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  • 22.02.2015           6      Teilen:   |

Filmfestival Batho Ba Lorato

"Wir zeigen: Homosexualität ist keine Sache des Westens"

Artikelbild
Bradley Fortuin ist Mitglied der Lesbians, Gays and Bisexuals of Botswana (Legabibo) und im Komitee des jährlichen Filmfestivals Batho Ba Lorato. Zurzeit macht er seinen Bachelorabschluss in Information Systems and Information Management an der Universität Botswana. (Bild: privat)

Bradley Fortuin organisiert in Botswana das einzige LGBT-Filmfestival Afrikas außerhalb von Südafrika. Wir trafen ihn in Berlin zum Interview.

Von Malte Göbel

"Batho Ba Lorato", das bedeutet "Menschen der Liebe" und ist der Name eines Filmfestivals in Gaborone, der Hautpstadt von Botswana. Es ist das einzige LGBT-Filmfestival Afrikas außerhalb von Südafrika und findet vom 24. bis 28. Februar bereits zum dritten Mal statt. Die Universität Botswana stellt dafür ein Auditorium zur Verfügung.

Einer der fünf Organisatorinnen und Organisatoren von Batho Ba Lorata ist Bradley Fortuin. Er war in diesem Jahr Mitglied der Teddy-Jury auf der Berlinale. Kurz nach den Filmfestspielen trafen wir ihn in Berlin zum Interview.

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Bradley Fortuin (re.) mit der diesjährigen Teddy-Jury - Quelle: privat
Bradley Fortuin (re.) mit der diesjährigen Teddy-Jury (Bild: privat)

Bradley, du warst in der Teddy-Jury, wie kam es dazu?

Sie haben uns einfach über Facebook angefragt. Sie wollten gern jemanden von einem afrikanischen Festival in der Jury haben. Wir haben überlegt, dass Batho Ba Lorato davon profitieren kann, also haben wir diese Gelegenheit mit beiden Händen ergriffen.

Haben sich deine Erwartungen erfüllt?

Vor allem wollte ich Kontakte knüpfen, Leuten mit verschiedenen Hintergründen und Berufen kennenlernen, von ihren Erfahrungen lernen und mich inspirieren lassen, auch wie wir unser Filmfestival verbessern können. Meine Erwartungen wurden übererfüllt!

Inwiefern, was hast du mitgenommen?

Allein durch die Teddy-Jury habe ich wundervolle Leute kennengelernt, die teilweise schon jahrelang Festivals in aller Welt organisieren. Es war für mich interessant zu hören, wie sie das machen, wie sie Filme aussuchen, woher sie ihr Geld bekommen und wen man noch ansprechen kann. Einer aus der Jury, Nick aus den Philippinen, hat uns Filme vorgeschlagen, auch ein paar Dokumentationen über queeres Leben in Afrika. Davon gibt es sowieso nicht viele, und die meisten sind von Leuten aus dem Westen, die nach Afrika fahren, dort Aufnahmen machen und dann wieder gehen. Meistens kriegen wir vom Ergebnis gar nichts mit.

Gab es auf der Berlinale einen Film, den du auch in Gaborone zeigen willst?

Unser Opener wurde hier gezeigt, der kenianische Spielfilm "Stories of our Lives" von Jim Chuchu, der den Special Teddy Jury Award bekommen hat. Ich habe das Gefühl, dass der Film den Alltag von Afrikanern gut rüberbringt. Und er wurde auch von Afrikanern gedreht. Ich habe auch andere gesehen, die mir gefallen haben, etwa "Misfits" über queere Teenager in den USA: ihre Kämpfe, ihre Familien, ihre Community, ihren Alltag.

Solche Filme zeigt ihr bei Batho Ba Lorato?

Dieses Jahr haben wir Filme aus Lesotho, Kenia, Uganda, auch zwei Dokumentationen aus Botswana. Überhaupt zeigen wir vor allem Dokus, es ist schwer, überhaupt Filme aus Afrika zu bekommen. Unser Hauptfokus ist, dass wir die Theorie zerstören wollen, dass Homosexualität eine Sache des Westens ist. Wir wollen queere Themen in die Öffentlichkeit rücken, auch Gesundheitsthemen, die queere Leute betreffen, HIV/Aids, übertragbare Krankheiten. Über diese Themen wird schon geredet, aber es gibt keinen Fokus auf die queere Community.

