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  • 21.02.2015           1      Teilen:   |

"Purple Velvet Souvenir Sampler"

HipHop gegen Dummheit und Hass

Artikelbild
Mit ihrem neuen Sampler möchte die Berliner Rapperin Sookee explizit weibliche Stimmen im HipHop pushen

Nach ihrer "Purple Velvet International Female HipHop Tour" hat Rapperin Sookee nun einen "Souvenir Sampler" veröffentlicht.

Von Britta Meyer

Sookee, ihres Zeichens feministische Rapperin, Liebhaberin der Farbe Lila, erklärte Wordnerd und Quing of Berlin, ist nach über zehn Jahren auf der Bühne längst eine etablierte Größe der zeilenschmiedenden Zunft. Die 1983 geborene Berlinerin, die 2006 ihr Debüt "Kopf, Herz, Arsch" vorlegte, ist außerdem für ihre Arbeit gegen Faschismus und Homophobie sowie für sprachliches Aufspalten normativer Kategorien bekannt.

Nachdem Sookee im vergangenen Jahr zur Feier ihres mittlerweile vierten Soloalbums "Lila Samt" gemeinsam mit Shirlette Ammons aus den USA und Lex LaFoy aus Südafrika mit der "Purple Velvet International Female HipHop Tour" durch insgesamt 17 Städte tourte, präsentiert ihr Label Springstoff jetzt den fertigen "Souvenir Sampler" zum vergangenen Sommer.

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Kollektive Beats gegen Schubladendenken

Der "Purple Velvet Souvenir Sampler" ist bei Springstoff (Vertrieb Indigo) als CD, 7-inch Vinyl mit Download-Card aller Sampler-Songs sowie als Online-Download erhältlich
Der "Purple Velvet Souvenir Sampler" ist bei Springstoff (Vertrieb Indigo) als CD, 7-inch Vinyl mit Download-Card aller Sampler-Songs sowie als Online-Download erhältlich

Rap und HipHop sind nicht umsonst für ihre homo- und frauenfeindlichen Texte und die entsprechend aggressiven Selbstinszenierungen ihrer bekanntesten Personen berüchtigt. In einer Szene, in der "schwul" die gängigste Beleidigung und das Privatleben der Mütter rivalisierender Künstler ein legitimes Ziel für Herabsetzungen ist, blüht neben eloquenter Sozialkritik auch viel unverstellte Hate Speech.

Was von Fans gern ein bewusst überspitztes Stilmittel zum Zweck der Provokation genannt wird, schlägt sich als immer wieder reproduzierte Verachtung für alles Nicht-Heteronormative nieder. Vielleicht am deutlichsten sichtbar in der unsäglichen "No Homo"-Floskel wird HipHop dadurch ironischerweise zu einer überaus gesellschaftskonformen Kunstform.

Sookees Arbeit auf und jenseits der Bühne hat diese sexistischen und homofeindlichen Machtstrukturen von Anfang an thematisiert und ihnen eigene Entwürfe des Zusammenlebens und -singens entgegengestellt. Während Bushido & Co. ihren lukrativ als Coolness verbrämten Menschenhass zelebrieren, bastelt sie derweil allein und zusammen mit Gleichgesinnten an intelligenteren Sektionen des sozialen Status Quo. Schließlich, so Sookee, kann HipHop immer nur so (hetero-)sexistisch sein wie die Gesellschaft, die ihn feiert.

Ein Sampler als kollektiver und kreativer Gegenentwurf

Also auf zum kollektiv kreativen Gegenentwurf: Sookees neuer Sampler vereint 24 Stücke überwiegend von Künstlerinnen unterschiedlicher Bekanntheitsgrade, von denen viele (Shirlette Ammons, Lex LaFoy, Tice, Kaye, Yansn, Msoke, Temmy Ton, Ebow, Taiga Trece, Refpolk, Icarus, Yasmo und Irie Révoltés) auch als lokale MCs auf den Bühnen der Tournee dabei waren. Neben diesen und anderen internationalen Sprechsängerinnen stehen ihr dabei auch Carmel Zoum, Pyro ONE und Spoke P Kaye zur Seite, die ebenfalls bei Springstoff unter Vertrag stehen.

