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"Jacky im Königreich der Frauen"

Das Land, in dem die Männer Schleier tragen


Szene aus "Jacky im Königreich der Frauen": In der Volksrepublik Bubunne versorgen die Männer den Haushalt, müssen Schleier tragen und darunter gut aussehen (Bild: Pandastorm Pictures)

Ab Donnerstag im Kino: In der phantastischen Gender-Farce "Jacky im Königreich der Frauen" verliebt sich eine Lesbe in einen als Frau verkleideten Hetero.

Von Peter Fuchs

Haben unsere lesbischen Freundinnen jetzt auch ihr "Coming In"-Gate? In der Gender-Farce "Jacky im Königreich der Frauen" verliebt sich eine Lesbe in eine Frau. So weit, so gut. Doch als sie mit ihr Sex hat, stellt sich diese Frau als verkleideter Hetero heraus.

Sie vögelt dennoch mit ihm, weil es ihr letztlich mehr um den Menschen als um das Geschlecht geht. Sie heiraten sogar und man denkt bestürzt: Himmel, die servieren uns eine lesbische Frau, die en passant zur Hetera mutiert, vielleicht sollten wir alle gleich mal "Buh" rufen.

Nein, abwarten, denn die überraschende Pointe am Filmende stellt die Konstellation auf amüsante Weise wieder auf den Kopf und wir müssen uns wegen voreiliger Schlussfolgerungen selbst an die Nasenspitze fassen. Wer allzu neugierig ist, liest ganz unten nach dem Spoiler-Alarm weiter.

Bubunne ist eine Mischung aus Nordkorea und Iran


Poster zum Film: "Jacky im Königreich der Frauen" startet am 19. Februar in den deutschen Kinos

Doch der Reihe nach: Die Volksrepublik Bubunne verehrt Pferde als heilige Tiere. Die Diktatur pflegt in der Provinz etwas von der Stammeskultur Afghanistans, ist politisch ähnlich wie Nordkorea aufgestellt und sieht in der Hauptstadt aus wie die Berliner Karl-Marx-Allee, Höhe Frankfurter Tor. Mit eiserner Hand regiert Generalin Bubunne XVI. das Land, in dem die Frauen alleine alle Entscheidungen treffen. Die Männer versorgen den Haushalt, müssen Schleier tragen und darunter gut aussehen.

Jacky (Vincent Lacoste) ist der hübscheste Junge in der Vorstadt, um den sich alle Mädchen prügeln, wenn sie ihm nicht gerade mit obszönen Gesten nachstellen oder Anzüglichkeiten nachrufen. Jacky bleibt aber brav und lebt vaterlos mit seiner Mutter zusammen. Nur nachts denkt er intensiv an die schöne Oberstin von Bubunne (Charlotte Gainsbourg) und holt sich einen runter. Jacky ist verliebt. Das Bild der ledigen Oberstin ist durch die Propagandamaschinerie allgegenwärtig, soll sie doch als Tochter der gebrechlichen Despotin demnächst die Herrschaft übernehmen.

Deshalb findet ein großer Ball statt, auf dem sich alle heiratsfähigen Jungs im Land als Ehemann-Material präsentieren dürfen. Klar, dass Jacky dort hin muss. Leider stirbt seine Mutter bei einem Unfall und er muss als Waise zu Verwandten ziehen. Dort findet er keine gute Aufnahme. Seine gleichaltrigen Cousins quälen ihn, er muss alle Drecksarbeit im Haushalt erledigen ,und den Ball darf er auch nicht besuchen. Aschenputtel lässt grüßen und so nimmt die Handlung ihren märchenhaften Verlauf, gesehen durch die Brille einer witzigen Groteske.

Regisseur Riad Sattouf zeichnet auch für "Charlie Hebdo"

Der in Syrien geborene Regisseur und Drehbuchautor Riad Sattouf ist auch als Cartoonist bekannt. Er beliefert unter anderem die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" mit wöchentlichen Zeichnungen. Diesen Hintergrund merkt man dem comicartigen Charme des Films mit seiner linearen Erzählstruktur an. Sattouf zaubert eine überzeugende Welt inklusive erfundener Sprache und Wörter auf die Leinwand, die den satirischen Charakter großartig unterstreichen.

Neben der männerfeindlichen "Schleierei", der omnipräsenten Angst vor "Blasphemerie" wird da "gedödelt", wenn es um Sex geht, zur Fortpflanzung "erpimmeln" sie sich die Babys und am Ball suchen sie den "großen Dödel des Landes". Ein Highlight ist natürlich die bange Frage: "Sind Sie eine Lesböse?" Damit macht die liebevolle deutsche Synchronisation der Blödeleien Spaß.

Die Farce à la Monty Python erreicht auch ihr eigentliches Ziel, bestehende Repressionen auf den Kopf zu stellen und zu hinterfragen. Sattouf nimmt dafür den Islamismus aufs Korn, stellvertretend für die restlichen abrahamitischen Religionen, denn für den queeren Zuschauer lässt sich die Satire auch leicht auf den Katholizismus oder das Judentum übertragen. Ist auch einfach bei all diesen witzigen Angriffen auf sexistische und totalitaristische Allmachtsphantasien.

Für eine gute Zeit im Kino sorgen auch der Anblick von Jungs in Kniestrümpfen und Schlüpfern mit "My little Pony"-Aufdruck unter der Burka sowie Vincent Lacoste mit der wohl aufreizendsten Unterlippe unter den französischen Jungschauspielern.