Wie war denn bisher das Feedback auf das Festival?

Beim ersten Mal vor zwei Jahren gab es viel Feedback, es war nicht nur das erste queere, sondern auch das zweite Filmfestival in Botswana überhaupt. Und dann zu diesem Thema! Es wurde viel berichtet, und es gab auch negative Kommentare von Einzelpersonen, Organisationen und Kirchen, aber abgesehen davon war es sehr gut! An guten Tagen haben wir 150 Besucher.

Wie viele Filme zeigt ihr auf dem Festival?

Wir zeigen zwei Filme pro Tag, einen kurzen, einen langen. Im ersten Jahr hatte das Festival vier Tage, letztes Jahr drei. Dieses Jahr sind es fünf Tage, weil wir den Canadian Fund for Local Initiatives (CFLI) als Sponsor haben. [Der CFL Iist ein kanadischer Entwicklungshilfefonds, der kleine Initiativen unterstützt, die lokal am Aufbau der Zivilgesellschaft arbeiten, Anm. d. Red.]

Also ist der Support aus dem Westen notwendig?

Wir haben beim Kultusministerium Zuschüsse beantragt, aber keine bekommen. Unsere Hauptpartner kommen also aus der internationalen Community.

Wird Homosexualität in Botswana verfolgt?

Es ist überhaupt nicht mit Ländern wie Uganda oder Kenia vergleichbar, es gibt keine direkte Gewalt. Ich habe noch nicht gehört, dass Leute wegen ihrer sexuellen Orientierung angegriffen oder getötet wurden. Schwul zu sein ist nicht illegal, aber Sex mit einer Person des gleichen Geschlechts. Wenn man erwischt wird, kann man bis zu sieben Jahre ins Gefängnis kommen. Und es gibt noch ein gesellschaftliches Stigma. Wenn zwei Männer oder zwei Frauen auf der Straße Händchen halten, dann rufen einem manche Leute Beleidigungen hinterher.

Andrang beim ersten LGBT-Filmfestival im Jahr 2013
Andrang beim ersten LGBT-Filmfestival im Jahr 2013 (Bild: Batho Ba Lorato)

Wie stark ist die LGBT-Bewegung?

Nicht so groß. Das Festival organisieren wir zu fünft. Es gibt nicht so viele LGBT-Aktivisten. Manchmal ist das ein Problem, etwa wenn wir als Legabibo (Lesbians, Gays and Bisexuals of Botswana) mit Politikern reden, dann sagen sie oft: "Aber wo seid ihr alle? Ihr seid doch so wenige!" Ich erwarte nicht, dass alle mit Schildern auf der Straße demonstrieren, aber ein bisschen mehr Sichtbarkeit der Leute wäre super.

Gibt es bekannte Lesben oder Schwule?

Einige Aktivisten, aber keine Celebritys, keine Politiker. Natürlich gibt es einige bekannte Leute, die sich nicht outen, von denen es aber die ganze Community weiß.

Was würde passieren, wenn sich jemand outen würde?

Es wäre in den Schlagzeilen. Tagelang! Natürlich würde es helfen und zu mehr Akzeptanz beitragen.

Du bist in der Öffentlichkeit geoutet, dein Name ist bekannt. Wirst du deshalb bedroht?

Ich werde nicht unter Druck gesetzt. Manche Leute fragen mich zwar: Warum bist du schwul? Und religiöse Leute versuchen, es mir auszureden. Ich solle das nicht tun, sie würden für mich beten. Aber sonst?

Würdest du Hand in Hand mit deinem Freund durch die Straßen gehen?

Ja. Leute würden uns hinterherschauen, vielleicht würden sie hinter unseren Rücken tuscheln. Manche Schwulen oder Lesben machen das deswegen nicht, aber ich würde das machen. Meine Liebe ausdrücken! Warum sollte ich das verstecken?

Gibt es eine Filmindustrie in Botswana?

Es gibt eine, aber sie ist nicht groß. Die meisten lokalen Filme sind nicht so gut, da kann man noch viel verbessern, in der Film- und Fernsehindustrie. Ich will mich da in Zukunft engagieren.

Und auch selbst Filme machen?

