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Viele Arbeitgeber verlangen "Mitarbeitererklärungen", den Dienst-PC nicht privat zu nutzen (Bild: Jenn (Yana) / flickr / by-sa 2.0)

Wer sich im Büro auf Planetromeo und Co. tummelt, kann seinen Job verlieren. Doch manche Chefs drücken aus gutem Grund ein Auge zu.

Schwuler Alltag: Sobald der Chef mal nicht im Büro ist, kann das Balzen auf Planetromeo und Co. beginnen. Doch Vorsicht: Wer zu viel Arbeitszeit im Internet vertrödelt, kann im schlimmsten Fall seinen Job verlieren. Das gilt auch für diejenigen, die statt auf dem Office-PC auf dem eigenen Smartphone tippen.

Die Urteile der deutschen Gerichte zur privaten Internet-Nutzung im Job sind seit vielen Jahren uneindeutig. So entschied etwa das Arbeitsgericht in Wesel, dass ein Arbeitsnehmer vor einer Kündigung mindestens eine Abmahnung erhalten muss.

Im vorliegenden Fall hatte eine Buchhalterin knapp 100 Stunden im Jahr privat gesurft und war dann fristlos gefeuert worden. Das Gericht kassierte die Entlassung. Voraussetzung: Der Arbeitsvertrag enthält kein ausdrückliches Surf-Verbot, und auch sonst hat der Arbeitgeber keine Anweisung gegeben, Planetromeo, Facebook oder auch queer.de zu meiden.

Angestellter lud 23 Porno-Videos auf den Firmenserver

In einem anderen Fall war die fristlose Entlassung eines surfenden Mitarbeiters jedoch rechtens: Das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main bestätigte den Rauswurf eines Arbeitnehmers, der auf dem Firmenserver im Laufe eines Jahres rund 100 Porno-Bilder und 24 einschlägige Videos gespeichert hatte. Die Richter argumentierten, dass es hier um ein systematisches Vergehen über einen längeren Zeitraum handelte und daher eine fristlose Kündigung angemessen sei.

In einem anderen Fall entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz jedoch, dass das Aufrufen von pornografischen Seiten allein keine fristlose Kündigung rechtfertigt. Der Arbeitnehmer hatte hier argumentiert, er habe nichts von einem Pornoverbot gewusst.

Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz hatte in einem anderen Fall die bei Arbeitgebern beliebte Mitarbeitererklärung, das Internet nur dienstlich zu nutzen, für unwirksam erklärt. Der Arbeitgeber müsse stets nachweisen, dass es durch die Internetnutzung zu einer erheblichen Beeinträchtigung der arbeitsvertraglich geschuldeten Leistung gekommen sei, so die Richter.

Und hier liegt die Gefahr für Nutzer schwuler Dating-Seiten: Mal schnell online den Kontostand zu checken oder die Breaking News auf Spiegel Online zu lesen, ist etwas anderes als sich zeitaufwändig durch Profile, Bildergalerien und private Nachrichten zu wühlen. Hier dürften wohl auch die Richter im Zweifelsfall die dienstlichen Aufgaben verletzt sehen.

Arbeitsrechtler plädieren für komplettes Internet-Verbot

Viele Arbeitsrechtler raten Firmen zu einem kompletten Internet-Verbot am Arbeitsplatz, berichtete die Tageszeitung "Die Welt". Der Grund: Unternehmen, die die private Nutzung von Internet und Email zulassen, dürfen ihre Mitarbeiter dabei nicht kontrollieren – ein Missbrauch der Regelung ließe sich damit nur schwer nachweisen.

Für den Arbeitgeber stellt sich dennoch die Frage, wie sinnvoll ein striktes Surfverbot ist. Zwar beziffert der Bonner Informationsdienst "Neues Arbeitsrecht für Vorgesetzte" den jährlichen Schaden durch private Internetnutzung auf 54 Milliarden Euro allein in Deutschland. Andere Studien ergaben jedoch genau das Gegenteil: So hat die Universität von Maryland herausgefunden, dass Mitarbeiter, die im Büro privat surfen, zu Hause oft für den Arbeitgeber online gehen. Der Studie zufolge verbringen vernetzte Mitarbeiter 3,7 Stunden in der Woche mit privaten Surfem im Büro – jedoch seien sie in den eigenen vier Wänden 5,9 Stunden für den Chef im Netz. Von großem wirtschaftlichen Schaden also keine Spur.

Die Studie warnt deshalb: Wird die private Internet-Nutzung im Büro verboten, engagieren sich die Mitarbeiter weniger. Tipp an die Vorgesetzten: Mitarbeiter, die ihr Abend-Date tagsüber im Büro organisieren, sind glückliche Mitarbeiter – und arbeiten daher auch mehr. Zumindest wenn sie zuvor die Goldenen Regeln des Online-Datings berücksichtigt und sich die richtige Partnerbörse ausgesucht haben. Einen Vergleich bzw. Übersicht findet der Mann auf Computerbild.de. (cw)