Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
  • 20.02.2015           86      Teilen:   |

LSVD-Appell an Ministerpräsidenten

LGBT bei Neubesetzung des ZDF-Fernsehrats übergangen

Artikelbild
Das ZDF in Mainz. Der Fernsehrat überwacht die Einhaltung des gesetzlichen Sendeauftrags und soll die Berücksichtigung der gesellschaftlichen Vielfalt im Programm sichern. (Bild: ZDF)

Während Kirchen und auch der Bund der Vertriebenen wieder im Fernsehrat vertreten sein sollen, bleiben Schwule und Lesben außen vor – entgegen einem früheren Entwurf des Staatsvertrags.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) hat sich in einem Brief an die 16 Ministerpräsidenten der Bundesländer darüber beklagt, dass nach dem neuesten Entwurf des ZDF-Staatsvertrags Homo- und Transsexuelle erneut nicht im Fernsehrat des Senders vertreten sein sollen. Das sei eine "eklatante Missachtung und Diskriminierung", so Henny Engels vom LSVD-Bundesvorstand in dem Schreiben an die Regierungsschefs.

Die Neufassung des Staatsvertrags war nötig geworden, nachdem das Bundesverfassungsgericht im letzten Jahr die politiknahe Besetzung der Gremien des Senders bemängelt hatte (zuvor war der Vertrag des damaligen ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender auf Betreiben der CDU nicht verlängert worden). Neben einer größeren Staatsferne verlangte das Gericht auch, dass die Gremien die Vielfalt der Gesellschaft besser spiegeln müssten. Bis zum Juni müssen die Länder eine Neuregelung vorlegen.

Diese machte die Politik erneut unter sich aus. Rund ein Drittel der Fernsehratsmitglieder wird demnächst direkt von den Landesregierungen entsandt; sie sind dafür zuständig, Vertrer von gesellschaftlichen Gruppen in das Gremium zu schicken. Sachsen-Anhalt ist etwa für den Bereich "Heimat und Brauchtum" zuständig, Schleswig-Holstein für "Regional- und Minderheitensprachen". Niedersachsen schickt erstmals einen Vertreter der Muslime in das Gremium, die beiden großen Kirchen und der Zentralrat der Juden dürfen wie bisher selbst Vertreter auswählen.

Fortsetzung nach Anzeige


Ursprünglich Aufnahme von LGBT geplant

Laut LSVD hätten ursprünglich auch Homo- und Transsexuelle im neuen Fernsehrat vertreten sein sollen: "In uns vorliegenden Eckpunkten zum ZDF-Staatsvertrag der 'politischen AG' der Länder vom 07. Oktober 2014 waren LSBTI noch berücksichtigt", so Engels in den Briefen. "Im Arbeitspapier der 'politischen AG' zur Zusammensetzung des Fernsehrat des ZDF vom gleichen Datum ist der Bereich 'LSBTTIQ' noch ausdrücklich unter den '16 Lebensbereichen' aufgeführt, von denen es in der Vorlage hieß: 'Diese sollen im Staatsvertrag verankert und den einzelnen Ländern zugewiesen werden."

Nun sei dieser Bereich verschwunden, ebenso wie der Aspekt "Bürger- und Menschenrechte". "Es ist in keiner Weise ersichtlich, welche Argumente in den dazwischen liegenden vier Monaten dazu hätten führen können, den Bereich LSBTI nicht mehr als relevant zu betrachten. Im Gegenteil: Angesichts der in den letzten Monaten wieder stärker zu vernehmenden homophoben und transphoben Stimmen wäre es erst recht angebracht, sich durch die Berücksichtigung des Bereichs LSBTI dieser menschenverachtenden Haltung entgegen zu stellen", so der LSVD. "Zudem würde so auch deutlich, dass die Politik gewillt ist, die Veränderungen in der Zivilgesellschaft auch in den Rundfunk- und Fernsehräten abzubilden."

