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Thomas Hitzlsperger im Gespräch mit Katrin Müller-Hohenstein - die ZDF-Sportmoderatorin moderiert die gutbesuchte Podiumsdiskussion in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom (Bild: BMH)

Ein Jahr nach seinem medienwirksamen Coming-out spricht Thomas Hitzlsperger über seine neue Funktion als Botschafter des Projekts "Fußball für Vielfalt".

Von Karsten Holzner

Der Hype um ihn ist geblieben. Zahlreiche Fotografen, Kamerateams und Journalisten drängen sich am Mittwoch in der Berliner Telekom-Zentrale um den ehemaligen Fußballnationalspieler Thomas Hitzlsperger. Sein Anliegen droht dabei in den Hintergrund zu geraten. Das Interesse an seinen Berufsplänen oder an weiteren Namen schwuler Sportler scheint größer als der eigentliche Anlass.

Denn eingeladen zu Pressetermin und Podiumsdiskussion hat die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld im Rahmen ihres Engagements gegen die Diskriminierung von Homosexuellen im Sport. Sie präsentiert das Bildungs- und Forschungsprojekt "Fußball für Vielfalt" und will den öffentlichen Eindruck korrigieren, dass seit der Berliner Erklärung vom 17. Juli 2013 im Kampf gegen Homophobie im Stadion nicht viel passiert sei.

Homosexualität im Sport: Zahlen, Daten, Fakten fehlen


Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, stellt das 2013 gestartete Bildungsprojekt "Fußball für Vielfalt" vor (Bild: BMH)

Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Hirschfeld-Stiftung, wirbt um Verständnis: "Wir arbeiten langfristig und nachhaltig. Wir brauchen Zahlen, Daten, Fakten. Es gibt einfach nur wenig Erfahrungen in Deutschland mit Homosexualität im Sport." Dabei gehe es nicht nur um Männerfußball, sondern um das Aufbrechen von Klischees. "Wir brauchen Vorbilder, das muss kein Thomas Hitzlsperger sein, sondern Männer und Frauen in den Vereinen, die das Thema aufgreifen."

In Verbänden und Vereinen würden Informationen über die Lebensweise von Lesben und Schwulen fehlen, so Litwinschuh. In Kooperation mit dem DFB sollen Online-Bildungsangebote entstehen. Ein erster, eigener Schritt ist ein "leicht verständliches Informationsangebot" – das neue Webportal fvv-online.de (queer.de berichtete).

Broschüren verschicken reicht nicht

Auf geeignete Multiplikatoren vor Ort setzt auch der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Professor Manfred Schweer von der Universität Vechta: "Wir müssen viele Zielgruppen einbinden und – um Nachhaltigkeit zu erreichen – unser Anliegen in den Vereinen verankern." Er skizziert das Bildungsziel, Wissen zu vermitteln, bestehende stereotype Verhaltensmuster kritisch zu hinterfragen und zielführende Handlungsstrategien aufzubauen. Der wichtigste Schritt sei es, "in die Amateurvereine zu kommen. Da reicht es nicht Broschüren hinzuschicken." Geplant seien außerdem diverse Workshops mit dem DFB, Werder Bremen und am 24. April in der Akademie Waldschlösschen.

"Wir müssen mehr in die Vereine gehen, wer Hilfe will, muss sie vor Ort bekommen", bestätigt Burkhard Bock. Vor zweieinhalb Jahren hat sich der Schiedsrichter und Verbandsfunktionär aus Brandenburg geoutet und seitdem zahlreiche Anfragen von jungen Fußballern und Referees bekommen.

Kein Masterplan für ein Coming-Out

Anne-Kathrin Laufmann, Direktorin des CSR Management Werder Bremen, berichtet über Vor- und Nachteile des Profigeschäfts: "Wir haben hauptamtliche Mitarbeiter, die sich mit dem Thema beschäftigen, dem wir einen Spieltag widmen werden. Es gibt einen eigenen Werder-Kodex gegen Diskriminierung, aber der Aspekt der Nachhaltigkeit beißt sich etwas mit der Schnelllebigkeit im Profifußball."

Auf die Frage, was passieren würde, wenn sich bei Werder Bremen ein Spieler als schwul zu erkennen gäbe, sagt sie: "Wir würden mediale Unterstützung bieten. Ich bin sicher: Verein, Mannschaftskollegen und Fans würden hinter ihm stehen." Nicht einzuschätzen seien aber die Reaktionen im weiteren Umfeld und bei gegnerischen Spielern.

Enttäuscht, nein, "richtig sauer" war sie bei der Resonanz auf eine geplante Fortbildungsmaßnahme. Von über 100 angeschriebenen Schulen und Vereinen hätten sich nur drei Lehrer angemeldet. "Mit allen anderen werde ich jetzt telefonieren und nach dem Grund fragen", lässt sie sich von Startschwierigkeiten nicht bremsen.

Beteiligt sich der DFB am CSD?