Ich will eine Dokumentation drehen über queere Themen in Botswana und im südlichen Afrika. Vielleicht ist mein Film ja schon zur nächsten Berlinale fertig.

Also hat es dir in Berlin gefallen?

Ich hatte einen tollen Aufenthalt, sogar Fremde auf der Straße waren nett und hilfsbereit. Nur einmal in der U-Bahn setzte ich mich neben einen älteren Herrn, und er stand auf und lief schimpfend ans andere Ende des Wagens. Er rief etwas wie, hier seien doch genug Sitze. Es fühlte sich rassistisch an. Ich war mit der Teddy-Jury unterwegs, die waren alle sehr betroffen. Aber bis auf diese Begegnung habe ich keinen Rassismus erlebt. Außer auf Grindr. "Oh, du bist schwarz, also hast du einen großen Schwanz." Solche Stereotype halt.

Hat dich etwas in Berlin überrascht?

Ich hätte nicht gedacht, dass es so kalt sein würde! Und es ist eine schnelle Welt hier, bei uns läuft vieles anders. Mir fehlt hier ein bisschen die Community, dieses Zusammensein, das haben wir mehr in Afrika. Und ihr esst alle kein Fleisch…

Links zum Thema:
» Filmfestival Batho Ba Lorato auf Facebook
» Lesbians, Gays and Bisexuals of Botswana (Legabibo)
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Tags: batho ba lorato, botswana, afrika, bradley fortuin, filmfestival
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Reaktionen zu ""Wir zeigen: Homosexualität ist keine Sache des Westens""


 6 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
22.02.2015
10:55:58


(+10, 12 Votes)

Von Simon H


Menschen wie er sind Leuchttürme der Hoffnung.


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#2
22.02.2015
11:12:24


(+10, 10 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ein Mann - eine Botschaft und er strahlt sehr viel Lebensfreude aus!


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#3
22.02.2015
11:57:49


(+4, 8 Votes)

Von Sveni Mausi


Echt Süß!
"Ihr esst alle kein Fleisch ..."
Hmm, was seid Ihr in Berlin nur für Schwubben :-D

Ich wünsche der Community in Botswana viel Erfolg!

@Redaktion
Das Interview war in Englisch oder in Deutsch?
Wenn es übersetzt wurde, bitte immer einen Hinweis geben. Und gerade in solchen Fällen, wo man normal davon ausgeht, dass es nicht in Deutsch geführt wurde, ruhig auch erwähnen, wenn es in Deutsch geführt wurde.


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#4
23.02.2015
01:39:07


(+4, 6 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012


Was fuer ein erfrischendes und beeindruckendes Gespraech. Hoffentlich bleibt dieses Lachen so erhalten!

Alle guten Wuensche fuer einen nicht leichten Weg.


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#5
23.02.2015
05:16:09


(-2, 6 Votes)

Von Markus44
Antwort zu Kommentar #3 von Sveni Mausi


Ein guter und interessanter Artikel, der mir gut gefallen hat.

Schade das in Botswana immer noch das Strafbarkeitsverbot für homosexuelle Handlungen besteht. Das müßte dort endlich aufgehoben werden, wo doch im Nachbarland Südafrika sogar die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt ist.

---------

Ansonsten es ist in der Tat dieser Tage in Deutschland kalt und nass; da hat man fast keine Lust überhaupt noch nach der Arbeit und dem Einkauf der Lebensmittel einen Fuss aus dem Haus zu bewegen.

Aber eines stimmt nicht am Eindruck zu Deutschland:

"Ihr esst alle kein Fleisch ..."
Das mag ja auf dem Kulutfestival in Berlin "In" sein, aber die meisten schwulen Männer auf dem Lande und in den Mittelstädten wie Göttingen, Münster, Osnabrück, Bielefeld, Dormund oder auch Bremen essen natürlich Fleich...Currywurst, Hamburger, Döner, Wiener Schnitzel, usw. sind dort im Essverhalten ganz normaler Alltag.

So gesehen kann ich mich über unsere deutschen Filmschwuppen in Berlin auch nur "wundern", da bekommt der Botswaner einen ganz falschen Eindruck von den deutschen schwulen Männern.


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#6
23.02.2015
21:27:19


(+3, 3 Votes)

Von Miguel53de
Aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 23.07.2012
Antwort zu Kommentar #5 von Markus44


Neuer Nick, Timmy?


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