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Anmerkungen zur Multikulti-Debatte: Wer Vielfalt als positiven Wert für sich anerkennt, hat es nicht nötig, anderen vorzuschreiben, wie sie leben sollen.

Von Jürgen Bieniek, Chefredakteur "Männer aktuell"

In den Wochen nach Weihnachten wurde die Berichterstattung in den Medien nur noch von der Flutkatastrophe in Südostasien beherrscht. Fast alle anderen Themen wurden von den Berichten über die "Jahrhundertkatastrophe" überlagert. Nun machen sich die betroffenen Länder an den Wiederaufbau und die Medien fahren ihren Hype wieder zurück. So ist das nun mal mit den Medien (und unserem Voyeurismus, den sie bedienen).

Was vorher wichtig war oder schien, kehrt wieder in die Medien zurück. Die Debatte über die "multikulturelle Gesellschaft" etwa, die vor der "großen Flut" erneut entbrannte. Die Ermordung des holländischen Filmemachers Theo van Gogh war einer der Auslöser. "Integration von Ausländern", "Parallelgesellschaften", "Leitkultur", "Deutschsein" und "Islamismus" waren (und sind) die Schlagwörter. Während die einen das Konzept "Multikulti" ziemlich selbstgerecht für gescheitert erklären (Union etc.), richten sich die anderen auf dessen Verteidigung ein (Grüne etc.).

Mal abgesehen davon, dass weder die einen noch die anderen jemals ein Konzept gehabt hätten, hat die "Vielfalt" doch längst Besitz von der gesellschaftlichen Wirklichkeit ergriffen. Was Gegner des Pluralismus als Unordnung und Durcheinander wahrnehmen, war (und ist) für Schwule eine ausgesprochen positive Entwicklung. Noch nie in unserer Geschichte als Minderheit waren wir so selbstverständlich sichtbar. Und: Wir haben den Aufbruch in eine moderne Gesellschaft ziemlich gut für uns genutzt und Terrain erobert. Wir haben uns Nischen eingerichtet, in denen nur wir uns auskennen und in denen sich schwules Leben angenehm und relativ unbehelligt leben lässt. Das mag die einen neugierig machen, andere irritieren, manche ängstigen und wenige sogar aggressiv machen. Die meisten nehmen es zur Kenntnis – und ohne Emotionen einfach hin.

Warum soll das für andere Gruppen der Gesellschaft, deren gemeinsame Bande eben ethnische Herkunft, kulturelle Wurzeln oder andere Merkmale sind, nicht auch funktionieren? Oder anders gefragt: Weshalb sollte man die Freiräume der Selbstentfaltung anderen Gruppen nicht zugestehen wollen?

Nichts gegen eine Debatte über die multikulturelle Gesellschaft, über Probleme, vor allem aber über die sich nun rächenden Versäumnisse unserer Politiker in der Vergangenheit – aber bitte ohne Begriffe wie "Leitkultur", "Parallelgesellschaften" oder "Deutschsein". Diese Begriffe vergiften nur die Atmosphäre und führen in die Irre. Aus unserer Geschichte wissen wir, wo der Irrsinn einer "Leitkultur" enden kann. Vergessen wir doch "Multikulti" und sprechen wir von "Vielfalt". Die gilt es zu verteidigen, auszubauen und als "Leitwert" in die Köpfe der Menschen zu pflanzen. Denn wer Vielfalt als positiven Wert für sich anerkennt, hat es nicht nötig, anderen vorzuschreiben, wie sie leben sollen.

Das soll nicht als Plädoyer für laissez faire missverstanden werden. Denn Vielfalt gibt es nicht per Verordnung, sie muss im Kleinen wie im Großen erkämpft und gelebt werden. Manchmal auch erst in den eigenen Nischen.

Dieser Standpunkt ist eine Zweitveröffentlichung des Editorials von Chefredakteur Jürgen Bieniek in der Februar-Ausgabe von Männer aktuell. Das schwule Magazin erscheint monatlich im Bruno Gmünder Verlag und kostet 7,95 €

24. Januar 2005



#1 ZORROAnonym
#2 RalfAnonym
  • 24.01.2005, 20:59h
  • Wenn zur "Vielfalt" die Verachtung der Frau und die hetze gegen Schwule gehört, dann ist die "Vielfalt" ein Unwert. Das sollte bedenken, wer in so hohen Tönen das Multikultilob singt.
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#3 JoachiMucAnonym
  • 24.01.2005, 21:38h
  • Und ich dachte immer in Männer Aktuell werden nur Bilder von nackten Kerlen veröffentlicht. Der Text von Herrn Bieniek ist sehr vernünftig, den kann ich voll unterstützen. Schade daß das Heft so teuer ist.
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#4 DemokratAnonym
  • 25.01.2005, 10:17h
  • Warum ist diese Predigt eine "Topstory" auf Queer.de? Bieniek versucht nur, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Die Probleme der Multikulti-Gesellschaft löst man nicht, indem man das Wort "Multikulti" nicht mehr benutzt. Bienieks "Vielfalt" ist ein Nebeneinander-Existieren, in dem sich Gefährliches zusammenbrauen kann.
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#5 esb963Anonym
#6 esb963Anonym
  • 17.02.2005, 00:55h
  • wundert mich, daß sich hier noch keiner zu ner verteidigungsrede für Überfremdungsminister Fischer gefunden hat. aber so ist linke politik: staatsbürgerschaft an die güllemützen verschenken, moslemterroristen und andere kriminelle nicht nur nicht ausweisen, sondern (schleuser, schlepper, dealer, zuhälter und andere) qua visafreigabe noch zusätzliche in's land holen, ökonomisch versagen und sich dann über steigende NPD-wählerstimmen wundern... dieses verbrecherregime muß weg!
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#7 JuliaAnonym
  • 09.04.2005, 20:01h
  • Es gibt eigentlich keine Mult-Kulti Gesellschaft. Nicht in Deutschland, Holland, die USA oder England. Jede einwanderer bildet seine eigene Gesellschaft mit Landesgenossen. Ich habe vor zwei Monate im Fernseh eine Türkische Parlementarin, der Name weiß ich nicht mehr,aus Deutschland gesehen. Sie sagte, die Türken in Deutschland leben genau so wie in den Dörfern in der Türkei.

    In Holland ist es genau so, die Türken, die Marokkaner, die Antilianer, die Surinamer usw leben alle in ihren eigenen Gesellschaft. In Amsterdam leben zur Zeit 150 Nationalitäten.
    Alle Ausländer sollen jetzt einen Integrationskurs machen, kosten etwa
    €. 3000,--, dies gilt auch für Ausländer die hier schon 30 Jehre Leben.

    Die Regierung und die Ministerin Verdonk von Überfremdungssachen führen eine schandalöse und a-soziale Politik. Wenn ein Ausländer oder eine Familie hier Asyl bewirbt dann kommt man in einer Auffangstelle. Wird der Antrag von Asyl abgewiesen dann kann man Beruf einlegen aber man hat kein Recht mehr auf Auffang und man schmeißt ganze Familien mit Kleinkinder einfach auf der Straße, obwohl sie legal im Lande sind.
    Diese Woche war es noch im Fernseh, eine Afghanische familie mit vier Kleinen Kinder in einem Zelt. Diese Politik ist nur gemeint Asylbewerber zu demütigen Beruf ein zu legen. Meistens wirden sie dann von Kirchen betreut. Es ist strafbar illegale Ausländer zu helfen, es gibt hohe Bußgelder.

    Es lebe die Zivilation.

    Grüß, Julia.
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