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  • 05.02.2015               Teilen:   |

Neues Album "Muse"

Lyambikos feminine Song-Parade

Artikelbild
Die deutsche Sängerin Lyambiko erzählt in ihren Songs Geschichten, die aufgrund ihres inbrünstigen Understatements eine unerwartete Tiefenwirkung entfalten. (Bild: Uwe Arens)

Alle Stücke des neuen Albums "Muse" der in Greiz geborenen Sängerin stammen von Frauen.

Mal ehrlich, brauchen wir heute noch so antiquierte Begriffe wie Jazz oder Pop? Wir blicken auf mehr als ein Jahrhundert einander durchdringender Einflüsse aus Europa, Afrika und Amerika zurück, die sich in so unterschiedlichen, einander überlappenden Genres wie Jazz, Soul, Funk, Pop, R&B oder Blues niederschlagen.

Wenn sich all diese Einflüsse und Traditionslinien in einer einzigen Stimme vereinen, hat der Spartenhörer endgültig ausgedient.

Die deutsche Sängerin Lyambiko hat ihre Laufbahn zwar als Jazzsängerin angefangen, sich aber längst einer künstlerischen Offenheit verschrieben, bei der es viel mehr um persönliche Timbres, spontane Stimmungen und subjektive Perspektiven geht als um festgelegte Kategorien oder gar Ausgrenzungen. Ohne viel Aufwand zu betreiben, erzählt sie Geschichten, die aufgrund ihres inbrünstigen Understatements eine unerwartete Tiefenwirkung entfalten. Unablässig nimmt sie vokale Farbwechsel vor, die nicht nur Überraschungen verheißen, sondern in ihrer emotionalen Feinabstimmung den Hörer auf eine Reise mitnehmen.

Bestanden Lyambikos frühe Alben noch aus geschmackvollen, wenn auch in ihrer Zusammenstellung eher zufällig wirkenden Standard-Interpretationen, ging die 1978 im thüringischen Greiz geborene Sängerin bald zu komplexeren Themen über. Auf "Saffronia" (2008) zelebrierte sie ausschließlich Lieder von Nina Simone, auf "Lyambiko Sings Gershwin" widmete sie sich Amerikas erstem großen Vermittler zwischen Jazz und Klassik. Auch auf ihrer neuen CD "Muse" setzt sie sich eine thematische Klammer.

Die von ihr ausgewählten Stücke stammen ausschließlich von Frauen. Dabei geht es ihr weder um einen Quotennachweis noch um die Frage, ob Frauen anders komponieren als ihre männlichen Kollegen. Ihr Album ist mehr aus einem Bedürfnis nach Empathie entstanden. Die Frauen, deren Originale sie hier zum Besten gibt, haben ihre Songs unter ganz unterschiedlichen Bedingungen, teilweise gegen höchst unterschiedliche Widerstände geschrieben. Lyambiko eignet sie sich an und formt sie zu ihrer eigenen Geschichte, nicht mehr und nicht weniger.

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Intimität und Nähe zum Hörer

Das neue Album "Muse" vom Lyambiko ist am 30. Januar 2015 erschienen
Das neue Album "Muse" vom Lyambiko ist am 30. Januar 2015 erschienen

Der Song "Horacio" stammt von Jutta Hipp, einer Leipziger Pianistin, die Anfang der fünfziger Jahre als Europas "First Lady in Jazz" galt. Sie suchte ihr Glück in Amerika, wo sie drei Alben für Blue Note aufnahm, bevor sie in der damaligen Männerwelt des Jazz die Waffen streckte und sich dem Textil Design verschrieb. "Landslide" aus der Feder von Stevie Nicks war 1977 ein Hit für die damals unvergleichlich erfolgreiche Pop-Band Fleetwood Mac. Mit Aki Takase und Julia Hülsmann sind zwei Pianistinnen unter den Komponistinnen, die in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten maßgeblich die Berliner Jazz-Szene geprägt haben (Julia Hülsmann brachte 2012 auf dem JazzFest Berlin ihrerseits ein umjubeltes Jutta-Hipp-Projekt an den Start).

Abbey Lincoln, von der "And How I Hopes For Your Love" stammt, hat mit ihren Songs an der Seite von Max Roach die amerikanische Bürgerrechtsbewegung begleitet, bevor sie zu einer großen Balladeninterpretin wurde. "On And On" war nicht nur die Debüt-Single, sondern zugleich ein vielfach ausgezeichneter Riesenhit der amerikanischen Sängerin Erykah Badu, die mit ihrer bisherigen Laufbahn einen kühnen Bogen von HipHop über R&B bis zum Jazz schlug. Jill Scott, Ann Ronell, Bernice Petkere, Consuelo Velazquez, Fumi Udo und Kay West sind weitere Songwriterinnen, auf deren Vorlagen Lyambiko hier ebenso lustvoll wie behutsam zurückgreift. Dieses Bekenntnis zu den weiblichen Impulsen in Jazz und Pop wäre jedoch höchst unvollständig, wenn mit dem unbekümmert swingenden "Spring" nicht auch eine Nummer von Lyambiko selbst dabei wäre.

Einzige Ausnahme in dieser femininen Song-Parade ist "Goodbye Pork Pie Hat", das bekanntlich von dem ausgesprochen maskulinen Avantgarde-Schwergewicht Charles Mingus spontan geschrieben wurde, als er vom Tod Lester Youngs erfuhr. Joni Mitchell, die eine enge Zusammenarbeit mit Mingus plante, schrieb zwanzig Jahre später einen vielschichtigen Text zu diesem Instrumentalklassiker des Bassisten, der zu diesem Zeitpunkt aus gesundheitlichen Gründen selbst schon keine Musik mehr machen konnte. Lyambiko liebt die Intensität, mit der Joni Mitchell diesen Standard zu einem eigenen Song gemacht hat, und trägt ihn nun ihrerseits in die Gegenwart.

Die Songs, die Lyambiko auf "Muse" zusammenträgt, ergeben in ihrer Gesamtheit ein sehr eindringliches Kaleidoskop von Haltungen, Geschichten und Reflexionen, die nicht nur von der variantenreichen Stimme der engagierten Sängerin, sondern auch von dem unaufdringlichen, aber stets akzentuierten Spiel von Pianist Marque Lowenthal, Bassist Robin Draganic und Drummer Heinrich Köbberling transportiert werden. Piano, Bass und Schlagzeug umtanzen den Gesang mit beeindruckender Leichtfüßigkeit. So gelingt es der Sängerin und ihren drei Begleitern, Intimität und Nähe zum Hörer herzustellen.

Man soll und kann "Muse" vor dem gedanklichen Hintergrund der femininen Inspiration genießen, die Lyambiko zu dieser außergewöhnlichen Liederreise bewog, man kann die Platte allerdings auch getrost als das nehmen, als was sie sich ohne Berücksichtigung dieser Hintergrundinformation außerdem noch offenbart: eine wunderbare musikalische Erzählung in 15 Kapiteln, die gleichermaßen in der Vergangenheit und Gegenwart spielt und ebenso zum Nachdenken und Innehalten auffordert, wie sie sich zur bunten Vielfalt des Lebens bekennt. (cw/pm)

Links zum Thema:
» In das Album bei Amazon reinhören
» Offizielle Website der Sängerin
» Offizielle Facebookseite
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Tags: lyambiko, muse, jazz
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