Der LSVD vermutet, dass die Verteilung auf die Länder der entscheidende Knackpunkt war: "Kann es etwa sein, dass sich keines der 16 Bundesländer bereitgefunden hat, als Entsender für eine Vertretung aus dem Bereich LSBTI in Erscheinung zu treten? Gibt es etwa im 21. Jahrhundert in allen 16 Landesregierungen noch Befürchtungen, dass jeweilige Land würde in diesem Fall als schwul, lesbisch oder transgender identifiziert werden? Wenn dem so wäre, wäre dies ein Skandal, dem durch eine Änderung des Besetzungsmodus abgeholfen werden müsste."

Bund der Vetriebenen, Kirchen wieder vertreten

In dem Schreiben bittet der LSVD die Ministerpräsidenten, sich dafür einzusetzen, dass LGBT noch eine Vertretung finden. "Als 1961 der erste ZDF-Staatsvertrag unterzeichnet wurde, war männliche Homosexualität in der Bundesrepublik Deutschland noch strafbar. (…) LSBTI wurden insgesamt damals von großen Teilen der Politik und Gesellschaft extrem geächtet. Ihnen wurde ein selbstbestimmtes Leben in freier Selbstentfaltung verweigert, ebenso eine gerechte Teilhabe in der Gesellschaft und ihren Institutionen. Es ist für uns unfassbar, dass der gesellschaftliche Bereich LSBTI auch im Jahr 2015 weiter aus den Gremien des ZDF ausgeschlossen bleiben soll, dessen Sendungen laut § 5 des Staatsvertrages 'auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken' sollen. 54 Jahre nach Unterzeichnung des ersten ZDF-Staatsvertrages wird LSBTI weiterhin Teilhabe verweigert."

Die Neuregelung soll am 1. Januar 2016 in Kraft treten und für zehn Jahre gelten. Tabea Rößner, die medienpolitische Sprecherin der Grünen, die in Karlsruhe geklagt hatte, kritisierte vor wenigen Tagen bereits, dass Gruppen, deren heutige gesellschaftliche Relevanz von Karlsruhe angezweifelt worden sei, erneut im Fernsehrat vertreten seien, darunter der Bund der Vertriebenen (vertreten übrigens durch Erika Steinbach). "Pro Asyl" hingegen nicht. Offenbar befürchteten Politiker, sich mit diesen Gruppen anzulegen. (nb)

 Update  21.2., 15.10h: Statement Volker Beck

Der Grünenpolitiker Volker Beck hat die Ministerpräsidenten aufgefordert, die Kriterien für die Auswahl der nichtstaatlichen Vertreter im ZDF-Fernsehrat offenzulegen: "Warum wurde ein Sitz für Lesben, Schwule, Trans- und Intersexuelle oder für Menschen- und Bürgerrechte wieder gestrichen? Warum hat der Bund der Vertriebenen im Jahre 2015, 70 Jahre nach der Vertreibung, erneut einen Sitz, obwohl er nicht mal einen Vertriebenen findet, der den Verband vertreten könnte, und deshalb wohl auf das Besatzerkind Erika Steinbach-Hermann zurückgreift?"

Die Kollegen von "Männer" weisen derweil auf die Ironie hin, dass Erika Steinbachs Nachfolger im Präsidentenamt des Bundes der Vertriebenen schwul ist (queer.de berichtete). Laut ZDF ist Steinbach aber noch die aktuelle Vertreterin in dem Sender-Gremium.

