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  • 19.03.2015           1      Teilen:   |

Comödie Fürth

La Cage au Franken mit Schäufele

Artikelbild
Mit einem Etat von einer halben Million Euro ist "Ein Käfig voller Narren" die bislang aufwändigste Eigenproduktion der Comödie Fürth (Bild: Comödie Fürth)

Bei der Premiere des Musicals "Ein Käfig voller Narren" am Dienstag in der Comödie Fürth gab es Standing Ovations – wohl auch wegen jeder Menge Lokalkolorit.

Von Siegfried Straßner

Einer der berühmtesten Nachtclubs der Theater- und Filmgeschichte ist zurück: 1973, in der ursprünglichen Theatervorlage von Jean Poiret, war "La Cage aux Folles" noch im französischen St. Tropez angesiedelt, 2015 glitzert der "Käfig voller Narren" auf der kleinen Bühne der Comödie Fürth im Herzen Frankens.

Dazwischen liegen die französisch-italienische Erfolgsverfilmung des Stoffs mit Michel Serrault von 1978 und achtzehn Jahre danach das amerikanische Remake "Birdcage" mit Robin Williams in der Hauptrolle. Nicht zu vergessen die Musical-Adaption durch Harvey Fierstein am Broadway im Jahr 1983.

Diese Musical-Fassung ist es, der sich die Fürther Theatermacher nun mit viel Herzblut und Engagement angenommen haben. Mit einem Produktionsetat von einer halben Million Euro ist es die aufwändigste Eigenproduktion des Hauses, ermöglicht auch durch die großzügige Unterstützung mehrerer Sponsoren und Partner.

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Regie führt Thomas Enzinger, ums Bühnenbild kümmerte sich Toto

Als Regisseur konnte Thomas Enzinger gewonnen werden, der zuletzt 2013 mit der Operette "Im Weißen Rössl" am Staatstheater Nürnberg überzeugte. Jerry Hermans Musicalkomposition wurde eigens für die Fürther Inszenierung durch die Nürnberger Symphoniker eingespielt, unter der Leitung des Musikers und Big-Band-Leaders Thilo Wolf.

Das Bühnenbild wiederum durfte Toto, ein an vielen deutschen Theatern beschäftigter Meister seines Metiers, entwerfen. Es zeigt auf der kleinen Bühne, je nach Szenenanforderung, mal klassischen Nachtclub-Glamour, mal eine Art Gay-Pride-Version von Barbies Haus und mal in klösterliche Strenge sakrale Bildtafeln. Daneben wurde auch bei Kostümen und Stoffen nicht an Pailletten, Rüschen und Straußenfedern gespart.

Die Spielstätte Fürther Comödie ist eine 1998 liebevoll renovierte Theaterbühne in der ehemaligen "Volksbildungsstätte" Berolzheimerianum, für die ausverkaufte Premiere von "Ein Käfig voller Narren" am 17. März bot sie atmosphärisch den passenden Rahmen.

Schwule Nachtclub-Besitzer treffen homophobe Spießer



Gezeigt wird die bekannte Geschichte um das schwule Nachtclub-Paar, dessen gemeinsam aufgezogener Sohn ausgerechnet die Tochter eines sehr konservativen und homophoben Politikers heiraten möchte. Der Versuch, die Brauteltern durch das Verstecken des schwulen und "sündigen" Umfelds, aber vor allem des sensiblen Dragqueen-Partners zu täuschen, schlägt schließlich herrlich fehl – zu sich selbst und seinem eigenen Leben zu stehen bleibt als die bessere Erkenntnis für Mitwirkende und Publikum.

Unbestrittene Publikumsmagneten der Fürther Inszenierung sind die beiden Lokalmatadoren Volker Heißmann und Martin Rassau, die in ihrer bekanntesten Bühnenrolle als fränkisches Witwenduo "Waltraud und Mariechen" auch über Franken hinaus bekannt wurden, deren Art von Humor aber längst nicht jedermanns Sache ist.

Die Comödie tat gut daran, sich für den "Käfig" zudem professionelle Kollegen von anderen Bühnen zu holen. So Alexander di Capri, der mit seiner internationalen Bühnenerfahrung sprachlich und gesanglich nuanciert als Clubbesitzer "Schorsch" (im französischen Original: Georges) überaus überzeugte. Auch Markus Schöttle wusste den trotzig verzweifelten Sohn sympathisch zu singen und zu spielen.

