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  • 12.02.2015           11      Teilen:   |

Erschienen im Querverlag

Ein Plädoyer für den Lippenstift

Artikelbild
Herausgeberin Sabine Fuchs und ihre Autorinnen fordern eine starke Sichtbarkeit von Femme-Identitäten (Bild: whatwegandidnext.com)

Jetzt in zweiter Auflage: Der Reader "Femme! radikal – queer – feminin" fordert mehr Weiblichkeit innerhalb der queeren Szene.

Von Bodo Niendel

Dieses Buch ist ein Plädoyer für die Weiblichkeit innerhalb der queeren Szene. Steht die queere Szene für Orte des Spiels mit Identitäten, für das Überschreiten, gar der Auflösung von geschlechtlichen Grenzen, so sind sie zugleich auch Orte, die nicht frei von Macht sind. Frauen, die innerhalb dieser Orte eine feminine Identität leben, sehen sich hier Diskriminierungen ausgesetzt.

Femininität gilt als bedeutungslos, "schlimmstenfalls als reaktionär" schreibt die Herausgeberin Sabine Fuchs in ihrem im Querverlag erschienenden Band "Femme! radikal – queer – feminin": "Die Befreiungsversuche des radikalen lesbischen Feminismus führten zu neuen Formen der Disziplinierung des weiblichen Körpers."

Eine harsche Kritik, die sie und die anderen Autorinnen mit zahlreichen Beispiele belegen.

Fortsetzung nach Anzeige


Für eine deutliche Sichtbarkeit von Femme

"Femme!" ist im Berliner Querverlag erschienen, die erste Auflage kam bereits 2009 auf den Markt
"Femme!" ist im Berliner Querverlag erschienen, die erste Auflage kam bereits 2009 auf den Markt

Den Autorinnen und Autoren gelingt es, Machtverhältnisse innerhalb der queer-alternativen Szene zu verdeutlichen. Anschaulich belegen sie die These des französischen Philosophen Michel Foucault, dass es kein Außerhalb der Macht gibt.

Joke Jansen plädiert im Reader für eine deutliche Sichtbarkeit von Femme und für ein starkes Auftreten. Eine Femme-Identität habe nicht nur eine ästhetische Aussagekraft, sie sei auch ein politisches Konzept, um mehr Vielfalt in lesbisch-schwule Kontexte zu bringen und um ein Nachdenken über bisherige Identitätskonzepte anzuregen.

Mehrere Autorinnen, so auch Ann Cvetkovich, beziehen sich positiv auf die Hebamme der Queer-Bewegung Judith Butler. Sie hatte sich explizit für eine starke Sichtbarkeit von Femme-Identitäten ausgesprochen. An dieser Stelle wünschte man sich etwas mehr Theorie. Denn hat die Queer-Theorie nicht so etwas wie eine nicht-identitäre Bewegung proklamiert? Warum müssen dann jetzt Identitäten im vorgeblich Nicht-Identitären stark gemacht werden?

Die Autorinnen verbleiben nicht auschließlich beim Bedauern von Ausgrenzungen. Dominque Grisard und Sabine Fuchs erzählen von Heldinnen wie Miss Piggy oder Martha Hari. "Femme" soll – so Fuchs – "als eine komplexe Widerstandsform gegen sexuelle und Geschlechternormen ins Zentrum queerfeministischer Analysen" gerückt werden.

Den Anfang haben die Autorinnen gemacht. Ein lesenswertes Buch!

Wer nun aber meint, man könne das Plädoyer für Weiblichkeit eins zu eins auf einen schwulen Kontext und die Behauptung von Männlichkeit übertragen, der irrt, denn damit würde man ignorieren, dass es Machtverhältnisse gibt, die Männern und Männlichkeit Privilegien verleihen.

Unser Autor Bodo Niendel ist Referent für queer-Politik der Bundestagsfraktion Die Linke und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Abgeordneten Harald Petzold. Die Kurzrezension erschien zuerst (leicht geändert) auf den Queer-Seiten der feministischen Zeitschrift "Lotta" der Linksfraktion.

