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  • 25.02.2015           6      Teilen:   |

"Bande de filles"

Die Homo-Erotik der Mädchenbande

Artikelbild
Eine vierköpfige Mädchengang erpresst Geld von anderen Teenagern, um anschließend in einem Hotelzimmer zu feiern (Bild: Peripher Filmverleih)

Stark, unterhaltsam, politisch und feministisch: Der Coming-of-Age-Film "Bande de filles" ("Girlhood") begleitet eine junge Rebellin in einer Pariser Banlieue.

Von Tania Witte

Nach "Tomboy" (2011) und "Water Lillies" (2007) kommt am 26. Februar der neue Spielfilm der französischen Regisseurin Céline Sciamma in die Kinos. "Bande de filles" wurde seit seiner Premiere in Cannes mit Lob überschüttet, hat bereits erste Preise abgesahnt und ist für gleich vier Césars nominiert.

Marieme (Karidja Touré) ist 17 und lebt in einer der berüchtigten Pariser Banlieues. Ihr Bruder ist ein gewalttätiger Macho, ihre Schwestern sind die zauberhafte Unschuld schlechthin. Als Marieme erfährt, dass ihre Noten zu schlecht für eine weiterführende Schule sind, gerät sie aus dem Tritt.

Sie schließt sich einer vierköpfigen Mädchengang um Anführerin Lady (Assa Sylla) an, streift mit ihnen durch Klamottenläden und erpresst Geld von anderen Teenagern, die verkörpern, was Marieme früher selbst war. Von dem ergaunerten Geld mieten sich die Mädchen ein Hotelzimmer. Das "wahre" Leben, für alle gleichermaßen von Gewalt und Perspektivlosigkeit geprägt, muss bei den Hotelzimmer-Partys draußen bleiben.

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Aus Marieme wird die toughe Vic

Plakat zum Film: "Bande de filles" startet am 26. Februar mit deutschen Untertiteln in den Kinos. Er ist auch unter dem internationalen Titel "Girlhood" bekannt
Plakat zum Film: "Bande de filles" startet am 26. Februar mit deutschen Untertiteln in den Kinos. Er ist auch unter dem internationalen Titel "Girlhood" bekannt

Marieme ändert Namen und Attitüde, wird zu Vic, einer femininen, toughen jungen Frau. Sie verliebt sich in Ismaël (Idrissa Diabaté), einen Jungen aus der Nachbarschaft und Freund ihres Bruders. So zart und speziell diese Liebe ist – als er später vorschlägt, sie zu heiraten, lächelt sie traurig. "Ich will dieses Leben nicht."

Vic ist nicht Kinder, Küche, Kirche, sie ist eine Kämpferin und eine Feministin. Als ihr Bruder ihre Liebe zu Ismaël entdeckt, läuft sie von zu Hause fort, verkauft Drogen und gerät immer wieder an ihre Grenzen, um sie, ebenfalls immer wieder, zu sprengen. Sie beginnt sich die Brüste abzubinden, legt das falsche Langhaar ab und kleidet sich zunehmend maskuliner. Ob es dabei um Gender, Selbstschutz oder beides geht, bleibt unausgesprochen.

"Diese Rollenspiele, auch mit Gender, sind Teil ihres Weges, der für sie viele verschiedene Identitätsbegriffe bereithält", sagt Regisseurin Céline Sciamma. "Es geht viel weniger darum, ob sie sich feminin oder maskulin kleidet, es geht um Macht." Und die genießt Vic, sie genießt den Kampf mit befeindeten Gangs und sie genießt es, sich mit den Jungs zu solidarisieren, weil die in der Hierarchie höher stehen. Das ist nicht immer sympathisch, aber leider verständlich und authentisch.

Die ungewöhnliche Sexszene mit Ismaël und die Nähe zu Vics Freundinnen bleiben wertgleich und mit dem Fortschreiten der Handlung werden auch die homoerotischen Spannungen zwischen Vic und Lady greifbarer. Über einen langen, langen Engtanz hinaus wird allerdings nichts ausagiert.

Wo liegt der Unterschied zwischen Freundschaft und Romantik?

"Ich finde, dass jede freundschaftliche Beziehung genauso aufgebaut ist wie eine romantische – sie impliziert die gleiche Sehnsucht nach dem anderen Menschen, den gleichen Schmerz bei Problemen", betont Sciamma und lässt dabei offen, wohin Vics Weg führen wird. Der Film tut es ihr gleich.