Hausherr Volker Heißmann selbst übernahm die Rolle von Alwin, dem Lebensgefährten von Schorsch, und wurde somit zugleich zur Dragqueen Zaza. Heißmanns darstellerische Qualitäten wurden vor allem in den Gesangspartien deutlich, mit seiner Interpretation des Songs "Ich bin, was ich bin" vor der Pause brillierte er eindringlich und ausdrucksstark. Einmal mehr wurde deutlich, warum "I am what I am" im letzten Jahrhundert zu einer Hymne der Schwulenbewegung wurde – zu einer Zeit, als Lady Gaga noch in der Ursuppe schwamm.

Franken-Spezifisches zur Musical-Vorlage hinzugefügt



Publikumsliebling Martin Rassau verzichtete nach eigenen Angaben mangels gesanglicher Veranlagung auf eine der beiden Hauptrollen. Er durfte das Stück als ambitionierter Butler in freizügigem Korsage-Kostüm bereichern, auch sein Bühnengang in knöchelbruchträchtigen, pinkfarbenen High Heels geriet überaus bewundernswert.

Für die Aufführung in Fürth wurden der Musical-Vorlage so einiges Franken-Spezifische hinzugefügt. Schäufele und Kniedla hielten Einzug in den Text, das Spiel mit dem Dialekt ist nun einmal eines der Markenzeichen von Heißmann und Rassau. Der Verzicht auf manch anzügliche Zote auf Sparwitzniveau wäre allerdings kein Schaden gewesen.

Volker Heißmanns Soloparts als spitzzüngige fränkische Diva hingegen gerieten durchaus amüsant, stehen jedoch außerhalb des eigentlichen Musicals. Seine bissigen Kommentare zu aktuellen lokalpolitischen Ereignissen gelingen großartig – und eben auch dieses erwartet das tendenziell eher silberhaarige Premieren- und Abo-Publikum bei seinem Besuch in der Comödie Fürth. Fassnacht in Veitshöchheim lugte so immer mal wieder hinter dem goldfarbenen Bühnenvorhang hervor.

Viele Gekreische, doch kein Mut beim Fummel



Schade allerdings, dass die braven Burlesque-Kostüme der sechs Travestietänzer eher an das heterosexuelle "Moulin Rouge" als an das schwule "Cabaret Michou" erinnern, jenem – noch heute existierenden! – Pariser Club, der Jean Poiret zu seinem Theaterstück inspirierte. Hier hätte mehr Mut beim Tuntenfummel nicht geschadet.

Dagegen geriet das Kreischen der Gruppe bisweilen übertrieben schrill, eben so, wie sich der gemeine Heterosexuelle so ein Tuntennest nun einmal vorstellt. Und das lag nicht allein an den beiden biologischen Frauen unter den Herren-als-Damen-Darstellerinnen.

Wunderbar wiederum geriet der intensive Schlusskuss der beiden Hauptdarsteller – eine kleine, feine Szene, die wie keine andere die gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren bezeugt. Sie wurde, wie die gesamte Aufführung, mit Standing Ovations gefeiert.

Übrigens: Die Fürther Musical-Inszenierung entstand auch im Rahmen der Partnerschaft der Comödie mit dem Hamburger Ohnsorg-Theater. Dort steht das Stück ab dem 24. Mai 2015 auf dem Spielplan, dann auf plattdeutsch unter dem Titel "Dat Narrenhuus". Also Aalsuppe statt Schäufele.

Youtube | Der Bayerische Rundfunk über die Premiere
  Infos zum Stück
Ein Käfig voller Narren. Das Musical. Darsteller: Volker Heißmann, Alexander Di Capri, Martin Rassau, Marcel Gasde, Steffi Brehmer, Karin Schubert. Musikalische Leitung: Thilo Wolf. Noch bis 4. April 2015 in der Comödie Fürth, Theresienstr. 1, 90762 Fürth, Mo-Sa um 19:30 Uhr, So um 15 Uhr.
Links zum Thema:
» Homepage zum Musical und Online-Tickets
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Tags: comödie fürth, musical, ein käfig voller narren, la cage aux folles, fürth, franken
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Reaktionen zu "La Cage au Franken mit Schäufele"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
20.03.2015
06:41:11
Via Handy


(+2, 2 Votes)

Von LedErich
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Die kleinen Theater bringen solche Stoffe oft sehr viel eindrücklicher, persönlicher, auf die Bühne. Ich erinnere mich da an den Rocker-Horror-Rausch in Coburg Anfang der 90er oder eben La Cage au Folles in Bamberg am E.T.A Hoffmann Theater.


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