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  • 28.02.2015           98      Teilen:   |

Junge Schwule und Safer Sex

Test auf Gayromeo: 79% wollten Sex ohne Gummi

Artikelbild
Mit diesem Profil war unser Autor auf Planetromeo unterwegs

Als "Fickerboy18" chattete unser Autor mit 100 anderen jungen Männern auf den "Blauen Seiten" – das Thema Safer Sex interessierte die große Mehrheit nicht.

Marc ist 18, schlank und blond. Er ist ungeoutet und unerfahren. Das soll sich ändern. Jetzt sollen endliche sexuelle Erfahrungen her. Das Bild seines jungenhaften Oberkörpers geschnappt, bei Gayromeo hochgeladen und ein Profil erstellt: Eindeutiger Nickname, eindeutige Stats und drei Zeilen Text.

Innerhalb kürzester Zeit häufen sich die Nachrichten. Jungs und Männer zwischen 18 und 50 schreiben. Sie alle wollen Marc im Bett haben. Das Problem: Marc gibt es nicht. Er ist das Pseudonym unseres Autors, der sich die Frage gestellt hat, wie die jungen Schwulen sich tatsächlich in Sachen Safer Sex verhalten.

Eigentlich sollte man denken, das Thema sei nach 30 Jahren Aids-Aufklärung bis zum Letzten durchgedrungen, und fast niemand praktiziert mit Unbekannten unsafen Sex. Gleichzeitig geht die Zahl der Neuinfektionen mit HIV in Deutschland nicht zurück, das Robert-Koch-Institut klagt insbesondere über die Sorglosigkeit junger Erwachsener.

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1.177 Profilaufrufe und 159 Nachrichten innerhalb von drei Tagen

Nur ein Chat von vielen: "Geil. Dann kannst tief reinspritzen"
Nur ein Chat von vielen: "Geil. Dann kannst tief reinspritzen"

"Marc" wird innerhalb von drei Tagen insgesamt 14 Stunden online bei Gayromeo verbringen. In dieser Zeit rufen 1.177 User sein Profil auf, 159 davon schicken eine Message. Davon fallen genau 59 außerhalb des Suchrasters: Sie sind zu alt, um für die Fragestellung interessant zu sein. 32 von ihnen bieten dem jungen "Gymnasiasten" Taschengeld für sexuelle Dienstleistungen.

Mit genau 100 Jungs zwischen 18 und 32 (laut Profilangaben) beginnt unser Autor unterschiedlich lange Gespräche. Darunter finden sich diverse Charaktere, Biografien und Vorlieben. Vom devoten Masochisten bis zum Jungen von nebenan ist alles dabei. Die Jungs kommen aus Deutschland, der Schweiz und Dänemark, haben Migrationsintergrund und haben keinen: Kurz, sie sind ein bunter Ausschnitt aus dem Userkreis der Datingplattform.

Es gibt diejenigen, die sich sofort treffen wollen, und die, die erst ihr halbes Leben zu erzählen haben. Einige wenige verdächtigen "Marc", ein Faker zu sein. Bis auf einen einzigen allerdings kann unser Autor mit Ausreden nach Art "Ich bin erst so kurz da und konnte noch kein zweites Facepic hochladen" alle Skeptiker vollkommen zufrieden stellen.

Die abgewandelte Gretchenfrage "Wie hältst du es mit Safer Sex?" kommt bei allen 100 Gesprächspartnern früher oder später, direkter oder subtiler auf den Tisch. Manchmal durch "Marc" selbst, der sich aber oft unerfahren gibt. Er berichtet von nur drei sexuellen Zufallserfahrungen und ist interessiert daran, vor allem die aktive Rolle einzunehmen. Oft nimmt er eine eher uninformierte und unsichere Haltung in Sachen Kondom ein, stellt etwa einfach die Gegenfrage "Wie willst es denn du?" oder will naiv wissen "Bist du gesund?"