  Hintergrund
Die geplanten Fernsehrats-Bereiche der Länder
Baden-Württemberg: Jugend
Bayern: Digitales
Berlin: Internet
Brandenburg: Senioren, Familie und Frauen
Bremen: Wissenschaft und Forschung
Hamburg: Musik
Hessen: Migranten
Mecklenburg-Vorpommern: Bürgerschaftliches Engagement
Niedersachsen: Muslime
NRW: Medienwirtschaft und Film
Rheinland-Pfalz: Menschen mit Behinderungen
Saarland: Kunst und Kultur
Sachsen: Ehrenamtlicher Zivil- und Katastrophenschutz
Sachsen-Anhalt: Heimat und Brauchtum
Schleswig-Holstein: Regional- und Minderheitensprachen
Thüringen: Verbraucherschutz

Weitere Vertreter:
Bund (2)
Landkreistag (1)
Deutscher Städtetag (1)
Evangelische Kirche (2)
Katholische Kirche (2)
Zentralrat der Juden (1)
Deutscher Gewerkschaftsbund (1)
ver.di (1)
Deutscher Beamtenbund (1)
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (1)
Deutscher Industrie- und Handelskammertag (1)
Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft (1)
Zentralverband des Deutschen Handwerks (1)
Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (1)
Deutscher Journalisten-Verband (1)
Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (1)
Caritasverband (1)
Arbeiterwohlfahrt (1)
Deutscher Olympischer Sportbund (1)
Europaunion Deutschland (1)
Bund für Umwelt und Naturschutz (1)
Naturschutzbund (1)
Bund der Vertriebenen (1)
Vereinigung der Opfer des Stalinismus (1)
Links zum Thema:
» Die Briefe des LSVD
» Webseite des Fernsehrats
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 86 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 433             6     
Service: | pdf | mailen
Tags: zdf, fernsehrat, lsvd
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

Reaktionen zu "LGBT bei Neubesetzung des ZDF-Fernsehrats übergangen"


 86 User-Kommentare
« zurück  12345...89  vor »

Die ersten:   
#1
20.02.2015
19:03:58


(+12, 12 Votes)

Von HonestAbe
Aus Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 24.06.2012


Und wieder einmal muss ich kotzen, dass ich als Bundesbürger mit eigenem Haushalt und regulärem Einkommen diesem Scheißverein eine enorm hohe Zwangsabgabe entrichten muss!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
20.02.2015
19:16:24


(+13, 15 Votes)

Von userer
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Schwule und Lesben müssen offenbar genauso draußen bleiben wie Vertreter der Humanisten! Dafür sind die Bauern und m. E. faschistoiden Vertriebenen drin.

Die Religioten sind übrigens mehrfach unter diversen Labels besetzt:

Evangelische Kirche (2)
Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (1)
Katholische Kirche (2)
Caritasverband (1) [katholisch]
Zentralrat der Juden (1)
Niedersachsen: Muslime

Diese Kirchen- und Lobbyrepublik Deutschland ist echt zum Kotzen.

Finanziert wird das alles aus Zwangsabgaben, Ansprechpartner sind die Ministerpräsidenten. Na dann mal los mit den Protest-E-Mails, Jungs!

Treppenwitz: BaWü ist für den Bereich Jugend zuständig, ausgerechnet das Ländle, das vor den Homohassern der selbst ernannten besorgten Eltern eingeknickt ist und sie per katholisch-grünem Ministerpräsident hofiert!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
20.02.2015
19:25:10


(+11, 11 Votes)

Von ChrisChrisChris


Kann man gegen sowas nicht mit Petition und Einsprüchen vorgehen?
Wenn die schon so undemokratisch sind, alles in geschlossenen Kämmerchen zu entscheiden, sollte doch zumindest Gewicht haben, dass wir mit unseren Gebühren auch Rechte der Teilhabe besitzen sollten.
Wahrscheinlich bin ich einfach hoffnungslos naiv, was meinen Glauben an einen Rechtsstaat betrifft.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#4
20.02.2015
19:25:54


(+6, 10 Votes)

Von David77
Antwort zu Kommentar #2 von userer


Und dafür wird man dann abGEZockt...
Was haben eigentlich kirchliche Inhalte in den Sendeanstalten zu suchen?


