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  • 17.03.2015           5      Teilen:   |

Angebot der Landeszentrale für politische Bildung

Ein queerer Stadtrundgang durch Hamburg

Artikelbild
Schauspieler führen zu zwölf Stationen Hamburgs queerer Geschichte. Erinnert wird u.a. an den evangelischen Pastor Klaus Tuchel, der 1958 mit einem Strichjungen erwischt wurde (Bild: LzpB)

Die Führung "Verbotene Wege der Liebe – Diskriminierung und Verfolgung gleichgeschlechtlich liebender Menschen in Hamburg" gibt es jetzt als Hördatei zum Download.

Im vergangenen Jahr hat die Landeszentrale für politische Bildung mit "Verbotene Wege der Liebe – Diskriminierung und Verfolgung gleichgeschlechtlich liebender Menschen in Hamburg" einen neuen szenischen Rundgang durch Hamburgs Innenstadt präsentiert und stieß damit auf eine enorme Resonanz. Der Andrang war derart groß, dass die teilnehmenden Gruppen teilweise überbucht waren.

Ab sofort kann der Rundgang als Hördatei bequem online heruntergeladen werden. Zusätzlich vermitteln Fotos der einzelnen Szenen einen atmosphärischen Eindruck und verdichten das akustische Erlebnis.

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Die lange Tradition von Diskriminierung und Verfolgung

Insgesamt zwölf Stationen umfasst der von Schauspielerinnen und Schauspielern begleitete szenische Rundgang, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Spuren schwulen und lesbischen Lebens durch Hamburgs Innenstadt führt. Beleuchtet wird die lange Tradition der Tabuisierung, Diskriminierung und Verfolgung von homosexuellen Menschen in der Hansestadt.

Ein erster Blick rund 300 Jahre zurück in die Vergangenheit wird an der ersten Station des Rundgangs an der Schleusenbrücke, seitlich des Hamburger Rathauses, vorgenommen: Hier erhitzte 1701 ein spektakulärer Mordfall die Gemüter – eine der Angeklagten soll "Unzucht" mit Frauen betrieben haben.

Weiter geht es zur zweiten Station beim Reesendamm / Ecke Jungfernstieg, wo schräg gegenüber Lida Gustava Heymann Ende des 19. Jahrhunderts eine Art Frauenhaus gründete. Heymann gehörte dem radikalen Zweig der bürgerlichen Frauenbewegung an und lebte privat mit der Frauenrechtlerin und Juristin Dr. Anita Augspurg "in gleicher Weltanschauung" zusammen.

Corny Littmann mit dem Hammer auf der Klappe



An der zur Alsterseite gelegenen U-Bahnstation Jungfernstieg, der dritten Station des Rundgangs, wird eine Begegnung der Geschichte mit Corny Littmann in Szene gesetzt: Am 2. Juli 1980 zerschlug er in der Herrentoilette einen von der Behörde 1973 dort eingebauten Spiegel, mit dem Männer bei ihren Handlungen beobachtet wurden; denn Homosexuelle sollen hier "erfahrungsgemäß längere und häufigere Besuche abgehalten haben, als die Erfordernis des Stoffwechsels dies rechtfertigen könnte."

Zwischen Alsterarkaden und Adolphsbrücke wird an dieser vierten Station an das Konzertcafé "Haus Vaterland" erinnert. Auftritte der legendären Chanson- und Kabarettsängerin Claire Waldorff, die in einer Liebesbeziehung mit einer Frau lebte, und von Zarah Leander machten das "Haus Vaterland" auch für gleichgeschlechtlich Liebende populär, bis es 1972 geschlossen wurde.

Verfolgung von Lesben und Schwulen im Nationalsozialismus

Am Neuen Wall / Ecke Stadthausbrücke befindet sich die fünfte Station am ehemaligen Amt für "Fürsorge für sittlich gefährdete Frauen und Mädchen", das seit Anfang des 20. Jahrhunderts dort untergebracht war. Ab 1927 war dort auch die "Weibliche Kriminalpolizei" untergebracht, die während der NS-Zeit mit der NSDAP und der SS zusammenarbeitete. Auch, wenn der Paragraf 175 nicht für frauenliebende Frauen galt, wurden sie aber dennoch als "sexuell verwahrlost, pervers und abartig" stigmatisiert, diskriminiert und auch teilweise verfolgt.