79 von 100 Chat-Partnern würden auf ein Kondom verzichten

Das Ergebnis ist so eindeutig, dass es unserem Autoren mehr als einmal die Sprache verschlägt: Ganze 79 User sind bereit bzw. wünschen es sogar, von Marc ohne Kondom anal befriedigt zu werden. Sie schwärmen von "Spermaladungen im Hintern" und dem "echteren Gefühl", tun Unsicherheitseinwände mit dem Hinweis ab, dass schon nix passieren werde und wenn, dann sei das ja behandelbar. Nur ein einziger rät "Marc", er wolle zwar gerne bare mit ihm Sex haben, aber "Marc" solle sich lieber einen Partner suchen und nur in einer vertrauensvollen Beziehung auf Kondome verzichten.

Obwohl "Marc" deutlich macht, er habe noch nie einen Test gemacht und – da er ungeoutet sei – auch keinen machen werde, wollen alle 79 der 100 potenziellen Sexpartner unsafen Sex mit ihm ausüben. Zumindest im erotisch aufgeheizten Chat waren sie bereit, für ein sexuelles Abenteuer ihre eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Natürlich kann man vermuten, dass einige der Jungs und Männer bei einem realen Treffen dann doch auf Safer Sex bestanden hätten – wo die Vernunft die Oberhand über die Phantasien gewinnt. Möglicherweise hat er auch mit ein paar HIV-Positiven gechattet, die aufgrund einer funktionierenden Kombinationstherapie niemanden anstecken könnten.

Trotzdem: Der ingesamt sorglose und sehr oberflächliche Umgang im Chat mit der Gefahr einer HIV-Infektion überrascht. Übrigens nicht nur bei den 79 Gayromeo-Usern, die von einer heißen Session mit "Marc" träumten, sondern auch bei unserem fiktiven Teenager selbst. Im Internet können sich selbst unerfahrene 18-Jährige leicht und anonym über Lust und Gefahren beim schwulen Sex informieren – eine Verantwortung tragen immer beide Partner. (az)

  Stichwort: Safer Sex
Beim Ficken immer Kondome benutzen und kein Sperma in den Mund gelangen lassen – das sind die wichtigsten Safer-Sex-Regeln. Sie gelten vor allem, wenn man nicht sicher sein kann, ob der Partner HIV-positiv oder -negativ ist, also etwa beim One-Night-Stand oder bei anonymen Kontakten auf Gayromeo & Co.
In einer festen und vertrauensvollen Beziehung gibt es weitere Möglichkeiten, das Risiko einer HIV-Infektion zu reduzieren: Sind beide HIV-negativ und haben keinen Sex oder nur geschützten Sex mit anderen, können sie auf Kondome verzichten.
Auch beim Sex mit einem HIV-positiven Partner kann der Verzicht auf das Gummi safe sein – vorausgesetzt, er nimmt eine gut funktionierende Kombinationstherapie, hält sich strikt an die Einnahme der Medikamente und hat seit über einem halben Jahr eine Viruslast unter der Nachweisgrenze.
Dennoch gibt es gute Gründe dafür, auch dann ein Kondom zu verwenden: Gummis reduzieren das Risiko auch für andere sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Tripper und Hepatitis C. (mize)
Galerie
Chat-Protokolle von "Fickerboy18"

9 Bilder
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Tags: gayromeo, planetromeo, safer sex, kondome, chat, fickerboy18, bareback
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Reaktionen zu "Test auf Gayromeo: 79% wollten Sex ohne Gummi"


 98 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
28.02.2015
08:21:13


(+1, 13 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar


und was sollte nun mit so nem offensiven nick wie "fickerboy18" bewiesen werden??? dann auch noch die fallen ausgelegt wie "unerfahren" und "ungeoutet".


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#2
28.02.2015
08:23:38


(+7, 7 Votes)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar


"Einige wenige verdächtigen "Marc", ein Faker zu sein." - ist doch klasse, dass einige auf der richtigen spur waren
denn solche faker gibt es online allzu häufig.