Gute Laune beim Gruppenfoto: Katrin Müller-Hohenstein, Thomas Hitzlsperger und ein Ball (Bild: BMH)

Zurückhaltendes Interesse ist auch dem DFB unterstellt worden. Claudia Wagner-Nieberding, Leiterin der AG Vielfalt und Mitglied der Kommission Gesellschaftliche Verantwortung des Fußballbunds, bittet um Verständnis: "Der DFB hat sich systematisch dem Thema genähert. Uns fehlt Erfahrung. Immerhin wurde die Forderung nach Bekämpfung jeglicher Diskriminierung in den Satzungen von 18 Landesverbänden verankert." Geplant seien Online-Seminare für Trainer, die aufgrund ihrer Vorbildfunktion als Multiplikatoren in die Pflicht genommen werden sollen.

Ob der DFB auch erstmals bei den CSD-Paraden in diesem Sommer Gesicht zeigen wird? "Wir müssen unsere Kräfte bündeln. Es wird diskutiert, aber ich kann keine verbindliche Antwort geben", weicht Claudia Wagner-Nieberding dieser Frage aus.

Unter den Landesverbänden nimmt der Badische Fußballverband eine Vorreiterrolle ein. Sven Wolf ist dort zusammen mit einer Kollegin offizieller "Ansprechpartner Homosexualität" (queer.de berichtete). "Wir sensibilisieren auf allen Ebenen und bieten Qualifizierungsmaßnahmen für Trainer, Übungsleiter und Schiedsrichter", beschreibt Wolf bei der Berliner Podiumsdiskussion den Aufklärungs-Alltag.

Keine queeren Fanclubs in Ostdeutschland

Ist das Thema Diskriminierung also bald vom Tisch? Gibt es einen Sinneswandel? Stefan Bickerich, Pressesprecher der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sieht ein Zeichen für Veränderung: "Das Thema Diskriminierung wird in der Gesellschaft ernster genommen und nicht mehr belächelt."

Dirk Brüllau, Sprecher der Queer Football Fanclubs e.V. mit rund 1.200 angeschlossenen Fans, stellt die Frage nach der Sozialisation: "Die Fans, die jedes Wochenende offen und mutig in den Stadien stehen, sind keinen Anfeindungen ausgesetzt. Sie interessiert gar nicht, ob ein Spieler homosexuell ist, sie wollen Erfolg im Sport sehen, wollen, dass die Kultur in ihrer Kurve stimmt." Auffällig sei, dass es in Ostdeutschland keine schwul-lesbischen Fanclubs gäbe.

Versöhnliches Fazit von Thomas Hitzlsperger

Im Profisport sei Homosexualität noch immer ein großes Tabu, räumt Thomas Hitzlsperger ein, stellt aber auch klar: "Mein Coming-out war keine Aufforderung an Profi-Fußballer, sich zu outen. Es gibt an der Spitze kein Umfeld, in dem sich jemand traut."

Die persönliche Bilanz des 32-Jährigen ist positiv: "Ich hatte keine Erwartungen, keine Ziele. Die große Zustimmung hat mir Mut gemacht, mich weiter zu engagieren." Natürlich habe es auch anonyme Beleidigungen per Mail gegeben, aber das sei an ihm abgeprallt. "Im vergangenen Jahr habe ich die Balance gefunden zwischen einem Beruf nahe am Fußball [Hitzlsperger war WM-Experte im ZDF-Morgenmagazin; d.R.] und meinem verstärkten Engagement, etwa indem ich die Fragen von Schülern beantworte."

Und wer immer noch auf den ersten offen schwulen aktiven Fußballer wartet, sollte vom 11. bis 14. Juni nach Hamburg fahren: "Dort werden 400 auf dem Platz stehen", kündigt Alexander von Beyme an – er ist Cheforganisator der schwul-lesbischen Fußball-EM "IGLFA Euro Cup" (queer.de berichtete).



#1 123456789Anonym
  • 11.02.2015, 20:05h
  • Meine Güte ist das traurig zu sehen wie immer noch "diskutiert" wird.

    Der einzige Weg zu Akzeptanz führt über Coming Outs von homosexuellen Bundesligaprofis.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 Dont_talk_aboutProfil
  • 11.02.2015, 22:56hFrankfurt
  • Im Fußball zählt nur die Leistung auf dem Platz. Sieg oder Niederlage, nicht das ganze Drumherum. Deshalb muss man sich da nicht outen
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#4 David77Anonym
  • 12.02.2015, 00:12h
  • Antwort auf #3 von Dont_talk_about
  • "Sieg oder Niederlage, nicht das ganze Drumherum"

    ACH NEE?!?!?!
    Darum sieht man auch absolut NULL aus dem Privatleben der heterosexuellen Spieler, die sich natürlich auch NICHT als hetero outen, und Spielerfrauen tauchen als niemals in der Öffentlichkeit auf, sondern bleiben brav daheim und sind auch immer gewöhnliche Frauen...
    Nein, sich outen als heterosexull und prahlen mit irgendwelchen Models als Freundinnen machen die Profifußballer absolut nicht!!