"Bande de filles" bildet ein soziales Gefüge in einem soziologisch ebenso interessanten wie brisanten Umfeld ab und bleibt dabei doch immer bei der Hauptdarstellerin. Die Coming-of-Age-Story arbeitet mit ungewöhnlichen filmischen Mitteln. Sciamma nimmt sich Zeit für Experimente, mischt lyrische Episoden mit komödiantischen Szenen – und bleibt dabei echt, nah dran, berührend und realistisch.

Bei aller Bedeutsamkeit des Umfeldes thematisiert der Film es doch nur indirekt; im Zentrum steht die junge Frau, die sich dem Weg verweigert, der ihr vorbestimmt scheint. So entsteht ein großartiger Film, der garantiert noch weitere Preise abstauben wird. Der überzeugenden Schauspielerinnen und der sicheren Regie wegen, weil er stark ist und unterhaltsam und politisch und feministisch obendrein.

Youtube | Offiizieller deutscher Trailer zum Film
  Infos zum Film
Bande de filles (Internationaler Titel: Girlhood). Drama. Frankreich 2014. Regie: Céline Sciamma. Darsteller: Diabate Idrissa, Tatiana Rojo, Rabah Nait Oufella, Karidja Touré, Lindsay Karamoh, Mariétou Touré, Yannick Ruiz. Laufzeit: 112 Minuten. Französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Peripher
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Bande de filles

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Tags: girlhood, celine sciamma, bande de filles, tania witte
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Reaktionen zu "Die Homo-Erotik der Mädchenbande"


 6 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
26.02.2015
08:09:16


(-2, 6 Votes)

Von Gerold


Ich weiß nicht, echte, kraftvolle Homoerotik entsteht doch nur zwischen Männern. Deswegen wurde sie verboten :-P


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#2
26.02.2015
08:50:05


(0, 6 Votes)

Von Klaro
Antwort zu Kommentar #1 von Gerold


Auch zwischen Lesben gibt es Homoerotik.
Homosexuelle = Schwule und Lesben!


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#3
26.02.2015
09:14:08


(+2, 4 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008


Und was ist daran "homoerotisch", wenn sich irgend eine Vorstadt-Bitch wie ein machistischer Macker anzieht und sich auch so benimmt? Sorry, aber dem kann ich absolut nichts abgewinnen, am Allerwenigsten "Homo-Erotik".


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#4
26.02.2015
09:34:22


(+1, 3 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Céline Sciamma ist mit ihren Filmen (inklusive den hier vorgestellten) eine gute Bereicherung für das französische Kino!


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#5
26.02.2015
13:34:51


(+3, 5 Votes)

Von zeitgeist
Antwort zu Kommentar #3 von herve64


die geschlechterrollen und sexuelle normativität im krisen-europa sind glasklar definiert - ein wesentlicher teil des problems!

Link zu www.spiegel.de

Link zu www.spiegel.de


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#6
26.02.2015
17:02:08


(+3, 3 Votes)

Von Krux
Antwort zu Kommentar #5 von zeitgeist


Zum einen die Normativität welche dargestellt wird und welche es gibt,
zum anderen aber auch die Perspektive der Kamera, welche die Mädchen bei Aktivitäten zeigt in denen sie halb nackt oder nackt sind und Bilder von Jungen verhüllend angezogen... man wählt zum Beispiel ein Bild mit Trampolin hüpfenden Jungs, welche Anzüge anhaben anstatt eines zu wählen in dem sie sommerlich oben ohne oder leicht bekleidet sind. Bei Mädchen fängt man hingegen Fotos ein, wenn sie wenig bis nichts anhaben ( siehe das Bild aus Spanien: Ein Pärchen wird gezeigt, die Kamera hält aber nur auf die Frau.

Es ist also nicht nur das was der Jugend als Normativität gezeigt wird und das sie sich so verhalten, sondern auch die "Sea Change" und die Medien greifen nicht nur das aktuelle Lebensgefühl der Kids auf, sondern sie tragen dazu bei es mitzuprägen. Denn wie fotografiert wird, welche Motive ausgewählt werden, macht auch viel aus.
Auch wenn Mädchen ihre Körper derzeit wesentlich freizügiger zeigen, gibt es im Sommer auch sportliche Jungs mit Tanktops, geauso gibt es Mädchen deren Leben nicht nur aus Party und Nacktsein besteht.
Einerseits finde ich es gut, dass die Medien die Lebensgefühle aufzeigen und kritisieren, andererseits tragen sie mit ihrem noch plakativem, noch normativeren Blick als es der Realität entspricht, dazu bei dass sich heteronorme Klischees verfestigen.


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