  Infos zum Buch
Sabine Fuchs (Hg.): Femme! radikal – queer – feminin. 232 Seiten. Querverlag. 2 Auflage. Berlin 2015. 16,90 €. ISBN: 978-3-89656-170-1
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Leseprobe als PDF (45 Seiten)
» Homepage zum Buch
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Tags: femme, lipstick lesbian, querverlag, sabine fuchs
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Reaktionen zu "Ein Plädoyer für den Lippenstift"


 11 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
12.02.2015
14:05:45


(-7, 9 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Oh man....

"Fühlt sich jetzt auch wirklich jeder wegen irgendwas diskriminiert?"

"jaaaaaa"

"dann ist ja gut"


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#2
12.02.2015
14:08:56


(-5, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Es geht doch nichts über sinnliche Männerlippen - dafür braucht es kein Lippenstift. Der bleibt den Dragqueens vorbehalten.


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#3
12.02.2015
14:28:51


(+4, 6 Votes)

Von ursus


>"Denn hat die Queer-Theorie nicht so etwas wie eine nicht-identitäre Bewegung proklamiert?"

das kommt wohl darauf an, wen man fragt.

ich bin selbst ein freund der dekonstruktion (von der wir, glaube ich, alle profitieren, ob wir diese theorie nun teilen oder nicht). ich glaube aber nicht, dass eine gesellschaft ohne jegliche identitäten möglich (oder auch nur wünschenswert) ist. das heißt aber eben nicht, gegebene identitäten als unveränderlich oder unkritisierbar zu begreifen. mit verschiebungen, neudeutungen, um-wertungen usw. können wir neue spielräume schaffen. "femme" kann einer davon sein.

wenn wir identitäten nicht mehr so furchtbar ernst nähmen, sie nicht als gottgegeben betrachten und vor allem damit aufhören könnten, einige identitäten auf- und andere gleichzeitig abzuwerten, dann wäre schon viel gewonnen.


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#4
12.02.2015
14:52:11
Via Handy


(+6, 6 Votes)

Von Jussur


So ungefähr überall gibt es weibliches/ femmes wenn es in den Medien ums Aussehen geht.

Zeigt ein Werbeplakat 2 Frauen in Minirock und Lippenstift die sich küssen, können das Lesben sein oder Frauen mit " Bineigung" um Fantasien für Heteros anzuregen oder einfach nur Freundinnen...gelten Zuneigungen zwischen Frauen ja nicht als außergewöhnlich.
Der ganze Erotikbereich spielt sowieso damit, man sieht mehr knutschende Frauenpärchen als Heteropärchen in Erotikwerbung und zunehmend sogar in normaler Werbung.
Das ist Schicksal und Glück zugleich.
Lesben die auf femme stehen haben immer was zum gucken wenn sie die alltäglichen Medien konsumieren.
Sie werden aber andererseits in diesen Medien maximal als Bi angesehen...die Fantasie der Heteros soll beflügelt werden, anstatt die der lesbischen Zuschauer.

Als Schwule haben wir es nur in sofern einfacher und zugleich schwerer, als das man schon zwei Männer die händchenhalten ( was femme- Heterofrauen häufig tun und keiner denkt automatisch an lesbisch) mit schwul assoziiert.
Wir werden als Schwule zwar als schwul "erkannt" sobald wir Zuneigung zeigen, auf der anderen Seite sehen wir in den allgemeinen Medien kaum Zärtlichkeiten oder gar Erotik zwischen zwei Männern...und meist nicht mal einen schönen Mann, bei der Dominanz von Frauen auf sämtlchen Covern, Werbung und Sendungen.

Deswegen sind Schwule und oft auch queere Medien die einzigen die visuell primär auf Männer orientiert sind. Sowohl was Zärtlichkeiten, ästhetische Männer- Fotografie, als auch Erotik angeht.
Aber ist das falsch? Es gibt ja woanders wenig ( außer dem Pornobereich).
Was Berichte über Pärchen, Reisen, Kultur usw angeht, kann ich die Lesben ( ob Femme oder nicht) verstehen, dass sie präsenter sein wollen. Nur müssen sie sich dann mehr engagieren?