Die wichtigsten Gesetze in Bubunne

1. Männer müssen für die Schande ihrer Verbrechen auf ewig Schleiereien tragen.
2. Das Ausüben von Berufen und die Teilnahme am Militärdienst ist nur Frauen gestattet.
3. Das Beleidigen der heiligen Pferdchen gilt als Blasphemerie und wird mit dem Tode
bestraft.
4. Es ist strengstens verboten, den heiligen Pferdchen das Gemüse wegzuessen.
5. Das einzige Lebensmittel der Menschen ist Schleim.
6. Bevor der Schleim verzehrt wird, muss er geschlotzt werden.
7. Wer um die Hand eines Jungmannes anhalten will, muss erst mit dessen Mutter verhandeln.
8. Lesberei ist verboten.
9. Ausländische Propaganda ist verboten, denn sie bedroht die Freiheit der Bubunnerinnen.
10. Der Kampf gegen das ausländische Perverse hat oberste Priorität.

Spoiler-Alarm: Hier verraten wir die Schlusspointe

Hier liest nur weiter, wer die Schlusspointe wissen will. Am Tag der Hochzeit präsentiert sich die Oberstin mit Ehemann Jacky am Balkon ihres Palasts, um die Huldigungen des Volkes entgegenzunehmen. Vieles soll anders werden in der Volksrepublik Bubunne. Und so outet sich die Oberstin als Mann. Bubunnes First Couple besteht ab sofort aus zwei Männern, die scheinbare Lesbe war schon immer männlich und Heteromann Jacky kann auch schwul. Dann passt ja alles und die queere Welt hat ein Happy End.

Youtube | Offizieller Trailer zum Film
Infos zum Film

Jacky im Königreich der Frauen. Komödie. Frankreich 2013. Regie: Riad Sattouf. Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Vincent Lacoste, Didier Bourdon, Michel Hazanavicius, Laure Marsac. Laufzeit: 94 Minuten. Verleih: Pandastorm Pictures. Kinostart: 19. Februar 2015


#1 JesuisJesuisJesuAnonym
  • 18.02.2015, 12:34h
  • "Sattouf nimmt dafür den Islamismus aufs Korn, stellvertretend für die restlichen abrahamitischen Religionen"

    Welche Religion herrscht in den imperialistischen Zentren, deren verbrecherische Kriege allein seit der Jahrtausendwende Millionen Menschen das Leben gekostet haben?

    Welche Religionszugehörigkeit haben die meisten rassistisch Unterdrückten in Frankreich?

    Der Chauvinismus und die Kriegspolitik von EU und USA im immer brutaleren Kampf um die Aufteilung der Welt sowie die sozialen Aggressionen im Inneren brauchen das Feindbild "Islam" anscheinend wie die Luft zum Atmen.
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#2 widerspruchAnonym
  • 18.02.2015, 12:49h
  • "Sie vögelt dennoch mit ihm, weil es ihr letztlich mehr um den Menschen als um das Geschlecht geht. Sie heiraten sogar und man denkt bestürzt: Himmel, die servieren uns eine lesbische Frau die en passant zur Hetera mutiert, "

    und daran ändert auch die ach so geniale "pointe" am schluss nichts. es bleibt dabei, dass lesben und schwule und ihre sexualität in keiner weise gleichberechtigt dargestellt werden. heterosexismus pur.
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#3 GenderisssimoAnonym
  • 18.02.2015, 13:08h

  • Es gibt auch satirische Filme die sich über das Christentum lustig machen.
    Das gleiche muss mit dem Islam erlaubt sein und überhaupt scheint in dem Film alles überzogen zu sein, so dass er vielleicht kein Klamauk, sondern wirklich komisch, im positiven Sinne ist. Ich gebe ihm jedenfalls eine Chance.
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#4 LiberalissimoAnonym
#5 seb1983
#6 FuZZZynessAnonym
#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
#8 east boysAnonym
#9 Homonklin44Profil
  • 19.02.2015, 03:51hTauroa Point
  • Das scheint total verque(e)r witzig zu sein und vielleicht eine Weiterführung des Monty Python'schen Humorstils, wer weiß. Mal schauen. Die Idee, dass sich eine Lesbe mit einem ( getarnten ) Mann einlässt, ist natürlich ebenso ulkig wie die eines Schwulen, der sich in eine ( maskuline ) Frau verliebt, aber ich schätze mal, diese Rollen wurden eher bewusst auf einer Verschwimmung in die Bisexualität, die Gender-Idee und den humoresk möglichen Spannungsbogen ersonnen.

    Abseits beklage ich zwar auch die Kipplastigkeit in Sachen Film, wenn er lesbische, schwule, Transiente, Intersexuelle oder Asexuelle ect. im selben Maße authentisch darstellen soll, und nicht ständig mit der Verdrängung dieser Sexualität über den Bückdiener zu einer zu lange schon nachgeschleppten Heteronormativität verzerrt wird. Uns fehlen Filme, in denen der sexuelle Alterismus unangefochten gleichwertig steht und auch ohne den steten Zug an der Kordel zur Lächerlichkeit oder clichéartige Übertreibungen klarkommt.

    Das ist dann aber ein völlig anderes Genré und dazwischen sollte differenziert werden.
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#10 BonnierAnonym