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  • 02.03.2015           105      Teilen:   |

Nachdenken über Sex und Liebe

Plädoyer für asexuelle Sichtbarkeit

Artikelbild
Asexuelle Aktivisten beim Gay Pride (Bild: nouspique / flickr / cc by-sa 2.0)

Die asexuelle Community ermöglicht auch Lesben und Schwulen eine neue Sicht auf Gefühle und Beziehungen und räumt mit angeblich allgemeingültigen Wahrheiten auf.

Von Irina Brüning

"Warum müssen Sie sich outen, warum 'sichtbar' sein?" Diese Frage wurde vor einigen Monaten als Kommentar zu einem Artikel über Asexualität in der "Brigitte" veröffentlicht. Eine andere Person erklärte: "Das Outen und Aufklärenwollen halte ich für exhibitionistisch" und eine dritte fand zumindest ein originelles Bild, um auszudrücken, wie befremdlich die Präsenz von Asexuellen beim CSD für sie sei: "Als würde ein Kahlkopf zum Frisurenwettbewerb antreten".

Diese Aussagen sind beispielhaft für eine Frage, mit der sich die etwa ein Prozent der Bevölkerung ausmachende Gruppe der asexuellen Menschen, die sich von keinem Geschlecht sexuell angezogen fühlen, immer wieder konfrontiert sieht: Wozu ist die Sichtbarmachung dieser Orientierung notwendig? Wen interessiert das, für wen ist das wichtig?

In meinen Augen ist asexuelle Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit aus drei Gründen bzw. für drei Personengruppen wichtig, was ich im Folgenden näher erläutern möchte.

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1. Sichtbarkeit von Asexualität ist für asexuelle Menschen wichtig.

Unsere Autorin Irina Brüning, Jahrgang 1985, hat Romanistik und Indogermanistik studiert und ist hauptberuflich als freie Übersetzerin tätig - Quelle: privat
Unsere Autorin Irina Brüning, Jahrgang 1985, hat Romanistik und Indogermanistik studiert und ist hauptberuflich als freie Übersetzerin tätig (Bild: privat)

Wer selbst nicht asexuell ist, kann sich meist nur schwer vorstellen, wie es ist, eine sexuelle Orientierung zu haben, von deren Existenz man nichts weiß, Dinge zu empfinden, die man nicht einordnen kann, für die man keinen Namen hat. Viele asexuelle Menschen glauben, die Einzigen zu sein, die kein Verlangen nach sexueller Betätigung mit anderen haben, manche halten sich für gestört.

Wenn sich neue Mitglieder in Internet-Foren für Asexualität vorstellen, liest man immer wieder von Freude und Erleichterung nach Jahren des Zweifelns. Wer ein Wort für die eigene Orientierung hat und weiß, dass es sich um eine Orientierung handelt, kann sich mit anderen Asexuellen austauschen, nach Informationen und Rat suchen und sich, wenn gewünscht, bei Menschen im eigenen Umfeld outen.

2. Sichtbarkeit von Asexualität ist für Angehörige, vor allem Partner, wichtig.

Wenn ihnen ein Familienmitglied oder ein enger Freund von seiner asexuellen Orientierung erzählt, sind viele Menschen erst einmal verwirrt, wissen mit dem Begriff nichts anzufangen, verstehen das Gehörte falsch und machen sich unberechtigte Sorgen ("Habe ich meinem Kind etwas Falsches vermittelt, wenn es sich von Sex so abgestoßen fühlt? Wird es nun sein Leben lang einsam sein müssen?") Menschen in einer solchen Situation müssen Möglichkeiten haben, sich über das Neue, mit dem sie da konfrontiert werden, zu informieren.

In noch viel stärkerem Maße gilt dies für Partner von Asexuellen. Zu spüren, dass man von der Person, mit der man in einer Beziehung lebt, nicht begehrt wird, kann sehr schmerzlich sein; wer diese Erfahrung macht, fühlt sich häufig persönlich abgelehnt, zweifelt an der eigenen Attraktivität und an den Gefühlen des Anderen, gibt sich aber auch falschen Hoffnungen hin ("Wir sind jetzt schon fünf Jahre zusammen, aber irgendwann wird ihm der Sex mit mir sicher Spaß machen".)

