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  • 25.03.2015               Teilen:   |

Kinostart

"Something Must Break": Körperflüssigkeiten und die ganz große Liebe

Artikelbild
Liebe unterm Regenbogen: Die genderqueere Protagonist_in Sebastian/Ellie und der eingefleischte Hetero Andreas beteuern einander, nicht schwul zu sein (Bild: Edition Salzgeber)

Ab Donnerstag im Kino: In Ester Martin Bergsmarks Spielfilmdebüt "Something Must Break" versuchen zwei Jugendliche, sich entgegen aller Normen zu lieben.

Von Carsten Moll

Der Vorspann täuscht noch eines dieser klassischen Melodramen aus Technicolor-Zeiten vor: Eine makellose Rose erblüht leinwandfüllend und im Zeitraffer, bevor in schwungvollen Schnörkeln der Titel des Films eingeblendet wird.

Doch dann erfolgt ein ästhetischer Bruch, wie er härter wohl kaum sein könnte: Der stilisierte, ja kitschige Blick auf das Schöne weicht unvermittelt den zitternden Bildern einer digitalen Handkamera, die sich im Folgenden an der Seite der Held_in von "Something Must Break" durch ein graues, trostloses Stockholm schlagen wird.

"Sebastian" nennt sich die Protagonist_in zu Beginn des Films noch – doch der Wunsch, endlich "Ellie" zu heißen, soll mit jeder Szene drängender werden. In Stein meißeln möchte Sebastian den neuen Namen anfangs allerdings noch nicht, lieber ritzt er ihn behutsam erst einmal in ein Stück rosa Seife.

Überhaupt scheint Sebastian das Weiche, Fließende und Sich-Auflösende gegenüber dem Starren und Unveränderlichen zu bevorzugen; mit seinem androgynen Auftreten überschreitet er ebenso Grenzen wie mit seinem Hang zu kleinen Diebereien und einem ungehemmten Alkohol- und Drogenkonsum. Als einen Träumer ohne Sinn für Realität, der weder Ja noch Nein sagen will, bezeichnet ihn seine lesbische Mitbewohnerin Lea einmal und hat damit nicht Unrecht.

Übel nehmen mag man dem Jungen, der eine spießige Perlenkette zum punkigen Nasenring trägt, seinen Eskapismus aber nicht. Wo der Alltag nicht mehr als einen Teufelskreis aus Abrackern und stumpfem Konsumieren verheißt, muss schließlich geträumt werden.

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Schwuler Sex in Slow-Motion

Poster zum Film: Deutscher Kinostart von "Something Must Break" ist am 26. März 2015
Poster zum Film: Deutscher Kinostart von "Something Must Break" ist am 26. März 2015

Einen Zufluchtsort hat Sebastian in der schwulen Szene gefunden: Er geht im Park cruisen, tanzt bis zum Morgengrauen in den Clubs oder irrt durch die verwinkelten Gänge eines Darkrooms. Obwohl er aufgrund seiner Androgynität auch in dieser von überzogenen Männlichkeitsidealen dominierten Subkultur nicht wirklich dazuzugehören scheint und er immer wieder ausgenutzt wird, kann Sebastian hier doch zumindest seine Sehnsucht nach körperlicher Nähe stillen.

In betörenden Aufnahmen zeigt Ester Martin Bergsmark gemeinsam mit den beiden Kamerafrauen Lisabi Fridell und Minka Jakerson, wie sich Sebastians erotischer Genuss und seine sexuelle Objektifizierung durch ältere Männer auf irritierende Weise durchdringen: Der Sex wird aufgelöst in höchst artifizielle Slow-Motion-Tableaus, wie man sie auch aus den Filmen Lars von Triers kennt.

In der Zeitlupe sind Erniedrigung und Zärtlichkeiten kaum noch voneinander zu unterscheiden und gehen scheinbar nahtlos ineinander über. Demütigung und Lust steigern sich so zu ekstatischen Szenen, die die Ikonografie religiöser Andachtsbilder mit Analsex und Urinspielen kurzschließen – Sebastian wird zum bepissten Schmerzensmann.

Ein Traumprinz mit blutverschmierter Nase

Eine Art Erlösung erfährt der Geplagte erst, als er auf Andreas trifft. Der tritt als Retter in der Not auf, als Sebastian sich gerade bei einer missglückten Annäherung auf der Herrentoilette eine Tracht Prügel einfängt. Andreas geht heldenhaft dazwischen und holt sich dabei nicht bloß eine blutige Nase, sondern verliebt sich zudem Hals über Kopf in den zurückhaltenden Sebastian.

Dass Andreas eigentlich hetero ist, hält die beiden nicht davon ab voller Neugier auf den anderen eine Liebesbeziehung einzugehen. Trotzig ringen sie der rauen Realität um sich herum eine in ihrem leidenschaftlichen Begehren geradezu unangemessene Romanze ab. Rote Rosen wie im Vorspann gibt es hier zwar keine zu sehen, aber das zerknitterte, mit Andreas' Blut verschmierte Taschentuch scheint unter Sebastians liebevollem Blick zu einer viel kostbareren Blüte zu werden.

Zwischen allerlei spritzenden Körperflüssigkeiten und vor den Augen einer argwöhnischen Gesellschaft entfaltet sich so eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte, in der Sebastians Alter Ego Ellie immer präsenter und selbstbewusster wird. Die Newcomerin Saga Becker spielt die genderqueere Held_in, die nicht in das binäre Geschlechtssystem der Spießer um sie herum passen mag, mit einer fesselnden Energie und einnehmender Verletzlichkeit.

Beckers Performance sowie der stimmungsvolle Soundtrack lassen dabei auch fast vergessen, dass Ester Martin Bergsmarks Spielfilmdebüt so manche Längen hat und bisweilen ziemlich plakativ vom Jungsein und der ersten großen Liebe erzählt.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
  Infos zum Film
Something Must Break (Originaltitel: Nånting måste gå sönder). Drama. Schweden 2014. Regie: Ester Martin Bergsmark. Darsteller: Saga Becker, Iggy Malmborg, Shima Niavarani, Mattias Åhlén, Daniel Nyström, Axel Petersén, Emil Almén. Laufzeit: 81 Minuten. Schwedische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Edition Salzgeber. FSK 16. Deutscher Kinostart: 26. März 2015
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Something Must Break

9 Bilder
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Tags: something must break, edition salzgeber, ester martin bergsmark, genderqueer
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