnen – von der Rechnung ist man angenehm überrascht, denn in Ungarn kriegt man noch etwas für sein Geld. Die Preise steigen allerdings auch hier unaufhaltsam – ein Grund mehr, die Stadt möglichst bald zu besuchen. Etwas weiter "landeinwärts" findet man quasi die "Downtown" der Stadt. Hier gibt’s Shopping-Spaß in den Fußgängerstraßen und eine Flaniermeile, die man auf keinen Fall verpassen sollte: Andrássy Út. Die Prachtstraße verläuft nordwärts vom Zentrum der Stadt aus bis zum Heldenplatz, der das Tor zum Budapester Stadtwäldchen darstellt.

Am Anfang der Andrássy Út hat man es mit einem kosmopolitischen Boulevard zu tun, der sich vor allem durch Einkaufsmöglichkeiten und Cafés auszeichnet. Auf der Höhe des Platzes Oktogon, wo sich auch ein großer Teil der Hetero-Bars befindet, wandelt sich das Bild jedoch. Die Straße wird breiter und ist eine von herrschaftlichen Villen gesäumte grüne Allee. Vor allem Botschaften haben sich in dieser noblen Gegend angesiedelt. Auf einem Spaziergang entlang dieser Meile kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus.

In einigen Seitenstraßen lassen jedoch noch ein wenig nachempfinden, wie die Stadt zu Ostzeiten ausgesehen haben muss. So mancher Häuserblock - nur 100 Meter vom Boulevard entfernt - vermittelt ein Gefühl von Sozialismus: schwarze, rußige Fassaden, einige Trabis zwischen westlichen Fabrikaten in sonst ausgestorbenen Straßen – vor allem bei Nacht. Dieser krasse Gegensatz zwischen aufgestyltem Prachtboulevard und dunklen Seitenstraßen spiegelt die Reise einer Stadt vom Kommunismus zum Kapitalismus wider. Wen die Zeiten, aus denen Budapest kommt, näher interessieren, der sollte einen Ausflug mit dem Bus zum Statue Park außerhalb der Stadt unternehmen. Hier sind typische Monumente der sozialistischen Epoche zu finden – Lenin zum Beispiel. Man hat die Denkmäler aus der Metropole verbannt, um sie quasi vor den Toren der Stadt auf einen Haufen zu stellen. Darüber hinaus eignet sich für geschichtlich interessierte Besucher das Terror-Haus am Oktogon, in dem unter dem Regime der Nazis, später unter der Herrschaft der Kommunisten, viele "Querulanten" ihr Leben lassen mussten.

Nach solch schwerer Kost muss man es sich auch mal gut gehen lassen: Budapest gilt ja als liberalste Stadt Osteuropas und dank der günstigen Preise kann man gleich doppelt auf den Putz hauen. Ein bisschen verstreut sind die Homo-Bars und -Clubs allerdings schon. Dazu kommt noch, dass die letzte Metro schon um halb zwölf fährt. Doch dafür hat die Stadt ein hervorragendes Nachtbusnetz – meistens kommen diese im 15-Minuten-Takt. Anfangen kann man beispielsweise im Café Eklektika. Die angenehme Kneipe in der Innenstadt wird von zwei Lesben geführt, zieht aber genauso Männer an. Nur hin und wieder findet eine Art Ladies’ Night statt, deswegen sollte man sich vorher über das Programm informieren. Ganz nett sind auch das Amstel River Café, das aber nicht unbedingt landestypisch ist oder das Mylord mit einer großen Terrasse im Sommer.

Wenn es ums Tanzen geht, stehen eigentlich drei große Clubs zur Auswahl: Einen Besuch wert, aber etwas bizarr, ist CBA: Club Bohemian Alibi. Dies ist ein Gewirr aus Gängen und mehreren Tanzflächen mit abgedrehten Drag-Shows und einem verblüffend gemischten Publikum. Die grimmigen Türsteher erschrecken nur im ersten Augenblick. Ganz nett ist hier die "Consumption Card", auf der alle Drinks eingetragen und am Schluss bezahlt werden. Deswegen gibt’s hier kaum Gedrängel. Etwas snobbischer und moderner als Bohemian Alibi ist der Angyal Club. Das gilt auch für das Capella Café, das für Budapest recht hohe Preise hat und neben Schwulen auch viele Heteros anzieht. Das zeigt, dass sich im Kopf der Leute hier schon viel getan hat. Dennoch darf man gespannt sein, was hier noch alles so passiert. Denn während so manche liberale Hochburg Europas ihr Angebot an Szene-Bars langsam wieder herunterfährt, weil Schwulsein schon so normal ist, tut sich hier einfach noch was - und das in jeder Hinsicht!

Ein Ungarn-Spezialist ist das schwule Reisebüro am Hellkamp in Hamburg. Kontakt über www.ungarn-travel.de.

21. Januar 2005