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Homo-Verbände haben den Nazi-Opfern gedacht. In Köln wurden Kränze niedergelegt, in Wien gab es Proteste gegen die Regierung.

Von Dennis Klein

Am 27. Januar jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die sowjetische Armee zum 60. Mal. Auch die schwul-lesbischen Verbände gedachten der Opfer. So legten Vertreter des Schwulen Netzwerks NRW und der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW am Kölner Mahnmal vor 20 Teilnehmern einen Kranz nieder. Damit soll an die Verfolgung jener schwulen Männer und lesbischen Frauen erinnert werden, die unter dem Nazi-Regime Opfer von Razzien, Polizeiübergriffen, Folterungen bei der Gestapo, Zwangsarbeit und Konzentrationslager wurden. Auch Vertreter des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) sowie des Arbeitskreises Lesben und Schwule der Gewerkschaft ver.di legten Kränze nieder.

In einer kurzen Ansprache warnte Reinhard Klenke, Vorstandsmitglied des Schwulen Netzwerkes, dass auch heute noch die Geister der Vergangenheit nicht besiegt sind. Er spielte dabei insbesondere auf den Eklat im sächsischen Landtag durch die rechtsextreme NPD hin.

In Wien hat die Homosexuelle Initiative (HOSI) darauf aufmerksam gemacht, dass selbst heute noch Schwule und Lesben Opfer von Diskriminierung sind: "Wir nehmen die heutigen Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee zum Anlass, die Bundesregierung abermals aufzufordern, unverzüglich die wegen ihrer sexuellen Orientierung vom NS-Regime Verfolgten zu rehabilitieren”, erklärt HOSI-Vorsitzende Bettina Nemeth. "Menschen, die wegen ihrer Homosexualität im KZ inhaftiert waren, haben bis heute keinen Rechtsanspruch auf Entschädigung nach dem Opferfürsorgegesetz.” Die Haltung der ÖVP/FPÖ-Regierung stehe im krassen Widerspruch zur Auffassung der Historikerkommission, die in ihrem Schlussbericht vom Januar 2003 kritisiert hat, dass nach Aufhebung des Verbots der Homosexualität 1971 keine rückwirkende Einbeziehung dieser Gruppe ins Opferfürsorgegesetz erfolgte. Die HOSI räumt der Bundesregierung eine "letzte Frist bis Ende Februar" - danach seien internationale Protestaktionen geplant.

Auch das Europäische Parlament erwähnt in seiner Entschließung zum Gedenken an den Holocaust die Opfergruppe der Homosexuellen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat in einer Rede im Deutschen Theater in Berlin ebenfalls an alle Opfer des Nazi-Terrors erinnert: "Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, politische Gegner, Kriegsgefangene und Widerstandskämpfer aus ganz Europa wurden mit kalter, industrieller Perfektion vernichtet oder bis zum Tode versklavt", so der Kanzler. "Einen tieferen Riss durch Tausende Jahre europäischer Kultur und Zivilisation hatte es nie zuvor gegeben. Es hat einige Zeit gedauert, bis dieser historische Riss nach Kriegsende in seinem ganzen Ausmaß erfasst wurde."

Derweil laufen in Berlin die Vorbereitungen für die Errichtung des Gedenkorts für die von den Nazis verfolgten Homosexuellen auf Hochtouren. Noch bis zum 31. Januar können sich interessierte Künstler aus eigener Initiative für den Wettbewerb zur Gestaltung des Gedenkorts bewerben. Darauf weisen die Initiative "Der homosexuellen NS-Opfer gedenken" und der LSVD hin. Von einer größeren Öffentlichkeit bisher wenig beachtet nimmt die Planung des vom Bundestag beschlossenen Gedenkorts für die homosexuellen Naziopfer direkt gegenüber dem Holocaust-Mahnmal konkrete Formen an: Nach dem fast fertiggestellten Holocaust-Mahnmal, und dem sich ebenfalls konkretisierenden Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma beginnt damit die konkrete Planung für das dritte Denkmal zur Erinnerung an Naziverbrechen in unmittelbarer Nähe des Reichstags. Trotz vieler Widerstände - so bezeichnete Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen die Gedenkstätten abwertend als "Mahnmal-Meile" - wird damit im Zentrum von Berlin ein Ensemble von Gedenkorten für die Opfer des Nationalsozialismus Wirklichkeit.

27. Januar 2005



#1 reneAnonym
  • 27.01.2005, 22:11h
  • Ich bin eben am Mahnmal zufällig vorbei gekommen... und der rosa Gedenkwinkel aus Blumen, der heute morgen niedergelegt wurde, lag umgestürzt im Schneematsch. Ich hoffe ja, dass er nur umgefallen ist - ansonsten müssen wir uns anscheinend mehr Sorgen machen, als bisher angenommen. Wenn Blumen zum Gedenken nur wenige Stunden unbeschadet überstehen, ist das wohl ein Anlass zum Nachdenken.
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#2 wolfAnonym
  • 28.01.2005, 03:03h
  • dieses grauen nachzuvollziehen ist nicht möglich. man muss sich vor augen halten, genau dieses war innerhalb von 6 jahren möglich, ohne widerrede !!
    unsere eltern und grosseltern waren direkt davon betroffen.
    mir konnte keiner meiner familie konkret sagen wir haben nichts gewusst !!!!!
    es wurde verdrängt, ein stück weit verständlich.
    nur wie "spielerisch" gehen wir heute damit um, obwohl wir es besser wissen müssten ?
    was sind 6 jahre ? was ist in diesem zeitraum möglich ?
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#3 Der_DeppAnonym
  • 29.01.2005, 22:22h
  • Da instrumentalisiert in einem deutschen Parlament ein modriger Apfel Bombenopfer um die Schoa zu relativieren und hier hofft einer, dass ein paar Blumen vom Wind umgeworfen wurden, bevor er sich weitere Gedanken machen müsste.

    Weia!
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#4 JensAnonym
  • 02.05.2005, 20:41h
  • schlimm genug, dass es immer noch millionen menschen gibt, die dem papst zujubeln, der homosexualität (egal ob johannes paul oder benedikt) als krankheit definiert. allein diese tatsache sollte uns zu denken geben. vor allem wo WIR doch jetzt auch papst sind. ich krieg das kotzen!
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#5 ericAnonym