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Ende Januar erschien die neue Single. Der britische Sänger über das Album "Home Again”, alte Zeiten und die schwule Szene heute.

Von Jan Gebauer

Du warst für viele Jahre abgetaucht. Was hast Du denn in den letzten Jahren gemacht?
Ich habe zwar auch Musik und Texte geschrieben und auch einige wenige Konzerte gegeben, aber hauptsächlich mein Leben gelebt. Ich habe einfach die Dinge getan, die "normale" Menschen auch tun.

Warum immer wieder diese Pausen?
Ich brauche sie, um wirklich ausdrucksstark zu bleiben. Ich muss erst viel erleben, damit etwas Lohnenswertes in meine Musik einfließen kann. Wenn ich ein Album aufnehme, wird dies zum Mittelpunkt meines Lebens. Die ganze Promotion, das Touren – davon brauche ich immer Abstand.

Aber am 31. Januar erscheint Deine neue Single "Ain’t no mountain high enough", und am 14. Februar folgt das Album "Home Again"…
Ja, und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es ist ein toller Mix aus Pop- und Club-Sounds geworden mit einem sehr positiven Feeling. Alles über Liebe und das Leben konnte ich einfließen lassen. Meine Stimme ist auch besser und stärker als je zuvor.

Welchen Unterschied gibt es denn zu vorherigen Alben?
Mein letztes Album aus dem Jahr 1999 war sehr reflektiert. Wenn man älter wird, wird man nachdenklicher und ruhiger. Dieses Mal sind die Songs viel lockerer und fröhlicher. Das Album hat mehr mit Spaß und Fröhlichkeit zu tun.

Greifst du den derzeit angesagten Achtziger-Retro-Sound auf?
Ja, an gewissen Stellen gibt es diesen Sound auf dem Album, aber er ist nur ein Element von vielen. Dass es diesen Retro-Trend gibt, finde ich sehr lustig. Dadurch entstehen auch wieder viele neue Bands, die sich an Sounds aus den Achtzigern orientieren, wie zum Beispiel die Scissors Sisters.

Warst du jemals als Solo-Künstler auf Tour in Deutschland?
Nicht als Headliner, aber in den Achtzigern zusammen mit den Communards und mit Bronski Beat. Sonst nur als Support oder auf Festivals.

Wird es denn jemals eine Reunion von diesen Bands geben?
Nein! Nein! Nein! Niemals!

Hast du noch Kontakt zu den Jungs?
Nein, nicht wirklich. Ich telefoniere manchmal mit Richard Coles (Communards), aber sehen tun wir uns nicht. Allerdings bin ich noch mit den Mädels aus der Commmunards-Zeit befreundet.

Welche Künstler haben dich am meisten beeinflusst?
Das waren in der Regel Frauen. Ich liebe einfach ihre Stimmen. Nina Simone zum Beispiel, sie hat mich schon immer fasziniert und ich werde nie müde, sie zu hören. Ich finde immer etwas Neues in ihrer Stimme.

Hast du Künstler getroffen, die du musikalisch verehrst, von denen Du aber persönlich enttäuscht warst?
Oh ja, das ist mir schon einige Male passiert. Irgendwann habe ich beschlossen, niemals wieder Leute treffen zu wollen, die ich künstlerisch sehr verehre. Sie sollen die schöne Fantasie in meinem Kopf bleiben.

Wie stehst du zu Newcomern, die durch Sendungen wie "Superstars" oder "Pop Idol" berühmt geworden sind?
Das ist eigentlich eine traurige Sache, denn sie werden zu einem Produkt gemacht, und die meisten verschwinden danach mehr oder weniger in der Versenkung. Einige spornt es aber auch an, ihr eigenes Ding zu machen und sich selbst zu entfalten. Das ist sehr wichtig, um künstlerisch zu überleben.

Und das neue schwule Vorbild Will Young?
Traurigerweise ist er leider kein Vorbild für die schwule Community. Er spricht nicht drüber und ist auch nicht sehr politisch.

Müssen wir denn noch so bewegt sein wie damals?
Wir haben bessere Zeiten, als in den achtziger Jahren. Homosexualität ist etwas Alltägliches und kommt mittlerweile überall vor, ob nun in Magazinen oder im Fernsehen. Es ist sehr visuell geworden. In Großstädten sind die Menschen inzwischen sehr locker, aber auf dem Land hat sich nicht viel geändert. Dort kann das Leben immer noch die Hölle sein.

Also ist "Smalltown Boy" immer noch ein aktueller Song?
Ja, es gibt immer noch junge Schwule, die zu mir sagen, was für ein besonderer Song das ist, voller echter Emotionen. Eine Geschichte die heute noch universell ist, obwohl der Song schon 20 Jahre alt ist. Oh mein Gott, ist das schon so lange her…

Ein weiterer Song aus dieser Zeit ist "Junk". Da hört man dich sehr tief singen. Bist das wirklich du?
Ja, ich singe in einer tieferen Tonlage. Dieser Song entstand in New York, wo wir auch das Bronski-Beat-Album aufgenommen haben. Als wir dort ankamen, waren wir von den vielen Kabel-Programmen mit den endlosen Werbeblocks total erschlagen. Der Schock dieser sehr konsumorientierten Welt floss in den Song, eben "Junk" (Abfall). Aber heute gibt es das auch in Europa.

Ich dachte immer, dabei ginge es auch um Menschen, die man manchmal in der Szene trifft.
Das ist eine sehr gute Interpretation. Ich war immer ein sehr offener schwuler Mann, politisch aktiv und überhaupt froh, schwul zu sein. Aber manchmal, wenn ich aus Gay-Bars nach Hause komme und im Bett liege, denke ich: "Ich hasse alle schwulen Männer. Ich kann sie nicht mehr sehen." Oder ich stehe in einer Bar und schaue mich um: "Nein, das bin nicht ich. Hier finde ich mich nicht wieder. Nichts hat sich in zwanzig Jahren gebessert." Das ist aber ein Lifestyle oder ein Stereotyp. Beim Schwulsein geht aber um deine Identität und wen du liebst.

Hielt die Szene in den Achtzigern mehr zusammen?
Nein, auch schon damals blieb jeder Fetisch oder jede Gruppe lieber für sich. Es gab natürlich weniger Clubs, die Szene war kleiner. So mischte sich das Publikum zwangsläufig mehr.

Und wie siehst du die heutige junge schwule Generation?
Sie erscheint mir sehr eingebildet und "ich"-bezogen. Die Jungs verhalten sich oft respektlos gegenüber Älteren, die nicht mehr so gut aussehen oder sich trendy kleiden. Das macht mich traurig. Aber letztendlich ist das bei den Heteros auch so. Warum sollten ausgerechnet die Schwulen besser sein?

29. Januar 2005



Video: Jimmy Somerville trifft Straßenmusikanten

Nur in Berlin: Ein Musiker stimmt "Smalltown Boy" an, als der ursprüngliche Sänger zufällig mit Hund vorbeikommt und in den Gesang einstimmt.
#1 KlausAnonym
  • 01.02.2005, 16:10h
  • Heißt Comeback nicht im dt. Sinne sowas wie eine "erfolgreiche Wiederkehr"? Wie kann man dann schon von einem Comeback reden, wenn die Single gerade mal erschienen ist? Etwas weniger PR-Gedanke/Sprache täte queer.de ganz gut.
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#2 ChristianAnonym
  • 04.02.2005, 22:44h
  • Hhm... Dachte Comeback hieße Zurück kommen....
    Nun ja... Hauptsache kommen, oder?
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