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#3
28.02.2015
08:36:01


(+3, 5 Votes)

Von gggi
Antwort zu Kommentar #2 von schwarzerkater


ich würde meinen 50% sind Faker.

Und wenn ich merke, dass einer ein Faker ist, bekommt er von mir in allem nur fake-Antworten.

Wieso sollte ich so jemandem nur eine einzige Information wahren Inhaltes geben?


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#4
28.02.2015
08:39:24
Via Handy


(-1, 13 Votes)

Von Torby


Mal ehrlich, wie Niveaulos ist das denn bitte ? Kein Wunder das es genügend Menschen gibt die immer noch so oberflächlich über LGBT denken.


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#5
28.02.2015
08:42:33
Via Handy


(+11, 13 Votes)

Von So What


Verwunderlich ist das nicht. Der eigene HIV Status bzw die Kommunikation darüber ist ein großes Tabu unter Kerlen. Und so glauben immer noch viele, dass Positive nur als ausgemergelte Gestalten in der Großstadt vorkommen. So ein sportlicher 18jähriger ist ja ungefährlich...

Ironie Off.


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#6
28.02.2015
09:39:51


(+7, 15 Votes)

Von SchwTA


Tolle Idee! Ich bin ebenfalls entsetzt, wie lax das Thema Safer Sex mittlerweile gehandhabt wird, vor allem von Jüngeren...es müssen wohl wieder drastische Bilder von den bereits in den Kommtaren angesprochen "ausgemergelten Gestalten" und dem sich deutlich unter Haut abhebenden Schädel in die Kampagnen, ähnlich wie bei den Rauchern. Die Daten des RKI sind wahrlich besorgniserregend und spielen denjenigen in die Hände, die die Schwulen so gerne als hedonistisches Gesocks bar jeder Verantwortung darstellen wollen, allen voran Religioten und gut-bürgerliche Konservative, die einem dann diese Zahlen mit einem feisten Grinsen um die Ohren hauen.

Gut, gerade bei Gayromeo wird sich in die Tasche gelogen, was das Zeug hält, und wer wirklich ein Date haben will, erlebt so manche herbe Überraschung, und man fragt sich, was für kaputte Psychoten am anderen Ende des Bildschirms ein offensichtlich dermaßen trostloses Leben fristen, um mit solchen Manövern zumindest ein klein wenig Licht in ihre dumpfe Existenz zu bringen. Das mag für durchtrainierte Jungs bis 25 nicht gelten, aber auch die werden älter und verlassen irgendwann diesen "Idealbereich" und bauen ein Fantasieszenario auf, das immer weniger mit dem Original übereinstimmt. Insofern sehe ich die Daten ebenso kritisch wie die Autoren/der Autor. Der Grundtenor aber dürfte stimmen.

Nehmen wir doch mal an, das Szenario wäre real gewesen: da ist ein junger Mann, mitten in der Coming-Out-Krise, will Erfahrungen sammeln und Spaß haben - denn in der Schule bekommt er ja noch keine entspr. Orientierung! - und gerät auf den Chatportalen in die Höhle des Löwen; notgeile alte Säcke (in meinem Alter :-)) oder, noch schlimmer, Jungs in seinem Alter oder etwas drüber, die einem suggerieren: Bareback ist ganz okay, es ist geil, und wenn was passiert, ist das auch cool. Hallo?! Was für ein Vorbild sind wir bittesehr?

Bezogen auf das Verhalten auf Chatportalen ist meiner Meinung nach eine Frage: Haben wir das nötig? Sind wir zum einen so unsicher, dass wir uns hinter pompösen Fassaden verstecken müssen, die uns letztendlich mehr isolieren als ins Gespräüch bringen?

Vie wichtiger allerdings: Sind wir zum anderen so triebgesteuert und notgeil - haben wir etwa nicht genügend Gelegenheit, geilen, safen Sex zu bekommen - haben wir bereits vergessen, welches Trauma vorangegangenen Generationen von Schwulen haben durchleben müssen, wie viele von uns aus Unwissenheit qualvoll zugrundegegangen sind, dass bareback mit Sexpartnern unbekannten HIV-Statuses heute immer noch ein Thema ist? Man findet sie auf GayRomeo und GayRoyal, die Profilangabe "Safer Sex? Niemals". Wer diese Entscheidung für sich trifft, kann das meinetwegen tun - aber dann zahle er bittesehr auch die Therapie aus eigener Tasche.

