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Nach dem NPD-Skandal in Sachsen: Schwule sollten an vorderster Front gegen Rechtsextremismus kämpfen.

Von Jürgen Friedenberg

Die Geschichte lehrt, dass man aus der Geschichte nichts lernt. Diese unter Historikern kursierende Spruchweisheit scheint sich sechzig Jahre nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur zu bestätigen. Wie wäre es sonst möglich, dass in einem deutschen Parlament anno 2005 ungestraft nazistische und antisemitische Hetzparolen verkündet werden dürfen, dass die Opfer dieses Schreckensregimes infam beleidigt werden, dass Bombenkrieg und Holocaust gegeneinander aufgerechnet werden?

Der Skandal im sächsischen Landtag geht nicht nur unsere jüdischen Mitbürger an, deren Vorfahren in den KZs systematisch ermordet wurden, mit ihnen die Sinti und Roma, die Widerstandskämpfer und die Homosexuellen, deren rosa Winkel den Wachmannschaften als Freibrief für Folter und Vernichtung galt – dieser Skandal fordert den Protest und die Gegenwehr des ganzen Volkes heraus.

Juristisch ist der NPD und den anderen Rechtsextremen kaum beizukommen. Die Auseinandersetzung muss überdies politisch geführt werden – aber wie? Gewiss nicht durch gewaltsame Aktionen, die nur Märtyrer schaffen würden, wohl aber durch gemeinsame, friedliche Gegendemonstrationen der demokratischen Parteien und Kräfte; durch zeitgeschichtliche Aufklärung in Schulen, Berufsschulen, Hochschulen; durch persönliche Berichte von Überlebenden und wahrheitsgetreues Widerlegen der nazistischen Propaganda, die die Ängste verunsicherter und verzweifelter Mitbürger zur heimlichen Demontage unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung ausnutzt.

Den Neonazismus und Antisemitismus nachhaltig besiegen kann freilich nur eine Politik, die wirtschaftliche Vernunft und soziale Verantwortung überzeugend miteinander verknüpft, die Mut macht statt Resignation zu verbreiten und die den Menschen ehrlich und verständlich sagt, was geht und was nicht geht und wie es endlich wieder voran gehen soll.

Wir Homos, die wir uns heute der größten Freiheiten erfreuen dürfen, die unseresgleichen in Deutschland je hatten, auch wir dürfen nicht wegschauen, nicht ins Private flüchten. Wir müssen vielmehr in vorderster Front die braune Gefahr bekämpfen. Denn gerade wir – die Geschichte zeigt es –wären als weithin ungeliebte Minderheit der Aggressivität und Brutalität neonazistischer Machthaber als erste ausgesetzt. Darum wehret den Anfängen!

Sechzig Jahre nach der Befreiung der Überlebenden von Auschwitz ist es höchste Zeit, den Ewiggestrigen und Unbelehrbaren den Kampf anzusagen.

27. Januar 2005



#1 Uwe-Michael KlossAnonym
  • 02.02.2005, 17:41h
  • Erst mal zur Klarstellung, damit jeder die gleiche Grundlage hat.
    Holocaust ist ein uralter Begriff aus dem alten Testament und bedeutet soviel wie Sühneopfer. Durch eine Serien in den Siebzigern haben die Deutschen den Bergriff für die Ermordung der Juden übernommen. Die Juden selbst haben einen anderen Begriff dafür, der in Amerika und Großbritannien genutzt wird.
    Holocaust in Zusammenhang mit Juden vernichtung ist genauso falsch wie im Zusammenhang mit der Bombadierung von Dresden, da beides bedeuten würde, es wäre ein göttliches Opfer, das eingefordert wurde- und dass ist es in beiden Fällen sicherlich nicht.
    Leider kennt sich unsere jetzige Regierung nicht mit Geschichte aus, bzw recherchiert nicht, sonst würden solche Fehlernicht passieren.
    Festzuhalten ist, wenn ich ein NPD -Verbot beabsichtige, dann darf ich solche Grundlegenden Fehler nicht gleich zu Beginn machen, sondern muss mich richtig vorbereiten. Desweiteren sollte man bitte gegen alle menschenverachtenden Personen vorgehen, egal ob von rechts oder von links oder der beliebten Mitte. Wer den anderen nicht achtet, dem müssen Rechte entzogen werden. Gerda wir Schwulen sollten uns nicht zu schnell auf die eine oder andere Seite schlagen, im Fall aller Fälle setzt sich nämlich niemand für uns ein, weder von rechts noch von links! Wir sollten erst mal sehen, dass wir alle zusammen stehen, dann erst die nächsten Schritte unternehmen. Und das wird schon sehr schwer-wetten?

    In den r
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#2 MitbürgerAnonym
  • 02.02.2005, 21:44h
  • Hi Friedenberg,

    warum sprichst du denn von jüdischen mitbürgern und nicht von bürgern?
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#3 kaiAnonym
#4 Jürgen FriedenbergAnonym
  • 03.02.2005, 17:53h
  • Ich schreibe deshalb von "Mitbürgern", um nach all dem Schrecklichen das notwendige Miteinander jüdischer und nichtjüdischer Bürger zu betonen. Denn Antisemitismus und Nazismus sind eine Gefahr für die Gesamtgesellschaft. Genauso schreibe ich von "Mitmännern", wenn es um die Solidarität der Schwulen geht. Zugegeben, ein schwieriges Thema ...
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#5 peter1999Anonym
  • 03.02.2005, 22:28h
  • @ Kai

    Sorry, ich muß Dir leider widersprechen. Zu schön wäre es wenn man Antisemitismus mit der letzten Ausgabe der Bild beenden könnte, aber das bleibt ein Traum, leider
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#6 rudolfAnonym
  • 16.02.2005, 23:00h
  • Ich mag den Begriff 'Holocaust' auch nicht. Er hat sowas Pseudo-Religiöses, und wenn der Holocaust ein Brandopfer ist, dann erhebt man die SS-Mörder irgendwie in den Priesterstand....

    Mit dem Begriff will man etwas völlig Sinnlosem einen Sinn geben, den es nicht hat...

    Massenmord ist Massenmord und Mörder sind Mörder!
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#7 PaulAnonym
  • 15.03.2005, 16:47h
  • Dann nennt das Ganze doch einfach "Shoah", ist der hebräische Ausdruck, der von Juden selbst benutzt wird. Bedeutet aber - obige Debatte hin oder her - ziemlich das gleiche wie Holokaust - der sich übrigens mit 'k' schreibt, weil das Wort aus dem Griechischen kommt. "Holocaust" hieß nur eine recht bekannte amerikanische Fernsehserie.
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#8 JensAnonym
  • 02.05.2005, 20:47h
  • schlimm genug, dass es immer noch millionen menschen gibt, die dem papst zujubeln, der homosexualität (egal ob johannes paul oder benedikt) als krankheit definiert. allein diese tatsache sollte uns zu denken geben. vor allem wo WIR doch jetzt auch papst sind. ich krieg das kotzen!
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