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Tayyip Erdogan war von 2003 bis 2014 türkischer Ministerpräsident und ist seither Staatspräsident mit großer Machtkonzentration (Bild: governmentza / flickr / by-nd 2.0)

Wer dem türkischen Staatspräsidenten Homosexualität unterstellt, steht mit einem Fuß im Gefängnis.

Ein türkisches Gericht hat die beiden Karikaturisten Bahadir Baruter und Özer Aydogan am Dienstag zu einer Geldstrafe von je 7.000 Lira (rund 2.500 Euro) verurteilt, weil sie Staatspräsident Tayyip Erdogan in einer Zeichnung als homosexuell dargestellt haben sollen.

Wie die Zeitung "Hürriyet" berichtet, sollten die beiden Angeklagten ursprünglich eine Haftstrafe von elf Monaten erhalten. Das wurde aber während der Verhandlung wegen guter Führung in eine Geldstrafe umgewandelt, die als Bewährungsstrafe gilt.

Kritisierte Handgeste


Das beanstandete Titelbild

In dem beanstandeten Bild, das im Sommer als Titelseite des Satiremagazins "Penguen" (Pinguin) veröffentlicht worden war, wird Erdogan nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten von einem Untergebenen begrüßt und beschwert sich darüber, dass ihm zur Ehre keine Journalisten geschlachtet werden. Der Untergebene formt dabei mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis, was in der Türkei als Geste für Homosexuelle genutzt wird.

Die Staatsanwaltschaft hat nach einer Anzeige Ermittlungen wegen Verstoßes gegen Paragraf 299 eingeleitet, nach dem auf die Beleidigung des Staatspräsidenten bis zu vier Jahre Haft verhängt werden können. Anwälte Erdogans verlangten eine Verurteilung der beiden Männer.

Die Karikaturisten und das Satiremagazin beharrten aber darauf, dass sie nicht beabsichtigt hätten, Erdogan als homosexuell darzustellen. Vielmehr sollte die versteckte Geste die Einschränkung der Pressefreiheit symbolisieren. Bahadir Baruter sagte außerdem, es sei problematisch, wenn Homosexualität vor Gericht als eine Beleidigung anerkannt werde.

Türkei geht gegen Regierungskritiker vor

Der zunehmende autoritär regierende türkische Staatspräsident greift derzeit immer mehr gegen Kritiker durch. Haft droht unter anderem dem Model Merve Büyüksarac, einer früheren Miss Turkey, weil sie auf Instagram ein Gedicht veröffentlicht hatte, in dem es um die Bestechungsvorwürfe gegen Erdogan geht. Ein 13-jähriger Junge wurde wegen eines kritischen Facebook-Eintrags ebenfalls von Behörden befragt.

Bereits im Februar wurde die Journalistin Hafize Kazci zu einer Bewährungsstrafe von rund einem Jahr verurteilt, weil sie der Erdogan-Regierung Korruption vorgeworfen hatte. Laut dem Nachrichtensender Al-Dschasira sind in der Türkei derzeit 19 Journalisten wegen ihrer Berichterstattung im Gefängnis, 150 weiteren soll ein Verfahren drohen.

Homosexualität ist in der Türkei zwar schon seit 1858 legal – und damit über ein Jahrhundert länger als in Deutschland. Allerdings werden Schwule und Lesben gesellschaftlich nach wie vor geächtet. Es gibt keine Antidiskriminierungsgesetz und keine Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Die Europäische Union hat wiederholt beklagt, dass es derzeit keine Fortschritte bei LGBT-Rechten gebe (queer.de berichtete).

Auch Erdogan persönlich trug zur Homophobie in seinem Land bei: So behauptete er etwa 2013, dass Homosexualität der islamischen Kultur widerspreche (queer.de berichtete). (dk)



#1 ursus
  • 26.03.2015, 14:04h
  • verstehe ich das richtig? die unterstellung, erdogan habe freude an geschlachteten journalisten, war KEIN problem, aber die homo-geste war eins?
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#2 Sukram71Profil
#3 PelayoProfil
  • 26.03.2015, 16:14hBerlin
  • In einem Land, in dem Homosexualität so verpönt ist wie in der Türkei, ist es nicht anders zu erwarten, als dass der Staatspräsident so reagiert, zumal eine Homosexualtät Erdogans völlig aus der Luft gegriffen ist. Mit einer toleranteren Reaktion würde er sich dem Gespött der Bevölkerung aussetzen.
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#4 TheDadProfil
  • 26.03.2015, 17:00hHannover
  • Antwort auf #3 von Pelayo
  • ""Mit einer toleranteren Reaktion würde er sich dem Gespött der Bevölkerung aussetzen.""..

    Absoluter Blödsinn !

    Mit einer "toleranten" Reaktion würde der Staatspräsident seinen eigenen Humor "beweisen" und außerdem klar stellen das er sich noch auf dem Boden der immer schwächer werdenden Demokratie in der Türkei befindet !

    Denn es ist völlig egal ob Erdogan "Homosexuell" ist, oder nicht, die Karikatur ist eine Satire, und diese dient dazu um auf Missstände hinzuweisen..
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#5 lucdfProfil
  • 26.03.2015, 18:18hköln
  • Antwort auf #1 von ursus
  • Ist homosexuell oder heterosexuell eine Beleidigung? Eigenartige Welt in der wir leben. "Du Hetero du" werde ich meinem Nachbarn schreien, wenn er schon wieder mit seiner zu lauten türkischen Musik nervt. Mal sehen , ob er mich verklagt.....
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#6 ursus
#7 Patroklos
  • 26.03.2015, 19:41h
  • Herr Erdogan macht seinem Ruf als totalitärer und geistig entrückter Herrscher alle Ehre! Diesem Typ muß endlich Einhalt geboten werden!
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#8 Die_ErdeAnonym
  • 27.03.2015, 10:05h

  • Und dieses Land wollte in die EU!

    Never!!!

    Zum Glück zeigen sie noch rechtzeitig ihr wahres Gesicht.
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#9 TheDadProfil
  • 27.03.2015, 15:57hHannover
  • Antwort auf #8 von Die_Erde
  • ""Und dieses Land wollte in die EU!""..

    Ja..
    Das LAND !

    Weder Erdogan als Staatspräsident NOCH die Regierung sind "das Land" !

    Deshalb ist es mehr als nur dümmlich hier ein ""Never!!!"" zu postulieren !
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#10 Ichund erAnonym