    Und Marcus Urban hatte die Karriere aufgegeben, weil er nichts leisten konnte und seine Leistungen überhaupt nicht irgendwie vom Versteckspiel beeinflusst wurden...

    Sonst noch ein paar tolle Weisheiten und Feststellungen auf Lager?
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Dont_talk_aboutProfil
  • 12.02.2015, 01:49hFrankfurt
  • Antwort auf #4 von David77
  • @David77

    1) Im Fußball kannst Du fehlende Leistung nicht durch Prahlen mit Weibern ausgleichen. Ganz im Gegensatz zum Showbusiness

    Stell Dir mal vor, ein Spieler, dessen Club gerade in der Krise steckt, outet sich. Meinst Du, er hat dann ein paar Monate Narrenfreiheit und niemand redet darüber, dass seine ausbleibenden Tore Ursache für die sportliche Miesere bzw. den Abstieg sind ?

    2) Ich möchte Marcus Urban nicht zu nahe treten. Aber sein CV liest sich wie der von tausend anderen jungen Fußballtalenten, die den entscheidenden Durchbruch nicht geschafft haben. Das ist auch unter Heteros die Regel (nicht die Ausnahme). Nicht jeder kann Fußballprofi werden
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#6 TomorrowEhemaliges Profil
  • 12.02.2015, 06:05h
  • Eine "Sportart Fussball" die es vorsätzlich und billigend in Kauf nimmt, das für den Bau von Fussballstadien Menschen sterben müßen, ist nur noch hochgradig krank und verachtenswert. Zudem ist das ganze System hochkorrupt und hochkriminell. (Blatter & Co.) Und so eine Sportart soll Vorbildcharakter für unsere Jugend haben? Da ist jegliche Moral und Ethik verloren gegangen- es tun sich nur noch menschliche Abgründe auf! In dieses Bild passt das Lügen, trügen und heucheln was die sexuelle Orientierung angeht. Und vom Doping red ich erst gar nicht. Resume: Mich widert dieser sogenannte "Sport" nur noch an- ich will absolut nichts mit ihr zutun haben.
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#7 So WhatAnonym
  • 12.02.2015, 06:10h
  • Antwort auf #3 von Dont_talk_about
  • Du hast mal wieder aber auch gar nichts verstanden oder Du trollst hier absichtlich.

    Ob man sich outet oder nicht, sollte jedem frei sein, aber ein "man muss sich ja nicht outen" ist nicht akzeptabel.

    Warum postest Du hier? Musst Du ja nicht...
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#8 DidiAnonym
  • 12.02.2015, 10:52h
  • "In Ostdeutschland keine queeren Fanclubs"
    Herr Brüllau von QFF stellt das schon etwas einseitig dar. Im QFF sind auch Fußballfans gegen Homophobie dabei. Es ist zwar richtig, dass keine einzelnen Fanclubs in Ostdeutschland dabei sind, jedoch wirkt das schon etwas sehr dramatisierend.
    Die Fans von Balbelsberg, Marienthal 08 und roter Stern Leipzig engagieren sich auch gegen Homophobie. Bei Dynamo Dresden gibt es auch die Dynamo Junxx. Die Aussage ist zwar richtig, dass im QFF keine Fanclubs aus Ostdeutschland dabei sind. Dennoch finde ich das sehr irreführend und bei mir entsteht so fast der Eindruck der QFF hätte einen Alleinvertretungsanspruch für queere Fans.
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#9 LarsAnonym
  • 12.02.2015, 11:51h
  • Antwort auf #3 von Dont_talk_about
  • O weh ... Na gut, für Anfänger mal ganz von vorne: Man sollte sein Menschsein nirgendwo an der Garderobe abgeben müssen, egal in welchem Beruf. Man muss sich nicht outen, wenn man das nicht will, aber es muss auch nicht (darf nicht) sein, dass man sich nicht zu outen wagt, wenn man - aufgrund der eigenen Begabung - einen bestimmten Beruf ergriffen hat.

    Zyniker und leistungsgeile Menschen ohne Persönlichkeit und Menschlichkeit sind mir suspekt - in allen Berufen.
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#10 PeerAnonym
  • 12.02.2015, 11:51h
  • Herr Hitzlsperger ist für mich ein Held und ein wahres Idol an Sportlichkeit, Anstand und sportlicher Ehre.

    Nicht nur, dass er sich geoutet hat, sondern er engagiert sich auch weiterhin, dass sich endlich im Fußball etwas ändert.

    Man kann nur hoffen, dass ihm bald weitere Spieler folgen (auch aktive) folgen, so dass sich endlich was ändert im Fußball, damit sich niemand mehr selbst verleugnen muss und damit die Fans echte Idole haben können und keine Trugbilder, die ihren Fans etwas vorgaukeln.
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