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Angeblicher Schwulenmord in Jamaika

Was mit Morden

Erneut verbreitet sich ein schockierendes Video, das den Lynch-Mord an einem schwulen Mann zeigen soll, in sozialen Netzwerken und einigen Homo-Medien. Doch es gibt Zweifel.



Seit Montag kursieren in sozialen Netzwerken Meldungen mit einem Video, das die angebliche Tötung eines schwulen Mannes in Jamaika zeigen soll. Wir sind gefragt worden, warum wir darüber nicht berichten.

Der Grund ist einfach: Das Video lässt sich bislang nicht verifizieren. Zwar wird der Mann unter homophoben Ausdrücken wie "Batty Boy" angegangen, doch lässt sich daraus nicht schließen, dass er angegriffen wurde, weil er schwul ist. In jamaikanischen Foren geht die Meinung sogar in die Richtung, dass die Meldung nicht stimmt: Demnach soll das undatierte Video einen heterosexuellen Mann zeigen, der des Diebstahls beschuldigt wurde.



Bestätigt ist bislang aber gar nichts, auch nicht der Tod des Mannes, und es ist ärgerlich, wie manche Kollegen und Blogger vorzeitig Gerüchte zu Nachrichten machen.

Anders als bei einigen vorherigen Morden an LGBT haben weder jamaikanische Masssenmedien noch seriöse LGBT-Organisationen wie J-Flag über den Fall berichtet. Stattdessen tauchte das Video mit Gerüchten zunächst auf einer Tratsch-Webseite auf (die das Video wie weitere Seiten inzwischen wieder gelöscht hat). Darauf bezog sich dann ein aufgeschreckter jamaikanischer Schwuler in seinem selten aktualisierten Blog.

Es war dann Joe Morgan von Gay Star News (GSN), allgemein ein Freund von Worten wie "unbestätigt", der nicht weiter recherchierte, sondern den Blogger, der in New York lebt, zum einflussreichen Aktivisten erklärte und sich die mageren Quellen schönschrieb, um eine Meldung bringen zu können, die zu erwartbar vielen und teils heftigen Reaktionen der Leser führten.

Auf die GSN-Meldung beriefen sich in Folge weitere Medien wie Pink News oder The Advocate. Die unsichere Quellenlage fiel dabei zunehmend unter den Tisch; in weiteren Blog-Beiträgen wurden gar keine Zweifel mehr an der Meldung geäußert.

Es ist dabei nicht das erste Mal, dass GSN oder Pink News unverifizierten Lynchmob-Bildern oder Videos einen vermeintlichen Kontext geben. Meldungen wie "Two 'gay men' beaten to death with wooden planks" oder "Gay Man Burned Alive In Uganda" stimmten allerdings nachweislich nicht; die Videos waren in der Regel älter und stammten aus anderen Zusammenhängen, teilweise gar aus anderen Ländern als den angegenen.

Wenn solche Videos weder Ort noch Zeit noch weitere Umstände des dargestellten Vorfalls angeben, sollte man ihnen nicht trauen.

Aktuell kursiert noch ein weiteres Video, das einen Lynchmord an gleich zwei angeblichen Schwulen in Jamaika zeigen soll. Auch dazu gibt es die wildesten Spekulationen, aber nichts Verifiziertes. Wahrscheinlich zeigt es, wie zwei Männer wegen der angeblichen Vergewaltigung eines siebenjährigen Jungen attackiert werden. Zu diesem Vorfall gibt es Presseberichte; die beiden Männer wurden demnach in ein Krankenhaus gebracht und leben noch. (nb)



#1 irgendwieAnonym
  • 16.03.2015, 02:54h
  • hellhäutige britische neigung die kolonial-verbrechen des empires zu verarbeiten.
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#2 Homonklin44Profil
  • 18.03.2015, 05:29hTauroa Point
  • Gut, dass man solche Meldungen noch überprüfen und de-authentifizieren kann, denn aus der Ecke der unseriösen Medien geht öfter mal etwas 'viral', bevor überhaupt geklärt wurde, wer das in die Welt setzt und aus was für einem Grund.

    Das ist seit Netz und interaktivem Jedermann-Journalismus ja nicht mehr zu einfach. Manche Leute wollen sich im Mittelpunkt sehen, sich wichtig machen oder erfinden Nachrichten aufgrund von Geltungsbedürfnis oder weil es ihnen halt grade nen Gag oder Scare wert ist.

    Ich habe manchmal auch das Gefühl, als würden die Möglichkeiten, die das Netz bietet, und der persönliche Wunsch, Warhol's 15 Minuten einander dynamisch beeinflussen.
    Aus einem Wust von Nachrichten aus aller Welt das Authentische herauszufischen wird wohl die zukünftige Herausforderung an jeden Netz-Rechercheur werden. Mehr denn je, als mit Sensationsgelüsten um Gewalt gegen Schwule und Minderheiten phony Nachrichten-Müll geben mag.

    Manchmal frage ich mich auch, ob nicht die IS-Berichte über als Schwule bezeichnete Mordopfer eine Art Droh-Verstärker sein könnten. Obgleich sie zum Unterschied real sind...
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#4 schon soAnonym
#6 auch schönAnonym
#8 state of the artAnonym
#10 *KKE*Anonym