Die sechste Station befindet sich am Gebäude Stadthausbrücke 8, der damaligen Gestapo-Zentrale. Dort wurden viele NS-Verfolgte, zu denen auch Homosexuelle zählten, verhört und brutal misshandelt. Mit erstaunlichen wie erschütternden Argumenten wurde Männern, die während der NS-Zeit wegen ihrer Homosexualität verurteilt und zum Teil "freiwillig entmannt" worden sind, die Entschädigung bzw. Wiedergutmachung verwehrt.

Die siebte und achte Station führen die Teilnehmenden zum Axel-Springer-Platz. Axel Springer wurde am 7. März 1939 im Gestapo-Haus verhört, weil er einem Freund, während seiner eigenen Abwesenheit, seine Wohnung überlassen hatte. Dieser soll einen Mann mit in die geliehene Wohnung genommen und ihm dort Avancen gemacht haben. Axel Springer belastete seinen Freund nicht.

"Gegen geile Presse – für lesbische Liebe"



"So feierten die lesbischen Frauen den Mord" – so lautete die Überschrift auf einer der Titelseiten der "Bild"-Zeitung, die sich 1973 und 1974 mit einer ganzen Serie dem Mordprozess gegen Judy Andersen und Marion Ihns widmete. Beide Frauen verband eine Liebesbeziehung; den Ehemann von Marion Ihns ließen sie töten. Dieser Fall führte zu einer Hetzkampagne gegen frauenliebende Frauen. Infolge des Prozesses kam es in Deutschland erstmals zu einer Lesben-Demonstration.

Am Gänsemarkt, der neunten Station, wird an den evangelischen Pastoren Klaus Tuchel erinnert, der aufgrund seiner Homosexualität 1958 aus der Hamburgischen Landeskirche ausscheiden musste, nachdem er mit einem Strichjungen aufgegriffen und auf der Davidswache verhört worden war. 1971 nahm er sich das Leben.

Tanzverbot für Männer in den 1960er-Jahren

Die zehnte Station führt die Teilnehmenden zum St. Anscharplatz beim Valentinskamp. Auch die Besucher der intimen Männerbar "Bohème" hatten sich an das Mitte der 1960er-Jahre verhängte Tanzverbot für Männer in Schwulenbars zu halten. Der damalige Leiter der Kriminalabteilung II, Dr. Günther Freytag, bemühte sich seinerzeit sehr um die Verfolgung homosexueller Männer.

An der ABC-Straße / ABC-Forum, der elften und zwölften Station, wird an die Kellerkneipe "Die Palette" erinnert. Dort, wo heute ein großes Hotel steht, verkehrten in den 1960er Jahren Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Neigungen.

Der schwule Hamburger Schriftsteller Hubert Fichte verewigte die Kneipe 1968 in seinem gleichnamigen Roman, in dem er ihre Besucherinnen und Besucher porträtierte. Fichte äußerte sich 1985 im Gespräch mit dem Feuilletonisten Fritz J. Raddatz über seine Vision von einer Welt, in der homoseexuelle Liebesgemeinschaften eine Normalität darstellen – eine Vision, die bis heute noch immer nicht vollständig realisiert ist.

Schauspieler setzen Geschichte in Szene



Die Idee, Hamburgs (nicht nur queere) Geschichte in Szene zu setzen, hatte Dr. Rita Bake, stellvertretende Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung. Bis heute konzipiert sie die Rundgänge, schreibt die Szenen, denen vorher ein umfangreiches Quellen- und Aktenstudium vorausgeht und moderiert die einzelnen Stationen auf den Rundgangstouren. Mit dabei sind die Schauspielerinnen und Schauspieler Beate Kiupel, Herma Koehn, Dieter Schmitt und Thomas Karallus, die die Texte durch ihr professionelles schauspielerisches Können in Szene setzen.

Auch der Intendant des Ohnsorg Theaters, Christian Seeler, unterstützt diese szenischen Rundgänge mit seinem Theaterfundus. Mit einem Bollerwagen, in dem die Kostüme zu den einzelnen Szenen bereitliegen, geht es dann los zu einem meist knapp zweistündigen Rundgang durch Hamburgs Innenstadt. Im fliegenden Wechsel ziehen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Straße zu den einzelnen Szenen um.

Bisher wurden – neben "Verbotene Wege der Liebe" – acht weitere thematisch verschiedene szenische Rundgänge und eine szenische Matinee im Ohnsorg Theater durchgeführt. Hauptschwerpunkt dabei ist Hamburgs Frauengeschichte. Aber auch den historischen Ereignissen auf dem Jungfernstieg und dem Thema Nationalsozialismus sind eigene Rundgänge gewidmet. (cw/pm)

Links zum Thema:
» Rundgang "Verbotene Wege der Liebe"
» Übersicht aller szenischen Rundgänge
Mehr zum Thema:
» Gay and gayfriendly Hotels buchen
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Tags: hamburg, stadtrundgang, szenische führung, rita bake
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Reaktionen zu "Ein queerer Stadtrundgang durch Hamburg"


 5 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
17.03.2015
21:49:33


(+4, 4 Votes)

Von GeorgFalkenhagen
Aus Bremen
Mitglied seit 21.05.2010


Klasse!


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#2
17.03.2015
23:25:24


(-2, 4 Votes)

Von Markus44


Wo wir hier gerade beim Thema "Hamburg" sind, ich bedauere es sehr, das nunmehr auf Hamburg eine Olympiabewerbung zukommt. Berlin hingegen kann sich freuen, das es nicht ausgewählt wurde.

Sollte Hamburg den Olympiazuschlag erhalten, was ich nicht hoffe, dann werden weitere MILLIARDEN an Steuergeldern in nicht benötite überdimensionierte Sportstätten verbaut. Und dabei haben die Hamburger mit der Elbphilharmonie doch eigentlich schon erlebt, wie dort Baukonzerne öffentliche Steuergelder verschleudern und wie dort keine ausreichenen Bauexperten zur Kostenminimierung in den Hamburger Bauämtern tätig sind.

Anstatt das also überteuerte Sportereignisse nach Hamburg geholt werden, sollten besser Kindergärten und Schulen ausgebaut werden und Altenpfleger, Kindergärtner und Polizisten besser in Hamburg bezahlt werden.

UND wir haben doch echt genug Schulden im Bund, bei den Ländern und in den Kommunen und sitzen auf rund ZWEI BILLIONEN Schulden !!!

Daher deutsche Politiker sollten endlich damit aufhören, Steuergelder zu verprassen. Es müssen ALTSCHULDEN abgebaut werden !!!


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#3
18.03.2015
11:12:49


(-2, 4 Votes)

Von AKostka
Antwort zu Kommentar #2 von Markus44


Wie wahr wie wahr !


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#4
18.03.2015
14:52:13


(+3, 3 Votes)

Von ursus
Antwort zu Kommentar #2 von Markus44


es geht hier um die schicksale von verfolgten menschen. interessant, dass dir ihre diskriminierung offenbar so sehr am arsch vorbeigeht, dass du es wichtiger findest, hier deine unwesentliche meinung zu einem völlig anderen thema herauszupusten.

von dieser taktlosigkeit abgesehen: wie war das noch mit den allgemeinpolitischen themen, über die man hier nicht reden sollte? gibt es eigentlich IRGENDEINE regel, die du anderen vorgeben möchtest, an die du dich jemals selber hältst?


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#5
18.03.2015
22:44:22


(0, 2 Votes)

Von TheDad
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von Markus44


""Sollte Hamburg den Olympiazuschlag erhalten, was ich nicht hoffe, dann werden weitere MILLIARDEN an Steuergeldern in nicht benötite überdimensionierte Sportstätten verbaut.""..

Da sieht man mal wieder wie Du zuhörst oder liest..

Das Bewerbungskonzept von Hamburg sieht vor fast ausschließlich bereits vorhandene Sportstätten, Mehrzweckhallen und Stadien zu nutzen, so für die Tennis-Wettbewerbe das Stadion am Rothenbaum, für´s Segeln die Innen- und- Außen-Alster, das ehemalige Volksparkstadion und viele andere Sportstätten die recht preisgünstig umgebaut werden können, und keineswegs für viele Milliarden alles neu zu bauen..

Aber das interessiert den nicht lesenden und nicht zuhörenden Multi-Oliver natürlich nicht..

Und was die Alt-Schulden betrifft..
Die könnten wir tatsächlich endlich mal bezahlen..
Am Bestem fangen wir da mit den Reparationszahlungen für Griechenland an..
Die brauchen´s grad so dringend..


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