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  • 27.02.2015           8      Teilen:   |

"Heute gehe ich allein nach Hause"

Die Sensation des ersten Kusses

Artikelbild
Gabriel (Fabio Audi) und Leonardo (Ghilherme Lobo) sind füreinander bestimmt - sie müssen es allerdings erst herausfinden (Bild: Lacuna Filmes)

Ganz großes Kino: Daniel Ribeiros Spielfilm "Heute gehe ich allein nach Hause", Teddy-Gewinner 2014, erzählt das Coming-out eines blinden Jugendlichen.

Von Peter Fuchs

Ein blind geborener Teenager verliebt sich in "Heute gehe ich allein nach Hause" zum ersten Mal und entdeckt dabei seine Homosexualität.

Halt, diese Geschichte gab es doch schon mal, oder? Ja, 2010 brachte der brasilianische Regisseur Daniel Ribeiro einen 17-minütigen Kurzfilm mit dieser Story heraus. Vier Jahre später drehte er mit gleicher Handlung seinen ersten Langfilm. Der geriet so gut, dass er den Teddy Award auf der Berlinale 2014 (queer.de berichtete) und eine Nominierung für die Vorauswahl des Auslands-Oscars 2015 erhielt.

Jetzt läuft der Film auch bei uns im Kino, und wir wissen noch vier weitere Gründe, warum man "Heute gehe ich allein nach Hause" (internationaler Titel: "The Way He Looks") sehen sollte, auch wenn man den Kurzfilm schon kennt.

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1. Daniel Ribeiro macht einiges anders und doch gleich gut.

Deutsches Plakat zum Film: "Heute gehe ich allein nach Hause" läuft seit 26. Februar im Verleih der Edition Salzgeber im Kino
Deutsches Plakat zum Film: "Heute gehe ich allein nach Hause" läuft seit 26. Februar im Verleih der Edition Salzgeber im Kino

Die Handlung folgt der des Kurzfilms, setzt aber auch neue Akzente. Leonardo (Ghilherme Lobo) wurde blind geboren. Seine Eltern übertreiben es mit gut gemeinter Fürsorge, weshalb der freundliche Teenager zu rebellieren beginnt. Seit seiner Kindheit ist er mit Giovana (Tess Amorim) befreundet. Sie ist heimlich in ihn verliebt, begleitet ihn nach der Schule bis vor seine Tür nach Hause und schützt ihn vor mobbenden Mitschülern.

Als der neue Kollege Gabriel (Fabio Audi) sich mit Leo anfreundet, spürt Giovana Eifersucht. Wobei sich ihr Gefühl nicht eindeutig zwischen Gabriel oder Leo entscheiden kann, findet sie den hübschen Gabriel doch ebenso attraktiv. Auch Leo weiß nicht, weshalb plötzlich die Schmetterlinge in seinem Bauch flattern, seit Gabriel aufgetaucht ist.

Die Gemengelage an neuartigen und widersprüchlichen Empfindungen schaukeln die Handlung des Dreieckverhältnisses komisch und kompliziert hoch, bis es endlich zum ersten Kuss kommt.

2. Es spielen dieselben Hauptdarsteller.

Sie wiederzusehen macht Freude. Ghilherme Lobo – selbst sehend – spielt überzeugend blind. Er weiß, wie er ohne die Hilfe der Augen die Gefühle Eifersucht, Freude oder ein Zögern auf Leos Gesicht zaubern kann. Fabio Audi liefert seinen Gabriel als schwarzgelockte Charme-Bombe auf der Leinwand ab, und Tess Amorim erspielt sich mit ihrer Giovana sofort unser Mitgefühl als fünftes Rad am Wagen.

3. Der Song "There's Too Much Love" von Belle & Sebastian.

Statt für eine Projektarbeit zu büffeln, wirft Gabriel in Leonardos Zimmer dieses Lied an und fordert Leo auf, mit ihm zu tanzen. Während die beiden Jungs entzückend unbeholfen ihre Körper im flirrenden Gegenlicht der Nachmittagssonne bewegen, singen die britischen Indie-Popper auch vom Tanzen.

Der Text erzählt von einem Ort, wo man tanzt und einen keiner kennt und man alleine durch das Aussehen dumme Anmache provoziert. Aber sind die Feinde mal gezählt, hofft man, dass der Liebste dann zur Seite steht. In dieser Szene ist allen Zuschauern klar, dass Leo und Gabriel zusammen gehören – nur die beiden wissen es noch nicht voneinander. Ach, wie reizvoll und romantisch!

4. Die Duschszene.



En passant streift der Film die Frage, wie man sich verlieben kann, wenn man das Objekt der Sehnsucht nicht sieht. Leo stehen dafür nur das Berühren, Hören, Riechen und Schmecken zur Verfügung. Dabei initiiert sich Begehren üblicherweise durch einem Blick und wird auch von einem solchen erwidert.

Daniel Ribeiro stellt das auf den Kopf und packt die beiden Jungs nackt in die Gemeinschaftsdusche, wo der eine den begehrenden Blick unbeobachtet führen kann und ihn erst abbricht, als seine Erregung auch für einen Blinden nicht mehr zu übersehen ist. Ein witziger Moment, gepaart mit süßer Erotik.

"Heute gehe ich allein nach Hause" ist ein leichtfüßiger Film, aber kein Leichtgewicht. Wohltuend auch, dass er das Coming-out nur am Rande problematisiert. Die schüchternen Annäherungsversuche der Protagonisten hingegen lassen einen die Sensation des eigenen ersten Kusses nachspüren. Was für ein Kino-Moment!