Wer (bestenfalls schon zu Beginn der Beziehung) weiß, dass das geliebte Gegenüber ganz einfach asexuell ist, kann sich Selbstzweifel und die vergebliche Suche nach Gründen für das Desinteresse des Anderen sparen. Stattdessen ist der Weg frei für Gespräche über mögliche Kompromisse, Wünsche, Grenzen etc. Unterschiedliche Wünsche und Grenzen haben nicht nur Asexuelle und nicht Asexuelle, sondern Menschen generell.

3. Sichtbarkeit von Asexualität ist für jeden wichtig.

Kuchen-Schild des Vereins AktivistA beim transgenialen CSD im Jahr 2013 in Berlin-Kreuzberg
Kuchen-Schild des Vereins AktivistA beim transgenialen CSD im Jahr 2013 in Berlin-Kreuzberg (Bild: AktivistA)

Die asexuelle Community hat die Sprache und das Denken um einige interessante Begriffe reicher gemacht. Wusstest du zum Beispiel, was mit der romantischen Orientierung eines Menschen gemeint ist? Nein? Sie verrät, in welches Geschlecht oder welche Geschlechter sich dieser Mensch verliebt, mit wem er sich eine Liebesbeziehung vorstellen kann.

Die sexuelle und die romantische Orientierung einer Person können sich decken, müssen es aber nicht. Ein Mann, der sich in Ermangelung eines passenderen Wortes als schwul bezeichnet und sich wundert, dass er sich ab und zu auch in Frauen verliebt, die ihn aber sexuell nicht interessieren, fände die Bezeichnung "homosexuell und biromantisch" für sich möglicherweise passender.

Die asexuelle Community ermöglicht eine neue Sicht auf Gefühle und Beziehungen und räumt mit angeblich allgemeingültigen Wahrheiten (Sex und Liebe treten immer zusammen auf, Sex macht den Unterschied zwischen einer Freundschaft und einer Liebesbeziehung etc.) auf. Zu Themen wie Treue, Exklusivität und Konsens ist schon alles gesagt? Von wegen! Aus einem asexuellen Blickwinkel sehen die Dinge noch einmal ganz anders aus und ganz neue Aspekte ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

Warum müssen Asexuelle sich outen und um Sichtbarkeit bemühen? Müssen tun sie gar nicht, aber sie können. Und wenn sie es tun, tun sie es unter anderem auch für dich.

Links zum Thema:
» Webseiten über Asexualität
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Tags: asexualität, irina brüning, romantische orientierung
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Reaktionen zu "Plädoyer für asexuelle Sichtbarkeit"


 105 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
02.03.2015
08:09:37


(+2, 14 Votes)

Von GeorgG


Es ist gut und hilfreich, dass queer.de dieses Thema aufgreift. Ich kenne einige Asexuelle, die bis in das Erwachsenenalter hinein überhaupt nicht wussten, dass es Asexualität gibt.
Wenn sich Asexuelle outen, kommt von vielen Menschen, vor allem aber auch von den -ach so toleranten- Schwulen und Lesben, ein gewisser Widerstand. Man will nicht glauben, was einem erzählt wird und wenn Asexuelle gut aussehen, geht das Anbaggern trotz allem weiter. Das ist etwa vergleichbar mit dem Verhältnis von Heteromännern zu Lesben. Auch die wollen nicht akzeptieren, dass die sexuelle Orientierung keine freie Willensentscheidung ist. Schwule Männer können bei asexuellen Männern erleben, dass ein ganz entspanntes Verhältnis zwischen schwulen und asexuellen Männern möglich ist - ohne dass Sexualität im Raum steht.


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#2
02.03.2015
08:27:10


(-15, 21 Votes)

Von wiking77
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ich glaube nicht an Asexualität. Sowas gibt es nicht.