Die Stile der Songs variieren je nach Thematik stark zwischen wütendem Stakkato, rauchigen Clubballaden und entspanntem Flow und bieten HipHop-Hörhappen für verschiedene Geschmäcker. Beschwingte Beats prägen den Eingangssong "Cupcakes & Elektrotechnik" – neben Duetten mit Tice und Spezial K Sookees einzigem Solo-Beitrag zum Projekt.

Youtube | Sookee erklärt und performt ihr Konzept "Purpleize HipHop"

Gewohnter Mix aus Optimismus und Kampfgeist

Lex LaFoy und DJ Doowap bei der "Purple Velvet"-Tour im vergangenen Jahr
Lex LaFoy und DJ Doowap bei der "Purple Velvet"-Tour im vergangenen Jahr (Bild: Springstoff)

Die Lyrics verströmen ihren gewohnten Mix aus Optimismus und Kampfgeist ("Wir widmen eurer rosa-blauen Welt ein letztes Lächeln und dann ziehn' wir los und reißen Mauern ein, denn die Grenzen eurer Logik können nicht von Dauer sein") und setzen den inhaltlichen Maßstab: die Auflösung von Kategorien und das Menschenrecht auf Respekt und Diversität.

So zum Beispiel auch die dem Songtitel widersprechend eher sanften und entspannten Reggae-Klänge, die der Züricher Künstler Msoke mit warmer Stimme in seinem Beitrag "Murder Time" verarbeitet. (Manchen ist Msoke a.k.a. Namusoke vielleicht als "Voice of Germany"-Kandidat von 2013 in Erinnerung. "Murder Time" stammt noch aus dem Jahr 2003, als er gerade dabei war, sich mit urbanem Soul einen Namen zu machen.)

Dass die Lyrics der Liedersammlung manchmal etwas sehr plakativ daherkommen, liegt in der Alltagserfahrung textender Menschen begründet, die ihre fortgesetzte Existenz als öffentlich sichtbare Abweichung der Norm stets aufs Neue rechtfertigen müssen. Manchmal allerdings zupfen Zeilen etwas arg am Geduldsfaden – wie etwa bei der österreichischen Rapperin Yasmo ("Ich bin Frau, ich bin Mädchen, ich bin Schwester, ich bin Tochter aus dem Paradies, verdammt, ich gab dir den Apfel, der Versuchung hieltst du nicht stand").

Hoffnung inmitten von Desillusionierung

Yasmo rappt außerdem: "Ich bin wertvoll. Weil ich Pensionen sichern kann? Nö, weil ich bin wie ich bin und gleiche Bezahlung verlangen kann!" Müssen solche Statements tatsächlich noch gesetzt werden? Eindeutig ja. Die Lebensrealität inner- wie außerhalb der HipHop-Welt zeigt leider täglich, dass auch so scheinbar simple Aussagen immer noch nötig sind.

Der trotzige Idealismus der Leipziger Rapperin Ket in ihrem 2012er Song "Verrückt" drückt die den Sampler durchziehende Grundstimmung wohl am besten aus: Hoffnung inmitten von Desillusionierung. Geschichten von Identitätsformung gegen alle Widerstände, Ausbruch und Verlorenheit, Leistungsangst und Burnout lassen beim Hören melancholische, aber nie deprimierende Bilder entstehen. Soviel Idealismus ist zum Glück nicht kleinzukriegen.

"Ich greife nach den Sternen und räum' die Steine aus dem Weg"

Denn mensch wird ja noch träumen dürfen.

Youtube | Auf dem Sampler vertreten: Yansn mit "Good Vibez"
Links zum Thema:
» In das Album bei Amazon reinhören
» Homepage von Sookee
» Fanpage auf Facebook
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Tags: sookee, purple velvet, souvenir sampler, hiphop, rap
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Reaktionen zu "HipHop gegen Dummheit und Hass"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
22.02.2015
10:11:57


(+1, 1 Vote)

Von ursus


ich wünsche mir dringend mehr texte von britta meyer. hiphop ist nicht so richtig mein thema, aber es hat total spaß gemacht, diesen wunderbar formulierten und durchdachten beitrag zu lesen.


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