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
  Infos zum Film
Heute gehe ich allein nach Hause. Romanze. Brasilien 2014. Regie: Daniel Ribeiro. Darsteller: Ghilherme Lobo, Fabio Audi, Tess Amorim. Laufzeit: 95 Minuten. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 26. Februar 2015
Links zum Thema:
» Homepage zum Film
» Fanpage auf Facebook
» Song "There´s Too Much Love" von Belle & Sebastian zum Download
Mehr zum Thema:
» Teddy 2014 für Coming-out-Film aus Brasilien (15.02.2014)
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"Heute gehe ich allein nach Hause"

10 Bilder
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Tags: daniel ribeiro, the way he looks, teddy, blind, coming out, fabio audi, ghilherme lobo, brasilien, edition salzgeber, film, kino
Schwerpunkte:
 Coming-out
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Reaktionen zu "Die Sensation des ersten Kusses"


 8 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
27.02.2015
09:21:00


(+4, 4 Votes)

Von Patroklos
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Ein berührendes Thema, welches Daniel Ribeiro in seinem Film aufgreift. Ich kenne in meinem Umfeld keinen Schwulen, der einen blinden Lebenspartner und keine Lesbe, die eine blinde Lebenspartnerin haben. Das Gleiche gilt auch für schwule/lesbische Menschen, die einen Lebenspartner bzw. eine Lebenspartnerin haben, die im Rollstuhl sitzen, da sie querschnittgelähmt sind (oder wo beide dieses Schicksal teilen). Darüber sollte man nämlich auch mal einen Spielfilm oder eine Reportage machen. Es würde mich sehr interessieren, wie sie ihren Alltag und auch ihr Intimleben meistern.


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#2
27.02.2015
10:34:14


(+5, 5 Votes)

Von ursus


ein herzerwärmender, auf eine leise art beeindruckender, liebenswerter film mit tollen darsteller_innen. ich fand vor allem überzeugend, wie die verwirrenden gefühlsstürme der pubertät dargestellt werden.

und es stimmt, der kuss ist wohl einer der schönsten der filmgeschichte.


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#3
27.02.2015
11:44:49


(+5, 5 Votes)

Von schwarzerkater
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freue mich schon riesig auf diesen film, denn was ist bewegender als die erste große liebe!


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#4
27.02.2015
11:46:30


(+7, 7 Votes)

Von chellelaro


Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich ein Film lange nicht mehr so berührt hat wie dieser.
Es ist schön zu sehen, dass es auch Schwules Kino gibt, das einerseits ohne deprimierende Thematik wie schwieriges Coming-out, unglücklich Verliebtsein, politische Verfolgung, HIV/AIDS etc und andererseits auch ohne allzu viel Kitsch und Überdrehtheit in der Darstellung auskommt.
Die Botschaft: Erwachenwerden ist nicht einfach. Liebe ist etwas Schönes, egal ob Homo oder Hetero!
Den Film muss man unbedingt gesehen haben!
Egal ob Homo oder Hetero.


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#5
27.02.2015
16:31:55


(+4, 4 Votes)

Von Patroklos
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Oscargewinner Eddie Redmayne ist bald in einem Biopic zu sehen:

Link zu www.filmstarts.de

Es geht um die Transperson Lili Elbe, die als Einar Wegener geboren wurde und sich als einer der ersten Männer einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog.


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#6
27.02.2015
19:08:35


(+6, 6 Votes)

Von Sabelmann
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Ein ganz süsser Film!
Habe in meinem Freundeskreis ein Paar wo beide blind sind!Die Jungs zeigen mir immer wieder wie schön Partnerschaft sein kann und das schon seit 19 Jahren!


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#7
28.02.2015
04:38:55


(+6, 6 Votes)

Von HBausB
Aus Berlin
Mitglied seit 03.02.2015


Eure Kommentare und auch der Artikel von Peter Fuchs machen Lust, sich den mal anzusehen!
Gerade, weil ich heute auf einsfestival "Freier Fall" gesehen habe... und überhaupt nicht begeistert war. Auch wenn die Hauptdarsteller Schnuckels waren eben wieder nach dem üblichen Schema: Coming Out Probleme noch mit Frau, Kind und Familie dazu ..sorry aber das hat Heiner Carows DDR- "Coming Out" schon 1989 tausendmal besser hinbekommen...

Und jetzt, oh Schreck, mit einem Behinderten

Schon allein deshalb muss ich den sehen, mögen die Hauptdarsteller auch oder gerade "süß weil jung" sein, fallen sie doch nicht in das übliche Schema weiß-Mittelschicht-gerader Lebenslauf- Geld verdienen-gesellschaftliche Etablierung...

Bin gespannt!


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#8
29.05.2015
15:35:16


(+1, 1 Vote)

Von Blondblue


Ein großartiger Film, der Themen des Coming Outs genauso unspektakulär behandelt, wie alle anderen spätpubertären Themen in seiner Geschichte. Ich was sehr gerührt, angenehm berührt, denn die Themen hätten Stoff für großes Drama inne. Aber es bleibt sehr leise, sehr gefühlvoll, in wunderbaren Bildern, gespielt von einem Ensemble, dass Jugend nicht über zu betonen braucht, denn es ist jung, auf jegliche Art und Weise. Wirklich sehr schön. Ein echter Portugiese!


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