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  • 08.02.2015           2      Teilen:   |

Was die ersten Homo-Journalisten schrieben

"Neue Erkenntnisse über die Masturbation"

Artikelbild
Faksimile, Zitate, Aktaufnahmen: Doppelseite aus dem 392-Seiten-Band für knapp 60 Euro

Die Edition Salzgeber hat einen Print-Verlag gegründet und startet mit "Der Kreis – Eine Sammlung" – ein wichtiger Impuls für den Buchmarkt und ein wichtiges Buch zur Schwulengeschichte!

Von Kevin Clarke

Es gibt natürlich viele Perspektiven, aus denen man dieses schwergewichtige 392-Seiten-Buch "Der Kreis – Eine Sammlung" betrachten kann, das Kurt von Hammerstein und Björn Koll bei der Edition Salzgeber herausgegeben haben. Da ist schon mal die Tatsache bemerkenswert, dass es mit der Edition Salzgeber auf dem deutschen Print-Markt einen neuen unternehmungslustigen Player gibt, der über andere Vertriebswege und ein anderes PR-Netzwerk verfügt als die bisherigen schwulen Verlage.

Das ist grundsätzlich eine Bereicherung. Da es sich in diesem Fall um eine Art Fotoband handelt, wäre der direkte Konkurrent der Bruno Gmünder Verlag mit seinen Coffee-Table-Büchern, die sich ungefähr im gleichen (hohen) Preissegment bewegen. Dass hier nun jemand kommt und zeigt, dass man Nacktaufnahmen auch vollkommen anders verpacken kann – nämlich historisch und gänzlich unpornografisch – hat was Erfrischendes. Und das sage ich nicht, weil ich ein Problem mit Pornografie habe (ganz sicher nicht!), sondern weil Konkurrenz den Markt belebt und dem Kunden mehr Auswahlmöglichkeiten bietet. Das Spektrum wird erweitert.

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Die weltweit erste Homosexuellenzeitschrift

Cover des Buches: Mit "Der Kreis – Eine Sammlung" mischt die Edition Salzgeber den LGBT-Buchmarkt auf
Cover des Buches: Mit "Der Kreis – Eine Sammlung" mischt die Edition Salzgeber den LGBT-Buchmarkt auf

Zum Auftakt bei Salzgeber geht's um den schwulen Klassiker schlechthin: die Geschichte rund um die Schweizer Zeitschrift "Der Kreis", die von 1943 bis 1967 monatlich erschien, die erste Homosexuellenzeitschrift weltweit war und es sogar einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin blieb.

Jüngst hatte Regisseur Stefan Haupt den wunderbaren Dokumentarfilm "Der Kreis" herausgebracht, der viele nachgestellte Spielfilmsequenzen enthielt und ein bewegendes Bild von den Menschen zeichnete, die damals in der Schweiz für Homoemanzipation und Selbstbestimmung kämpften (queer.de berichtete). Praktischerweise wird dieser Film ebenfalls über die Edition Salzgeber vertrieben, so dass man die neue Publikation fast wie das Buch zum Film sehen kann.

In gewisser Weise ist sie das auch: Zeigt der Film die menschlichen und gesellschaftspolitischen Hintergründe rund um den "Kreis", so liegt der Fokus des Buchs ausschließlich auf der Zeitschrift selbst, die man im Film kaum sieht. Jedenfalls nicht, was die Inhalte des Blatts angeht.

Faksimile & Fotos

Die Herausgeber liefern im Buch zwei Dinge: einen Querschnitt von vollständigen Artikeln aus "Der Kreis", die als Faksimile abgedruckt sind und dem Leser die Möglichkeit geben, Texte vom Februar 1948 ("Vom Sexualleben der Amerikaner") bis zur letzten Ausgabe vom Dezember 1967 ("Der Kreis wünscht der neuen Zeitschrift Glück") im Original zu studieren. Dazwischen finden sich Schwarzweiß-Aktaufnahmen aus dem Archiv der Organisation, die damals aus Zensurgründen nicht gedruckt wurden und die ein Mitarbeiter – entgegen der Anweisung, alles zu vernichten – aufbewahrt hat.

Diese zwei Ebenen des Buchs sind stylish gemischt, so dass trotz der Retro-Optik der Artikel selbst dieses neue Buch sehr heutig wirkt – mit ganzseitigen bunten Zitaten in Pop-Art-Optik. Vorangestellt ist dem Ganzen ein Vorwort von Björn Koll, in dem er kurz und knapp erklärt, was "Der Kreis" war. Gefolgt wird dies von Einzelartikeln zu den beteiligten Akteuren ("Rolf" usw.), die von Karl-Heinz Steinle stammen, der 1999 bereits im Schwulen Museum die Ausstellung "Der Kreis: Mitglieder, Künstler, Autoren" kuratiert hatte und die Texte von damals überarbeitet hat.

Strickmuster & Stonewall

Man könnte nun einwenden, dass dies ja ein sehr einfaches Strickmuster sei, ein Buch zusammenzustellen: 350 Seiten Faksimile, ein paar eingestreute Fotos und Zitate, das ist schnell gemacht! Dennoch ist eine so umfangreiche Sammlung von Artikeln aus dem Heft lohnend, weil es sich um wichtige Zeitdokumente handelt, die zeigen, wie in der Zeit vor Stonewall und der 1968er-Generation über Homosexualität berichtet wurde – und zwar von schwulen Männern selbst: "Die Homophilen in Oesterreich" (1953), "America's First and Only Homosexual Magazine" sowie "Homosexualität und Verbrechen" (beide 1955), "Neue Erkenntnisse über die Masturbation" (1957), "Vorurteile fallen, Paragraph bleibt!" (1958), "Begegnungen in Leningrad und Moskau" (1959) oder "Eine neue Ursache der Homosexualität" (1965). Um nur einige Highlights aus dem Buch zu nennen.

Die Artikel – in Deutsch, Englisch und teils auf Französisch – sind allesamt lesenswert. Die Aufmachung der Faksimile-Seiten ist so, dass man vielen Schwulenzeitschriften heute wünschen würde, sich an diesem Layout ein Beispiel zu nehmen, wenn es "Debatten orientierte" Publikationen sein sollen mit intellektuellem Anspruch statt reine Werbeblätter. Auch wenn dieser "Klopper" insgesamt auch eine Form von Werbung für den Dokumentarfilm "Der Kreis" ist, der bei Salzgeber Ende Februar (endlich) auch auf DVD erscheint. Überhaupt kann man dieses Buch fast als Katalog sehen, zu dem es neben der DVD noch eine Ausstellung geben sollte. Vielleicht eine Wanderausstellung durch Deutschland, Österreich, die Schweiz – und die USA?



Eine weitere Veröffentlichung erinnert an Will McBride

Neben "Der Kreis – Die Sammlung" hat die Edition Salzgeber bereits Will McBrides Bildband "Salem Suite" veröffentlicht (queer.de berichtete) – nur wenige Wochen vor dem Tod des in Berlin lebenden US-Fotografen. Es wird spannend sein zu beobachten, welche weiteren Titel in Druckform erscheinen werden und wie die damit gesetzten Impulse den Markt in Deutschland verändern werden. Dass überhaupt jemand an den deutschen LGBT-Buchmarkt glaubt und einen neuen Verlag gründet, mit entsprechenden Veröffentlichungen, ist schon mal ein sehr gutes Zeichen.

Und ja, dieses "Der Kreis – Eine Sammlung" ist ein wunderbares Buch mit hochwertigen Bildern und hochfaszinierenden Texten. Eine Publikation zum wiederholten Stöbern und Staunen.

  Infos zum Buch
Björn Koll, Kurt von Hammerstein (Hrsg.): Der Kreis – Eine Sammlung. Fotoband. Format: 21 x 27 cm. 392 Seiten. Klappenbroschur. Edition Salzgeber. Berlin 2014. 59,90 €. ISBN 978-3-944627-02-1
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Homepage zum Film
Mehr zum Thema:
» Filmkritik zu "Der Kreis": Mit der "Warm-Luft-Hansa" zum Homo-Geheimzirkel (22.10.2014)
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Tags: der kreis, zürich, edition salzgeber, buchverlag
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Reaktionen zu ""Neue Erkenntnisse über die Masturbation""


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
08.02.2015
16:32:14
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von Timon


Bei Filmen steht Salzgeber für Qualität. Und der vielversprechende Anfang lässt hoffen, dass ihnen das auch bei Büchern gelingen wird.


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#2
10.02.2015
10:57:33


(+1, 1 Vote)

Von Michael_Bln


Ein Tennessee Williams Buch hat Salzgeber inzwischen auch rausgegeben. Die klare Linie dabei erkenne ich noch nicht, aber das ist egal..... mehr schwule Bücher sind immer willkommen!


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