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#3
02.03.2015
09:06:43


(+6, 12 Votes)

Von HBausB
Aus Berlin
Mitglied seit 03.02.2015


Interessanter Beitrag. Ich glaube, dass Asexualität in ihren verschiedenen Ausprägungen (laut Wikipedia gibt's da ja 4 Typen) gerade von Menschen im schwullesbischen Bereich, die Sexualität leben, häufig mit kirchlich verordneter Enthaltsamkeit und der damit einhergehenden Selbstkasteiung verwechselt wird. Daher die teils radikale Ablehnung bzw. Verächtlichmachung (der oder die ist ja bloß zu "hässlich" oder sonst irgendwie "psycho", um überhaupt ne Beziehung zu haben). So hat es mir sinngemäß der bisher einzige Asexi-Mann erzählt, den ich hier in Berlin kennengelernt habe. Auf meine ihm wohl ziemlich bekannt vorkommende Frage, ob er wirklich so ganz ohne Sex leben kann *lach*

Man/frau sollte offen bleiben und über den eigenen Tellerrand hinaus schauen. Und so wie bei anderen Coming Outs, ob schwul, lesbisch, trans bi ... sind auch hier die persönliche Begegnung und der Dialog durch nichts zu ersetzen!


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#4
02.03.2015
09:10:04


(+8, 8 Votes)

Von Patroklos
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von wiking77


Doch, es gibt sie wirklich und sie haben sogar eine eigene Flagge:

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Asexualit%C3%A4t


Darüber solltest Du einmal nachdenken!


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#5
02.03.2015
09:10:39


(+3, 13 Votes)

Von Harkness
Antwort zu Kommentar #1 von GeorgG


Ich habe auch viele Bekannte, die ebenfalls asexuell sind.
Ich finde Aufklärung darüber auch sehr wichtig - vor allem, dass es auch verschiedene Abstufungen von Asexualität gibt. Eine Freundin z.B. glaubte lange Zeit nicht, dass sie asexuell ist, weil sie masturbiert und Porn konsumiert. Aber Sex an sich bringt ihr überhaupt nichts. Der Körper reagiert zwar, aber wirklich empfinden tut sie dabei nichts und sie hat auch von selbst keinerlei Verlangen danach mit anderen Menschen zu schlafen. Auch das ist eine Form von Asexualität.

Allerdings sind fast alle Asexuellen, die ich kenne, Single. Ich stelle es mir auch schwierig vor, wenn ein Asexueller mit einem Sexuellen zusammen ist, für den Asexuellen Sex wirklich extrem schwierig ist, man sich aber zur Monogamie verpflichtet. Und bei vielen Schwulen kriegt man leider auch den Eindruck, als sei Sex das wichtigste im Leben - da einen Partner zu finden, ist schwer.


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#6
02.03.2015
09:10:59


(+8, 10 Votes)

Von HiddenTemptation
Antwort zu Kommentar #2 von wiking77


Und schon der 2. Kommentar diskriminierend! Ich bin empört! Der Typ der das schreibt will aber ganz bestimmt Toleranz für sich, scheint aber für alles andere ignorant zu sein. Widerlich!!


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#7
02.03.2015
09:15:47


(+4, 6 Votes)

Von Yesa


Neuer Gayromeo-Club für schwule und bisexuelle Asexuelle:

"Asexualitaet".


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#8
02.03.2015
09:29:10
Via Handy


(+12, 12 Votes)

Von Deutlich
Antwort zu Kommentar #2 von wiking77


Es ist immer wieder erschreckend, wenn der eigene Horizont am Brett vor dem Kopf endet.


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#9
02.03.2015
09:31:25


(-5, 11 Votes)

Von wiking77
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von Yesa


ist das ein Witz ? GR als Tummelplatz für viele (auch für mich!), die gerne mal eine heiße erotische Abreibung wollen? Dort sollen angebliche "Asexuelle" sein?

Ich glaube nicht, dass es sowas wie "Asexualität" gibt. Ich sehe das äußerst kritisch.


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#10
02.03.2015
09:41:08


(+9, 13 Votes)

Von Harkness
Antwort zu Kommentar #9 von wiking77


Und wieso sollte es sowas nicht geben?
Und was sagst du zu Leuten, die sich selbst als asexuell bezeichnen? Dass sie spinnen? Dass sie nur auf den richtigen Fick warten brauchen, der ihnen zeigt, wie es richtig geht?
Kommt mir bekannt vor. Wird Schwulen und Lesben auch des Öfteren an den Kopf geknallt.
Finde ich ja immer sehr traurig, dass man als Angehöriger einer Minderheit die Existenz weiterer Minderheiten nicht akzeptieren kann.
Wie war das? Der Unterdrückte wird zum Unterdrücker.


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