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#5
20.02.2015
19:35:11


(-2, 8 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Typisch ZDF!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#6
20.02.2015
20:00:17


(+8, 12 Votes)

Von ARD ZDF


Viel Freude beim Zahlen des Rundfunkbeitrags in Höhe von 216 EUR pro Jahr wünscht Ihnen Ihr ARD ZDF Beitragsservice.

Bitte vergessen Sie nicht, dass Sie bei einem Umzug für Ihre vorübergehende Zweitwohnung den doppelten Rundfunkbeitrag zahlen müssen, da wir davon ausgehen müssen, dass Sie gleichzeitig in beiden Wohnungen wohnen und unser tolles Programm schauen können. o_O

Zwei Wohnungen, zwei Beiträge, logisch. o_O

Eine Wohnung, ein Dienstwagen und eine große Gartenlaube, drei Beiträge. Logisch! o_O

Sind Sie Hartz-IV-Empfänger und haben dies nicht rechtzeitig bei uns gemeldet? Dann tut es uns leid, aber dann müssen Sie auch für den Zeitraum zahlen, in dem sie schon Hartz-IV bezogen haben. Wir haben dazu mit Ihnen schon eine Ratenzahlung in Höhe von 50 EUR pro Monat über zehn Monate vereinbart. Vereinbarungen mit uns geschehen übrigens immer automatisch, ohne dass Sie dafür mit uns etwas vereinbart haben müssen! o_O

Wir wünschen Ihnen mit Ihrem Rundfunkbeitrag auch weiterhin viel Freude. Ihre ARD und Ihr ZDF.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#7
20.02.2015
20:54:25
Via Handy


(+14, 14 Votes)

Von Alex


Ich finde es skandalös, dass zwar Kirchen Einfluss auf das ZDF nehmen sollen, GLBTI aber nicht.

Leben wir in einem Gottesstaat?

Da hatten bestimmt wieder mal die Kirchen ihre dreckigen Finger im Spiel.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#8
20.02.2015
21:23:25


(-13, 19 Votes)

Von Dont_talk_about
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 14.01.2014


Der Deutsche Skatverband ist ja auch nicht vertreten, und das obwohl es wohl mehr Skatspieler als Schwule gibt.

Dass der Bund der Vertriebenen vertreten ist, erscheint übertrieben. Andererseits fielen mir noch 20 weitere Vereine ein, die vertreten sein könnten


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#9
20.02.2015
21:52:56


(+10, 14 Votes)

Von Julian S


Anderswo soll öffentlich-rechtlicher Rundfunk die Realität abbilden und umfassend informieren. Und dazu gehört nun auch mal Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität.

Aber in Deutschland soll öffentlich-rechtlicher Rundfunk wohl ein tendenziöses Propaganda-Medien sein, wo die christlichen Kirchen mit 4 Sitzen die mit Abstand stärkste Gruppe bilden (fast alle anderen Gruppen haben nur 1 Sitz).

Ich fordere, dass die katholische und evangelische Kirche nur je 1 Sitz haben und dass einer der beiden freiwerdenden Sitze an eine LGBTI-Organisation geht (wie es auch mal geplant war).


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#10
20.02.2015
21:55:10


(+11, 13 Votes)

Von Heiner


Das ZDF war doch immer schon als Staatsfernsehen verschrieen, das alles andere als unabhängig und neutral ist.

Und wenn mal jemand versucht, das zu ändern (wie der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender) schnippt die CDU mit dem Finger und schon ist die unliebsame Person entlassen.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
« zurück  12345...89  vor »


 POLITIK - DEUTSCHLAND

Top-Links (Werbung)

 POLITIK



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Volker Beck bedauert "schreckliche Sätze" aus den Achtzigern Schwulen Flüchtling verprügelt: Zehn Monate auf Bewährung 25 Jahre "Schwulen-Verrat" im Fernsehen LiSL: Keine deutschen Steuergelder für Verfolgerstaaten
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt