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  • 14.02.2015           62      Teilen:   |

Interview mit Kriss Rudolph

Neuer "Männer"-Chef: "Journalismus statt Stimmungsmache"

Artikelbild
Kriss Rudolph begann seine journalistische Laufbahn beim Radio. In den vergangenen Jahren hat er zudem zahlreiche Romane veröffentlicht (Bild: Axel E. Weidemann)

Kriss Rudolph ist seit Anfang des Monats Chefredakteur beim schwulen Kaufmagazin "Männer". Im Interview erklärt er, was er anders machen will als sein Vorgänger.

Anfang Februar zog die Berliner Bruno Gmünder GmbH die Notbremse: Mit sofortiger Wirkung enthob das schwule Medienhaus den umstrittenen Theologen David Berger von seinem Posten als Chefredakteur des Kaufmagazins "Männer". Der Geschasste beklagte daraufhin eine "dunke Stunde für den Journalismus insgesamt" und verbreitete die Behauptung, der Verlag sei "aus Angst vor dem Islamismus" in die Knie gegangen (queer.de berichtete).

Bergers Nachfolger ist der 43-jährige Kriss Rudolph, bislang stellvertretender Chefredakteur. Seit 20 Jahren ist der Veranstalter des "Berlin Song Contest" als Journalist und Moderator tätig. Rudolph lebt seit 2002 in Berlin, schreibt Bücher, Opernlibretti und schon seit einigen Jahren sporadisch für "Männer".

Wir haben den neuen Kapitän gefragt, wohin die Reise gehen soll. (rn/mize)

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Auf dem Cover der Februar-Ausgabe von "Männer" strahlt Thomas Hitzlsperger
Auf dem Cover der Februar-Ausgabe von "Männer" strahlt Thomas Hitzlsperger

Darfst du als "Männer"-Chefredakteur den Islam kritisieren?

Moment, ich schaue mal eben in meinen Vertrag, was unter dem Punkt "Maulkörbe" steht… Jawohl, darf ich. Wie auch das Christentum übrigens. Und all die anderen Vereine auch. Wenn es akut und berechtigt etwas zu kritisieren gibt, wohlgemerkt, und man sich an Fakten hält.

Worin wird sich die künftige Islamkritik von der deines Vorgängers unterscheiden?

Das klingt ja, als wäre Islamkritik ein Genre oder eine feste Rubrik in der "Männer". Meine Kritik am Islam wird jedenfalls nicht reflexhaft ausfallen. Und wenn, wird es Kritik am Islamismus sein. Das wird ja gerne mal verwechselt. Ansonsten verstehe ich mich grundsätzlich als Religionskritiker. Ich war vor kurzem in Jerusalem und habe mich noch nie in einer Stadt so unwohl gefühlt. Ich mag es überhaupt nicht, wenn mir Menschen ihre Religion unter die Nase reiben.

Wenn sich Religion dann noch in Politik einmischt – der Papst hat in der Slowakei ein Referendum gegen die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen unterstützt – oder Kriege in ihrem Namen geführt werden – das Attentat islamistischer Attentäter von Paris war in erster Linie ein Angriff auf die Meinungsfreiheit, einen der Grundpfeiler unserer Demokratie -, dann macht mich das richtig wütend. Und was tut unser Staat? Räumt Religionsvertretern großzügig Plätze in Rundfunkräten ein und sammelt bereitwillig die Kirchensteuer ein. Und was hat eigentlich im Jahr 2015 dieses "So wahr mir Gott helfe" bei der Vereidigung von Kanzler und Ministern zu suchen? Es ist doch keine Märchenstunde!

Welche Studien, Untersuchungen und Erhebungen sind dir bekannt, die belegen, dass der Islam in Deutschland eine besondere Gefahr für Schwule darstellt?

Keine. Und übrigens werden Schwule nicht nur in islamischen Ländern wie etwa Saudi-Arabien verfolgt und ausgepeitscht – was selbstverständlich beklagenswert ist. In Uganda, wo gleichgeschlechtlicher Sexualverkehr mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft werden kann, sind 85 Prozent der Menschen Christen. Und noch etwas: Das schleswig-holsteinische Bündnis gegen Homophobie wurde gerade u.a. von der dortigen Türkischen Gemeinde unterzeichnet – die Lübecker Bürgerschaft aber, geführt von SPD und CDU, verweigerte ihre Stimme. Man sieht: Die Einteilung in Schwarz und Weiß führt, wie so oft im Leben, nicht weiter.

Dein Vorgänger sprach gegenüber seinen Facebook-Fans von "ängstlichen" Kollegen, die ihn an seinem Ex-Arbeitsplatz umgeben hätten. Bist du ein Angsthase, wovor müssen Schwule in Deutschland wirklich Angst haben?

Wer sich als Heilsbringer und Märtyrer inszenieren will, muss wohl solche Gerüchte in die Welt setzen. Was mir tatsächlich Unbehagen bereitet, sind Menschen, die Kommentare von rechten Vollpfosten veröffentlichen und die darauf einsetzende Kritik und Konsequenzen als Angriff auf die Pressefreiheit hochjazzen. Angst ist immer ein schlechter Berater.

Aber man sollte grundsätzlich vorsichtig sein gegenüber Leuten, die sich als Journalist bezeichnen und eine bestimmte tendenziöse Mission verfolgen, bei der sie dann Fakten, die gegen die verfolgte Tendenz sprechen, unterschlagen. Es könnte ja passieren, dass sich Menschen eine eigene Bildung bilden. Das ist nicht Journalismus, sondern Stimmungsmache.

"Gute Unterhaltung muss nicht billig sein" schreibt Kriss Rudolph (re.) auf seiner Homepage. Hier ist er mit Barrie Kosky beim Berlin Song Contest 2014 zu sehen
"Gute Unterhaltung muss nicht billig sein" schreibt Kriss Rudolph (re.) auf seiner Homepage. Hier ist er mit Barrie Kosky beim Berlin Song Contest 2014 zu sehen (Bild: Guido Woller)

Noch nie gab es so viele schwule Themen online, in Gratis-Szenemedien, aber auch in der "Heteropresse" – für welche Inhalte gibt der schwule Mann extra Geld aus?

Es gibt ja gerade in Berlin die verbreitete Neigung, immer etwas geschenkt haben zu wollen. Das gilt für den Gästelisten-Zirkus in Clubs wie dem SchwuZ, wo ich ab und zu auflege, aber auch für die Gratis-Zeitungen: Die bieten aber weniger die Geschichten mit Hintergrund, auch keine größere Reportagen oder großzügige Bilderstrecken. Letztere funktionieren übrigens auch nicht online, Fotos wirken auf dem Smartphone – selbst wenn die Bildschirme immer größer werden – einfach nicht. Und ich höre oft, dass die Gratis-Zeitungen als Werbeblättchen empfunden werden. Gleichzeitig finde ich, dass zum Beispiel Paul Schulz die "blu" entscheidend aufgewertet hat.

Konnte die "Männer" vom Ende der "Du&Ich" profitieren?

In begrenztem Maße konnten wir das, wobei sich Häme oder Triumph hier verbieten. Ich finde es nach wie vor bedauerlich, dass es die "Du&Ich" nicht mehr gibt – Konkurrenz belebt das Geschäft. Natürlich freue ich mich aber, dass viele ehemalige "Du&Ich"-Leser uns schreiben, dass sie sich bei der "Männer" sehr wohl fühlen.

Wen genau definierst du als Zielgruppe für "Männer"?

Ich habe sehr ungute Erinnerungen an meine lange Zeit beim Radio. Da wurde das Zielgruppendenken pervertiert. Da hieß es: Unser durchschnittlicher Hörer ist verheiratet, hat 1,7 Kinder sowie einen Labrador, fährt einen roten Kleinwagen und macht Urlaub auf Mallorca.

Was fängst Du mit so einer Information an? Mich hindert das am Denken, am Entwickeln von Themen. Ich bin sicher: Die Leute wollen informiert werden, gute Geschichten hören und nicht gelangweilt werden. Wer sich hierin wieder findet: Be my guest!

Wie viele Abos bestehen derzeit, wie viele Exemplare werden am Kiosk verkauft?

Offen gesagt: Weiß ich nicht.

Gibt es eine Vision, wo siehst du das Kaufmagazin "Männer" im Jahre 2020?

Jedenfalls nicht versteckt im Erotik-Regal einiger weniger Zeitschriftenabteilungen. Ich würde mich freuen, wenn die "Männer" auch 2020 noch ein Print-Magazin ist – ich (und ich weiß, ich bin da nicht allein) habe lieber Papier in der Hand als ein kaltes elektronisches Lesegerät, auf das wir alle sowieso viel zu oft glotzen. Informieren kann man sich natürlich auch online. Auch Geschichten erzählen, aber die Art, wie wir sie erzählen, wird sich verändern. Im Netz nimmt man sich beim Lesen weniger Zeit.

Du wirst in der berüchtigten Berliner Gerüchteküche als Interims-Chefredakteur gehandelt. Ist da was dran?

Ich gebe nichts auf Gerüchte.

Die durchschnittliche Amtszeit eines "Männer"-Chefredakteurs beträgt weniger als zwei Jahre, das galt nicht nur für David Berger, sondern auch für die Vorgänger Kevin Clarke, Peter Rehberg oder Andreas Tölke. Wie lange wirst du an der Spitze sein?

Wer weiß. Ich habe jedenfalls große Lust auf diesen Job, außerdem bin ich ein Fan von Langzeitbeziehungen.

Links zum Thema:
» Homepage des Magazins "Männer"
» Homepage von Kriss Rudolph
» Bücher von Kriss Rudolph bei Amazon
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Tags: kriss rudolph, david berger, männer, magazin, bruno gmünder
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Reaktionen zu "Neuer "Männer"-Chef: "Journalismus statt Stimmungsmache""


 62 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
14.02.2015
13:12:31


(+9, 19 Votes)

Von Rosa Soli


Sympathisch!

Ich glaube, ich werde mir die MÄNNER wieder kaufen.


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#2
14.02.2015
13:13:57


(+11, 15 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Ich drück ihm die Daumen, daß er das ramponierte Image von "Männer" wieder aufpoliert und zu ganz neuem Glanz verhilft!


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#3
14.02.2015
13:29:30


(+12, 18 Votes)

Von Rübenkresse


"Aber man sollte grundsätzlich vorsichtig sein gegenüber Leuten, die sich als Journalist bezeichnen und eine bestimmte tendenziöse Mission verfolgen, bei der sie dann Fakten, die gegen die verfolgte Tendenz sprechen, unterschlagen. Es könnte ja passieren, dass sich Menschen eine eigene Bildung bilden. Das ist nicht Journalismus, sondern Stimmungsmache."

Bild-Link:
FuturamaApplause.gif


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#4
14.02.2015
13:50:29


(+7, 15 Votes)

Von tellerwäscher
Antwort zu Kommentar #3 von Rübenkresse


HJF-Preise für Storyteller!

(2014: Märchentante)


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#5
14.02.2015
14:08:01


(+5, 15 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013


Palliative Maßnahmen.


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#6
14.02.2015
14:26:59


(+15, 19 Votes)

Von ursus


ich hätte keine so offene und deutliche kritik an seinem vorgänger erwartet. diese kritik lässt aber hoffen, dass wir in der "männer" jetzt wieder journalismus statt hetze erwarten dürfen. ich wünsche rudolph einen guten start.


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#7
14.02.2015
15:02:42


(+11, 17 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby
Antwort zu Kommentar #5 von Harry1972


Harry, heute ist Valentinstag. Sei lieb!


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#8
14.02.2015
15:16:41


(-19, 31 Votes)

Von Pelayo
Aus Berlin
Mitglied seit 11.12.2014


Ein weiteres schwules Erotikblättchen mehr. Ich frage mich, welche Leute die "Männer" kaufen sollen. Ich vermute Rentner, die nicht mit dem Internet umgehen können.
Für schwule Männer, die politisch denken, ist dieses Blättchen das Geld nicht wert.
Unter David Berger hätte man die Chance gehabt, ein Blatt für emanzipiert-offene, aber wertkonservative Schwule zu entwickeln. Diese Chance ist mit dem Rauswurf von Berger vertan.
Der Islamversteher Kriss Rudolph soll froh sein, wenn er ein Jahr bleiben darf. Spätestens dann kommt der nächste.


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#9
14.02.2015
15:35:24


(+8, 16 Votes)

Von Harry1972
Aus Bad Oeynhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 21.02.2013
Antwort zu Kommentar #7 von reiserobby


Das war aber schon die liebe Version.
Sonst hätte ich ausgeholt und darüber lamentiert, wer denn eigentlich Berger einst zum Chefredakteur gemacht hat und mit welcher Zielsetzung und warum da jetzt so ne Figur hingesetzt wird.

Ich bleibe aber lieb, da es sich hier ja nicht um ein wichtiges journalistisches Erzeugnis handelt.
Schade um die Bäume.


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#10
14.02.2015
15:48:00


(+6, 14 Votes)

Von BWLer
Antwort zu Kommentar #8 von Pelayo


Wissen Sie, was daraus geworden ist?

Link zu www.spiegel.de


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