Wie sieht es denn in lesbischen Medien aus? Gibt es dort viele Initstiativen und Stimmen von Femmes, die mehr Sichtbarkeit innerhalb der lesbischen Community verlangen? Denn dort ist der Ort wo es doch darauf ankommt. Was nützen Bekenntnisse nach außen " wir wollen mehr Femmes", wenn auf der nächsten lesbischen Party Butches das Hauptbild prägen?
Falls das Klischee der Wahrheit entspricht.

Was ich nur gar nicht verstehe ist, Lesben vorzuschreiben wie sich zu kleiden oder zu geben haben. Warum sollte sich eine Lesbe verstellen, nur um "heterolike" oder weiblich auszusehen wenn sie sich nicht heterolike fühlt?

Diese Diskussion mit dem ewigen " wann ist der Mann ein Mann" und " kommen wir auch männlich genug rüber" kennen wir Schwulen und generell Männer ja auch zu genüge.

Das scheint jetzt auch bei Frauen der Fall zu sein...in Zeiten von Germanys Topmodel, Bachelor, der aktuellen Sommermode usw kein Wunder.
Auf Frauen wird zunehmen Druck ausgeübt. Zwar ist es beruflich viel gleichberechtigter als früher, aber das Äußere bei Frauen wird eher relevanter denn egaler. Dieser Druck wandert jetzt vielleicht in die lesbische Szene.


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#5
12.02.2015
15:49:11


(+6, 8 Votes)

Von Sippenlift


Link zu www.faz.net

Hier erklärt eine junge Frau ca. zwanzig jungen Kurden was Feminismus ist, was radikaler Feminismus ist.

Link zu www.arte.tv


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#6
13.02.2015
08:19:02
Via Handy


(+3, 9 Votes)

Von Samuel


"dass es Machtverhältnisse gibt, die Männern und Männlichkeit Privilegien verleihen."

Es gibt auch Machtverhältnisse, die Frauen und Weiblichkeit Privilegien verleihen.


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#7
13.02.2015
08:24:36
Via Handy


(-6, 10 Votes)

Von Samuel
Antwort zu Kommentar #1 von seb1983


Deine Kommentare in diesem Einheitsbrei queerer Opferkultur sind immer wieder ein Genuss :-)


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#8
13.02.2015
12:20:30


(+5, 9 Votes)

Von Planet Earth


Wenn es an irgend etwas in dieser Gesellschaft nicht mangelt, dann an der zwanghaften Dauerinszenierung bürgerlich/kapitalistisch produzierter "Weiblichkeit", die das Gegenteil von Befreiung und Gleichberechtigung darstellt. Dank der bösen Frauenbewegung der 1970er Jahre war die Gesellschaft da schon einmal (etwas) weiter.

Aber es geht den sozial privilegierten Verfasser_innen solcher Texte auch eher darum, selbst an den heterosexistischen (antifeministischen und antiemanzipatorischen!) Geschäftsmodellen zu partizipieren und sich dabei den Anstrich des inzwischen dominierenden Pseudo-"Feminismus" zu verpassen.

Der Begriff "queer" verkommt dabei zunehmend zu einem weiteren Instrument der Reproduktion bürgerlicher Heteronormativät und bürgerlichen Heterosexismus.

Massenmedialer Alltag - die permanente Brutalisierung des Heterosexismus:

Link zu www.spiegel.de

Link zu www.spiegel.de


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#9
13.02.2015
13:27:23


(-3, 5 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #8 von Planet Earth


Diesmal war die Leitung aber lang....
Kleiner Tipp für die Zukunft: einfach [Strg} + [C] erspart viel Tipperei


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#10
13.02.2015
13:59:56


(+4, 6 Votes)

Von Uebri Gens
Antwort zu Kommentar #5 von Sippenlift


Danke. Falls der sehenswerte Arte-Beitrag aus der Mediathek verschwindet:

Youtube-Video:


Er beginnt mit: "In Erinnerung an Fidan Dogan"

Sie ist hier links im Bild

Bild-Link:
fidanleylasakine.jpg


Auch Sakine Cansiz nutzte Lippenstift

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Sakine_Cans%C4%B1z


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