Nota bene: ich rede NICHT von Opfern von Vergewaltigungen, kontaminierten Blutproben, gerissenen Kondomen und nicht einmal von Drogensüchtigen, die die Nadel haben kreisen lassen, und unverschuldeten Infektionen - aber wer sich in dieser Zeit entscheidet, mit dem Tod zu tanzen, der sollte bereit sein, alle Konsequenzen zu tragen - auch die finanziellen.


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#7
28.02.2015
09:56:59


(-12, 24 Votes)

Von Dirk


Reinste Moralpanik. Wir leben im Jahr 2015. HIV ist schon seit 20 Jahren kein Todesurteil mehr. Da tanzt auch keiner mit dem Tod wenn er ungeschützten Sex hat. Junge Männer sind auch nicht sorglos, was Infektionsrisiken angeht, sie sind besorgt. Nur alte Männer schwafeln von der Sorglosigkeit der Jugend, und das seit tausenden von Jahren.


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#8
28.02.2015
10:31:28


(+7, 17 Votes)

Von JarJar
Antwort zu Kommentar #7 von Dirk


Ja HIV ist kein Todesurteil mehr, trotzdem darfst du dann dein Leben lang Tabletten schlucken und liegst den verantwortungsbewussten Menschen mit deiner Unachtsamkeit auf der Tasche.
Genau so ein Verhalten ist mal so richtig scheiße, in so einem Fall würde ich sagen: Tabletten selber zahlen und wenn das finanziell nichts wird: PECH GEHABT!


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#9
28.02.2015
10:35:51


(+1, 13 Votes)

Von Klaro


Sicherlich sind es nicht nur die Männer von Gayromeo, die überwiegend AV ohne Gummi haben. Auch andere, z.B. die Leser von queer.de, sind sicher nicht besser. Und von denen, die in einer Partnerschaft leben, leben
90 % promisk. Diese Zahlen sind im Internet nachlesbar. Es geht auch nicht nur um HIV, sondern auch um Hepatitis und andere Geschlechtskrankheiten, bei denen die Viren resistent werden oder schon geworden sind.
In Berlin outet man sich als Provinzler, wenn man Sex mit Kondom will. Die Szene in Großstädten wie Berlin, Köln oder Hamburg ist so durchseucht von Geschlechtskrankheiten ("jeden Tag 'nen Fick!") , dass man wohl nur noch unter Alkohol- und Drogeneinfluss beim promisken Sex sich unbeschwert fühlen kann.
Alles in allem eine traurige Entwicklung!


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#10
28.02.2015
11:16:28


(-9, 17 Votes)

Von ehemaligem User reiserobby


Ficke schon mein ganzes Leben, soweit vom Gegenüber erlaubt, aktiv ohne Kondom. Bin nach wie vor negativ, warte allerdings noch darauf, wann das unter Strafe gestellt wird. Ach ja, Freiern ist es ja bereits verboten. Wahnsinn.
"Conclusio: Wann immer es in den vergangenen knapp 20 Jahren eine gewisse Entspannung möglich wurde, wenn es darum ging, dass das Bedrohungs-Szenario rund um Aids abgebaut werden konnte immer genau dann kam als Reaktion eine (nicht nur mediale) Zuschreibung: die alte Mär von der neuen Sorglosigkeit.

Gerne wurde sie formuliert, indem Positive oder Schwule oder junge Leute generell unter Generalverdacht gestellt werden. Vor der selbstverständlich gewarnt, die möglichst mit allen Mitteln bekämpft werden müsse.

Gerade so, was wäre das Schlimmste, was der Gesellschaft passieren könnte, eben Sorglosigkeit."
Link zu www.2mecs.de


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